TAGEBUCH VOM 17. FEBRUAR 1812. BIS ENDE MÄRZ 1814.

Februar 1812.

17. Marsch von Riedlingen über Zwiefalten nach Oedenwaldstetten. Regiments-Stab in Ehingen. Escadrons-Staab{370} in Eichenlau.

18. durch Urach nach Dettingen. Regiments]-S[tab] Urach.

19. Nach Bernhausen. R[egiments]-S[tab] Plieningen.

20. In Stuttgart am Kronprinzen vorbeydefilirt{371}, an Ludwigsburg vorbey nach Egolsheim. Regiments]-S[tab] Stammheim.

21. Revue{372} in und bey Ludwigsburg vor dem General-Lieutenant von Dillen{373} und dem König{374}.

22. Rasttag. (Vom Cameral-Verwalter Vossler{375} in Stammheim ein Pferd für 30. Louisd'or{376} gekauft.)

23. durch Bietigheim und Bönnigheim nach Meimsheim. R[egiments]- S[tab] Bönnigheim.

Quartier bey Metzger und Weinschenk Geck.

24. Nach OberEisesheim bey Heilbronn. Regiments]-S[tab] Frankenbach. Esc[adrons]-St[ab] Biberach.

In OberEisesheim und UnterEisesheim Cantonnement8 bis zum 10. März.

26. Revüe bey Heilbronn vor dem Kronprinzen.{377}

März 1812.

2. desgleichen bey OberEisesheim vor dem General v[on] Breuning{378}.

// S. All

3. Special-Revüe vor dem General-Lieutenant v[on] Dillen, und General- Revüe vor dem König, beyde bey Heilbronn.

Unter dem Ober-Commando des Kronprinzen abmarschirt.

11. durch Heilbronn, NeckarSulm und Neustadt an der grosen Linde nach Brettach. R[egiments]-S[tab] Neustadt.

12. durch Oehringen nach Unter-Söllbach. Regiments]-S[tab] Oehringen . Esc[adrons]-St[ab] Michelbach.

Vetter Carl Ruoff.

13. durch Neuenstein, Künzelsau und Ingelfingen nach Griesbach. Regiments]-S[tab] Ingelfingen. Esc[adrons]-St[ab] Niedernhall.

14. durch Ingelfingen wieder zurück nach Elpersheim an der Tauber. R[egiments]-S[tab] Markelsheim (letztes Quartier in Württemberg.)

15. durch Weikersheim über die Tauber, durch Röttingen. (Würzburgisch{379}). Nach Achholzhausen. R[egiments]-S[tab] Königshofen. Esc[adrons]-St[ab] Gibelstadt.

Quartier beym Pfarrer. Unverständlicher Dialect der Landleute dieser Gegend{380}.

16. Rasttag.

17. durch Ochsenfurt und Marktbreit an Maynbernheim vorbey nach Fröhstockheim. R[egiments]-S[tab] Kizingen. Esc[adrons]-St[ab] Röthelsee. (Quartier im Schloß des Herrn v[on] Krailsheim. Quartier beym Amtmann des Herrn v[on] Krailsheim. Ochsenfurt artiges Städtchen.)

// S. 5//

18. durch Schwarzach an Volkach vorbey nach Ober-Volkach. R[egiments] -S[tab] Zeilizheim.

Quartier beÿm Schulzen.

19. Nach Marienburghausen beÿ Haßfurt. Regiments]-S[tab] Wohnfurt. Esc[adrons]-St[ab] Heinead{381}.

(Quartier beÿm Amtsschreiber Geisse.)

Alte Gräber in der Klosterskirche.

20. Rasttag.

21. Am Maÿn aufwärts durch Eltmann über den Maÿn durch Zeil nach Goßmannsdorf. Regiments]-S[tab] Hofheim.

(Schönes Maÿnthal von Ochsenfurt bis Eltmann.

Letztes Quartier im Würzburgschen.)

22. durch Hildburghausen nach Schleusingen in Thüringen (Königl[ich] Sächsisch.) — Anhaltender Regen. Rauhe Gegend beÿ Schleusingen. Quartier beÿ einem Beamten. Theater.

23. durch Frauenwalde (der höchste Ort auf dieser Route im Thüringer Wald) über den Thüringer Wald durch Ilmenau (Weimarisch{382}) nach Martinroda. R[egiments]-S[tab] Langenwiesen. E[scadrons]-St[ab] Elgersburg. Glatteis. Schlechte Wege über die hohen Gebürge. Umweg von 3. Stunden. Gutes Quartier. Viele zerstörte Ritterburgen in der Gegend v[on] Ilmenau. Ilmenau ein schönes Städtchen. —

// S. 6//

Auf dem Gebürge Aussicht auf die Burg Gleichen.

24. durch Ilmenau zurück und Königssee (Schwarzburg Rudolstadt){383} nach Obernheim. R[egiments]-S[tab] Allendorf.

Gutes Quartier beÿ einem Landfuhrmann. Viele Schiefergruben.

25. An Schwarzburg (dem Stammschloß der Fürsten dieses Namens, in einem Thaïe an der Schwarzach gelegen.) vorbeÿ durch Rudolstadt nach Cumbach. R[egiments]-S[tab] Kirchhasel.

Gutes Quartier. Erster sächsischer Punsch. Schöne Lage von Rudolstadt, artiges Städtchen. Orangerie in Cumbach.

26. Rasttag.

27. durch Rudolstadt zurück an Orlamünde (Königreich] Sachsen), vorbeÿ, durch Kala, an Schloß Leuchtenburg (auf einem hohen kegelförmigen Berge) vorbeÿ nach OberGneuß. R[egiments]-S[tab] Unterboliz. E[scadrons]-St[ab] UnterGneuß. (Schönes Saalethal.) Sehr schlechtes Quartier. Fahrt auf einem Ochsenwagen nach UnterGneuß und zurück.

28. durch Roda, Eisenberg und Krossen nach Hartmansdorf. Regiments-] u[nd] E[scadrons]-St[ab] Krossen.

Schlechte Witterung.

(Schlechte Wege. Quartier bey Herrn v[on] Bakoff.)

29. durch Krossen zurück, durch Zeiz nach Unterschwedniz. R[egi- ments]-S[tab] Draschwiz. E[scadrons]-St[ab] Zangberg. (Gutes Quartier.)

// S. 7//

30. Nach Tehsau. R[egiments]-S[tab] Eutra. E[scadrons]-St[ab] Kizen. Frühstück in dem Schlosse des Grafen v[on] der Schulenburg in Zang

berg.

Gutes Quartier. Wachtmeister Beck säubert sein Quartier von Franzosen.

31. Nach Windorf und Großzschocher. Regiments]-S[tab] Lindenauendorf. E[scadrons]-St[ab] Großzschocher bey Leipzig.

Marsch in Parade. Quartiermachen in Großzschocher. Quartier im Brauhaus.

April 1812.

1. Rasttag.

Angenehmer Nachmittag. Lustiger Abend. Meine Verwunderung bey meiner Nachhauskunft.

2. nach Knauthaye. Regiments]-S[tab] Schönau. E[scadrons]-St[ab] Großzschocher. (Cantonnement bis zum 6. April. Quartier im schönen Schloß des reichen Grafen v[on] Hohenthal.{384} Seine schöne Bibliothek. Rhein— und Burgunder Wein.)

den 4ten Revue in Leipzig vor dem Kronprinzen.

Porzellan. Magazin{385}. Die Pleißenburg{386}.

Förster Nischt.

// S. 8//

7. Durch Leipzig (schöne grose Stadt.) und Taucha nach Zschedtga. R[egiments]-S[tab] Wedelwiz. E[scadrons]-St[ab] Rödgen.

Schlechtes Quartier.

8. durch Eulenburg nach Roizsch. R[egiments-] u[nd] E[scadrons]-St[ab] Großwig. Quartier im Schloß des Herrn v[on] Ende. Der Bratenprozeß.

9. Am Schlachtfeld von Torgau{387} vorbey durch die Festung Torgau über die Elbe nach Luckau. R[egiments]-St[ab] Neideck.

Schlechte Witterung. Mittelmäsiges Quartier.

10. durch Herzberg nach Frankenhayn. R[egiments]-S[tab] Stechau. Herzberg artiges Städtchen. Schlechtes Quartier.

11. Nach Beesdau. R[egiments]-St[ab] Börnsdorf. Von heute an auf Napoleons Befehl vom Württembergischen Corps getrennt, bey der Brigade des Generals Ornano{388}, Division des Generals Watier de S[ain]t Alphonse{389}. (Kadet v[on] Cartaus.) Gutes Quartier im Schloß.

12. durch Lübben (artiges Städtchen){390} nach Dörrenhof. R[egiments-] u[nd] E[scadrons]-St[ab] Schiepzig.

Wendische Sprache. Letztes Quartier in Sachsen, wo im Durchschnitt alle gut waren.

13. durch Kossenblatt (brandenburgische Grenze) nach Beeskow.

Quartier beim Pfarrer.

14. durch Müllrose, wo wir am KronPrinzen von Württemberg vorbeydefilirten, nach Frankfurt a[n] d[er] Oder. (Schöne Stadt)

// S. 9//

15. Rasttag. Vergnügter Abend. Theure Rache an den Meubles{391} wegen der Ungefälligkeit des Hauswirths.

16. Vor dem Abmarsch Revüe vor dem General Ornano. Ueber die Oder auf der Strasse nach Posen am Schlachtfeld von Kunersdorf{392} vorbey nach Storkow. R[egiments]-St[ab] Drossen. Gutes Quartier. Letzter Punsch.

17. durch Drossen nach Langenfeld und Neumühle. R[egiments]-St[ab] Zilenzig. (letztes Quartier im Brandenburgischen.) Gutes Quartier.

18. durch Zilenzig und Czermeissel. (Polnische Grenze) nach Kloster Paradies. (Benedikt[iner]). R[egiments]-St[ab] Meseriz. E[scadrons]-St[ab] Altenhoff. (Polnischer Wein)

Paradies — schönes Kloster. Gutes Quartier. Unterschied zwischen Brandenburg und Polen.

19. Nach Löwin. R[egiments]-St[ab] Petcze. E[scadrons]-St[ab] Szillin. (Polnische Schweinerey. Sehr schlechtes Quartier)

20. durch Pinne nach Chelmo. R[egiments]-St[ab] Pinne. (Quartier im Schloß des Grafen Stanicki)

21. Nach Malosendzinko. R[egiments]-St[ab] Buke. E[scadrons]-St[ab] Wielkisendzinko. (Abends im Schloß des Grafen Prujimski. Seine Unterhal

tung mit dem Oberst v[on] M[ilkau]{393}. Polnischer Adelstolz. Schöne Tochter des Grafen. Der Kosakentanz. Polnisches Nachtessen.

// S. 10//

Schlechtes Quartier.

22. An Posen vorbey nach Loban. R[egiments]-St[ab] Posen. E[scad- rons]-St[ab] Demsen. Windmühlen bey Posen. Die Dörfer bey Posen herum sind gröstentheils von deutschen Kolonisten angelegt und bewohnt. Nur wenige reden die Landessprache, und überhaupt unterscheiden sie sich von den Pohlen sehr zu ihrem Vortheil, sind aber deswegen von denselben gehaßt.

23. Rasttag.

24. durch Posen. (Pohle: Posnania, schöne beträchtliche Stadt) über die Warthe durch Pudewiz (Pohle: Pobiedziska) nach Panskiaklinka. R[egiments]-St[ab] Pudewiz. E[scadrons]-St[ab] Koszalkowikorki.

Schlechtes Quartier. Abends Wasserfahrt.

25. durch Gnesen. (Pohle: Gniesna — Sitz eines Erzbischoffs. — Groser Pferdemarkt. —) nach Czecznigrolewski{394}. R[egiments]-St[ab] u. E[scadrons]- St[ab] Gnesen. Gutes Quartier im Schlosse bey einem Grafen. Seine und des Pfarrers Extase bey der Schilderung Württembergs.

26. durch Trczmezno, Wilatawo und Kwiesziscevo nach Gora. Regiments]-St[ab] Kwiesziscevo. E[scadrons]-St[ab] Szarnotul. l.ter und 2.ter Zug Kornowa. (Armuth des Edelmanns in Kornowa und groser Luxus seiner Töchter, die Fenster mit Papier verpappt. 1. Federbett für das Ehepaar, Strohsäcke die Betten der Fräulein Töchter. 1. zerbrochenes Glas für die ganze Familie. Die Töchter in Seide gekleidet, 1. Kammer-Jungfer zu ihrer Bedienung)

// S. 11//

Schlechtes Quartier bey Deutschen. Nachmittags Besuch in Kornowa.

27. durch Strzelno und Kruszwica nach Puewko. R[egiments]-St[ab] Radczejew. E[scadrons]-St[ab] Bronijewo.

Schlechte Witterung. Mäuseturm in Winowraclaw. Schlechtes Quartier.

28. durch Radczejew und Dobrczin nach Brzeac{395}. R[egiments]-St[ab] Wraclawek. (viele Württemberger in Radczejew.)

Kirschengeist{396} {397} beym Oberpräfecten in Radczejew. Frühstück in der Post. Gutes Quartier bey einem Beamten.

29. Rasttag (In Brzesc in der umliegenden Gegend ist der Weichselzopf29 sehr häufig)

der Podpräfect{398}. Patriotismus des Beamten. Seine Artigkeit. Zuchthaus in Brzesc.

30. durch Wraclawek über die Weichsel, wo wir in grosen Böten{399} zu 70. bis 80. Pferden übergeschifft wurden, nach Maliczewo. R[egiments]-St[ab] Lipno. E[scadrons]-St[ab] Ostrawita. (Unbegreifliche Dummheit des Unter-Officiers Sturm, der die Avantgarde führte. Das erste Dorf auf dem rechten Ufer der Weichsel gewährte durch seine deutsche Bauart, Reinlichkeit, und seinen Anschein von Wohlhabenheit einen überraschenden Eindruck. Gutes Quartier bey einem Edelmann.)

// S. 12//

May 1812.

1. durch Lipno und Skompe nach Meskin. R[egiments]-St[ab] Sierps. E[scadrons]-St[ab] Milowenczin. (In Lipno sind die meisten Straßen mit Brettern belegt. Hang der Pohlen zum Stehlen. Grenzenlose Unreinlichkeit. Gefährliche Wasserfahrt. Schlechtes Quartier bey einem Jäger. Hartnäckigkeit seiner Frau, das Gestohlene zu verläugnen)

2. durch Sierps nach Luszi, ein Dorf von lauter Edelleuten bewohnt. R[egiments]-St[ab] Srzensk. E[scadrons]-St[ab] Slawkowo. (Spizbüberey{400} eines Juden.) Fourage Requisition{401}. Seit 14 Tagen meistens bey Bauren einquartiert, in Einer Stube mit dem Bauren, seinem Federvieh, seinem Hornvieh, seinen Schaafen, seinen Schweinen.

3. durch Srzensk (letztes polnisches Städtchen) und Illowo oder Jilienburg mit einem Schloß (erstes ostpreussisches Ort{402}) wieder ins Pohlnische zurück, über Mittag im Schloß einer polnischen Gräfin. Abends nach Burz. R[egiments]-St[ab] Illowo. E[scadrons]-St[ab] Rigoczin.

4. Nach Schiman. R[egiments]-St[ab] Neidenburg. E[scadrons]-St[ab] Saberow. l.ter und 3.ter Zug Pilgramsdorf. Quartier in der Mühle.{403}

5. Rasttag (Verunglückte Wasserfahrt.)

6. durch Neidenburg nach Naraithen. R[egiments]-St[ab] Passenheim. E[scadrons]-St[ab] Scheffelsdorf. l.ter Zug Waplitz 3.ter Zug Schützendorf.

Standquartier{404} bis zum 9.ten, den 7.ten Nachmitt[ag] in Waplitz.

8. Nachmitt[ag] in Schützendorf und Passenheim.

10. Nach Pataunen. R[egiments]-St[ab] Wartenburg. E[scadrons]-St[ab] Großburden. l.ter und 3.ter Zug Mokdähnen.

// S. 13//

Standquartier bis zum 22.ten

(Quartier beym Gutsbesitzer Freytag. Seine artige Frau und Tochter. Langweiliger Ball in Wartemburg [sic!]. Abschied in Pattaunen.

23. durch Wartenburg und Rössel nach Rabawen. R[egiments]- und E[scadrons]-St[ab] Rössel, (ein artiges Städtchen.)

In der Gegend von Rössel, Rastenburg und Angerburg bezog das Regiment neue Standquartiere, wo es bis zum 9. Juny liegen blieb. Ich wurde mit einem Commando zu Unterhaltung der Communication mit den Vorposten nach Goldap detaschirt{405}, und marschirte den

24. an dem schönen und grosen Kloster, die heilige Linde, vorbey nach Rastenburg. Angenehmer Abend.

25. durch Angerburg nach Popiollen.

26. Nach Goldap, wo ich den preussischen HusarenLieutnant v[on] Teschen ablöste, und mit meiner Mannschaft die Relais-Stationen{406} Kowalen und Magunitschken besetzte. (Visiten bey den Edelleuten. Groser Wolfszwinger zwischen Popiollen und Goldap.)

(Gutes Quartier beym Amtmann Reuter von Waldaukadel. Der Justizrath, Vorsteher der Stadt. General v[on] Brittwiz. Der Stallmeister Lieutenant Heiduk

//S. 14//

Lieutenant v[on] Dunker vom Brandenburgischen Uhlanen-Regiment. Lieutenant Behrens vom l.ten schwarzen Husaren-Regiment. Kaufmann Leo, Pferdshandel.

Juny 1812.

3. Abends bekam ich den Befehl, meine Detachements einzuziehen, und nach Olezko in das Hauptquartier unsers neuen Brigade-Generals Subervic{407} zu marschiren.

4. Nach Olezko. (Markgrabowa.) (Standquartier bis zum 10. des Monats. Rittmeister Lynar und Lieutenant Kosel von einem preussischen Dragoner- Regiment. Pferdshandel.{408}

7. brach das Regiment aus seinen Standquartieren auf, u[nd] den

11. stieß ich in Kowalken{409} zu demselben. R[egiments]-St[ab] Grabowen. E[scadrons]-St[ab] Altenbude.

12. an Goldap vorbey nach Taschiten. R[egiments]-St[ab] Pillupönen. E[scadrons]-St[ab] Wenslowischken (Lebensmittel und Fourage Requsitionen)

13. Rasttag. Letzter Tag in Ostpreussen.

14. durch Wirballen nach Wilkowiski (Herzogthum Warschau.) Regiments]-St[ab] Wirballen. (Standquartier bis zum 17. Quartier bey dem Pfarrer, und der Frau v[on] Babecki. Der alte{410}

//S. 15//

polnische Graf in der Nationaltracht. Schöner Garten des Doktors. Der Oberförster. I[iuris]C[con]s[ul]tus komische Luft- und Wasserparthie. Lebensmittel-Requisitionen.)

18. nach Altamarin. R[egiments]-St[ab] Gisze. Nachmittags durch Ludwinoewen nach Wittgerellen. E[scadrons]-St[ab] Michnoewen. (Nacht- Marsch.)

19. nach Mesiodraki. R[egiments]-St[ab] Iglowko. E[scadrons]-St[ab] Sziwawodi.

20. nach Strzloe unweit Prenn. R[egiments]-St[ab] Linzo. l.ter und 3.ter Zug Iwanowa, (die ersten Piquets{411})

21. Rückwärts bis Mariampol. Revüe vor dem Divisions-General Montbrun{412}. (Brigade: 10tes polnisches Husaren-Regiment, Preussisches Uhlanen- Regiment. Württembergisches Jäger-Regiment Herzog Louis.{413}) Prächtige Haltung einiger französischer Kürassier-Divisionen{414}. Anstrengender Marsch von ungefähr 20. Stunden. Erster Bivouacq{415}.

22. und 23. wieder vorwärts bis auf 1/2. Stunde vom Niemen, eine Stunde oberhalb Kowno einen Bivouacq bezogen. Truppenmenge, durch die wir uns diese Tage durchwinden mußten; Mittags den 23. kam ein unabsehbarer Zug Pontons{416} an. Abends wurde eine Brücke über den Niemen geschlagen. In der Nacht vom 23. auf den 24.ten noch 2. andere.

24. Uebergang der Armee über den Niemen.

//S. 16//

(Heute wurde ich Ordonnanz-Officier{417} beym General Montbrun.) Marsch vorwärts auf der Strasse nach Wilna, (der Aide-de-Camp{418})

25. Bis in die Gegend von Zismory. (Abends wurde ich zum König von Neapel51 verschickt.)

26. Marsch. (Von meinem Posten als Ordonnanz-Officier dankte ich ab.) Plänkeln{419}.

27. Rasttag.

28. Marsch bis Troki. (Bagage{420}Commando.)

29. Marsch. Revüe bey Wilna vor dem König von Neapel. Uebergang über die Wilia. (Bagage Commando bis 1. Stunde vor Wilna. (Schreckliches Regenwetter.)

30. Marsch-Plänkeleyen. (Mit meiner Bagage bis Wilna. Schöne grose Stadt, die Hauptstadt Litthauens{421}.)

July 1812.

1. Marsch vorwärts auf einer kleinen Strasse gegen die Düna. Attaque{422} der Franzosen. (Mit meiner Bagage über die Wilia und 3. Stunden vorwärts marschiert.)

2. Marsch.

3. Bis Swinsiani.

//S. 17//

4. Ruhetag. Abends Plänkeleyen. (Nachts beym Regiment eingerückt.)

5. Marsch. Plänkeln. Nachmittags ein Gefecht bey Daugeliski. (Oberst Lieutenant Prinz von Hohenlohe{423} gefangen. Lieutenant v[on] Weis{424} blessirt{425}. 18. Blessirte. Abends patrouillirt{426}. — Viele pohlnische Deserteurs.)

6. Ruhetag. (Piquet.)

7. Marsch bis Widzi. Grose Beute der polnischen Husaren.){427}

8. Ruhetag wegen einer abgebrannten und schwer wieder herzustellenden Brücke (Mit Rittmeister Reinhart{428} bis Obsa patrouillirt{429}.)

9. bey Obsa.

10. bey Braslaw bivouacquirt.

11. Ruhetag. (Pferdshandel.)

12. u[nd] 13. Marsch gegen Druja.

14. Ruhetag.

15. Rechts nach Ikassna.

16. gegen die Düna zu, und ebenso den

17.ten Vom 18. bis zum 20.ten Demonstrationen an der Düna auf und ab.{430} {431} {432}

21. bey Diessna an der Düna einen Bivouacq bezogen. Fürchterliches Regenwetter.

22. bey Diessna durch die Düna geschwommen, und Marsch auf der Straße gegen Pollock zu.

//S. 18//

23. Bivouacq bey Pollock.

24. durch Pollock gegen Witepsk zu. (Pollock, artige Stadt.) Der Lieutenant vom St. Petersburgschen Grenadier- und der Juncker vom Astrachanschen Kürassier-Regiment. Beute zweyer französischer Generale und des Obersten Ominsky vom 10.ten polnischen Husaren Regiment.) Abends geplänkelt.

25. Marsch. (Plänkeln der bayrischen Chevauxlegers64 mit den Kosaken.)

25. Marsch. (Lieutenant v[on] Schütz65 todt.) (Bagage Commando.

Schwarzscheck.)

27. Bivouacq, eine Stunde vor Witepsk. Plänkeleyen.

den 26. und 27. Schlacht bey Witepsk.

28. An der Düna zway Stunden abwärts marschirt, dann durchgeschwommen, über das Schlachtfeld bey Witepsk{433}, durch den Obol, durch Witepsk (Residenzstadt des Herzogs Alexander von Württemberg, Gouverneurs von Weiß-Rußland{434}) auf der kleinen Strasse vorwärts gegen Smolensk.

29. Marsch bis Liozna, und Bivouacq. (Groses Brantweinmagazin.)

30. Ruhetag. Recognoscirung{435}.

31. Marsch bis Rudnia.

//S. 19//

August 1812.

1. Marsch der Division Sebastiani{436} bis Inkowo. Bivouacq in der Gegend von Inkowo bis zum 7. des Monats.

3. Recognoscirung des Generals Subervic.

5. Ankunft der — aus einem Kosakenmagazin weggenommenen Lebensmittel. (die Gustel von Blasewig. (Piquet.){437}

6. Allarm. Nachmittags 1. Stunde weit bis Lendzi gegen Rudnia hin zurückmarschirt.

7. Plänkeleyen. (Ankunft des Auditors{438} mit dem Depot{439}.)

8. Gefecht bey Lendzi.{440} (Gefangen wurden Oberst Graf v[on] Waldburg{441} und Adjutant Batz{442}. Bessirt Lieutenant v[on] Hornstein{443}. 6. Todte. 20. Blessirte. 8. Vermißte.) Rückzug bis Rudnia zum Haupt-Corps des Generals Montbrun.

Bivouacq bey Rudnia bis zum 13. dieses Monats.

(13. Mit der Brigade-Bagage bis Liozna zurückmarschirt.)

14. Marsch bis Livavicze. (Mit der Bagage ebendahin.)

15. Marsch bis Daruszimenski am Beresin. (Neuer Divisions-General Pajol{444}.)

//S. 20//

16. Rückwärts bis Polemai.

17. Am Beresin 6. Stunden aufwärts marschirt bis Posino.

18. wieder zurück bis Polemai.

19. Ruhetag.

20. Vorwärts bis Posino.

21. bis Katina.

In den letzten Tagen

die Schlacht bey Smolensk und im heiligen Thal78.

Andern Marschbefehl erhalten, und die Straße nach Inkowo eingeschlagen.

22. bis Inkowo.

23. über den Wahlplatz{445} bey Lendzi bis Liosna.

24. bis Babinowiczi.

25. bis Usjanikowa.

26. Vorwärts auf der Straße nach Smolensk.

27. bis Parezia. (Grose ganz hölzerne Stadt.)

28. Marsch auf der Straße nach Moskwa.

29. Marsch.

30. bis Karpiszi.

31. bis Dorogobuz, grose Stadt mit vielen Kirchen und Klöstern, am Dniepr.

//S. 21//

September 1812.

Auf der grosen Straße nach Moskwa der grosen Armee in forcirten{446} {447} Tagmärschen nachgerückt, den

3. durch Wiazma, grose Stadt.

5. durch Gziat, grose, schöne Stadt.

6. zur grosen Armee gestossen.

7. Schlacht bei Mosaisk81. (todt Lieutenant Brongniart{448}. Blessirt Oberst v[on] Milkau. Ober-Lieutenant v[on] Mengen{449}. Lieutenant v[on] Tungern{450} {451}. Lieutenant Vossler. Lieutenant Blattmacher85.), den

8. ten kam ich in den Spital in Elnia; einem Dorfe, 1/2. Stunde vom Schlachtfeld, und 4. Stunden von Mosaisk entfernt. Hier blieb der Spital bis zum 15. des Monats. Am

16.ten wurde er 1. Stunde weiter von der Strasse ab, nach Selso Karaszin verlegt, wo er bis zum 4.ten October blieb.

14. Einzug der Franzosen in Moskwa.

(Ärmliche Verpflegung der Blessirten im Spital. Selso Karaszin dem H[errn] v[on] Osorof gehörig. Ober-Lieutenant Harpprecht{452}. Mein Stubengenosse OberLieutenant v[on] Suckow{453}. Spital-Commandant //S. 22//

Oberst v[on] Dernbach{454}, sein Adjutant Hauptmann Ringler{455}. Auditor Blum{456}. Spital-Oberarzt Hoelderlin{457}.

October 1812.

5. Abends wurde der Spital durch die Nähe eines Haufens Bauern- Kosaken allarmirt. Abzug des Spitals nach Elnia.

6. Meine Verschickung in ein Dorf, (auf der entgegengesetzten Seite des Schlachtfeldes), wo vorher das Cheveauxlegers-Depot stand.

7. Wurde als Quartiermacher{458} nach Gsziat zurückgeschickt, um für die Schwerblessirten, die mir nachfolgten, eine Unterkunft zu suchen. Ich kam aber nur bis halbwegs in ein Dorf.{459}

8. nach Gsziat. (den Weis und Hornstein da angetroffen.) Hier blieb mein Bedienter, und marschirte nachher mit dem Spital des Hauptmanns Koseriz{460} bis an die Beresina zurück.

9. Mit dem MarschBataillon des Obersten v[on] Cornotte{461} auf der Straße nach Moskwa wieder vorwärts marschirt.

10. nach Mosaisk.

//S. 23//

11. Ruhetag. Uebergabe des Spital-Commando's an den Hauptmann Ringler. Von heute an bin ich als commandirt beym Spital. Mein Verdruß darüber.

12. Marsch auf der Strasse nach Moskwa, und Bivouacq bey einer grosen Kirche unweit der Heerstraße, 2. Stunden von Mosaisk.

den Marsch nach Moskwa fortgesetzt, und den

16.ten Abends in Perkuszowo, einem Städtchen 6. Stunden von Moskwa, angekommen. Hier kam der Befehl an, wieder zurück zu marschiren, und den Spital in Wiazma oder Smolensk zu etabliren{462}.

17. Ruhetag.

18. Abmarschirt, und den

21. in Mosaisk angekommen, (den 21.ten in der Frühe von den BauernKosacken{463} allarmirt.) Oberst v[on] Cornotte übernimmt das Spital- Commando.

22. 4. Stunden weit marschirt und bevouacquirt.

23. Ueber das Schlachtfeld bis zu dem am Schlachfeld gelegenen grosen Kloster. Attaque der Bauern auf dasselbe. Meine gefahrvolle Arrieregarde{464}.

24. Marsch. Kühnheit der russischen Bauern.

//S. 24//

25. Marsch, den ganzen Tag von den russischen Bauern verfolgt.

26. nach Gsziat. und bey der Stadt bivouacquirt.

27. Rasttag.

Vom 28. bis 31. marschirt, und am lezten Tage in Wiazma angekommen. (Grausamkeit der Bauern-Kosaken. Ermordung französischer Adjutanten{465}.)

November 1812.

Den l.ten abmarschirt, den 3.ten in Semlewo, und den 5.ten in Dorogobuz angekommen; zwischen Semlewo und Dorogobuz kamen die ersten Flüchtlinge der Armee{466} zu uns, und benachrichtigten uns von der grosen allgemeinen Deroute{467} {468}. Noch am 5.ten verließen wir Dorogobuz wieder, gingen gegen Smolensk zurück, wo wir am 9.ten ankamen.

(7.ter Tessin102 t)

Die Witterung war bis zum 7.ten anhaltend heiter, wiewohl etwas rauh. Am 8.ten wehte ein ausserordentlicher Wind mit Schneegestöber, und von{469} starkem Frost begleitet, der so schnell zunahm, daß schon am 9.ten

//S. 25//

die Kälte beynahe unerträglich war.

Vom 9.ten bis zum 12.ten war ich in Smolensk, wo gerade zu der Zeit die Kälte am geringsten war.{470} (Ankunft der weiteren Offiziers vom Regiment, das seit dem 18. Oct[o]b[e]r völlig aufgelöst war{471}. Wogen und Drängen der französischen Armee. Meine Gefälligkeit gegen Gg.{472} Mein Entzücken bey einer ordentlichen Mahlzeit. Verlust meiner Pferde wegen Mangels an Fourage und Obdach.)

13. Auf der Straße nach Minsk abmarschirt, und den

15. in Krasnoi angekommen. (Roßbraten.) Während des Marsches am 15. von Kosaken rechts und links eskortirt, die uns beständig bekanonirten.{473} Am 15. nachts bey Sarokino bivouacquirt.

Attaque der Kosaken auf das französische Hauptquartier, in der Nacht vom 15. auf den 16. in Krasnoi.

16. durch Lady.

17. durch Dumbrowna.

18. über den Dniepr (zum letzten Mal) nach Orsza.

19. Ruhetag (1. neues paar Bundstiefel bekommen.)

20. Marsch auf der Strase nach Minsk. Von den Kosaken gejagt. (Meine Lebensmittel gehen{474}

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mit meinem letzten Pferdchen, meinem Mantel und meiner Armatur verloren. Schändlichkeit einiger Chev[eaulegers]).

21. durch Toloczyn.

22. nach Bohr. (Artigkeit des Hauptmanns Grafen v. d. L.{475})

23. Ruhetag.

24. Marsch, (über Nacht in einer Heuscheune) die Commission{476}, die Jäger des Regiments zu sammeln.

25. durch Krupki und 2. Stunden weiter, (über Nacht im Wald auf blossem Schnee.). Mein ausserordentliches Glück, einen Pelz zu kaufen zu{477} bekommen.)

26. Marsch (Heute fand ich meinen Bedienten mit 2. Pferden wieder.) über Nacht in einem Dörfchen. Wie ich gelabt wurde. Von Smolensk bis hieher gieng ich zu Fuße.

27. durch Boriszow, wo die Armee eine kleine Straße rechts gegen Wilna zu einschlug, bis in ein Dörfchen 1/2. Stunde von der Brücke über die Beresina. (Wie Gg.{478} seinen Muth an mir zu kühlen suchte.)

28. Morgens früh um 3. Uhr brach ich mit meinen Jägern, so viel ich den Tag vorher zusammengebracht

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hatte, auf, um zeitig die Beresina zu passiren. (Bey dem Dörfchen Sembin, 15 Werste{479} {480} {481} oberhalb Boriszow, waren 2. Brücken zum Uebergang für die Armee geschlagen. Erst Nachmittags um 2. Uhr erreichte ich dieselben, nachdem ich vorher 2. mal mit meinem Pferde umgeworfen, und das erstemal vom Quartiermeister Veihelmann114 vom Regiment, und das zweitemal von einem sächsischen Kürassier vom Tode des Erdrückens und Zertretens glücklich gerettet worden war. Mit Hülfe dieses Kürassiers erstieg ich die Brücke, und passirte sie kaum 1/2. Stunde vorher, ehe die russischen Kanonenkugeln und Granaten in die an der Brücke zusammengedrängte Menschenmasse hineinschlugen.

Mit dem Württembergischen Hauptquartier gieng ich auf der Straße nach Wilna vorwärts, verließ es aber wieder denselben Tag, und übernachtete in dem Hause eines Slachcic115 1/4. Stunde von der Straße abwärts.{482}

29. Starker Marsch, durch Zabin auf ein Dorf. (Abends von Kosaken allarmirt.)

30. Marsch in Begleitung des Quartiermeisters Veihelmann vom Regiment, der für mich, da ich schon seit mehreren Tagen an der Diarrhoe{483} litt, und ganz entkräftet war, auf's

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beste sorgte, und dem ich es zu danken hatte, daß ich nicht liegen blieb, und den Russen in die Hände fiel.

Dezember 1812.

Mit Hülfe des Quartiermeisters Veihelmann machte ich täglich beträchtliche Märsche, kam den

1. ten durch Radeszkowice, den

2. durch Modziezno, den

3. über die Wilia nach Smorgonie, den

4. nach Oszmiana, und den

7.ten nach Wilna. (Am 7ten auf einem Dörfchen bey Wilna starb mein Bedienter an Entkräftung.)

Vom 30. November an hatte ich von Kosaken Ueberfällen nichts mehr zu befürchten gehabt, weil ich ihnen durch starke Märsche weit vorgekommen{484} war. Vom 5. des Monats an hatte die Kälte so ausserordentlich zugenommen, daß viele Menschen und Pferde, die nicht ganz gut bey Kräften waren, auf der Straße, sozusagen im Gehen erfroren.

In Wilna suchte ich mir wieder so viel als möglich Kräfte zu sammeln, und versah mich auch etwas besser

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mit Kleidern und Pelzwerk, so daß ich dem Abmarsch von da, trotz der fortwährenden grimmigen Kälte getrost entgegen sehen konnte, (das Lichtensteinsche Kaffeehaus{485}.)

Am 9.ten verliessen wir sämtliche Cavallerie Offiziere die Stadt Wilna unter Anführung des Obersten Grafen v[on] Normann{486}, giengen aber von der großen Militärstraße, die nach Kowno führt ab,{487} und machten den

9.ten den Weg über Troki, (5. Meilen{488} {489}) den

10. (5. Meilen.) den

11. durch Patrimanci nach Olitta am Niemen; Um den Fluß, an dessen Ufern unser Unglück begonnen hatte, so bald als möglich aus den Augen zu verlieren, giengen wir noch am nemlichen Tage über den zugefrornen Niemen, nach 1. Stunde weiter auf der Strasse nach Kalwary bis Licziskelli. (5.M[eilen]) Herzogthum Warschau.

12. durch Szemno nach Krasna. (5. M[eilen])

13. nach Kalvary (5. M[eilen]) Hier kaufte ich mir mit dem OberLieutenant Grafen v[on] Graevenitz123 zusammen einen Schlitten, spannte 2. Pferde ein, und so fuhren wir, vom Jäger Hoffmann (vom Regiment) kutschirt,

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und vom Quartiermeister Veihelmann begleitet, ab{490}, den

14. durch Krowikresly, wo wir über Mittag beym Grafen Pusinsky waren, nach Wysztitten. (5. M[eilen]) Letzter Tag im Herzogthum Warschau.

15. über Mittag in Ozyki, dem ersten ostpreussischen Ort, nach Goldap. (5. M[eilen])

(Gute Aufnahme beym Justizrath. Freude der Goldaper, die mich kannten, über meine Zurückkunft. Hier entledigte ich mich meiner Läuse.)

16. Ruhetag.

17. durch Popiollen nach Wenskye (5. M[eilen])

18. durch Angerburg (1. M[eile]) und Rastenburg (4. M[eilen]) nach Rössel. (2. M[eilen]) (Gute Aufnahme in den 3. Städtchen. Wie H.{491} in Rössel bedauert wird.)

19. Ruhetag. (Im Quartier beym Apotheker.)

20. durch Bischofsheim (2. M[eilen]) nach Heilsberg (3. M[eilen])

(Gutes Quartier bey Kaufmann Roman.)

21. durch Wormditt (4. M[eilen]) nach Alkhen (1. M[eile])

(Gefälligkeit der Bürgermeisterin in Wormditt.)

22. über Mittag in Stegen nach Elbing. (6. M[eilen]). Elbing ist eine niedliche beträchtliche Stadt. An ihr vorbey fließt ein Theil der Weichsel, die Nogat. Vom

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Kriegs-Commissär Herdegen{492} 20. Louisdor aufgenommen. Herrliche reiche Dörfer und Maierhöfe im Umkreis von Elbing.

23. über Mittag in Sommerau durch Marienburg (4. M[eilen]) nach Braunswalde. (1. M[eile]) (Hier trafen wir den Ober-Lieutenant Vischer{493} mit dem Depot an.)

24. über Mittag in Stuhm (1 1/2. M[eilen]) nach Marienwerder. (2 1/2. M[eilen]) (Quartier bey Medizinalrath Burkhart.) die Westpreussen sind weit nicht die artigen und gefälligen Leute wie die Ostpreussen.

25. Ruhetag.

26. nach Graudenz. (5. M[eilen]) artige Stadt, (bei Kaufmann Witte.)

27. nach Culmsee (5. M[eilen]) Herzogthum Warschau.

28. nach Thorn (Torün) 3. M[eilen] beträchtliche gutgebaute Stadt (Sammelplatz der Württembergischen Offiziere bey einem sächsischen Kaffeewirth.)

dem Württembergischen Armeecorps wurde das Städtchen Inowraclaw (Neubrenslau) zum Sammelplatz angewiesen, und so reißte ich mit Gr[aevenitz] über die Weichsel am

30. mit ExtraPost durch Gniwkowo (2 1/2. M[eilen]) nach Inowraclaw (2 1/2. M[eilen])

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Januar 1813.

In Inowraclaw sollte die noch übrig gebliebene Mannschaft wieder geordnet werden, und bis zur Ankunft der Ergänzungs-Mannschaft da bleiben, um dann wieder gegen den Feind zu marschiren. Als aber der König von Württemberg von der gänzlichen Auflösung und Vernichtung seines Armeecorps benachrichtigt wurde{494}, erließ er den Befehl, daß die Officiere so schnell als möglich ins Vaterland zurückreisen, die Soldaten aber unter der Aufsicht einiger Officiere zurückmarschiren sollten.

In Gesellschaft des OberLieutenants Grafen v[on] Graevenitz reiste ich mit Vorspann den

7. von Inowraclaw ab, über Pakosz. (2. M[eilen]) Mogilno. (1. M[eile]) und Trzemezno. (2. M[eilen]) nach Gnesen. (2. M[eilen])

8. durch Pudewiz. (3. M[eilen]) Posen. (3. M[eilen]) und Moszyn (2 1/2. M[eilen]) nach Czempin. (1 1/2. M[eilen])

9. durch Kosten (1 1/2. M[eilen]) und Smygel (1 1/2. M[eilen]) nach Fraustadt (3. M[eilen]). Die beiden ersten Städtchen sind ziemlich gut gebaut, und man bemerkt sehr wohl, daß man der deutschen Gränze immer näher kommt. Fraustadt hat eine ziemlich grose schöne vor 10. Jahren neu aufgebaute Vorstadt, und ist die letzte polnische Stadt gegen Schlesien zu.

10. über die Oder, durch die Festung Glogau über Beuthen,

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nach Neustädtel. (nach Glogau 3. M[eilen], nach Beuthen 3. M[eilen], nach Neust[ädtel] 1. M[eile]) Auf der Oder Seite hat Glogau sehr bedeutende Festungswerke. Ueber Mittag im deutschen Haus.

11. durch Sagan (4. M[eilen]) und Surau (1 1/2. M[eilen]) erste sächsische Stadt nach Muskau. (4. M[eilen]) Alle 3. sind schöne Städtchen. Bey Sagan über den Bober. Bey Muskau über die Neiße. Ueber Mittag in Surau im Stern.

12. durch Spremberg (2 1/2. M[eilen]) Hoyerswerda. (3. M[eilen]) und Königsbrück (3 1/2. M[eilen]) über die Elbe nach Dresden. (3. M[eilen]) Bey Hoyerswerda über die schwarze Elster. — Die schöne steinerne Elbebrücke. Sehr grose und kostbare Rüstkammer in Dresden. Die schöne Frauenkirche nach dem Modell der S[an]kt Peterskirche in Rom. Herrliche Aussicht von dem Thurm derselben. Prächtige Porzellan-Niederlage.{495} Brühlischer Garten.{496}

15. Im Elbethal abwärts durch Meissen (2 1/2. M[eilen]) und Noßen (2. M[eilen]) nach Freyberg (2. M[eilen]) In Dresden wieder über die Elbe zurück, und im herrlichen Thal bis Meissen, wo wir die Elbe wieder passirten. Auf dem Schlosse in Meissen die grose schöne Porzellan-Fabrik und Niederlage.{497} Meissen ein artiges Städtchen. Von Meissen an über das Erzgebürge. Noßen hat ein groses altes Schloß. Freyberg ist eine gut

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gebaute beträchtliche, aber todte Stadt mit einem grosen schönen Schloß. Bergwerke bey Freyberg.

16. durch Oederan (2. M[eilen]) Chemnitz. (2. M[eilen]) Oberlungwiz (1 1/2. M[eilen]) Lichtenstein (1 1/2. M[eilen]) Zwickau. (1. M[eile]) und Reichenbach (2. M[eilen]) nach Plauen (2. M[eilen]) Chemn[itz] ist eine grose lebhafte Handelsstadt. Oberlungwiz, Poststation, ein 5/4 Stunden langes Dorf. Lichtenstein mit einem Schloß gehört dem Fürsten v[on] Schoenburg. Zwikau beträchtliche Stadt ist die lezte im Erzgebürgischen Kreis. Das Erzgebürge mit dem Voigtland, eine sehr raue Gegend mit wenig Feldbau, desto mehr Fabriken{498} und Handwerker. Es ist sehr gut bevölkert, und hat grose, schön gebaute Städte und Dörfer, und viel Wohlstand. Bey Zwickau über die Mulde. Das artige Reichenbach ist das erste Städtchen im Voigtland. Plauen hat ein groses Schloß. Bey Plauen über die weisse Elster.

17. durch Hof (3 1/2. M[eilen]) Münchberg (2. M[eilen]) und Bernek (2 1/2. M[eilen]) nach Bayreuth. (1 1/2. M[eilen]) Hof ist die erste bayrische Stadt. Zwischen Hof und Münchberg sieht man links das hohe Fichtelgebirge. Sehr kalte Witterung mit Schneegestöber. Quartier in Bayreuth im goldenen Anker. Im Theater: Ränke und Schwänke. In Bayreuth über den Mayn. Wohlhabende Gegend um Bayreuth. —

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Hof ist der Wohnort des Jean Paul Richter{499}.

18. durch Creussen (1 1/2.) Pegnitz. (1 1/2. M[eilen]) Hilpoldstein (3. M[eilen]) Gräfenberg (1. M[eile]) und Eschenau (1. M[eile]) nach Nürnberg (2. M[eilen]). Hildpoldstein, schlechtes Städtchen mit einem Schloß auf einem einzeln stehenden Felsen gebaut. Nürnberg alte grose Stadt an der Pegniz. Quartier im Reichsadler. Im Theater: die ZauberZither{500}.

19. durch Kloster Heilsbronn. (3. M[eilen]) nach Ansbach. (2. M[eilen]) Ansbach ist eine schöne Stadt mit einem grosen Schloß. Quartier bey Regierungsrath Schnizlein. Den Sch[euermann]{501} besucht.

20. durch Feuchtwangen (3. M[eilen]) und Dinkelsbühl (1 1/2. M[eilen]) nach Ellwangen (2 1/2. M[eilen]) Dinkelsbühl letzte bayrische Stadt, über Mittag in den 3. Mohren. Ellenberg, erstes württembergisches Dorf. Ellwangen mit einem Schloß. Der Schöneberg bey Ellwangen. Quartier in der Post. Stadt-Commandant Oberst v[on] Alberti.{502}

21. Rasttag. Concert.

22. durch Aalen (2. M[eilen]) nach schwäbisch Gmünd (2 1/2. M[eilen]) Quartier bey Kaufmann Mayer, (die männliche Frau.)

23. durch Schorndorf (2 1/2. M[eilen]) und Waiblingen (2. M[eilen]) über die Rems und den Neckar nach Ludwigsburg. (2. M[eilen]) Ueber Mittag in Schorndorf im Hirsch.

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In Ludwigsburg gab uns der Gouverneur, General v[on] Lilienberg{503}, die Nachricht, daß alle aus Russland zurückkommenden Officiers bis lezten des Monats Urlaub haben, worauf wir noch nach Stuttgart (1 1/2. M[eilen]) reisten.

24. Heute meldeten wir uns beym General Grafen v[on] Dillen, beym König, beym General Grafen v[on] Scheler{504}, p.p.{505} Auf der Parade wurde ein Avancement publicirt,{506} wodurch ich OberLieutenant wurde. Nachmittags meldeten wir uns bey dem KronPrinzen. Abends 5. Uhr reiste ich mit Extra-Post durch Tübingen (4. M[eilen]) Hechingen (2 1/2.) und Balingen (1 1/2. M[eilen]) nach Tuttlingen (5 M[eilen]) um meine Mutter{507} zu besuchen){508} wo ich am

25. ankam. Am

30. reiste ich auf dem nemlichen Weg wieder nach Ludwigsburg (14 1/2. M[eilen]) zurück, und kam den

31. daselbst an.

Februar 1813.

Schon in der Mitte Dezembers vorigen Jahrs hatte der König von Württemberg den General v[on] Jett{509} //S. 37//

mit Cavallerie-Depots nach Leipzig geschickt, um dort Pferde aufzukaufen, und dann mit ihnen zu dem im Felde stehenden Armeecorps

zu marschiren; als er aber die Nachricht von der gänzlichen Zernichtung desselben erhielt, hatte er dem General den Befehl ertheilt, die Mannschaft und aufgekauften Pferde nach Württemberg zurückzuschicken, und so war denn er selbst zu Ende des Januars mit dem letzten Remonten-Transport{510} in Ludwigsburg angekommen; und während des Januars war in ganz Württemberg conscribirt{511} worden, so daß man anfieng, die Cavallerie-Regimenter mit Anfang Februars wieder zu errichten. Das reitende Jäger-Regiment Herzog Louis wurde den 3. Febr[uar] wieder errichtet, erhielt eine bedeutende Anzahl Mannschaft und Pferde, und marschirte noch am nemlichen Tage in seine Garnison Winnenthal ab, zu der, als das Regiment completirt wurde, die Garnison Waiblingen, und später, statt dieser, Eßlingen, kam. Vom 4. Febr[uar] an wurde täglich exerzirt, und schon zu Ende des Monats fieng man an, in Zügen und Escadrons zu manöuvriren. Die Escadron v[on] Reinhart, bey der ich stand, war anfangs in Winnenthal, wurde aber in den ersten Tagen des März nach Eßlingen verlegt. Die ganze Zeit über, da ich in

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Winnenthal war, lag ich an der Diarrhoe, die ich seit dem Uebergang über die Beresina hatte, krank, und bekam zudem noch mehrere Anfälle von Nervenfieber{512}. Den eifrigen Bemühungen des Herrn Physicus Christmann in Winnenden hatte ich es zu danken, daß mit Ende Februars meine Krankheit ziemlich gehoben{513} war.

März und April 1813.

Zu Ende des März waren die Regimenter in marschfertigem Stand, und den 4. April erhielten die beiden in Eßlingen liegenden Escadrons den Befehl, den 6. April bey Winnenden Kantonirungs-Quartiere zu beziehen, und mit den in Winnenden liegenden Escadrons zusammen zu exerciren. Aber schon am 7. kam der Befehl, an die Grenzen gegen Würzburg in Cantonirungs-Quartiere zu gehen. Wir marschirten den

8. durch Baknang nach Schwäbisch Hall. Bey Sulzbach gaben die Einwohner ein gutes Rafraichissement{514}.

9. nach Nesselbach. R[egiments]-St[ab] Langenburg.

10. durch Langenburg nach Herrnthierbach E[scadrons]-St[ab] Ettenhausen. 2. und 3. Zug Zaisenhausen. (Quartier bey Pfarrer Leube.)

11. Rasttag.

12. nach Spielbach 2. Stunden von Rotenburg an der Tauber,

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Escadrons-Stab Böhmweiler. 2.ter und 3.ter Zug Blohnweiler. (Quartier bey Pfarrer Beck.)

In diesen Quartieren blieben wir bis zum

16. ten dieses Monats. Den 17.ten brachen wir unter Anführung des General-Lieutenants v[on] Franquemont{515}, 2. Cavallerie- und 3. Infanterie- Regimenter stark, auf, marschirten den

17. bis Niederstetten.

18. durch Weikersheim. (Schloß und schöner Garten.) nach Markelsheim. E[scadrons]-St[ab] Elpersheim.

19. durch Mergentheim über die vaterländischen Grenzen nach Lauda, (badisch.)

20. an Bischofsheim und Marienberg (Festung) vorbey durch Würzburg nach Rottendorf. E[scadrons]-St[ab] Westheim. (Quartier bey Frau von Mostricht.) In Würzburg über den Mayn.

21. Rasttag.

22. nach Waigolshausen.

23. Heute meldete ich mich gesund, nachdem ich 16. Tage lang als krank nachgefahren worden war.

Durch Berneck nach Maibach. R[egiments]-St[ab] Poppenhausen.

Zur Uebung der Mannschaft fieng man heute an, Piquets zu geben.

24. durch Lauringen nach Leinach. R[egiments] u[nd] E[scadrons]- St[ab] OberLauringen.

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Das Würzburg'sche hatte durch Einquartirung schon sehr gelitten.

25. an der Festung Königshofen vorbey nach Römhild. (Königl[ich] Sächsisch.) R[egiments]-St[ab] Milz.

26. d[urch] Hildburghausen und Schleussingen nach Breitenbach. R[egiments] -St[ab] Schleussingen.

27. über den Thüringerwald nach Königssee.

28. durch Remta nach Heilsberg.

29. Rasttag. Piquets.

30. Morgens früh durch Kosaken allarmirt. Durch Rudolstadt nach Naschhausen 1/4. Stunde von Orlamünde.

May 1813.

1. durch Kahla und Jena nach Löbstadt R[egiments]-S[tab] Jena. E[scadrons]-St[ab] Zwezen. (Quartier beym Pfarrer. Seine artigen Gäste aus Italien)

2. durch Dornburg und Camburg nach Priesnitz (Quartier machen.)

3. an Naumburg vorbey auf das Schlachtfeld bey Lützen, bey einem abgebrannten Dorfe bivouacquirt.

4. bey Pegau vereinigten wir uns mit dem 4.ten Armeecorps unter General Bertrand{516}, und marschirten bis Lukau, wo wir bivouacquirten.

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5. durch Frohburg und Gaitheyn bis Rochliz. Bivouacq. (Avantgarde. Plänkeleyen.)

6. durch Rochliz bis Tanneberg 1. Stunde von Mittelweyda. Biv[ouacq].

7. durch Mittelweyda, auf das Erzgebürge, durch Haynichen, bis Reichenbach auf der Straße nach Nossen, Bivouacq. Nachmittags bis auf 2. Stunden nach Nossen hin patrouillirt.

8. an Herzogenwalde vorbey rechts von der Straße ab bis Opitz, 2. Stunden von Dresden. Bivouacq.

9. Rasttag. Abends abmarschirt durch Tharand gegen Pirna zu bis Seidan. Bivouacq.

10. nach Pirna, (artiges Städtchen) Reserve Piquet.

11. an der Elbe abwärts durch Dresden über die Elbbrücke, wo Kaiser Napoleon stand, auf der Straße nach Königsbrück vorgerückt bis Lausnitz 1/2. Stunde von Königsbrück. Biv[ouacq] (den ganzen Nachmittag mit den Kosaken geplänkelt. Nachts 9. Uhr wurde das Dorf Lausnitz mit Sturm genommen. Mehrere Todte.)

12. bis Königsbrück vorgerückt, und bivouacquirt. Reserve Piquet. Nachmittags patrouillirte ich 1. Stunde weit auf der Strasse nach Hoyerswerda bis Schmorke.

13. Rasttag. Nachmittags machte ich mit dem Neapolitanischen Oberst- Lieutenant, Herzog v[on] Mirelli{517}, 30. Pferde und etwa

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250. Mann stark eine Patrouille. 2. Stunden weit auf der Straße nach Hoyerswerda bis Schwepniz, ein auf ungefähr 1500. Schritte weit ganz von Wald umgebenes Dorf.

14. Meine Gefangennehmung. Zum General Lanskoi{518}, nach Bernsdorf, 3. Stunden von Kamenz, geführt. Von hier Abends mit der Bagage rückwärts geschickt; weil aber die Strasse nicht mehr sicher war, wieder nach Bernsdorf zurück, wo wir die Nacht über blieben. Tags darauf den

15.ten sollte ich mit dem gleichfalls gefangenen Königl[ich] sächsischen Amts-Hauptmann v[on] Carlowiz und seinem Sekretär Konradi zu Wagen nach Bauzen geschickt werden. Unterwegs mit einem sehr artigen russischen Uhlanen-Oberst im Schloß der Geheimen Räthin v[on] Glass aus Berlin, über Mittag.

(der alte komische Kosaken-Major. Der artige Verwalter.) Nach dem Essen fuhren wir wieder ab, konnten aber die Straße wieder nicht passiren, und giengen deshalb links rückwärts nach Wittichenau, wo wir über Nacht einquartiert wurden.

16. Heute Vormittag giengen wir mit einer Escadron brauner Husaren ab, marschirten links an Bauzen vorbey, und kamen durch das Hauptquartier des Generals von Blücher{519}, dem wir begegneten, und der einige Fragen an mich that, Abends 1/2. Stunde von Bauzen in Steindörfel, dem Hauptquartier des

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Generals Grafen von Wittgenstein{520} an.

17. Abends wurde ich mit einem Transport Gefangener bis Weissenberg geschickt, und von da wieder zurück nach Würschen. (2. Stunden von Bautzen), dem HauptQuartier des Kaisers Alexander. Auf dem Bivouacq eine Wache von Baschkiren{521}.

18. Vormittags wurde ich dem General v[on] Wolzogen{522} vorgeführt. Nachmittags wurde ein desertirter Adjutant-Sous Officier{523}, namens Laudon, (sein wahrer Name ist Mercier) uns zugesellt.

19. Vormittags marschirten wir zu Wagen ab, unter Escorte{524} von 1. Kosaken- 1. Baschkiren Porucznik{525}, 1. Kosaken-Unter-Officier, namens

Danielo, und 20. Baschkiren. Meine Unglücksgefährten waren Hauptmann Fischer vom General-Staab des Generals Bertrand, und der obengenannte Laudon, durch Reichenbach und Görliz. Biv[ouacq]

20. durch Lauban, letzte sächsische Stadt, in ein Dorf 1/2. Stunde von da. Neue Gefährten Lieutenant Colliva und Sous-Lieutenant{526} Rompani vom 1.ten Italienischen Linien-Infanterie-Regiment. (der Baschkiren Offizier vom Kosaken Offizier geprügelt.)

21. durch Naumburg und Bunzlau nach Martinswalde. (Schlesien.)

22. Rasttag. Gestern und heute hörten wir eine starke Kanonade, die heute gegen Abend immer näher kam.{527}

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23. durch Haynau nach Lerchenbronn, 4. Stunden von Haynau. Niederträchtigkeit des Verwalters Jacobi.

24. an Lüben vorbey durch Steinau über die Oder nach Niederkrehlau 1 1/2. Stunden von Steinau. Gestern und heute waren wir in einem ungeheuren Gewühl von Bagage-Wägen der zurückgehenden russischen und preussischen Armee.

25. durch Winzig nach Trachenberg.

26. durch Suhlau nach Militsch. Schöner englischer Garten des Grafen v[on] Malzahn. Letztes schlesisches Quartier.

27. Rasttag.

28. durch Sulomirsz nach Faliszewo. 1. Stunde von Sulomirsz, ein dem Herren v[on] Grumkewicz gehöriges Dorf. Artige Familie des Herrn v[on] Grumkewicz. Barbarey eines russischen Obersten Krukenikow gegen 2. kriegsgefangene Franzosen.

29. nach Ostrow. Schändliche Behandlung des Laudon.

30. durch Kalish nach Malkow, 1/4. Stunde von Kalish, dem Herren v[on] Lipski gehörig. Kalish artige Stadt.

31. Rasttag. Modehändlerin Spees in Kalish.

Juny 1813.

Nachmittags abmarschirt 4. Stunden weit von Kalish.

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2. durch Turek nach Czatowpanski 1/2. Stunde von Turek (den Duc de Mirelli da getroffen.)

3. Rasttag. (Hauptmann Vischer skisirt{528} {529} sich.)

4. durch Kluczewo nach Kollo.

5. nach Klodawa. (Artiger Kosaken-Oberst.)

6. Rasttag. (Le Baron de Montaran163, Stallmeister des französischen Kaisers. Angst der Juden wegen des Anmarsches der Franzosen.)

7. Rasttag wegen Mangels an Vorspann.

8. durch Dumbrowicz nach Lanient, dem Herrn v[on] Kliczinski gehörig.

9. nach Kostenyn.

10. und 11. Rasttag.

12. über die Weichsel nach Plock{530}. Quartier im Salzmagazin. Niedliches Städtchen.

13. Rasttag. (Grosmuth eines pohlnischen Frauenzimmers gegen den französischen Lieutenant Pechin, vom 23.ten Linien-Regiment)

15. nach Opatowiec, 3. Meilen von Plock{531}. (Ausserordentliche Gefälligkeit des Edelmanns.)

16. nach ferbiec. 1. Meile von Plonsk.

17. Rasttag. (Polnische Damen.)

18. nach Plonsk, 7. Meilen von Plock.

//S. 46//

19. durch Nowemiasto (Neustadt) nach Kiesy Wÿpÿchÿ, 1. Meile von Pultusk. (der junge polnische Rechtsgelehrte.)

21. nach Pultusk, an den Narew, 7. Meilen von Plonsk.

23. nach Magnuszew, 2. M[eilen] von Pultusk.

24. durch Rozan nach Ogonÿ, 1 1/2. M[eilen] von Rozan.

25. über die Narew nach Ostrolenka an der Narew, 8. M[eilen] von Pultusk. (Durchmarsch vieler schöner russischer Cavallerie.)

27. nach Chmielewo{532}, 4. St[unden] von Lomza. (Quartier beÿ Herrn v[on] Kruszewski. Sein Verlangen nach den Franzosen. Sehr gute Bewirthung.)

28. nach Lomza an der Narew, 6. M[eilen] von Ostrolenka. (zwischen Chmielewo und Lomza kamen wir durch ein Dorf, wo wir das Leben der vornehmen polnischen Damen in ihrer ganzen Aechtheit sahen. Gefälligkeit des Bürgermeisters in Lomza.)

30. nach Kolomia, 3. M[eilen] von Lomza.

Julÿ 1813.

1. Nach Konopki, 2. M[eilen] von Tÿ

ykoczyn.

2. nach Tykoczyn (8. M[eilen] von Lomza) letzte Stadt im Herzogthum Warschau, (die liebe Schuljugend.

//S. 47//

Colliva und Rompani skisiren sich)

4. durch Kiniszin, erste russisch-polnische Stadt, nach Grenyc, 3. Stunden v[on] Kiniszin. (der Zorn des Kosaken)

5. durch Bialystok (gut gebaute Stadt.) (7. M[eilen]{533}) nach Balinowki, 1/2. M[eile] von Bialystok.

6. Rasttag. In Bialystok trafen wir mehrere sächsische Offiziers. Vom sächsischen Stabs-Chirurgus Hettermann erhielt ich eine Addresse an den Dr. Schmidt in Minsk.

7. Heute wurde zu unserem grösten Leidwesen unser braver Kosaken- Offizier Elia Wassiljewicz durch einen Lieutenant vom 4.ten Linien-Infante-rieregiment abgelöst.

8. Abends abmarschirt durch Waszilkowo nach Zusanski, 1 1/2. Stunden] von Waszilkowo.

9. nach Sokolka, 5. M[eilen] von Bialystok.

10. Rasttag. Heute erhielten wir die traurige Ueberzeugung von unserem schlechten Gefangenen Gehalt, indem wir auf 7. Tage 3 1/2. Rubel Assigna- tionen{534} oder nach unserem Geld 1. f[loren]{535} 38. xr. [Kreuzer] erhielten.

11. nach Kostenizki.

12. über den Niemen nach Grodno, beträchtliche Stadt, 6. M[eilen] von Sokolka.

//S. 48//

In Grodno kam ich krank an. Schon seit 14. Tagen hatte ich eine Augenentzündung, die mir das Gesicht{536} zu rauben drohte. Ich bekam deswegen vom Civil-Gouverneur, dem wirklichen Etatsrath Leschern, einem sehr gefälligen Mann, die Erlaubniß, als die übrigen Transporte, die hier gesammelt und in Einen zusammen gestossen wurden, wieder abmarschirten, die Erlaubniß{537}, bis zu meiner Wiederherstellung in Grodno bleiben zu dürfen.

(Kurier Lang. Lieutenants Boecher, Pechin). In Grodno lernte ich den{538} Architekten Bagemühl kennen, der so gefällig war, mich für die Zeit meines hiesigen Aufenthalts zum Mittagessen einzuladen, was bey der schlechten Bezahlung eine grose Hülfe war; Auch bezeigte sich der alte Major v[on] Roth, ein geborner Zweybrücker, sehr artig gegen mich.

Mehrere sächsische Aerzte waren hier, von denen der Ober-Chirurgus Richter meine Augen behandelte.

(der württembergische Krankenführer Moll{539}.) Am 26. hatte ich das Glück, Gesellschaft von Landsleuten zu bekommen, und zwar kamen der Kriegs-Commissär Krais{540} und Lieutenant Bagnato{541} mit einem Gefangenen-Transport an, und durften auf ihre Bitte hier bleiben.

//S. 49//

August 1813.

Aufenthalt in Grodno bis zum 19.ten

19. Von Grodno nach Minsk hin. Meine Reisegefährten waren der schon oben genannte Laudon; ein französischer Bedienter, der sich für einen Aide de camp des Fürsten Poniatowski{542} ausgab, und an Bosheit, Schlechtigkeit und Abgefeimtheit seines gleichen suchte, Namens Normann; Kriegs- Commissär Krais und Lieutenant v[on] Bagnato. Unsere Escorte bestand in Paruczik{543} mit 30. Mann Pultawascher Bauern-Kosaken zu Pferd und 18. Mann vom 4.ten Linienregiment. Marsch bis Skydel. 5. M[eilen] (der junge jüdische Ehemann.)

20. nach Kamienka. 3. Meilen.

22. nach Szuczyn, 2 1/2. Meilen.

23. nach Zoludek, 2. Meilen. Schöne Güter des Grafen v[on] Piesenhausen. (Probe von Normanns Effronterie.{544})

25. nach Belica, 3 1/2. Meilen.

26. nach Nowina, 3. Meilen, schlechtes Dorf.

28. nach Nowogrodek, 3. M[eilen] (der reiche Doctor Emme, (der brave Bürgermeister.){545}

31. nach Korelice, 3. Meilen.

September 1813.

1. durch Turec nach Mir: 3. Meilen.

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2. durch Swierzno, 2 1/2. Meilen, (der russische Oberst de Fries.)

4. nach Skorodno, 3. Meilen.

5. nach Koydonowo, 3. Meilen.

6. nach Brzynow, 2 1/2. Meilen.

7. nach Minsk, 2 1/2. M[eilen] beträchtliche Stadt.

Schon am 3. des Monats hatte mich eine Unpäßlichkeit angewandelt, die nach und nach in ein Nervenfieber übergieng; In Minsk kam ich todkrank an. Lieutenant Bagnato gab sich alle Mühe, mich in den Spital zu bringen, allein die immerwährende Besoffenheit unseres KosakenOfficiers war schuld, daß ich erst am 12.ten in den Spital gebracht wurde. Aber schon vorher erhielt ich durch die Güte des russischen Medicinal-Inspectors, Dr. Schmidt, (von Geißlingen gebürtig, und seine Frau eine geborne Willmann von Villingen) einige Medizin und sonstige Erquickungen. Im Spital erholte ich mich bald wieder, und{546} sobald ich nur einigermaßen gehen konnte, war ich täglich bey Dr. Schmidt zu Mittag, durch dessen Kost und Vorsorge ich so an Kräften zunahm, daß ich mit mehreren württembergischen Officiers (Major v[on] Loeffler{547}, Hauptmann v[on] Brunow{548}, v[on] Butsch{549} {550}, Lieutenants Hoelder184 und Roell{551}), die, während ich im Spital

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war, angekommen waren, am

27. nach Czernigow abmarschiren konnte. Meine Reisegefährten waren ausser den so eben genannten, der KriegsCommissär Krais, der Königl[ich] bairische Lieutenant v[on] Michel vom 2.ten leichten Infanterie Bataillon, der bairische Praktikant Stoer; der ehemalige preussische Landrath v[on] Warkaski, der polnische OberstLieutenant v[on] Ninewski; der Baron v[on] Montaran, die französischen Capitaine{552} Vannaker, Fanchon, Carlier, Claisse, M[es]s[i]e[u]rs Leon, George, du Bois, Blanc p.p. im Ganzen 37 Officiers.

Bald nach unserer Ankunft in Minsk hatten die beiden Ehrenmänner Normann und Laudon Dienste bey der deutschen Legion{553} genommen. Herrliche Kathedralkirche in Minsk. Erbitterung der M[insker] Juden auf die Franzosen.

28. nach Smilewice, 5. Meilen.

30. nach Humen, 3. Meilen.

October 1813.

1. Rasttag.

2. Marsch.

3. Nach Swislocz, 8. M[eilen].

4. Rasttag.

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5. Ueber die Swislocz.

6. Nach Bobruysk, 7. M[eilen].

Bobruysk ist eine erst 5. Jahre früher angelegte Festung an der Beresina. Unterarzt Dertinger. — In Bobruysk stehen die zway Kanonen, die den Württembergern in einer Affaire unweit Koydonowo, 5. Meilen von Minsk, von den Russen abgenommen wurden.

7. über die Beresina.

8. nach Pobolowa, 6 1/2. Meilen.

12. über die Dryssa nach Rohaczew am Dniepr. 3. Meilen. Wie die Juden ihre Gesinnungen gegen uns äusserten.

13. über den Dnieper.

15. nach Szczerski. 10. Meilen.

16. nach Szapatowicz, 2 1/2. Meilen.

17. Rasttag.

18. Marsch. (Braver Edelmann)

19. Durch Humel über die Sor nach Belica, 7. Meilen.

20. in ein Dorf, 3. Meilen, das letzte russisch polnische Quartier.

21. Rasttag.

22. nach Dobrianka, 3. Meilen. Groses gut gebautes von alt Russen{554} bewohntes Grenzdorf. Anfang des Gouvernements Czernigow. Gesinnungen dieser

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Alt-Russen gegen die Franzosen und ihre Allirten.

23. Rasttag.

24. Marsch von 4. Meilen.

25. Rasttag.

26. Marsch von 4. Meilen.

27. Marsch von 1. Meile.

28. durch Czernigow. 2. Meilen in ein Dorf, 3. Werste von Czernigow entfernt, wo wir über allen Begriff schlecht einquartirt waren. Russisches Familienfest. Masqueraden. Brautwerbung.

November 1813.

Der 10.te November, wo wir morgens in aller Frühe von einigen betrunkenen — mit Prügeln bewaffneten Bauern aus unserem herrlichen Aufenthalt delogirt189 wurden, gab uns Gelegenheit, die russische Gerechtigkeits-Pflege kennen zu lernen.

In Czernigow trafen wir mehrere Landsleute, nämlich Regimentsarzt Pommer{555}, Kriegs-Commissär Keller191, Kurier Lang, Unterärzte Bopp und Mauz. Zu Anfang dieses Monats kam der Befehl an,

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die Bayern nach Hause zu schiken.{556} Dieß ließ uns vermuthen, daß die Reihe bald auch an uns kommen würde, was wir dem Gouverneur und dem KollegienRath Bogoluboff zwar begreiflich zu machen suchten, aber beinahe vergebens. Mit vieler Mühe bewirkten wir aber doch, daß man uns versprach, uns nicht weiter zu transportiren.

Die Grosmuth des Kaisers Alexander hatte für jeden gefangenen Officier die Summe von 100. Rubel Assignationen zur Winterbekleidung angewiesen. Seine Beamten weigerten sich lange, uns dieß Geld auszubezahlen, zuletzt Hessen sie sich aber doch dazu bewegen.

Von den Dorfbewohnern delogirt, hatten wir die Wahl, zu bivouacquiren, oder für unser Geld ein Logis193 zu miethen. Wir wählten das letztere, und bezahlten dafür und für Holz jeder täglich 7. xr. [Kreuzer]. Es blieben also noch 7. xr. [Kreuzer] übrig, mit denen Kost, Wasch{557} und wenigstens die Reparatur der Kleider bestritten werden mußte{558}.

(die bayrischen Offiziers, Lieutenants Albrecht vom Chevauxlegers- Regiment Leiningen; de la Paix von Insbruk, Pfaff von Darmstadt, Crépon in Westphälischen Diensten.)

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Dezember 1813.

Am 8.ten dieses Monats kam endlich der Befehl an, die Württemberger und übrigen Deutschen nach Hause zu schicken; der Gouverneur war aber nicht so artig, uns dieß bekannt machen zu lassen. Nur erst durch die 4.te oder 5.te Hand erfuhren wir es, wurden aber nach wie vor, als Gefangene — als russische Gefangene — behandelt. Zu unserer Abreise übereilte man sich in den Anstalten nicht. Wenigstens 2.—3. mal in der Woche baten wir den Gouverneur, unsern Abmarsch zu beschleunigen. Er versprach dieß immer mit den Worten, Savtro (Morgen) oder poslisavtro (übermorgen); aber nie geschah es. Beym Collegien Rath Bogoluboff hörten wir beständig: die Listen sind noch nicht fertig. Der Polizey-Capitän Kalinski, der uns die Löhnung auszubezahlen hatte, dessen Beutel sich aber desto besser befand, je länger wir zurückbehalten wurden, eilte auch nicht, uns fortzuschaffen.

Januar 1814.

Zu Anfang des neuen Jahrs kam ein wiederholter Befehl an den Gouverneur, uns fortzuschicken, was er selbst treuherzig uns erzählte. Am 13.ten wurde ein

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fußgehender Bauern-Kosaken Officier (Kreuz-Bauern{559}) zu unserer Begleitung oder vielmehr, uns zu transportiren, ernannt. Der Polizey Capitain Kalinski, dem wir uns in der letzten Zeit nicht zum Besten empfohlen hatten, that uns den Gefallen, uns dem halbwilden Kreuzbauern als grobe, gewaltthätige Leute zu schildern. Auch der Gouverneur hielt uns für grobe Leute, und konnte überhaupt nicht begreifen, daß wir so auf unsere Abreise drangen, da wir doch (nach seiner Meynung) in Czernigow ganz gut zu leben hatten.

Am 18.ten oder nach altem Styl{560} am 6.ten Januar, am Fest der heiligen 3. Könige, sahen wir noch eines der grösten Feste der griechischen Kirche, nemlich die Wasserweihe{561}. Am 19.ten Januar marschirten wir endlich von Czernigow ab bis Raiscze, 16. Werste.

20. Giengen wir von der grosen Militär-Straße ab, und auf eine kleinere über Recice gegen Bobruysk zu, und kamen diesen Tag bis Riepki, 24. Werste.

21. Rasttag. Unser Kreuzbauern Officier hatte die Instruction, im den 3.ten Tag Rasttag zu machen.

22. nach Blechtiawki, 25. Werste. (Wald auf dem ganzen Marsch.)

23. über den Dniepr nach Lohiew a[m] D[niepr] 5. Werste.

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24. Nach Chemic am Dniepr, 27. Werste.

25. nach Recice am Dniepr, 29. Werste.

26. Rasttag.

27. nach Horwel am Dniepr, 29. Werste. (Gute Juden.)

28. über den Dniepr und wieder zurück durch Streszyn am Dniepr, 20. Werste, nach Slobin am Dniepr, 20. Werste.

29. Rasttag.

30. durch Pobolowa, 23. Werste, auf die große Militärstraße nach Bobuce, 4. Werste.

Von Lohiew giengen wir bis Slobin am Dniepr aufwärts, und verließen ihn heute endlich.

31. nach Michailow, 20. Werste (Pohlnische Xantippe.)

Februar 1814.

1. Rasttag.

2. nach Bobruysk, in die Czernigower Vorstadt einquartirt, 20. Werste. Der Behandlung des Kreuzbauern überdrüssig, verklagten wir ihn beym

Kommandanten der Festung, Oberst von Bergmann, der ihm das Commando abnahm, es dem OberstLieutenant v[on] Berndes{562} übertrug,

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und uns blos zur Bedeckung 2. Kosaken mitgab.

4. über die Beresina, durch Bobruysk auf der Straße nach Slonim bis Charpowice, 36. W[erste]. (Schlechter Anfang des Alleinreisens.)

5. nach Klusk, 14. Werste. (Betrügerey der Juden beym Geldwechseln. — Bayrische und Sächsische Offiziere, die aus dem Gouvernement Nischney-Nowogorod kamen, begegneten uns hier. Seit dem 29. Nov[em]b[e]r 1813 waren sie auf der Reise.)

6. Wegen Mangels an Vorspann Rasttag.

7. nach Urecz, 56. Werste. (Mit Ochsen fuhren wir von Klusk ab, zwangen aber unterwegs einem Bauern, der uns mit mehreren Pferden begegnete, 2. davon ab, und fuhren mit davon{563}.

8. nach Sluck, 24. Werste, beträchtliche Stadt.

9. durch Romanew, 21. W[erste] und Czimkowicz, 14. W[erste] nach Nieszwiesz, 28. W[erste] Nieszwiesz ist eine beträchtliche Stadt, die aber im Feldzug 1812 durch Brand sehr viel gelitten hat.

10. durch Snow, 18. Werste, nach Stolawicz, 28. W[erste].

11. nach Balonka, 21. Werste.

12. durch Slonim, (beträchtliche Stadt.) 28. Werste,

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nach Aszernice, 21. Werste.

13. durch Selwe, 15. W[erste] und Sabelin, (artiges Städtchen) 15. W[erste] nach Wolkowisk, 9. Werste.

14. nach Bierslowicz, 28. Werste.

15. nach Grodek, 23. Werste.

16. nach Bialystok, 35. Werste.

In Bialystok trafen wir den württembergschen Major v[on] Seybothen{564}, der beauftragt war, die zurückkehrenden Kriegs-Gefangenen zu übernehmen, und sobald als möglich ins Vaterland zu schicken; und den Kriegs- Commissär Ruoff{565}, — sie mit Geld zu versehen.

Während unseres hiesigen Aufenthalts, der 8. Tage währte, (die Beamten in Bialystok waren nicht{566} schneller als die in Czernigow,) suchten wir uns von unserer strapazenvollen Reise so viel als möglich zu erholen, und das vorhergegangene armselige Leben zu vergessen.

Auf einem Caffeehause hatte ich Gelegenheit, einen russischen Officier nicht von der vortheilhaftesten Seite kennen zu lernen.

Am 24. Febr[uar] reisten wir, besser mit Geld //S. 60//

und Kleidern versehen, von Bialystok ab, durch Kiniszin, 3. Meilen, nach Tykoczyn, 2. Meilen, die erste Stadt im Herzogthum Warschau.

25. nach Lomza a[n] d[em] Narew, 7. Meilen.

26. nach Ostrolenka, 5. Meilen.

27. durch Rozan, 4. M[eilen] und Pultusk 4. Meilen nach Stregoczyn, 3. M[eilen].

28. durch Nowemiasto, 2. M[eilen] und Plonsk, 2. Meilen nach Plock, 6. Meilen.

März 1814.

Den l.ten hatten wir wegen Mangels an Vorspann, oder an gutem Willen, uns solche zu geben, Rasttag.

2. über die Weichsel; nach Gumin hin (3. M[eilen]) verirrten wir uns, und kamen in Kostenyn 2. M[eilen] wieder auf die Militärstraße, und giengen noch bis Lanienty 2. M[eilen]

3. durch Dumbrowicz, 2 1/2. M[eilen] nach Klodawa, 1 1/2. M[eilen] In Klod[awa] bekamen Butsch und ich keine Vorspann, und mußten deswegen, wollten wir die anderen, die schon weit voraus waren, wieder einholen, Postpferde

//S. 61//

bis nach Kalish nehmen.

Durch Kollo, 4. Meilen, Kruczewo, 1 1/2. Meilen und Turek, 1 1/2. Meilen nach Kalish, 5 M[eilen]. Abentheuer daselbst.

Unser Nachtquartier nahmen wir im Hotel de Pologne bey Herrn Wölffel Den andern Morgen, den

4.ten wurde ich bey einem Arzte, Namens Meyer, einem sehr artigen Manne, einquartirt.

5. Vor unserer Abreise war unser Landsmann Woelffel noch so gefällig, uns mit Glüh- und fremden Weinen zu bewirthen.

Durch Ostrowo, 3. M[eilen] verloren wir die Militärstrasse, und kamen nach Przygoczkich, 2. M[eilen] ein schönes — dem Fürsten von Radzivil gehöriges Gut.

Infame Methode der Russischen Soldaten, sich Geld zu verschaffen. Unverschämtheit eines Russischen UnterOfficiers.

6. durch Sulmirsic. 3. M[eilen] (Grenze des Herzogthums Warschau.) Militsch (Schlesien) 2 1/2. M[eilen] Suhlau 1. M[eile] und Trachenberg, 4. M[eilen] (schönes Schloß.) und Winzig, 3. M[eilen] über die Oder nach Steinau, 2. Meilen.

7. nach Lüben, 2. M[eilen]. Von hier aus erhielt meine Mutter von mir wieder die erste Nachricht.

8. Rasttag wegen Mangels an Vorspann.

IIS. 62//

9. durch Haynau, 3. Meilen, nach Bunzlau, 3. Meilen.

10. durch Naumburg, 2. Meilen, und Lauban (Sachsen.) 1 1/2 Meilen, nach Goerliz, 3. Meilen.

11. durch Reichenbach, 1 1/2. M[eilen] und Loebau 2 1/2. M[eilen] und Bauzen, 3. M[eilen] (schöne Stadt) nach Stolpen 3 1/2 M[eilen] (Ruinen der Bergfestung Stolpen) zwischen Bauzen und Stolpen kamen wir durch die im May 1813 abgebrannte Stadt Bischofswerda.

12. Ueber die Elbe nach Dresden, 3. Meilen. Von Haynau bis Dresden sieht man die schrecklichen Spuren eines verwüstenden Krieges. Bey Haynau, Bunzlau und Bauzen findet man die Dörfer meistens in Ruinen. Dresden war noch, ebenso befestigt, wie es die Franzosen bey ihrer Kapitulation übergeben haben. Die Besatzung bestand aus 12. bis 15,000. Mann Russen, die,{567} da sie einquartirt waren, den Einwohnern sehr zur Last fielen. Der ruinirte Theil der steinernen Elbebrücke war, so gut es sich thun ließ, durch eine hölzerne Brücke wieder ersetzt. Die schöne Frauenkirche war in ein Magazin verwandelt. Ueberhaupt sah es in Dresden sehr traurig aus.

//S. 63//

13. Auf das Erzgebürge durch Freyberg, 4. Meilen, nach Oederan, 2. Meilen.

Von hier aus hatte ich die unangenehme Kommission des Quartiermachens.

14. durch Chemniz, 2. M[eilen] und Zwikau, 4. M[eilen] nach Reichenbach im Voigtland, 2. M[eilen].

15. durch Plauen, 2 1/2. M[eilen] nach Hof, 3. M[eilen] (Bayern.)

16. durch Münchberg, 2. M[eilen] Gfrees 1 1/2. M[eilen] und Bernek, 1. M[eile] nach Bayreuth, 2. M[eilen].

In Bayr[euth] dankte ich wegen böser{568} Füsse von meiner Quartiermachersstelle ab.

17. Durch Hollfeld, 3. M[eilen] nach Bamberg, 4. M[eilen] (Bamberg ist eine beträchtliche alte Stadt. Die schöne Brücke über die Redniz.)

18. durch Burgwinkeim, 3. M[eilen] und Neusses, 2. M[eilen] und Schwarzach, 2. M[eilen] nach Kizingen, 1. Meile.

19. über den Mayn durch Marktsteft, 3. M[eilen] Marktbreit, 1/2. M[eile] und Ochsenfurt Hl. Meile,

nach Mergentheim, 3 1/2. M[eilen] (Württemberg.)

20. durch Künzelsau, 3. M[eilen] und Neuenstein, 2. Meilen und Oehringen, 1/2 Meile.

21. durch Weinsperg, 2. M[eilen], Heilbronn, 1/2. Meile.

//S. 64//

Besigheim, 2. Meilen und Bietigheim, 1. Meile, nach Ludwigsburg, 1. Meile (In Ludwigsburg traf ich zu meiner grosen Freude meinen ältern Bruder{569} an.)

22. Nach Stuttgart, 1 1/2. Meilen.

Hier wurde uns unsere Eintheilung in die verschiedenen Regimenter bekannt gemacht. Ich wurde vom 5.ten Kavallerie-Regiment, bey dem ich einstweilen ä la Suite{570} eingetheilt war, zum Leib-Kavallerie-Regiment, das in Ludwigsburg garnisonirte, versetzt.{571} Als wir uns bey allen Behörden gemeldet hatten, quartirte man uns ein.

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