Brief übergab, verneigte sich Sekito und fragte: »Osho, was ist zu
tun, wenn man weder den alten Weisen folgt noch seine eigene
innerste Seele zum Ausdruck bringt?«
Diese Frage ist sehr wichtig. Er fragt – mit dem größten Respekt:
»Osho, was ist zu tun, wenn man weder den alten Weisen folgt
noch seine eigene innerste Seele zum Ausdruck bringt?«
Nangaku antwortete: »Deine Frage ist zu arrogant.«
Damit meinte er, dass niemand sofort solch eine Frage stellen darf. Dieser Mann war in das Kloster gekommen und hatte sofort angefangen, ihm diese Frage zu stellen. Zuerst muss man initiiert werden. Zuerst muss man als Schüler angenommen werden. »Ich verschwende meine Zeit nicht mit irgendwelchen Leuten, die vorbeikommen und irgendwelche Fragen stellen. Das ist arrogant.«
Es war keine Arroganz, aber all das war Teil von Seigens Strategie. Nangaku war eine völlig andere Art von Meister.
Nangaku antwortete: »Deine Frage ist zu arrogant. Warum
stellst du sie nicht etwas bescheidener?« Worauf Sekito erwiderte:
»Da wäre es besser, auf ewig in der Hölle zu versinken und
nicht mehr auf die Befreiung zu hoffen, die die alten Weisen
erfahren haben.«
Was so viel bedeutet wie: »Wenn du meine Frage als arrogant bezeichnest, dann würde ich lieber auf ewig in der Hölle schmoren, als dir irgendeine Frage auf bescheidene Art und Weise zu stellen.«
Keine Frage ist jemals bescheiden. Jede Frage muss in gewisser Weise arrogant sein. Wenn man Fragen stellt, zeigt man Zweifel, stört man die Stille des Meisters. Offensichtlich sind alle Fragen arrogant, keine Frage kann bescheiden sein. Nur Stille ist bescheiden. Doch Stille ist keine Frage. Sie ist die Antwort.
Aber Sekito war ein Mann mit Rückgrat, ein Mann mit Mumm.
Er erwiderte also: »Vergiss meine Frage. Ich werde sie nicht bescheidener stellen, denn keine Frage kann man bescheiden stellen. Allein schon zu fragen ist arrogant. Jede Frage ist ein Zweifeln. Jede Frage stört das Energiefeld des Meisters.
Nur Stille kann bescheiden sein. Doch dann müsste ich nicht zu dir kommen. Still kann ich überall sein. Selbst im ewigen Höllenfeuer kann ich still sein.«
Sekito ist also ein Mann von großer Intelligenz und großem Mut. Nangaku kann ihn nicht niedermachen. Er war ganz speziell zu Nangaku geschickt worden, der dafür bekannt war, sehr streng zu sein. Seigen wollte wissen, wie Sekito reagieren würde, welche Antwort er Nangaku geben würde. Und er gab tatsächlich die richtige Antwort! Er sagte:
»Vergiss die Frage. Eher würde ich auf ewig in der Hölle schmoren, als dir eine bescheidene Frage zu stellen. Keine Frage kann bescheiden sein, wie man sie auch stellt. Und ich habe meine Frage sehr respektvoll gestellt. Ich habe dich Osho genannt, und du bezeichnest meine Frage als arrogant? Statt mir zu antworten, beleidigst du mich. Kein Meister beleidigt seine Schüler, und ich bin nicht einmal einer deiner Schüler. Ich bin einfach nur ein Fremder, und du bist nicht nett zu mir. Ich bin einfach nur ein Gast.
Du solltest mich willkommen heißen. Statt mich willkommen zu heißen, demütigst du mich. Ich werde dir also keine Frage stellen.«
Nachdem Sekito so festgestellt hatte, dass Nangaku und er
nicht auf einer Wellenlänge waren, ging er zurück zu Seigen,
ohne Nangaku den Brief zu übergeben.
Dieser Mann verdiente es nicht einmal, den Brief zu erhalten. Er blieb also nicht dort, sondern brach sofort wieder auf.
Bei seiner Ankunft fragte ihn Seigen: »Hat man dir etwas
anvertraut?«
Sekito antwortete: »Man hat mir nichts anvertraut.«
Seigen meinte: »Aber es muss doch eine Antwort geben.«
Worauf Sekito erwiderte: »Wenn einem nichts anvertraut wird,
gibt es auch keine Antwort.« Dann fügte er hinzu: »Als ich
aufbrach, sagtest du, dass ich bald zurückkommen solle, um das
große Beil unter deinem Stuhl zu bekommen. Nun bin ich zurück,
gib mir also bitte das große Beil.«
Seigen schwieg. Sekito verneigte sich und zog sich zurück.
Seigens Schweigen zeigt an, dass er Sekito akzeptierte, dass er seinen Mut respektierte. Er wusste, dass er den Brief nicht abgeliefert hatte und dass es keine Antwort gab, obwohl Sekito den Brief nicht erwähnt hatte. Sekito hatte einfach gesagt: »Man hat mir nichts anvertraut, wie könnte es da eine Antwort geben? «
Seigen sah diesen Mann, er sah, dass er die notwendige Qualität besaß und die Erleuchtung verdiente. Seigens Schweigen war sein Beil. Er hatte gesagt: »Wenn du zurückkommst, werde ich dir mit meinem Beil den Kopf abschlagen.«
Und nun hatte Sekito ihn daran erinnert: »Ich bin zurückgekommen, also gib mir das große Beil. Schlag mir den Kopf ab. Tu, was immer du tun willst, ich bin bereit.«
Seigen schwieg. In diesem tiefen Schweigen geschieht die Übertragung, das Übergeben des Lichts. Es ist keine Frage von Worten; es ist eine Frage der Energieübertragung. In diesem Schweigen konnte die Flamme von Seigen auf Sekito übergehen.
Und weil er die Flamme, das Feuer, empfangen hatte, verneigte er sich und zog sich zurück. Nun besteht keine Notwendigkeit mehr, den Meister zu stören. Er war als Schüler angenommen worden, und nicht nur angenommen; der letzte Schritt, für den er gekommen war, war vollzogen worden.
Eno war bereits tot, als Sekito erleuchtet wurde. Tatsächlich war Eno gestorben, nachdem Sekito gegangen war und noch bevor er bei Seigen angekommen war. Er war sich vollkommen bewusst gewesen, dass sein Tod nahe war und dass Seigen der Meister war, an den er Sekito weiterverweisen konnte. Sein Urteil war vollkommen richtig gewesen; Seigen bewirkte schließlich Sekitos Erleuchtung. Doch Erleuchtung geschieht im Schweigen, in der Stille. Das ist der Grund, warum meine ganzen Bemühungen dahin gehen, euch so still wie möglich werden zu lassen. Dann braucht es nicht einmal einen Seigen. Dann könnt ihr irgendwo sitzen – in, eurem Zimmer, unter einem Baum, im Garten, an einem Fluss, wo auch immer – wenn euer Schweigen, eure Stille immer tiefer wird, wird das Leben selbst euch die Einweihung in die Buddhaschaft schenken. Und wenn sie direkt vom Leben selbst kommt, besitzt sie eine viel größere Schönheit, als wenn sie durch einen Meister kommt.
Ich lehre die sofortige, plötzliche Erleuchtung. Die Meditation, die ihr praktiziert, ist nur eine Vorbereitung auf die große Stille, in der das Leben zu einer Flamme in euch wird.
Etsujin schrieb folgendes Haiku:
Blütenblätter,
Die mit leichtem Herzen fallen –
Mohnblumen.
Die Blütenblätter fallen mit leichtem Herzen. Sie blicken nicht einmal zurück zu der Pflanze, an der sie blühten, der Pflanze, die so lang ihre Heimat war, der Pflanze, die so lang ihre Nahrung war.
Sie kehren zurück zu der Erde, von der sie kamen.
Sie fallen, doch mit leichtem Herzen ... ohne Bedauern. Sie haben sich an der Sonne erfreut, am Mond, an den Sternen. Sie haben im Wind getanzt und im Regen, sie haben getanzt und gefeiert. Was braucht es mehr? Es ist Zeit, zur ewigen Ruhe zu gehen. Darum sind ihre Herzen leicht, ohne Spannung, ohne Angst.
Sie haben total gelebt, sie sterben tanzend. Sie fallen ganz leicht zur Erde, wo sie wieder verschwinden werden. Sie kamen von der Erde, sie kehren zurück zur Erde; der Kreis ist vollendet.
So wie die Blumen aus der Erde auftauchen und zu ihrer ewigen Ruhe zur Erde zurückkehren, so taucht ihr aus der Existenz auf und kehrt auch wieder zur Existenz zurück, wenn ihr ein leichtes Herz habt. Dann werdet ihr nicht in das Gefängnis eines Körpers zurückkehren. Ihr werdet einfach zurückkehren zu der Quelle, aus der ihr gekommen seid, zur ewigen Ruhe.
Diese ewige Ruhe ist Nirwana, diese ewige Ruhe ist Moksha, diese ewige Ruhe ist die Befreiung. Diese ewige Ruhe ist Samadhi, Wahrheit, Erleuchtung – alles nur unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Erfahrung. Ihr seid nach Hause zurückgekehrt, und ihr seid tanzend zurückgekehrt, ohne Bedauern, ohne Klagen, mit leichtem Herzen, in Frieden und Stille verschwunden. Es ist eine wunderbare Erfahrung, wenn man an der Schwelle des Sich -
Auflösens steht, mit leichtem und entspanntem Herzen, ein einfaches und reines Loslassen.
Eine weitere Frage:
In seinem Buch » Der Antichrist « sagt Nietzsche: » Ein Volk,
das noch an sich selbst glaubt, hat auch noch seinen eigenen
Gott. In ihm verehrt es die Bedingungen, durch die es obenauf ist,
seine Tugenden – es projiziert seine Lust an sich, sein
Machtgefühl in ein Wesen, dem man dafür danken kann. «
Könntest du das bitte kommentieren?
Nietzsche schrieb sein Buch »Der Antichrist«, als er bereits psychisch krank war. Doch er war ein solches Genie, dass seine Bücher beweisen, dass alle Psychiater, die ihn für wahnsinnig erklärt hatten, im Unrecht waren. Selbst in seinem Wahnsinn war er geistig weitaus gesünder als eure sogenannten gesunden Psychiater.
Selbst kurz vor seinem Tod – als er seinen letzten Brief an einen Freund schrieb – vergaß er nicht ... Er hatte immer mit »Antichrist Friedrich Nietzsche« unterschrieben, und selbst kurz vor seinem Tod vergaß er nicht, zuerst »Antichrist« zu schreiben, und dann seinen Namen.
Und selbst nach seiner Erkrankung schrieb er noch viele Dinge von enormer Bedeutung. »Der Antichrist« ist eines der Bücher, die euch helfen können, Nietzsches Tiefgründigkeit zu verstehen. Auch wenn er niemals über den Verstand hinausging, gelang es ihm doch, mit seinem Verstand große Höhen und große Tiefen zu erreichen.
Er war sein ganzes Leben lang gegen Christus. Er sagte:
»Christi Lehren sind eine Beleidigung für die Menschheit, denn er bezeichnet die Menschen als Schafe und sich selbst als Hirten. Er sagt, die Menschen hätten die Erbsünde begangen, und er bezeichnet sich selbst als ihren Erlöser. Dass man einfach nur an ihn glauben müsse, und er würde einen erretten. Das ist die größte Beleidigung für jeden Menschen von Verstand.«
Aus diesem Grund sagte Sekito: »E her würde ich auf ewig in der Hölle schmoren, als diese Frage noch einmal zu stellen. Wir passen nicht zueinander. Es herrscht keine Harmonie zwischen deinem und meinem Herzen. Meine Reise zu dir war vergeblich.«
In »Der Antichrist« sagt Nietzsche viele, viele Dinge. Bei all seinen Lehren geht es um den Übermenschen. Gott ist tot, und der Mensch hat die Freiheit, zum Übermenschen zu werden; jetzt braucht er kein Sklave mehr zu sein. Jetzt kann er seine Freiheit erklären, und in seiner Freiheit wird er zum Übermenschen werden.
Mit Gott war er nur ein Sklave, der vor Statuen und Skulpturen und Schriften niederkniete und wie ein Bettler zu Gott betete, der an Erlöser, an Propheten, an den Messias glaubte, die doch alle nichts anderes als Erzegoisten sind. Die ganze Menschheit war auf eine große spirituelle Sklaverei ausgerichtet.
Nietzsche war gegen Christus, weil dieser Lügen sprach:
»Selig sind die Armen im Geiste, denn sie werden das Himmelreich erben.« Das ist eine Lüge. Es tröstet einfach nur die Armen. Und die Armen zu trösten bedeutet, eine mögliche Revolution zu verhindern. Das ist es, was alle Christen machen. Sie beschützen den Kapitalismus, sie beschützen die Menschen, die an der Macht sind, und sie geben den Armen leere Worte als Trost:
»Selig sind die Armen.« Unsinn!
Und um ihnen noch mehr Trost zu geben, verdammt Jesus die Reichen. Er sagt: »Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich.« Das dient nur dazu, den Armen ein gutes Gefühl zu geben: dass ihre Armut spirituell ist, dass sie ein Geschenk Gottes ist, dass sie gesegnet sind. Menschen wie Jesus haben Armut hervorgebracht und die Möglichkeit einer Revolution verhindert, einer Veränderung der sozialen Strukturen, die Möglichkeit, eine bessere Gesellschaft ohne Klassen zu erschaffen, und schließlich eine Gesellschaft, in der auch der Staat überflüssig wird.
Menschen wie Jesus sind keine Erlöser, sondern Tröster. Sie wirken, auch wenn sie sich dessen vielleicht nicht bewusst sind, als Helfer der herrschenden Mächte. Das war der Grund, warum Nietzsche vor seiner Unterschrift immer
»Antichrist« einfügte. Er war darin sehr klar und deutlich.
Jesus sagt: »Wenn jemand dich auf eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.« Nietzsche lehnt das ab, und ich stimme mit ihm überein, und nicht mit Jesus. Und warum?
Nietzsche führt ein perfektes Argument dagegen an. Er sagt:
»Wenn man dem anderen die andere Wange hinhält, beleidigt man ihn. Man sagt damit zu ihm: >Ich bin heiliger als du. Du stehst unter mir.«
Niemand vor Nietzsche hat erkannt, dass es sich dabei um eine Beleidigung handelt; das ist der Grund, warum ich ihn als einen originellen Menschen bezeichne. Er hat nur eines übersehen: Meditation. Sonst hätten wir einen größeren Buddha als Gautama Buddha in ihm gehabt, denn er wäre vollkommen zeitgenössisch gewesen. Versteht ihr, was er damit sagen will? Wenn man die andere Wange hinhält, weist man damit den anderen Menschen und seine Menschlichkeit zurück. Man sagt damit: »Ich bin ein Heiliger, und du bist nur ein einfacher Mensch. « Nietzsche sagt: »Wenn dich jemand auf die Wange schlägt, schlag zurück, so fest du kannst. Das macht euch gleichwertig.« Man erkennt damit die Würde des anderen als menschliches Wesen an, und man sagt damit: »Ich bin auch ein menschliches Wesen; ich stehe nicht über dir, ich bin nicht heiliger als du.« Ein seltsames Argument, doch vollkommen angemessen.
In seinem Buch »Der Antichrist« sagt Nietzsche: »Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat auch noch seinen eigenen Gott.« Nun sind für ihn die Menschen selbst zu Göttern geworden. Doch er weiß nichts von Meditation; das ist das Problem. In die Meditation begibt man sich, als wäre man ein Selbst, doch je tiefer man geht, desto mehr verschwindet das Selbst. Wenn man schließlich das Zentrum erreicht hat, ist man nicht mehr vorhanden. Die Frage, ob man ein Gott ist, stellt sich dabei überhaupt nicht. Ihr seid ganz sicher göttlich, denn die ganze Existenz ist göttlich. Doch es ist kein Machtspiel, denn bei einem Macht spiel müssen andere unter dir stehen, musst du über anderen stehen.
In tiefer Meditation weißt du, dass selbst Bäume dir gleich wertig sind, dass selbst Tiere und Vögel und Felsen dir gleichwertig sind. Das ganze Universum existiert in vollkommener Gleichwertigkeit. Das ist etwas, was ich immer und immer wieder gesagt habe. Nur ein spiritueller, meditativer Mensch kann wirklich kommunistisch und anarchistisch sein, niemand sonst, denn wenn man sich tiefer in sich selbst hineinbegibt, verschwindet man; man ist nicht mehr vorhanden. Da gibt es also keine Machtspiele mehr, keinen Egotrip. Die ganze Existenz wird plötzlich vollkommen gleichwertig. Das Ego ist nicht mehr vorhanden, das »Ich« ist nicht mehr vorhanden; es ist nur noch Licht, Bewusstsein, Gewahrsein vorhanden. Und die ganze Existenz scheint genauso still zu sein wie du, genauso ekstatisch wie du. Es gibt nichts, was höher oder niedriger wäre.
Beide Bewegungen – die Bewegung des Kommunismus und die Bewegung des Anarchismus – haben in gewisser Weise versagt, weil sie den grundlegenden Punkt der Gleichheit übersehen haben.
Nur ein Meditierender weiß, dass alles gleich ist, weil wir alle Teil eines einzigen organischen Kosmos sind. Verschiedene Gestalten und verschiedene Formen sorgen für Schönheit, weil sie für Vielfalt sorgen. Doch tief an den Wurzeln ist es derselbe Saft; es ist dieselbe Nahrung, ob sie nun im Baum fließt und zu einer Blüte wird oder ob sie in dir fließt und zu einem Buddha wird. Deine Entfaltung zu einem Buddha entspricht nur der Entfaltung einer Lotusblume, da gibt es überhaupt keinen Unterschied. Nichts ist höher, nichts ist niedriger.
Nietzsche hat recht. Wenn die Menschen nicht meditativ sind und die Vorstellung von einem Gott fallen lassen, werden sie selbst zu Göttern, denn wer sollte sie davon abhalten? Ihre Egos werden sich aufblähen, sie werden immer egoistischer werden. Als Gott noch da war, waren sie demütig, fürchteten sie sich vor einer Bestrafung, vor der Hölle. Jetzt gibt es keinen Gott mehr – wer könnte verhindern, dass ihr Ego immer größer wird?
Einmal wandte jemand gegen Napoleon Bonaparte ein:
»Was Sie da tun, verstößt gegen die Verfassung.« Napoleon sagte darauf: »Ich bin das Gesetz. Werft die Verfassung weg. Was ich sage, ist die Verfassung.« Genau das wird passieren. Die Egoisten werden sich selbst zum Gesetz machen. Egoistische Menschen machen sich zu Göttern.
Der Zweite Weltkrieg war ein großer Schock für die Japaner, nicht wegen Hiroshima und Nagasaki, sondern wegen der Niederlage ihres Sonnengottes. Sie glaubten, dass ihr Kaiser der Sonnengott sei, dass er kein menschliches Wesen sei, dass er nicht besiegt werden könne. Weil er niemals besiegt worden war, hatte sich dieses Konzept aufrechterhalten und immer mehr verfestigt:
»Er kann nicht besiegt werden, es gibt keine Macht, die ihn besiegen kann. Er ist kein menschliches Wesen, er ist ein Gott, ein Sonnengott. « Doch alle großen Könige und Kaiser glaubten, dass sie ihre Macht von Gott erhielten. Wenn es keinen Gott mehr gibt, werden eure Könige, eure Kaiser, die Menschen, die an der Macht sind, anfangen zu glauben: »Wir sind Götter, und alle anderen sind nur einfache menschliche Wesen.«
Nietzsche hat also Recht. Wenn man nicht mit Meditation vertraut ist, ist der Verstand ein gefährliches Phänomen. Ohne Gott kann er sich sehr aufblähen. Er kann anfangen, sich selbst für Gott zu halten.
Das erinnert mich an eine wunderbare Geschichte aus Bagdad, zur Zeit eines Kalifen namens Omar. Ein Mann erklärte, dass er eine neue Botschaft von Gott erhalten habe und dass sie eine bedeutende Verbesserung des Korans darstellen würde. Er wurde sofort festgenommen und vor den Kalifen und seinen Gerichtshof gebracht. »Dieser Mann behauptet, dass er von Gott gesandt wurde und der Menschheit eine neue Botschaft bringt, die weiter entwickelt ist als Mohammeds Heiliger Koran.«
Die Mohammedaner akzeptieren keine Verbesserungen am Koran, denn darin steht das ultimative Wort Gottes. Jede Religion sagt dasselbe. Mahavir hat für die Jainas das letzte Wort gesprochen, und nichts lässt sich daran verändern, nichts lässt sich verbessern. Entsprechend sind die Aussagen Buddhas auch das letzte Wort für die Buddhisten. Dasselbe gilt für Jesus, für Moses –
jeder Religionsgründer dieser Welt hat versucht, seinen Anspruch durchzusetzen, dass er selbst der absolute Endpunkt ist. »Alles hört mit mir auf; von nun an gibt es keine Evolution mehr.« Doch die Evolution kümmert sich nicht um diese Leute, sie geht einfach weiter. Omar war also sehr zornig. Er sagte: »Du bist ein Mohammedaner und behauptest, dass du ein besserer Prophet wärst als Mohammed? «
Der Mann erwiderte: »Natürlich, denn ich komme heute, so viele Jahrhunderte später. Die Welt hat sich verändert, die Zeiten haben sich verändert. Wir brauchen einen neuen Koran, und ich habe ihn gebracht.«
Omar war sehr zornig. Er sagte zu seinen Soldaten: »Lasst ihm die richtige Behandlung angedeihen. Bindet ihn im Gefängnis nackt an eine Säule und peitscht ihn sieben Tage lang aus. Lasst ihn nicht schlafen und gebt ihm nichts zu es sen. In sieben Tagen komme ich wieder, um zu sehen, ob er seine Meinung geändert hat oder nicht.
«
Der Mann wurde also sieben Tage lang ununterbrochen gefoltert: kein Schlaf, keine Nahrung, ständige Auspeitschungen.
Als Omar am siebten Tag in das Gefängnis kam, war der Mann über und über mit Blut bedeckt und am ganzen Körper zerschunden.
Omar fragte ihn: »Und was glaubst du jetzt? Hast du deine Meinung geändert oder nicht? «
Der Mann lachte und sagte: »Als ich das Paradies verließ, um der Menschheit die neue Botschaft zu bringen, sagte Gott zu mir, dass man mich foltern würde. Jeder Prophet wurde gefoltert. Diese sieben Tage haben bewiesen, dass ich ein Prophet bin. Gott hatte Recht.«
Omar wollte seinen Ohren kaum trauen. In diesem Augenblick kam plötzlich von einer anderen Säule die Stimme eines Mannes, der einen Monat zuvor ins Gefängnis gebracht worden war. Er hatte erklärt: »Ich bin Gott selbst!« Also war er einen Monat lang im Gefängnis gefoltert worden . Omar hatte ihn bereits vollkommen vergessen – er hatte angefangen, sich für diesen Propheten zu interessieren –, doch dieser Mann rief jetzt plötzlich: »Omar! Ich bin Gott! Nimm dich in Acht! Nach Mohammed habe ich nie mehr einen Propheten in diese Welt gesandt! Dieser Mann lügt!« Was soll man mit solchen Leuten machen? Sie sind einfach nur verrückt.
Kein Psychoanalytiker, sofern er sich an seine wissenschaftlichen Analysen und Vorgehensweisen hält, könnte erklären, dass Jesus geistig gesund war. Dieser Mann bezeichnet sich selbst als »Sohn Gottes«. Er muss in Verwahrung genommen werden! Da hilft keine Kreuzigung; das wäre vollkommen falsch.
Er hat kein Verbrechen begangen, er hat einfach nur gezeigt, dass er verrückt ist. Und verrückte Menschen schlägt man nicht ans Kreuz, man hat Mitgefühl mit ihnen; sie brauchen psychologische Betreuung. Doch leider gab es zu jener Zeit noch keine Psychiatrie und keine Psychologie. Es brauchte erst einen anderen Juden, Sigmund Freud, um das zu erfinden. Doch er kam zu spät; er kam erst zweitausend Jahre, nachdem der erste Jude, Jesus, gekreuzigt worden war.
In Wahrheit handelt es sich um Größenwahn. Wenn es keinen Gott gibt, kann jeder mit einem egoistischen Verstand plötzlich ins andere Extrem kippen. Früher kniete er vor Gott nieder. Nun, da er weiß, dass es keinen Gott gibt, kippt er ins andere Extrem. Nun erklärt er: »Ich bin Gott.« Immer muss es einen Gott geben.
Doch diese Behauptung Nietzsches ist die Erfahrung eines Menschen, der nur den Verstand kennt und nichts darüber hinaus.
Wenn man über den Verstand hinausgeht, ist man nicht mehr vorhanden. Dann gibt es niemanden mehr, der sagen könnte: »Ich bin der Sohn Gottes«, oder: »Ich bin Gott.« Es gibt niemanden mehr, der sagen könnte: » Ich bin der Erlöser der Menschheit«,
»Ich bin ein Prophet«, oder:
»Ich bin die Inkarnation Gottes.« All diese Menschen sind einfach nur verrückt. Ihr habt Verrückte verehrt, weil sie sich selbst zu Gott erklärt hatten. All diese sogenannten Religionsgründer hätten eigentlich eine psychiatrische Behandlung gebraucht. Solche Leute gibt es immer noch ... Als Jawaharlal Nehru Indiens Premierminister war, gab es mindestens ein Dutzend Leute in ganz Indien, die sich für Jawaharlal Nehru hielten. Einen von ihnen kannte ich, denn er wohnte in einer nahe gelegenen Stadt, und ich fuhr ab und zu dorthin, um im College einen Vortrag zu halten. Der Schulleiter stellte ihn mir lachend vor: »Das ist der Pandit Jawaharlal Nehru, unser Premierminister.« Und der Mann war genauso wie Jawaharlal Nehru angezogen.
Ich sagte: »Er sieht aus wie der Pandit Jawaharlal Nehru.«
Worauf der Mann erwiderte: »Ich sehe so aus? Ich bin es!«
Der Schulleiter teilte mir anschließend mit, dass dieser Mann immer Telegramme an Gemeinderäte schickte und sie informierte, dass der Premierminister an dem und dem Tag kommen würde und dass sie das beste Zimmer für ihn reservieren sollten: »Er wird zwei Tage lang bleiben. Informieren Sie alle Beamten.« Und häufig gelang es ihm, die Leute zu täuschen, denn in solch kleinen Dörfern gab es niemanden, der Jawaharlal Nehru direkt gekannt hätte. Sie hatten nur Bilder von ihm gesehen, und dieser Mann sah genauso aus wie er. Er trug denselben Haarschnitt, dieselbe Kappe, dieselbe Weste, dieselbe mohammedanische Tracht – alles war vollkommen perfekt. Und auch sein Gesichtsausdruck wurde dem von Jawaharlal Nehru immer ähnlicher, vermutlich aufgrund seiner Vorstellung. Er glaubte vollkommen daran, in seinem Kopf gab es überhaupt keinen Zweifel. Er verhielt sich so wie Jawaharlal Nehru, er hatte sogar denselben Gang wie er. Schließlich starb er bei einem Autounfall.
In der größten Irrenanstalt Indiens, in Barelli, gab es einen weiteren Mann, der sich für Jawaharlal Nehru hielt. Nach drei Jahren dort erkannte er, dass er nicht Nehru war, vielleicht, weil sie ihn ständig quälten und auf ihn einhämmerten: »Du bist nicht Nehru.« Er war es irgendwann leid, so scheint mir, und was später geschah, beweist, dass ich damit Recht habe. Jawaharlal Nehru kam zu irgendeiner Feier nach Barelli und sollte auch die Irrenanstalt besuchen, um einen neuen Gebäudeflügel einzuweihen, der errichtet worden war, um mehr Verrückte unterbringen zu können.
Die Angestellten der Irrenanstalt dachten, es wäre hilfreich, wenn die beiden Nehrus sich begegnen würden, nun, da der Verrückte geheilt war.
Als Jawaharlal kam, brachten sie ihn also zu diesem Verrückten und stellten ihn diesem vor: »Das ist der Pandit Jawaharlal Nehru, unser Premierminister.«
Der Mann schaute Jawaharlal an und sagte: »Machen Sie sich keine Sorgen. Es wird etwa drei Jahre dauern. Ich habe genau dasselbe wie Sie gedacht, doch diese Leute hier sind solche Quälgeister. Schließlich musste ich akzeptieren, dass ich es nicht bin, auch wenn ich innerlich weiß, dass ich es bin. In drei Jahren werden Sie ebenfalls akzeptieren, dass Sie nicht Jawaharlal Nehru sind. Gehen Sie nur hinein. Ich gehe hinaus, und Sie gehen hinein!
Machen Sie sich keine Sorgen, es dauert nur drei Jahre, bis Sie geheilt sind.«
Dieser Mann dachte vollkommen logisch. Er hatte immer gedacht, dass er Jawaharlal sei; dann hatten ihn diese Leute geheilt, indem sie ihn quälten. Doch tief im Innern wusste er immer noch, wer er war.
Es geschah einmal in England, als Churchill Premierminister war. Wegen des Zweiten Weltkriegs gab es in London eine strikte Ausgangssperre nach sechs Uhr. Man durfte sich nicht auf den Straßen sehen lassen, sonst konnte man er schossen werden.
Churchill pflegte nun immer einen Abendspaziergang zu machen. Und an diesem Tag gab es einen wunderbaren Sonnenuntergang – etwas sehr Seltenes in England, wo die Sonne nur ab und zu auftaucht. Also setzte er sich auf eine Parkbank, um den Sonnenuntergang zu beobachten, und vergaß die Ausgangssperre. Als die Sonne hinter dem Horizont versank, wurde ihm plötzlich klar, dass er zu spät dran war. Es war schon nach sechs Uhr, er sollte längst zu Hause sein, doch er war mindestens eine Meile weit entfernt. Und der strikte Befehl, sein Befehl, lautete, dass man nach sechs Uhr zu Hause sein musste. Man würde ihn erschießen.
Er sah sich also um, ob er nicht irgendwo unterkommen könnte.
Jeder würde ihn aufnehmen, wenn er ihn als Winston Churchill, den Premierminister, den Retter der Nation erkannte. Er klopfte also an die Tür des ersten Hauses um die Ecke, das zufällig eine Irrenanstalt war. Jemand öffnete ihm die Tür, und Churchill sagte:
»Es tut mir leid, wenn ich störe. Ich bin Winston Churchill, der Premierminister. Bestimmt erkennen Sie mich.«
Der andere Mann packte ihn einfach und zog ihn hinein.
Churchill sagte: »Was machen Sie denn da?«
Der Mann antwortete: »Wir haben bereits sechs Winston Churchills hier. Kommen Sie nur herein!«
Churchill wandte ein: »Aber ich sage Ihnen, ich bin wirklich Winston Churchill.«
Der Mann erwiderte: »Das sagen sie alle. Ich stecke Sie zu den anderen, dann werden Sie bald wissen, wer der echte Winston Churchill ist.«
Es gab keine Möglichkeit zu entkommen. Draußen war er in Gefahr, erschossen zu werden, also war es besser, in dieser Irrenanstalt zu bleiben. Und man steckte ihn zu diesen sechs fetten Typen, die alle die Art von Zigarre rauchten, die man Churchill immer rauchen sah. Als der siebte Churchill eintrat, winkten sie ihm alle zu – mit dem V-Zeichen für Victory. »Willkommen, treten Sie ein!«
Sie sahen alle aus wie er selbst, fett und aufgeblasen und Zigarre rauchend, und begrüßten ihn mit dem Victory-Zeichen. Er versuchte sie zu überzeugen, und die Diskussion dauerte die ganze Nacht. Er sagte zu ihnen: »Ihr seid verrückt. Ich bin der echte Winston Churchill ...« Doch sie lachten alle nur. Einer von ihnen sagte: »Jeder hier ist echt. Es gibt keine unechten Churchills.«
Churchill versuchte es weiter: »Erkennt ihr mich nicht?« Doch sie sagten: »Erkennen Sie uns nicht? Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind. Wir waren schon zu sechst, und Sie sind nun der Siebte.
Bestimmt kommen noch mehr! Und alle sind echt! Niemand ist unecht.«
Er verbrachte also eine quälende Nacht mit diesen sechs Churchills, die permanent rauchten und redeten, wie Churchill zu reden pflegte, über Kriegsangelegenheiten und seine Pläne, Hitler zu besiegen. Churchill schwieg: »Was soll man schon mit diesen Idioten machen? « Sie nörgelten an ihm herum: »Warum sitzen Sie so still da? Wenn Sie der echte Churchill sind, sollten Sie mit dazukommen und die Staatsprobleme mit uns besprechen. Das Land ist in Gefahr, und Sie sitzen schweigend herum? Wie können Sie da denken, dass Sie der echte Churchill seien? «
Churchill meinte später dazu: »Gelegentlich begann ich in dieser Nacht tatsächlich zu zweifeln ... diese Leute waren sich so sicher, wer weiß? Vielleicht war ich derjenige, der verrückt war? Ich war mir sicher, doch sie waren es auch. Tatsächlich schienen sie sich sicherer zu sein als ich. Bei mir tauchte manchmal ein gewisses Zögern auf, ein gewisser Zweifel ...«
Am Morgen rief er seinen Sekretär an: »Schicken Sie Leute vorbei, um diese Gefängniswärter hier zu überzeugen.« Alle hatten sich schon Sorgen gemacht, und die ganze Nacht über war in ganz London nach ihm gesucht worden. »Wohin ist er gegangen? « Ganz England hing von Churchills Plänen zur Vernichtung Adolf Hitlers ab. »Wohin ist er gegangen? Handelt es sich um eine Verschwörung? Hat Adolf Hitler ihn entführen lassen? «
Als er anrief, kamen sofort Beamte vorbei und sagten zum Aufseher: »Sie sind ein Idiot. Sie haben unseren Premierminister gequält.«
Doch der Aufseher erwiderte: »Kommen Sie nur herein, dann werden Sie sehen, dass wir hier sieben Premierminister haben. Es ist nicht mein Fehler, sie sagen alle dasselbe. Dieser Mann sagte dasselbe wie alle anderen. Wie hätte ich entscheiden sollen, wer echt ist? «
Und als die Beamten eingetreten waren, konnten sie ihren Augen kaum glauben. Sie entschuldigten sich: »Sie haben Recht, es tut uns leid. Doch dieser Mann ist der echte Churchill. Wir nehmen ihn mit.« Und da sie hohe Parlamentsbeamte waren, stimmte der Aufseher zu.
Die anderen sechs meinten: »Was soll das? Diesen falschen Typ haben sie mitgenommen! Wir sind die echten Churchills – nicht nur einer, sondern sechs! – aber niemand nimmt irgendwelche Notiz von uns ...«
Das Ego ist wahnsinnig. Wenn es keinen Gott gibt, kann das Ego sich selbst für Gott halten. Doch das kann nur dann passieren, wenn man nicht mit Meditation vertraut ist. Durch Meditation verschmilzt man einfach nur mit dem Kosmos. Man selbst ist nicht mehr vorhanden, nur die Existenz ist noch vorhanden.
Nun die Meditation: Werde still ...
Schließe deine Augen und spüre, wie dein Körper vollkommen still wird. Das ist der richtige Augenblick, um nach innen zu gehen.
Sammle all deine Energie, dein gesamtes Bewusstsein, und begib dich ins Zentrum deines Wesens, als wäre dies der letzte Augenblick deines Lebens.
Schneller und schneller ... tiefer und tiefer ...
Während du deinem Zentrum immer näher kommst , senkt sich eine große Stille auf dich herab. Sie fällt wie sanfter Regen auf dich nieder.
Geh noch ein Stückchen weiter, tiefer, und eine vollkommen neue Erfahrung wartet auf dich ...
Blumen des Friedens, Blumen der Heiterkeit, Blumen der vollkommenen Stille sind rund um dich herum am Erblühen.
Nur noch ein Schritt und du bist im innersten Zentrum deines Wesens, vollkommen trunken vom Göttlichen, umgeben von einer Aura der Ekstase. Zum ersten Mal erkennst du dein ursprüngliches Gesicht. Das Gesicht Buddhas ist nur ein Symbol, in Wahrheit ist es unser aller Gesicht, das letztendliche Gesicht.
Die einzige Qualität, die ein Buddha besitzt ... alle Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft haben nur eine einzige Qualität – Gewahrsein, Bewusstheit.
Nimm einfach wahr, dass du nicht der Körper bist. Nimm wahr, dass du nicht der Verstand bist.
Nimm wahr, dass du nur ein Beobachter bist.
Du bist nur ein Buddha, vollkommen unschuldig, jenseits des Verstandes, reiner Raum, unendlich und ewig.
Entspanne dich ... Lass los, so wie die Blüten von den Bäumen fallen ... mit leichtem Herzen, ohne Spannung, ohne Angst. Im Zentrum angekommen, bist du im Einklang mit dem Leben, dein Herzschlag ist der Herzschlag des ganzen Universums.
In diesem Augenblick zählst du zu den am meisten gesegneten Menschen auf dieser Erde, denn es gibt keinen größeren Glanz im Universum als den, den du in diesem Augenblick verkörperst.
Erfreue dich an diesem wunderbaren Augenblick. Erfreue dich an dieser authentischen und ursprünglichen Erfahrung.
Erfreue dich daran, dass du so gesegnet bist, so nahe am Leben selbst. Und sammle all diese Erfahrungen ein, bevor Nivedano dich zurückruft.
Du musst sie vom Zentrum zur Peripherie deines Lebens bringen. Du musst ein Leben der Anmut, Schönheit, Freude, Seligkeit und Ekstase führen – in jedem Augenblick, rund um die Uhr.
Ob wachend oder schlafend, du bist der Buddha und alles, was dazu gehört – das Gewahrsein, die Ekstase, die Freude, die Glückseligkeit, die vollkommene Trunkenheit, die zu dir kommt.
Wenn du dein Zentrum erreicht hast, bist du damit ins Zentrum der ganzen Existenz gelangt.
Du bist umgeben und genährt von den Säften des Lebens.
Sammle all diese Erfahrungen ein und denke daran, dass du den Buddha dazu bringen musst, mit dir zu kommen.
Das sind die drei Schritte der Meditation: Zuerst tritt der Buddha wie ein Schatten hinter dich. Doch dieser Schatten duftet, dieser Schatten besitzt eine enorme Substanz, dieser Schatten ist kein Schatten, sondern eine Präsenz – sehr greifbar, man kann sie berühren, man kann sie fühlen. Er ist direkt hinter dir; seine Wärme, sein Mitgefühl, sein Licht fallen dauernd auf dich.
Beim zweiten Schritt wirst du der Schatten, und der Buddha tritt vor dich. Dein Schatten löst sich langsam auf, denn deine Persönlichkeit ist nichts als eine falsche Vorstellung, eine Fiktion, eine Lüge.
Und wenn dein Schatten verschwindet, wird dein Wesen eins mit dem Buddha. Das ist der dritte und letzte Schritt.
In dem Augenblick, in dem du zum Buddha wirst, bist du nach Hause gekommen. Dieser Tag wird der glücklichste Tag deines Lebens sein. Du hast viele Leben gelebt, auf vielerlei Weise, in vielen verschiedenen Körpern, und du hast den Weg zurück verfehlt
– und verfehlt – und verfehlt. Mache dir klar, dass du den Weg diesmal nicht verfehlen wirst: Du wirst die Erleuchtung erlangen, du wirst den höchsten Gipfel erreichen, die tiefste Tiefe deines Wesens.
Genau darum geht es, wenn du dein verborgenes Geheimnis, deinen verborgenen Glanz, an die Oberfläche bringst.
Gott ist tot, und Zen ist nun die einzige lebendige Wahrheit.
Komm zurück, doch ganz langsam, ganz friedlich, ganz still, so als ob überhaupt niemand hier wäre.
Bleib einfach eine Zeit lang still sitzen, um dich an den Weg zu erinnern, den du gegangen bist, um dich an diesen weiten Raum zu erinnern, diese wunderbaren Augenblicke, in denen dein Herz im Einklang mit dem Herzen des Universums schlug, diese kurzen, kostbaren Augenblicke, als dein ganzes Leben ewig war.
Und fühle den Buddha, seine Wärme, sein Mitgefühl, seine Präsenz. Er befindet sich direkt hinter dir.
Der Tag ist nicht mehr weit, an dem du den zweiten und den dritten Schritt machen wirst.