Athena? Ein interessanter Name! Schauen wir mal … ihre Höchstzahl ist die Neun. Optimistisch, sozial, sticht aus der Masse hervor. Menschen, die Verständnis, Mitgefühl und Großzügigkeit brauchen, werden ihre Nähe suchen, und sie muß aufpassen, daß ihr ihre Beliebtheit nicht zu Kopf steigt und sie am Ende mehr verliert als gewinnt. Sie muß auch ihre Zunge im Zaum halten, denn sie neigt dazu, zu viel zu reden.
Ihre Mindestzahl ist die Elf. Ich glaube, sie strebt eine leitende Position an. Sie beschäftigt sich mit mystischen Dingen; und über diese Beschäftigung versucht sie, allen denen Harmonie zu bringen, die sich in ihrem Umkreis befinden.
Aber das steht in direktem Gegensatz zur Zahl Neun, die die Summe aus dem Tag, dem Monat und dem Jahr ihrer Geburt ist und sich in einer einzigen Zahl vereinigt: Sie wird immer zu Neid, Traurigkeit, Verschlossenheit und gefühlsgesteuerten Entschlüssen neigen. Vorsicht bei folgenden negativen Schwingungen: übermäßiger Ehrgeiz, Intoleranz, Machtmißbrauch, Extravaganz.
Wegen dieses Konfliktes schlage ich vor, daß sie sich etwas widmet, das keinen emotionalen Kontakt mit Menschen verlangt, wie beispielsweise die Arbeit im Bereich der Informatik oder des Ingenieurwesens.
Sie ist tot. Oh, tut mir leid. Was hat sie denn tatsächlich gemacht?
Was hat Athena tatsächlich gemacht? Von allem ein wenig, aber müßte ich ihr Leben zusammenfassen, würde ich sagen: Sie war eine Priesterin, die die Kräfte der Natur verstand. Oder besser gesagt, sie war jemand, der nichts zu verlieren oder vom Leben zu erwarten hatte und deshalb das Risiko auf sich genommen hat, über das, was andere tun, hinauszugehen. Und am Ende hat sie sich in die Kräfte verwandelt, die sie zu beherrschen glaubte.
Sie war Verkäuferin im Supermarkt, Bankerin, Grundstücksmaklerin, und in jedem dieser Berufe hat sie immer die Priesterin, die sie in sich trug, offenbart. Ich habe acht Jahre mit ihr verbracht, und das schulde ich ihr: die Erinnerung an sie und ihre Identität wiederherzustellen.
Dazu mußte ich viele Menschen befragen, die Athena gekannt hatten. Das Schwierigste dabei war, deren Erlaubnis zu erhalten, ihre wahren Namen benutzen zu dürfen. Einige sagten, sie wollten in einem solchen Buch nicht genannt werden, andere versuchten, ihre Meinungen und Gefühle zu verbergen. Ich habe ihnen erklärt, meine wahre Absicht sei, alle Beteiligten besser verstehen zu lassen, wer Athena war, und daß niemand anonymen Erklärungen Glauben schenken würde.
Da jeder der Interviewten glaubte, über die einzige, endgültige Version der jeweiligen Ereignisse zu verfügen, egal, wie unbedeutend sie waren, willigten sie am Ende ein. Während der Tonbandaufnahmen merkte ich, daß die Dinge nicht absolut sind, daß jeder eine eigene Sicht auf die Dinge hat. Und daß die beste Art zu erfahren, wer wir sind, häufig ist, herauszufinden, wie die anderen uns sehen.
Das soll nicht heißen, daß wir tun, was die anderen erwarten: Aber zumindest verstehen wir uns selber besser. Das war ich Athena schuldig.
Ihre Geschichte zu rekonstruieren, den Mythos Athena festzuhalten.