Übersetzung meiner englischen Version ins Deutsche: Silvia Schneider, Bern, Schweiz, 21.02.2026

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Der Sommer war warm und sonnig. Der kleine Mitya lebte mit seinen Eltern in ihrem Sommerhaus. Eines heissen Abends begann ein fröhlicher Sommerregen zu fallen. Als der Regen beinahe zu Ende war, schaute Mitya nach Draussen. Alles war ruhig und still. Er lief durch den Garten und auf einmal sah er einen Regenbogen, welcher sich über dem Feld wölbte. Wie wunderschön er war! Mitya bestaunte stehend dieses Wunder. Aber die Farben des Regenbogens verblassten nach und nach bis sie vollständig verschwunden waren. «Wohin ist er gegangen?»

Mitya wunderte sich laut. «Vielleicht kann ich ihn nur nicht von unserem Garten aus sehen?» Er lief durch das Gartentor hinaus und ging in Richtung des Feldes, wo der Regenbogen gerade noch geschimmert hatte. Aber auch von da aus konnte er ihn nicht sehen. So trat er selbst ins offene Feld. Und dort war der Regenbogen weg. Stattdessen sah er ein wunderschönes Mädchen mit langem blondem Haar, bekleidet mit einem fliessenden scharlachrotem Umhang. Das Mädchen schaute zu Mitya und lächelte. Dann rief sie ihn. Der Knabe näherte sich ihr ohne eine Spur von Furcht.

«Wer bist Du?» fragte Mitya.

«Ich bin die zauberhafte Fee», antwortete das Mädchen.

«Bist du eine Zauberin?»

«Du kannst es so sagen.»

«Wirklich?»

«Gewiss. Glaubst Du mir, Mitya?»

«Ja, ich glaube Dir. Und wie weisst Du meinen Namen?»

«Weil ich eine Zauberin bin… Eine Fee.»

«Und weisst Du alles über die Welt?»

«Ja, dies tue ich.»

Mitya winkte mit seiner Hand um sich herum.

«Und hier, gerade vorhin, war ein Regenbogen. Wohin ist er gegangen?»

«Ein Regenbogen bleibt nicht für immer bestehen. Er erscheint wenn ihn jemand einer anderen Person schenkt,» - erklärte die Fee.

«Wirklich? Also wird er wieder erscheinen, wenn ich ihn jemand Anderen geben will?»

«Gewiss. Schau, wenn es regnet und die Sonne sich hinter den Wolken versteckt, wird alles ringsherum klarer. Der Regen endet, und die Sonne guckt hervor, leuchtend auf die klare, helle Erde. In diesem Moment kann ein Regenbogen erscheinen.»

«Und ich kann ihn jemand Anderem schenken?»

Die Fee lächelte und nahm Mityas Hand. «Es ist nicht bloss dies allein. Es gibt eine zweite Bedingung, um einen Regenbogen jemand Anderem schenken zu können. Weisst du, was dies ist?»

«Was ist es?» Mitya fragte sie vertrauensvoll anblickend.

«Um einen Regenbogen verschenken zu können, ist es wesentlich diese Person sehr zu lieben. Wen liebst du am meisten?»

«Mutter», Mitya antwortete ohne zu Zögern. «Sie ist die beste und wunderbarste Person, die ich kenne.»

«Dann, wenn der Regen geendet hat und die Sonne herauskommt, denke an deine Mutter. Bewege deine rechte Hand von deiner linken Schulter aus in Richtung Himmel. Wenn eine Person wahrhaftig die Andere liebt, wird ein Regenbogen erscheinen. Und du kannst ihn ihr schenken.»

Genau in diesem Moment begann es erneut zu regnen.

Mitya`s Mutter kam heraus ins Feld hinein. «Mitya, wohin bist du gegangen? Warum bist du in das Feld gelaufen? Ich war geängstigt wegen dir», rief sie weich.

Mitya schaute nach hinten, aber die Fee war verschwunden.

«Mutter! Mutter! Komm hierher!» rief er.

Seine Mutter eilte zu ihm. Mitya wendete sich mit leuchtenden Augen zu ihr.

«Mutter, möchtest du, dass ich dir einen Regenbogen schenke?»

«Ist dies gleich möglich?» fragte sie verwundert.

«Durchaus. Die bezaubernde Fee erzählte es mir so.»

Der Regen endete und die Sonne guckte hinter einer Wolke hervor.

«Mutter! ich liebe dich so fest! Ich schenke dir einen Regenbogen!»

Mitya machte eine magische Geste mit seiner rechten Hand, ausgehend von seiner linken Schulter. Schwache Farben erschienen am Himmel – rot, orange, gelb, grün, blau, indigo, violett. Mit jedem Moment wurden sie heller und heller. Ein riesiger Regenbogen spannte sich über dem Himmel auf.

«Schau, Mutter ! Ein Regenbogen! Ich schenke ihn dir!»

«Danke dir, mein lieber Mitya. Du bist ein wahrhaftiger Zauberer!»

Irgendwo in der Nähe guckte die Fee zu und lächelte. Mitya sah sie, aber seine Mutter sah sie nicht. Er winkte ihr und die Fee winkte zurück.

Mitya lernte für immer, dass wenn man jemanden wirklich liebt, selbst ein Regenbogen im Himmel erscheinen kann…

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