Kapitel 12 Urwald südwestlich von Manaus, Brasilien, 31. Juli

Der buckelige Indio eilte ihnen voraus, vom Fluss fort und durch den Urwald. Er durchbrach das Unterholz und überwand die schwierigsten Passagen ohne sichtliche Anstrengung. Er blieb immer wieder stehen, um zu warten, bis sie ihn entdeckt, den Weg gefunden und sich ihm genähert hatten. Allerdings ließ er sie nie so nah herankommen, dass sie ihn sich hätten genauer ansehen können. Er blieb kaum mehr als ein dahineilender Schatten, eine Figur in der Ferne.

Dem Mann zu folgen, war anstrengend, und sein Weg wirkte ziellos, schien bisweilen regelrecht in Kreisen zu führen. Aber wenn zu beiden Seiten die Brettwurzeln meterhoch emporragten und Baumstämme, Unterholz und Wurzelgeflechte alles andere um sie herum versperrten, stellte Tom fest, dass sie offenbar die einzig gangbare Passage verwendeten und dass der Indio sehr genau wusste, wo er sie entlangführte.

Eine Stunde später mussten Tom und Juli verschnaufen und etwas trinken. Als der Indio sich das nächste Mal umsah, streckte Tom den Arm in die Höhe, dann blieben sie stehen und legten eine Pause ein. Der Indio wartete in einiger Entfernung. Tom hob die Wasserflasche an, um sie ihm zu zeigen und ihm anzubieten, aber der Mann reagierte nicht.

»Er will wohl nicht, dass wir ihm zu nahe kommen«, meinte Juli. »Ich habe das Gefühl, er ist ganz furchtbar missgestaltet. Nicht nur der Buckel, meine ich. Seine ganzen Proportionen stimmen irgendwie nicht. Und manchmal sieht seine Haut ganz uneben aus, je nachdem, wie das Licht darauf fällt.«

»Ja, das ist mir aufgefallen. Aber er ist so flink … Er wirkt nicht krank, sondern so, als sei er schon von Geburt an fehlgebildet gewesen und hätte sich daran gewöhnt.«

Sie wagten nicht, allzu lange zu pausieren, und machten sich nach einigen Minuten auf den Weg.

»Ich hoffe, dass er nicht vorhat, uns noch tagelang so zu hetzen«, sagte Tom. »Wir müssen den ganzen Weg auch noch zurück.«

»Immerhin können wir mit dem GPS-Gerät den Rückweg finden«, sagte Juli. »Sonst würde ich mir erhebliche Sorgen machen. Ich habe inzwischen total die Orientierung verloren.«

Der Indio führte sie stetig tiefer in den Regenwald. Den Fluss bekamen sie nicht mehr zu Gesicht. Stattdessen ging es durch den sich ständig ändernden Urwald, der schließlich zu einem grünen Einerlei wurde, durch das Juli und Tom sich quälten, fast willenlos, immer nur den Indio vor Augen. Am späten Nachmittag war es schließlich so weit.

Der Indio verschwand vor ihnen, und als sie die Stelle erreichten, an der sie ihn zuletzt gesehen hatten, blieben sie einen Augenblick unschlüssig stehen.

»Das kann ja jetzt wohl nicht alles gewesen sein«, meinte Tom. Doch als er sich umsah, entdeckte er den Mann in einiger Entfernung auf gleicher Höhe mit ihnen. Er wies mit dem Speer in eine Richtung, deutete ihnen an, dass sie weiter geradeaus gehen sollten. Er hatte offenbar vor, zurückzubleiben.

Vor ihnen zog sich quer durch den Wald eine Mauer aus undurchdringlichem Unterholz, das sich fast vier Meter hoch auftürmte. Ein Gewirr aus abgestorbenen Ästen, Büschen und Luftwurzeln. Tom wies darauf und sah fragend zum Indio hinüber. Der zeigte weiter stoisch mit seinem Speer darauf.

»Ja, ja, lustig«, murrte Tom. »Klettern dürfen wir jetzt alleine.« Er ging an die natürliche Barriere heran. »Schaffen wir das?«, meinte er an Juli gewandt.

»Ja, vermutlich«, seufzte sie. »Scheint ja ganz wichtig zu sein. Ich will nur hoffen, dass es das auch wert ist. Danach kann ich nämlich für heute keinen Schritt weiter, das sage ich dir.«

»Also dann …« Tom begutachtete die Unterholzbarrikade und suchte nach einer geeigneten Stelle, um hinaufzugelangen. Der nur lose Zusammenhalt der Zweige auf dem unförmigen Haufen machte die Kletterei zu einer sehr wackeligen Angelegenheit. Tom kam nur langsam voran. Plötzlich rutschte er aus und versank bis zur Hüfte in einem Hohlraum zwischen den Ästen und Wurzeln, nur die Reisetasche auf seinem Rücken hielt ihn auf.

»Hast du dir was getan?«, rief Juli.

»Hänge nur ein bisschen herum«, gab er zurück und bemühte sich, sich zu befreien. Nachdem es ihm schließlich gelungen war, wandte er sich an Juli.

»Am besten kommst du jetzt hinterher. Wenn wir zusammenbleiben, geht es bestimmt leichter.«

Juli begann mit dem Aufstieg und suchte die gleichen Griffe und Trittstellen, die sich bei Tom als stabil erwiesen hatten. Als sie herangekommen war, streckte Tom seine Hand aus und zog sie hoch.

Gemeinsam kletterten sie weiter hinauf und halfen sich dabei gegenseitig. Minuten später waren sie oben angekommen und sahen zum ersten Mal auf die andere Seite des Walls.

»Das glaube ich nicht«, stieß Tom hervor.

Kurz hinter dem Wall hörte der Wald auf. Nur ein paar vereinzelte Bäume standen noch, dann dehnte sich ein weiter Streifen gerodeten Landes aus. Alle Bäume waren gefällt, alle Stümpfe und Sträucher entfernt, der Boden platt gewalzt und mit Schotter bedeckt. Der gerodete Streifen führte weiter nach links und rechts, als sie von ihrer Warte aus sehen konnten, und war mindestens fünfzig Meter breit. Dahinter verlief ein gewaltiger Zaun, der zwischen einer langen Reihe drei Meter hoher Betonpfeiler gespannt war. Die Oberkante des Zauns gabelte sich und war mit Stacheldrahtrollen bedeckt. Auf jedem zweiten Pfeiler war eine Überwachungskamera installiert, die auf das Innere des Geländes gerichtet war.

Jenseits des Zauns befand sich eine weitere mit Kies bedeckte Fläche, und inmitten dieses Geländes lag ein geduckter Gebäudekomplex aus Beton. Die Anlage verfügte über nur wenige Fenster, die mit stabilen Außenjalousien versehen waren. Aus den flachen Dächern ragten lange Antennen, und an einer Stelle stand eine Satellitenschüssel mit außergewöhnlich großem Durchmesser, offenbar ein Sender.

Tom nahm die Kameratasche von seiner Schulter, balancierte sie auf einigen Ästen, schraubte das Teleobjektiv auf und begann, Fotos zu schießen.

»Das ist unglaublich«, sagte er. »Eine streng gesicherte Anlage mitten im Urwald! Es muss mit den Vorfällen in dieser Gegend zusammenhängen.«

»Kannst du irgendwelche Menschen erkennen?«

»Nein. Aber an einigen Stellen sehe ich kleine, rot blinkende Lichter an den Kameras und an den Bewegungssensoren unter der Dachkante. Das Ganze ist also in Betrieb.«

»Was sollen wir jetzt tun? Hineinspazieren wird vermutlich nicht funktionieren.«

Tom suchte das Gelände noch eine Weile mithilfe des Objektivs ab, dann legte er die Kamera zurück in die Tasche.

»Ich weiß es nicht. Der Buckelige muss sich doch irgendetwas gedacht haben … Oder wollte er uns das nur zeigen, weil er hoffte, dass wir eine Idee dazu haben?«

»Er winkt uns«, sagte Juli und deutete in den Wald, wo der Indio stand und den Speer gehoben hatte.

Tom sah hinüber. Der Mann machte ihnen unbeholfene Zeichen. Sie sollten ihm erneut folgen. Es gab offenbar noch mehr zu sehen. Also schulterte Tom seine Kameratasche und suchte einen Weg, um von dem hölzernen Wall nach unten zu gelangen. Nun wurde ihm auch klar, wie dieser entstanden war. Er bestand zu einem großen Teil aus den Stämmen der gerodeten Bäume, die man in den Wald geschoben hatte.

Es dauerte eine Weile, bis sie den wackeligen Abstieg geschafft hatten. Der Indio lief ihnen voraus und führte sie zur Rückseite des Geländes. Von Weitem sahen sie, wie er stehen blieb und mit seinem Speer mehrfach in den Boden stach. Als sie dort ankamen, erkannten sie, dass es sich um eine winzige Lichtung mit fast ebenem Boden handelte, einen perfekten Platz, um in der einsetzenden Dämmerung ihr Lager aufzuschlagen. Von hier aus konnten sie einen großen Teil des abgesperrten Geländes einsehen, waren aber selbst durch dichtes Unterholz vor Blicken geschützt.

Als Tom und Juli sich umsahen, konnten sie ihren unbekannten Führer nirgendwo entdecken.

»Und jetzt? Campen wir hier?«, fragte Tom.

»Es wird dunkel, und ich bin total geschafft«, sagte Juli. »Es sieht mir aus wie eine gute Stelle, und der Indio wollte wohl, dass wir hierbleiben. Also ja, ich finde schon.«

Tom nickte. »Okay. Aber das Lagerfeuer sollten wir uns wohl sparen.«

Sie legten ihre Ausrüstung ab und suchten sich geeignete Stellen für ihre Hängematten. Sie erhitzten eine Dose auf dem Campingkocher und verbargen die kleinen Flammen hinter einem gewaltigen Baumstamm.

Als es dunkel war, schien Licht aus einigen Fenstern des Gebäudekomplexes. Die Außenjalousien verhinderten die Sicht ins Innere, aber ab und zu wanderten Schat-ten dahinter vorbei. Tom beobachtete alles mithilfe seines Teleobjektives, aber von außen ließ nichts auf die Funktion der Gebäude schließen. Einmal hörten sie, wie ein Wagen wegfuhr, aber da sie sich an der Rückseite der Anlage befanden, konnten sie nichts sehen. Die Lichter im Inneren blieben erhellt, hier wurde nicht nur am Tag gearbeitet. Vermutlich wohnten die Menschen auch hier, alles andere wäre an diesem abgelegenen Ort auch unsinnig gewesen. Das bedeutete aber auch, dass man nachts genauso wenig einsteigen konnte wie tagsüber.

Tom wollte sich gerade resigniert abwenden, als eine Alarmsirene aufgellte. Fast zeitgleich flammten Flutlichter rund um die Anlage auf, die von den Dachkanten aus das Gelände bis zur Umzäunung in gleißende Helligkeit tauchten.

An einer Gebäudeseite hatte sich eine Tür geöffnet, und drei Gestalten eilten ins Freie. Sie blieben einen Augenblick geblendet stehen, und Tom konnte sie genau erkennten. Es waren zwei Männer und eine Frau. Der eine Mann war vollkommen nackt und wie ein Affe nach vorn gebeugt, sodass er auf allen vieren lief. Sein Rücken war unnatürlich gebogen, Schulterblätter und Wirbel stachen deutlich aus seiner Haut hervor, die mit blutigen Striemen und Pusteln übersät war. Der andere Mann stand auf zwei Beinen, war aber zur Seite gebeugt und schleifte sein rechtes Bein nach, dessen Fuß in einem falschen Winkel verdreht war. Sein rechter Arm baumelte ebenso nutzlos an ihm herunter. Auch er war fast nackt und trug lediglich Reste eines Hemds, das er jedoch falsch herum angezogen hatte. Sein Bauch war aufgebläht wie ein Ballon und stand im krassen Gegensatz zu seinen spindeldürren Gliedmaßen. Die Frau war von allen dreien die am wenigsten verformte Gestalt und schien die anderen anzuführen. Sie war ebenfalls fast völlig nackt, hatte sich aber ein Hemd um die Hüfte geknotet, das ihr wie ein Lendenschurz den Schritt notdürftig bedeckte. Sie rief etwas und lief auf den Zaun zu, während die anderen beiden ihr folgten.

Tom schoss Fotos, während er das Geschehen durch den Sucher verfolgte.

Der affenartige, nackte Mann hüpfte und krabbelte mit erstaunlicher Geschwindigkeit an den anderen beiden vorbei und erreichte den Zaun als Erster. Er setzte zum Sprung an und krallte sich in anderthalb Metern Höhe in das Gittergeflecht. Augenblicklich brach er in schrille Schreie aus, die die Alarmsirene übertönten. Er zuckte spastisch, blieb aber krampfhaft in den Zaun gekrallt. Er brüllte und schrie, während offenbar heftige Stromstöße durch seinen Körper jagten.

Die anderen beiden Flüchtlinge sahen sich gehetzt um, als ihnen klar wurde, dass der Zaun eine tödliche Falle war.

Der halbseitig gelähmte Mann machte gerade einen unbeholfenen Schritt, als ein Schuss durch die Nacht peitschte. Ein roter Sprühregen blitzte auf, und der Mann wurde von der Wucht eines Treffers beiseitegerissen. Er drehte sich und taumelte, blieb aber stehen, als könne er nicht verstehen, was geschehen war. Seine rechte Schulter war durchschlagen worden. Blut strömte heraus, und aus dem zerfetzten Fleisch ragten scharfkantige Knochensplitter.

Jetzt sah Tom, dass aus der Tür Männer in dunkler Uniform und mit angelegten Waffen getreten waren. Drei standen bereits im Schein der Flutlichter, zwei weitere kamen hinterher.

Sie zielten auf die Frau und den Angeschossenen, während sie den dritten ignorierten. Der hatte inzwischen aufgehört zu schreien, nur sein Körper zuckte noch stumm in den Krämpfen der durch die Hochspannung erzeugten Muskelkontraktionen.

Die Wachmänner riefen den beiden Nackten etwas zu, das Tom nicht verstand. Aber als er sich die Bewaffneten näher ansah, erkannte er einen von ihnen wieder.

»Da ist der Brasilianer«, sagte er zu Juli. »Der kahlköpfige von der Insel und der uns am Flughafen gefolgt war!«

Juli schwieg. Zu sehr nahm sie das Geschehen gefangen. Wenngleich sie ohne Zuhilfenahme des Teleobjektivs keine Details ausmachen konnte, sah sie doch genug, um ihr Herz stocken zu lassen.

»Hier, willst du mal sehen?«, sagte Tom und bot ihr die Kamera an. Aber Juli lehnte ab. Dieser Brutalität hilflos zusehen zu müssen, war schlimm genug, da wollte sie nicht noch näher heran.

Tom sah, dass die beiden Nackten vor den Wachleuten zurückwichen. Die Männer hatten zwar ihre Waffen auf sie gerichtet, wollten sie aber offenbar nicht erschießen. Wieder riefen sie etwas, aber die beiden wichen nur Schritt für Schritt zurück, die Frau mit sicheren Schritten, während der Angeschossene deutlich schwankte, als würde er jeden Moment zusammenbrechen. Sie ergriff ihn an der Hand und zog ihn.

Die Bewaffneten kamen nun näher, redeten auf die beiden ein, aber diese wichen abermals zurück, und plötzlich ging alles ganz schnell. Die Frau riss den angeschossenen Mann mit so unmenschlicher Kraft herum, dass er fünf Meter voran stolperte, in den Zaun stürzte und sich unwillkürlich mit seiner funktionierenden Hand daran festklammerte.

Wie sein unglücklicher Kamerad zuvor brach er in gellende Schreie aus, als der tödliche Strom durch seinen Körper brandete.

Die Männer stürzten nun vor, wollten etwas unternehmen, aber im selben Augenblick wandte sich auch die Frau um, machte zwei Sätze und sprang in den Zaun. Mit weit ausgestreckten Armen krallte sie sich fest. Ein tiefes Stöhnen entrang sich ihrer Kehle im Todeskampf. Wie eine Gekreuzigte hing sie im Elektrozaun, während ihr Körper einen geradezu blasphemischen, zuckenden Tanz aufführte.

Tom, der kurz zuvor noch einige Male auf den Auslöser gedrückt hatte, legte mit zitternden Fingern die Kamera beiseite. Kalter Schweiß lief über seinen Rücken. Er ging in die Knie, stützte sich auf beiden Händen auf und erbrach sich.

Er brauchte eine Weile, bis er sich gefangen hatte und Julis Hand auf seiner Schulter spürte. Die Rufe der Wachleute hörte er nur gedämpft.

»Sie haben sich lieber selbst getötet«, brachte er hervor, »als sich den Männern zu ergeben …«

»Wir sind hier«, sagte Juli an seinem Ohr, »um diesem teuflischen Treiben ein Ende zu setzen.«

Tom nickte nur erschöpft.

»Wir müssen es«, sagte Juli. »Wir sind hergeführt worden. Und wir können etwas verändern.«

Langsam richtete Tom sich auf. »Ja … nur was? Was können wir gegen eine solche Anlage ausrichten? Flutlichter, Bewegungssensoren, Stacheldraht, Elektrozaun, bewaffnete Wachleute … Das ist eine Hochsicherheitsanlage, vielleicht militärisch. Wer auch immer das hier betreibt, weiß verdammt gut, wie er sich zu schützen hat. Die Fotos allein nützen uns nicht viel.«

»Vielleicht finden wir doch noch Hinweise, wem das hier gehört. Irgendwo gibt es vielleicht Schilder, vielleicht Autos oder Mülltonnen mit Adressetiketten.«

Tom schüttelte den Kopf. Er wollte gerne glauben, dass es so leicht war, aber solche Recherchen in der Großstadt waren etwas anderes als hier draußen im Nirgendwo, an einer hermetisch abgeschirmten Anlage, die von Kriminellen betrieben wurde.

Ein leiser Ruf ertönte hinter ihnen aus dem Wald.

Als sie sich umsahen, blickten sie in die Dunkelheit und erkannten erst gar nichts. Dann schälte sich die Gestalt des Indios aus der Schwärze. Der diffuse Schein der entfernten Flutlichter erhellte ihn stellenweise. Er stand nur wenige Meter entfernt. Nun sahen sie, was sie schon den ganzen Tag vermutet hatten. Er war ebenso verkrüppelt und verformt wie die anderen Gestalten, die sie gesehen hatten. Die Rippen stachen kränklich aus seinem Brustkorb hervor, der Bauch war angeschwollen, seine Haltung war gebeugt, als sei seine Wirbelsäule verkrümmt. Er stand da und wies mit seinem Speer ein Stück beiseite. Allerdings war er schräg auf den Boden gerichtet.

Tom und Juli wussten nicht, ob sie zu ihm gehen sollten, und zögerten, als sie eine Bewegung ausmachten, dort, wo der Indio hinzeigte. Die schmalen Lichtfinger, die vom gleißenden Leuchten der Scheinwerfer bis hierher drangen, schienen sich zu bewegen, als sich der Waldboden erhob. Und dann löste sich aus dem Boden eine Gestalt, krabbelte wie eine Spinne aus dem Loch, erhob sich zur Hälfte und lief in die Finsternis des Waldes. Eine weitere Gestalt erschien, dann eine dritte, schließlich eine vierte. Sie alle hielten sich nicht auf, sondern rannten und stolperten eilig und so gut es ihre Körper zuließen in den Wald.

Der Indio blieb noch einen Moment zurück, als wolle er sicherstellen, dass keine weitere Gestalt dem Erdloch entstieg. Oder vielleicht wollte er auch prüfen, ob Tom und Juli die Szene gesehen hatten. Er machte noch eine unbestimmte Geste zu ihnen hinüber, dann wandte er sich ebenfalls ab und verschwand im Wald.

»Was war denn das?«, fragte Tom.

Juli machte einen zögerlichen Schritt. »Die sind auch aus der Anlage geflohen! Bestimmt hat er uns hergeführt, weil er wusste, dass es heute Nacht geschehen würde.«

Tom folgte Juli, und gemeinsam gingen sie zu der Stelle, aus der die Gestalten gekommen waren. Aus der Nähe erkannten sie, dass es weit mehr als nur ein Erdloch war. Der Boden war in großem Umfang aufgewühlt. Eine gewaltige Menge von Erde, die ringsherum verstreut und zu beträchtlichen Haufen aufgeworfen war, ließ erkennen, dass das Loch von dieser Seite aus geschaufelt worden war. Es war eine geplante Befreiungsaktion, kein zufälliger Ausbruch gewesen.

»Wenn das hier so gezielt organisiert wurde, wie es aussieht«, überlegte Tom, »dann haben die drei auf dem Gelände vielleicht nur für eine Ablenkung gesorgt. Während sie vorgaben zu fliehen, konnten andere durch einen geheimen Tunnel entkommen.«

»Auf die Gefahr hin, dass sie sterben würden?«

»Überleg mal: Wir haben es hier mit entsetzlich Verkrüppelten, Entstellten zu tun. Erinnere dich an den Toten im Wald heute Morgen. Wenn diese Anlage für ihre Leiden verantwortlich ist, möchten sie vielleicht lieber sterben, als noch länger dort zu bleiben.«

»Und sie opfern sich füreinander auf …«

Tom kniete sich vor die rabenschwarze und wenig einladende Öffnung. »Wenn dieser Tunnel wirklich bis zu der Anlage führt, dann muss er unglaublich lang sein … Was machen wir jetzt?«

»Vermutlich haben wir nur eine Möglichkeit, auch wenn sie mir überhaupt nicht gefällt …«

»Mir auch nicht«, gab Tom zu und stand wieder auf. »Aber wir müssen es versuchen. Und zwar sofort. Bevor der Ausbruch und der Tunnel entdeckt werden. Bleib hier, ich hole meine Kamera.«

Kurz darauf war er wieder da, schraubte ein kurzes Objektiv auf und hängte sich die Tasche um. »Lass mich voran«, sagte er. »Wir können das Licht meiner Kamera verwenden, damit wir nicht in völliger Dunkelheit herumtasten müssen. Ich hoffe, der Akku hält es ein paar Minuten lang aus.«

Er ging auf alle viere und schaltete das Licht ein. Der Tunneleingang gähnte vor ihnen wie ein Schlund, etwa einen Meter im Durchmesser. Der intensive Geruch feuchter Erde stieg vor ihm auf, und Tom musste unwillkürlich an ein frisch ausgehobenes Grab denken. Um nichts in der Welt würde er üblicherweise in so eine finstere und enge Höhle kriechen. Aber gerade erst waren vier Menschen hier herausgekommen, also musste es möglich sein. Und es war der einzige Weg.

Er kroch voran. Als er kurz darauf in dem engen Gang verschwunden war, überkam ihn eine plötzliche Welle von Panik. Der schwache Schein seiner Kamera verlor sich an der nächsten Biegung der unregelmäßigen Röhre. So würde es nun fünfzig oder hundert Meter weitergehen. Über und um ihn bedrängte ihn das nasse Erdreich, der Gang konnte immer enger zusammenrücken, die Luft würde knapp werden, und es gab vielleicht keine Möglichkeit, zu wenden und umzukehren. Sie könnten ersticken oder stecken bleiben, der Waldboden über ihnen konnte nachgeben und sie lebendig begraben.

»Ich bin da«, hörte er Julis Stimme hinter sich. »Kannst weitergehen.«

Langsam krabbelte Tom weiter, versuchte, seine furchtbaren Gedanken zu verdrängen.

»Willst du was Verrücktes hören?«, sagte Juli. »Ich habe so was noch nie gemacht!«

Tom musste lächeln. »Ach, tatsächlich nicht? Nun, dann wird’s aber Zeit. Früher bin ich immer so zur Schule gegangen.« Er hoffte, dass sein Scherz kein Zittern in seiner Stimme verriet.

»Ich doch auch!«, gab Juli zurück. »Aber nicht um diese Uhrzeit.«

Julis Stimme klang amüsiert und wärmte Tom für einen Moment. Er wünschte sich, dass er ebenso unbeschwert sein könnte. Aber der Gang schien schmaler zu werden, die Wände fühlten sich weich und bröckelig an. Und sie hatten erst ein winziges Stück der Strecke zurückgelegt. Er bemühte sich, schneller voranzukommen, um so bald wie möglich diesem Grab entfliehen zu können.

»Soll ich dir noch etwas erzählen?«, fragte Juli.

»Nur zu.«

»Dieser Gang hier macht mir eine Scheißangst. Ich bin leider nicht so mutig wie du. Also werde ich jetzt einfach ein bisschen herumplappern, okay? Denk dir nichts dabei.«

Erneut lächelte Tom, dieses Mal aus Zuneigung. »Was auch immer du plapperst«, sagte er, »es erhellt meinen Weg, mehr als es das Licht meiner Kamera jemals könnte.«

»O weh. Schreibst du auch so deine Artikel?«

»Nun ja … ehrlich gesagt …«

»Versuch’s besser nicht«, meinte Juli. »Nach Shakespeare klang es nicht gerade. Aber ich schätze mal, es war nett gemeint, also sei dir verziehen.«

Während sie vorangingen, redete Juli beständig weiter, und tatsächlich half es auch Tom, die drohenden Gedanken fernzuhalten. Sie waren schon eine Weile unterwegs, aber die Zeit war unmöglich abzuschätzen und die Entfernung schon gar nicht. Auch wenn Tom sich anstrengte, kam er auf Händen und Füßen nicht sonderlich gut voran, und die unbequeme Haltung ließ ihn mehrfach einige Augenblicke verschnaufen. Möglich, dass sie den Sicherheitszaun schon hinter sich gelassen hatten.

Der Gang verlief unregelmäßig, wand sich stellenweise um herabreichende Wurzeln, schien aber weitestgehend in gerader Linie auf die Anlage hin zu verlaufen. Immer wieder sah er seltsame Rillen in den Wänden, wo die Erde etwas fester war, und er meinte, darin Spuren von Krallen zu erkennen. Was ihn zu der Überlegung führte, wie dieser Gang wohl geschaffen worden war. Mit Schaufeln sicherlich nicht. Dafür war er zu niedrig. Er wirkte, als hätte man ihn mit bloßen Händen und Krallen gegraben. Dann erinnerte er sich an den Toten mit den abgewetzten Fingern. Vielleicht hatte er hier gearbeitet? Oder andere wie er?

Als Tom schon meinte, der Gang würde kein Ende mehr finden, nahmen seine Sinne zweierlei Dinge wahr. Er hörte Stimmen. Gedämpft, entfernt, aber es waren Stimmen. Er hoffte jedenfalls, dass es Stimmen waren, tatsächlich hörte er zunächst nur verschiedene Laute, die unregelmäßig aufklangen, und er konnte sie nicht näher identifizieren.

Das andere, das er wahrnahm, war ein Geruch. Er war nur ganz leicht, aber er veränderte das dichte, feuchte Aroma der Erde. In der schweren, sauerstoffarmen Luft lag eine neue Note, säuerlich und schwach faulig.

»Wir müssen jetzt leise sein«, sagte er. »Ich glaube, wir sind gleich da.«

Sie krochen weiter, noch behutsamer als zuvor. Tom entschloss sich, die Kamera auszuschalten. Ihr Licht war ohnehin schon fast verblasst, und je nachdem, wo sie herauskamen, wollte er sie nicht verraten.

Die Laute wurden mit jedem Meter deutlicher. Aber Stimmen waren es keine. Es war ein Stöhnen und Heulen aus unzähligen Kehlen, stoßweise, unkontrolliert, es waren plötzliche Schmerzensschreie und getragenes Jammern auszumachen, eine Kakophonie unsäglicher Pein, die geradewegs aus der Hölle kommen mochte.

Der Geruch hatte sich zu einem kaum erträglichen Gestank ausgewachsen. Es war die essigsaure Penetranz von faulendem Abfall, gemischt mit der süßen, dunklen Fäulnis von Fäkalien und verwesendem Fleisch. Es war, als stiegen sie geradewegs in die Gedärme der Unterwelt hinab.

Tom spürte, wie sich Julis Hand auf sein Bein legte und verharrte.

»Ich habe Angst«, sagte sie leise.

»Ich auch«, gab er zurück. »Mehr, als du ahnst. Aber bisher hast du mir Mut gemacht. Ohne dich wäre ich niemals so weit gekommen.« Er streckte seinen Arm nach hinten und ergriff ihre Hand. »Ich weiß nicht, was uns erwartet. Es wird vielleicht schlimmer sein als alles, was wir uns vorstellen können. Aber wir müssen es tun. Wir tun es für die Gestalten, die wir gesehen haben, und wir tun es für Marie. Und dafür, dass eine so großartige Frau wie du nirgendwo Angst haben muss.«

»Du bist süß«, sagte Juli, und Tom konnte das Lächeln in ihren Worten spüren. »Also dann«, fuhr sie fort, »weiter mit uns Angsthasen. In die Höhle des Löwen!«

Nach wenigen Metern stieß Tom abrupt an das Ende des Gangs. Die Wand vor ihm war fest, gerade und rau. Er schaltete das Licht seiner Kamera noch einmal ein und stellte fest, dass sich vor ihm eine Wand aus Mauersteinen befand. Er drückte versuchsweise dagegen. Die Steine ließen sich etwas bewegen. Der Mörtel, der sie einmal zusammengehalten hatte, war entfernt worden.

»Wir sind da«, sagte er. »Hier ist eine Mauer aus losen Steinen. Jemand hat das Loch wieder verschlossen.«

»Ist es zugemauert?«

»Nein, ich glaube, man hat die Steine einfach nur wieder reingesetzt, um das Loch zu verbergen.« Er schaltete die Kamera aus und betastete die Wand an der oberen Kante, um eine geeignete Stelle zu finden. »Ich werde versuchen, einen Stein rauszuziehen.«

»Sei vorsichtig!«

Tom fand eine schmale Kante, die er greifen konnte, und rüttelte an dem Stein, der sich so millimeterweise herausarbeiten ließ. Nach einer Weile ging es immer leichter, und schließlich konnte er den Stein herausziehen.

Gedämpftes Licht drang aus der Lücke, ebenso wie ein Schwall der übel riechenden Luft. Tom schlug eine Hand vor Mund und Nase.

»Puh, ist das widerwärtig«, stieß er hervor.

»Kannst du etwas sehen?«, fragte Juli leise.

Tom drückte sein Gesicht in die obere Kante des Gangs und bemühte sich, durch die Lücke zu gucken. Aber viel war nicht zu erkennen. Sie befanden sich auf Bodenhöhe, und offenbar stand ein hochbeiniges Gestell direkt an dieser Stelle. So sah er nur Teile eines Metallrahmens über ihm und erahnte einen großen, hallenartigen Raum dahinter, der nur stellenweise von kärglichem Neonlicht erhellt wurde.

»Da versperrt etwas die Sicht«, erklärte er. »Aber ich kann auch die anderen Steine rausziehen, ohne gesehen zu werden.«

Er begann damit, die Steine nach und nach zu entfernen. Als das Loch ausreichend groß war, schob er sich mit dem Oberkörper hindurch und legte die verbleibenden Steine auf den Boden unter dem Gestell. Dann war es geschafft, und er krabbelte hindurch. Er blieb auf allen vieren unter dem Gestell und sah sich um.

Der bestialische Gestank erfüllte den Raum, und das Heulen, Klagen und Schreien schien von überall und nirgendwoher zu kommen. Etwas war hier, nur Bewegungen konnte er von hier unten nicht ausmachen. Er krabbelte ein Stück weiter und sah, dass Juli ihm aus dem Loch folgte.

Sie kamen unter dem Gestell hervor. Tom half Juli auf die Beine, und als sie sich aufgerichtet hatten, brach das Chaos um sie aus.

Lautes Gekreische ertönte, und von allen Seiten tauchten mit einem Mal aus dem Zwielicht und den Schatten Kreaturen auf, hüpfend, rennend, schlurfend, als würde sich der ganze Raum in Bewegung setzen. Alles brüllte und schrie und stürmte auf Juli und Tom zu. Tom streckte seinen Arm vor Juli, als könne er sie beschützen, Juli ergriff ihn an der Schulter.

»Mein Gott«, keuchte Tom. Die Wesen, die sie angriffen, waren Menschen. Aber sie bewegten sich wie Tiere. Ihre größtenteils nackten und mit Fäkalien und Blut verdreckten Körper waren missgestaltet und verwachsen, mit schuppigen Flechten und Pusteln bedeckt, einige hatten verkrüppelte oder aufgedunsene Gliedmaßen, sie geiferten und spuckten. Diese Menschen schienen keinen Funken Verstand mehr zu haben, sie wurden nur noch von Schmerzen beherrscht und von ihren Instinkten getrieben. Sie würden sie mit bloßen Händen und Zähnen zerreißen.

Aber die Wesen kamen nicht näher.

Sie prallten in einiger Entfernung an Gitterstäbe, klammerten sich fest, rüttelten, brüllten und streckten ihre Arme hindurch.

Der gewölbeartige Raum, in dem sie sich befanden, war in zahlreiche große und kleine Zellen unterteilt, die mit bis zur Decke reichenden Gittern voneinander getrennt und verriegelt waren. Überall waren Menschen eingepfercht; missgebildete, kranke, irrsinnige, und sie verkamen in ihrem Dreck.

Doch als Tom nach und nach alle Details erfasste, stellte er mit Schrecken fest, dass sich keinesfalls alle Angreifer in sicherer Entfernung hinter Gittern befanden. Er und Juli waren in einer ebensolchen Zelle herausgekommen, wie sie überall zu sehen waren. Und ein halbes Dutzend Entstellter befand sich hier, direkt bei ihnen, und sie kamen kreischend und stöhnend näher.

Als der erste der Angreifer seinen Arm nach Tom ausstreckte, zerrte Juli Tom an der Schulter zurück. Der oberste Knopf seines Hemdes riss ab, und plötzlich blieb der Angreifer stehen.

Tom sah direkt in seine weit aufgerissenen Augen, erfasste die geplatzten Äderchen, die blutig entzündete Bindehaut, sah die eitrigen Pickel auf Stirn, Wange und in den Mundwinkeln, roch den käsig-fauligen Atem des Mannes, der plötzlich innegehalten hatte.

Ein laut grunzendes Geräusch entwich den aufgesprungenen Lippen des Mannes, und er ruderte heftig mit einem Arm, woraufhin die anderen Kreaturen ebenfalls stehen blieben. Dann legte er den Kopf schief und streckte seine Hand nach Toms Hals aus. Die dunkel verfärbten Finger zitterten in der Luft. Er wollte nach Toms Halskette greifen, deren Amulett nun frei auf seiner Brust lag. Doch er berührte die geschnitzte Maske, die der Anhänger darstellte, nur flüchtig mit den Fingerspitzen. Dann legte er seine Hand auf Toms Brust und neigte den Kopf vor ihm. Die anderen taten es ihm gleich, und in Windeseile verbreitete sich die Bewegung durch den ganzen Raum, einer nach dem anderen verneigte sich, so gut es seine Missbildungen zuließen, und für einen Moment verstummten auch die Schreie. Eine ehrfürchtige Stille legte sich über den Raum.

»Die Kette von der Alten aus dem Dorf«, raunte Juli. »Sie war nicht so verrückt, wie sie aussah. Vielleicht war sie selbst eine Schamanin oder eine heilige Frau.«

»Was tun diese ganzen Menschen hier?«, fragte Tom, als der Mann vor ihm einen Schritt zurückwich. Langsam erhoben alle anderen wieder ihre Köpfe, und nach und nach setzte auch das allgemeine Wehklagen wieder ein.

Der Mann vor Tom legte seinen Kopf wieder schief und streckte einen Arm aus. »Salva-nos!«, kam es rau aus seinem Mund.

»Was sagt er da? Kannst du ihn verstehen?«, fragte Tom.

»Er sagt: ›Rette uns‹«, übersetzte Juli.

Tom ging vorsichtig einige Schritte durch den Raum, während die Missgestalteten und Verletzten in respektvollem Abstand vor ihm und Juli zurückwichen. Der Boden war mit zerrissenen Lumpen, stinkenden Pfützen und undefinierbaren Haufen aus Speiseresten, Erbrochenem und Kot bedeckt. Die Zelle, in der sie sich befanden, maß höchstens fünfzehn Quadratmeter und war an drei Seiten von Gitterstäben umgeben. An zwei Seiten grenzte sie direkt an weitere Käfige, die dritte Seite war auf die Mitte des Gewölbes hin ausgerichtet und verfügte über eine Tür.

»Das Schloss ist offen!«, rief er erstaunt aus, als er sich die Tür ansah. »Die könnten jederzeit raus.«

»Einige sind ja auch geflohen. Aber scheinbar können das nicht alle. Oder sie wollten nicht auf sich aufmerksam machen. Deswegen haben sie vielleicht auch das Loch in der Wand wieder verschlossen.«

Tom drückte versuchsweise an der Tür. Sie bewegte sich, ließ sich öffnen. Dann ging er hindurch, dicht gefolgt von Juli.

Sie standen wie gelähmt auf einem Mittelgang. Links und rechts von ihnen bildeten die bis zur Decke reichenden Gitterstäbe ein Spalier. Zelle reihte sich an Zelle, überall streckten sich Arme in verzweifelten, bittenden und krallenden Bewegungen durch die Spalten. Es mussten Hunderte sein. Tom sah Frauen und Männer, junge und alte gleichermaßen, die schwachen kauerten oder lagen auf dem Boden. Zwischen den Gefangenen entdeckte er auch zahlreiche Kinder, ausgemergelt und krank, und Toms Hals schnürte sich zu.

Während sie sich umsahen, trat der Mann, der Toms Kette erkannt hatte, aus der Zelle, kam auf den Gang und ging zur gegenüberliegenden Zelle, wo er ein paar Arme ergriff, die sich ihm entgegenstreckten. Er drehte sich zu Tom um. Seine Stimme war kratzig und gurgelte. »Nossas Famílias«, brachte er über seine zerschundenen Lippen. »Liberta-nos.«

»Wir sollen sie befreien, sagt er«, erklärte Juli. »Das ist wohl seine Familie. Es sind alles Familien.«

»Deswegen sind sie nicht geflohen. Weil sie zusammenbleiben wollen …« Er holte seine Kamera hervor und wechselte den Akku. Aber Juli fasste ihn an der Schulter. »Mach keine Fotos hier. Es ist so … unwürdig.«

Tom zögerte einen Moment. Dann hängte er sich die Kamera um. »Ja. Und wir haben auch keine Zeit. Wir müssen hier raus, bevor die Wachleute nach dem Rechten sehen.«

Sie gingen den Mittelgang entlang zum Ende des Gewölbes. Eine Stahltür versperrte den Weg. Als Tom sie untersuchte, stellte er fest, dass auch sie unverschlossen war. Wie die Geflohenen es geschafft hatten, ihre Zelle und diesen Raum zu öffnen, blieb vermutlich ein Geheimnis. Aber noch kümmerten sich die Wachleute offenbar um die unmittelbaren Probleme draußen am Zaun.

Sie verließen den Zellentrakt und traten auf einen schmucklosen Gang. Der schlichte Betonboden war sauber, und nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, war der Gestank erheblich erträglicher. Sie gingen an mehreren identischen Stahltüren vorbei, die mit Zahlen beschriftet waren, die man mit einer Schablone und Sprühfarbe aufgebracht hatte.

Tom öffnete eine der Stahltüren. Warme, stinkende Luft schlug ihnen aus der Dunkelheit entgegen. Scharrende und grunzende Geräusche waren zu hören. Tom tastete an der Innenseite der Wand nach einem Lichtschalter. Unter der Decke erwachten flackernd mehrere Leuchtstoffröhren zum Leben und erhellten einen langen Raum von antiseptischer Sauberkeit. Nicht nur die Beleuchtung und der glänzend saubere Boden bildeten einen größtmöglichen Gegensatz zu dem Gewölbe, aus dem sie gerade gekommen waren. Auch war dieser Raum erheblich moderner ausgerüstet. Eine Konsole mit Bildschirm und Schaltern stand direkt neben der Tür, unter der Decke verliefen unzählige chromglänzende Rohre und bildeten ein kompliziertes Geflecht. Im Innenraum befanden sich Pferche aus Stahl, die von den jeweils aus der Decke herabreichenden Rohren mit irgendetwas versorgt wurden. Die Pferche waren regelmäßig angeordnet. Tom zählte vier Reihen mit jeweils sechs oder sieben solchen Gebilden. Als sie näher herantraten, erkannten sie, dass es sich bei den Stahlkonstruktionen um niedrige Käfige handelte, die mit Glaswänden hermetisch versiegelt waren. Und in den Käfigen befanden sich Schweine.

»Was zum Teufel …«, stieß Tom aus.

»Die werden hier gezüchtet!«, stellte Juli fest. »Es sind Versuchstiere.« Sie deutete auf eine kleine Tafel, die von außen am ersten Hightech-Käfig befestigt war. Jeder der anderen Pferche trug ebenfalls eine solche Tafel. »Heart / Series 35-2 / 06-02-11«, las Juli vor.

»Natürlich. Für Transplantationen! Aus den Schweinen gewinnen sie die Organe, mit denen sie ihre Versuche durchführen können.«

»Und die Schweine selbst stellen bestimmte Zuchtreihen dar, deswegen werden sie hier so sorgfältig voneinander getrennt gehalten.«

»Das ist pervers«, meinte Tom.

»Viel erschreckender finde ich den Gedanken, was sie wohl mit den Menschen angestellt haben oder anstellen wollen!«

Tom war so gefangen von den Erlebnissen der letzten Stunden, dass er alle weiterführenden Gedanken bisher verdrängt hatte. Was sie überhaupt auf diese Spur geführt hatte, welcher Ahnung sie nachgingen und was das möglicherweise für die entstellten Menschen bedeutete, denen sie begegnet waren. Xenotransplantation. Der Versuch, tierisches Gewebe und tierische Organe in Menschen zu verpflanzen. Der Mensch erhob sich zum Schöpfer und erschuf Hybridwesen, die die Natur nicht vorgesehen hatte.

»Lass uns gehen«, sagte er grimmig. »Wir haben etwas zu erledigen.«

Sie verließen den Raum und folgten dem Gang.

Bei jeder Tür, die sie passierten, zögerte Tom, ob er sie öffnen sollte, aber sie hatten nicht viel Zeit und weitere Tierkäfige würden keine neuen Erkenntnisse bringen.

Eine weitere Tür erregte allerdings Toms besonderes Interesse. An ihr war ein gelbes Schild angebracht, das vor Starkstrom warnte.

»Bestimmt die Stromversorgung der Anlage«, mutmaßte er. »Das will ich sehen!« Er drückte die Klinge herunter, aber der Raum war abgeschlossen. Ärgerlich wandte er sich ab.

Sie kamen an eine Kreuzung, als sie Schritte hörten. Sie kamen von vorn, wo eine nach oben führende Metalltreppe zu sehen war.

»Schnell«, zischte Tom und eilte in einen der Seitengänge. Auch hier fanden sich Türen, allerdings unbeschriftet, kleiner und aus Holz. Tom riss eine davon auf und schaltete das Licht an. Juli eilte ihm hinterher in den Raum und zog die Tür hinter sich zu. Den Schritten nach mindestens zwei Personen, schätzte Tom, die zügig auf dem Hauptgang vorbeistapften und sich rasch entfernten.

Tom und Juli sahen sich um. Sie standen in einem kleinen Lagerraum. An den Wänden befanden sich einfache Metallregale, in denen allerlei Hausrat aufbewahrt wurde, Schachteln mit Kerzen, Tücher und Papierrollen. Auf dem Boden waren Eimer und mehrere große weiße Plastikkanister mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln deponiert.

»Wir müssen herausbekommen, was genau hier abläuft. Unterlagen, Akten oder vielleicht einen Computer finden. Außerdem müssen wir herausfinden, ob deine Schwester hier ist. Was sie mit der Sache hier zu tun hat.«

»Was soll sie mit denen zu tun haben? Wenn sie hier ist, dann ganz bestimmt nicht freiwillig!«

»Nein, natürlich nicht. Aber vielleicht ist sie ja auch gar nicht hier oder nicht mehr, und wir müssen herausfinden, ob wir ihre Spur von hier aus weiterverfolgen können.«

»Ich spüre, dass sie hier ist«, sagte Juli. »Ich kann es nicht erklären, aber ich weiß, dass sie nah ist.«

»Hoffen wir, dass du recht hast.«

»Wie lange wollen wir jetzt hier drin bleiben? Wer weiß, wann die Leute zurückkommen.«

»Wenn wir nur wüssten, wo wir hier sind und wie es ein Stockwerk weiter oben aussieht …«

Juli ging zur Tür, lauschte daran, dann schaltete sie das Licht aus und öffnete sie einen Spalt. »Es ist nichts zu hören«, sagte sie. »Wir sollten die Chance nutzen.«

Sie trat wieder auf den Gang, gefolgt von Tom. Langsam ging sie bis zur Kreuzung des Hauptgangs zurück, lauschte noch einmal, sah um die Ecke, dann eilten sie zur Treppe. Sie bemühten sich, sie so leise wie möglich nach oben zu steigen. Am oberen Treppenabsatz befand sich eine weitere Tür, die sie behutsam öffneten. Aber dahinter war es ruhig und menschenleer. Vor ihnen erstreckte sich ein mit Linoleum ausgelegter, breiter Flur, der Tom spontan an ein Krankenhaus erinnerte. Die Deckenbeleuchtung war ausgeschaltet, nur in größeren Abständen leuchteten abgedimmte Lampen an den Wänden. Die Türen, die den Gang säumten, waren doppelflügelig und mit Milchglasscheiben versehen. Die Räume dahinter schienen im Dunklen zu liegen.

»Versuchen wir es einfach«, sagte Tom und wandte sich zur Tür zu ihrer Rechten. Auf einem Plastikschild an der Wand neben der Tür standen eine Ziffer und »Analysis & e-Fab., Dr. Montanez, Dr. Shiram«.

»Ein Glück, dass hier niemand etwa abschließt«, sagte er, als er die Tür öffnete und sie eintraten.

Sie standen im Dunklen, aber Tom widerstand der Versuchung, auch hier nach einem Lichtschalter zu suchen, da man es durch die Glasscheiben vom Gang aus hätte sehen können. Stattdessen warteten sie einen Augenblick, bis sich ihre Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten.

»Hier muss keiner etwas abschließen«, sagte Juli, »weil man normalerweise in die Anlage gar nicht erst reinkommt.«

»Sieh mal«, sagte Tom, »das sind Arbeitsplätze!«

Im fahlen Lichtschimmer, der durch die Tür fiel, erkannten sie nun die Ausmaße des großen Raums. Entlang der Wände waren Tische und Tresen aufgereiht, auf denen allerlei Laborausrüstung, elektronische Geräte und Bildschirme aufgebaut waren. Es gab einige zum Teil als Raumteiler aufgestellte Regale mit Büchern, Ordnern, Heften und Papierstapeln, zwei große Stahlschränke, die wie Kühlschränke aussahen, und mehrere Schreibtische. Hier mussten mindestens ein halbes Dutzend Leute arbeiten.

»Das sieht doch hervorragend aus«, meinte Tom, »dann fangen wir gleich mal an …« Er ging an den Geräten vorbei, Zentrifugen und Elektromikroskopen, und sah sich um.

»Was sollen wir mit den Unterlagen machen?«, fragte Juli und wies auf die Regale. »Es sind zu viele, um sie alle zu lesen. Außerdem ist es zu dunkel.«

»Die brauchen wir vielleicht gar nicht«, entgegnete Tom und wies auf einen Computer. »Mit ein bisschen Glück kommen wir auch so an alles heran, was wir brauchen.«

»Willst du den etwa anmachen? Man wird das Licht auf dem Flur sehen.«

Tom grinste. »Nicht, wenn ich erst den Bildschirm einschalte und die Helligkeit ganz runterdrehe, bevor ich den Rechner anmache. Außerdem ist der Bildschirm vom Gang abgewandt und das Regal dort ist im Weg.«

Tom setzte sich auf den Stuhl vor dem Tisch, hantierte an den Geräten, und kurze Zeit später fuhr der Rechner mit einem hörbaren Rauschen seines Lüfters hoch. Tom rutschte erwartungsvoll näher heran. Aber noch bevor die grafische Bedienoberfläche sichtbar wurde, erschienen auf dem schwarzen Bildschirm weiße Textzeilen, und Tom stand abrupt auf. »Ach, verdammt!«, sagte er.

»Was ist?«, fragte Juli.

»Der Rechner verbindet sich mit dem Netzwerk, noch bevor das Betriebssystem geladen wird. Und dafür verlangt er ein Passwort. Ich komme also gar nicht erst an die Daten ran, die hier drauf sind.«

»Kann man das nicht umgehen?«

»Nicht auf die Schnelle und ohne Zusatzsoftware.«

»Tja«, sagte Juli. »Das hätte man eigentlich erwarten können, dass sie wenigstens ihre Daten einigermaßen sichern.«

»Wenn ich wenigstens eine Bootdisk hätte! Oder eine All-you-can-eat.«

»Was ist denn das?«

»Ist von einem Kollegen von mir. Hat sich einmal jährlich eine aktuelle CD-ROM zusammengestellt mit sämtlichen wichtigen Tools, um auf einem Rechner herumzufummeln, an den man sonst nicht rankommt. Alles, was man nur braucht, auf einer Disk. Daher All-you-can-eat.«

»Vielleicht hilft dir dieser Rechner hier weiter.«

»Hm?«

Tom ging zu Juli hinüber. Sie stand an einem anderen Arbeitsplatz, der mit Papierstapeln und losen Zetteln übersät war. Dazwischen standen zwei leere Kaffeetassen. Die Tastatur lehnte hochkant an einem Papierstapel. Der Flachbildschirm war ausgeschaltet, aber darauf klebte ein großer Post-it-Zettel mit einem handschriftlichen Vermerk: »Don’t turn off! – Não desligar!« Darunter waren ein rotes Ausrufezeichen und ein krakeliger Totenkopf gezeichnet.

Tom blickte unter den Tisch. Auf dem Computergehäuse klebte ein weiterer solcher Zettel, und tatsächlich leuchtete am Rechner ein blaues Licht, und eine andere grüne Lampe blinkte hektisch.

»Super! Genau das, was wir brauchen!«

Tom schaltete den Monitor ein und bemühte sich sofort, die Helligkeit zu reduzieren.

Auf dem Bildschirm erschien eine kleine Anzeige mit einem horizontalen Balken.

»Processing Data«, las Tom vor. »Die Kiste berechnet etwas. Fortschritt siebenundachtzig Prozent. Verbleibende Zeit: Achtzehn Stunden. Tja, das müssen wir jetzt leider abbrechen.«

»Bist du verrückt?«

»Wieso?« Tom bewegte den Mauszeiger auf die Schaltfläche, die für den Abbruch des Vorgangs zuständig war. Dann klickte er darauf. »Wollen Sie wirklich abbrechen? Ja. Und zack.«

»Wer weiß, was du da gerade unterbrochen hast.«

»Ach, dann müssen sie es eben noch mal neu starten. Viel wichtiger ist, dass wir jetzt an die Maschine kommen.«

Tom setzte sich und begann, verschiedene Programme und Speicherorte auf dem Rechner zu durchsuchen.

»Weißt du, was du da tust?«

»Wer suchet, der findet«, meinte er, während er in diversen Menüs des Rechners herumklickte. »Na ja, keine Ahnung, ehrlich gesagt, aber Projektunterlagen, Protokolle und Dokumente sollten eigentlich erkennbar sein. Wir wollen ja keine Spezialdaten klauen, mit denen wir ohnehin nichts anfangen könnten, sondern Präsentationen, Handbücher, Berichte oder etwas in dieser Art, aus dem klar wird, an was die hier eigentlich arbeiten. Und wer diese Leute sind.«

Tom hantierte kurz an seiner Kamera und holte die Speicherkarte heraus. Dann beugte er sich unter den Tisch und schob sie in einen winzigen Schlitz des Rechners.

»Wer sagt’s denn«, rief er aus. »Jetzt können wir einfach alles, was interessant aussieht, auf meine Speicherkarte kopieren und es uns später angucken. Das spart uns Zeit.«

Während Tom mit dem Computer beschäftigt war, schlich Juli durch den Raum und sah sich um, so gut es das spärliche Licht zuließ. Hier arbeiteten Wissenschaftler und Techniker, ohne Frage. Nichts, was zu sehen war, ließ auf die Art ihrer Arbeit schließen. Wenn diese Anlage war, was sie vermuteten, musste es Operationssäle geben und so etwas wie eine Krankenstation. Vielleicht waren sie gar nicht weit davon entfernt, aber sie konnten unmöglich jeden einzelnen Raum untersuchen, den sie fanden. Das wichtigste war, so viele Daten zu sammeln wie nur möglich und unbeschadet hier herauszukommen, um alles den Behörden zu melden. Doch dann stutzte sie. Wen würden diese Dinge hier in Brasilien interessieren? Und wie lange würde es dauern, irgendjemand davon zu überzeugen, hier nach dem Rechten zu sehen? Bis dahin wären die Verantwortlichen längst über alle Berge. Es war sinnlos zu hoffen, dass sie dem Leid hier so schnell ein Ende setzen konnten. Sicher, Unterlagen, Namen und Beweise waren wichtig für alles Spätere. Aber wenn sie hier und heute unmittelbar etwas bewirken wollten, mussten sie selbst tätig werden. Es führte kein Weg daran vorbei. Und so traf Juli eine Entscheidung.

Beim Herumstreifen hatte Juli den Raum durchquert und kam gerade an der Tür vorbei, als sie Schritte auf dem Gang hörte. Kurz darauf flammte die Beleuchtung auf und ließ die Milchglasscheibe der Tür weiß aufleuchten.

Eilig lief sie zu Tom zurück, der in seine Arbeit am Rechner vertieft war.

»Auf dem Flur ist das Licht angegangen«, sagte sie. »Da sind Leute draußen!«

Tom sah hoch. »Scheiße«, entfuhr es ihm. Er sah hektisch zurück zum Bildschirm. »Ich muss noch dieses E-Mail-Archiv kopieren!«

»Dafür ist keine Zeit«, drängte Juli.

»Es ist gleich so weit, noch ein paar Sekunden …«

Juli sah zur Tür. Durch die Scheibe konnte sie zwei Schatten erkennen, die davor haltgemacht hatten.

»Die kommen hier rein«, zischte sie gerade noch, als die Tür auch schon geöffnet wurde. Juli und Tom duckten sich blitzartig.

»I’ll be right back«, hörten sie eine Männerstimme mit starkem Akzent. Dann kamen Schritte näher.

Tom und Juli drückten sich hinter den Tisch. Noch verdeckte sie das große Regal in der Mitte des Raums, aber der Mann würde sie sehen, sobald er herum kam. Sie schoben den Stuhl weg und krochen gemeinsam unter die Tischplatte und so tief nach hinten, wie sie nur konnten. Der Mann suchte offenbar etwas und ging von einem Schreibtisch zum anderen. Direkt vor ihrem Versteck blieb er stehen und zögerte. Tom fluchte innerlich. In der Eile hatte er vergessen, den Monitor auszuschalten.

»Your computer is on, Yuri«, rief der Mann durch den Raum.

»Yes, I know. It’s working. Don’t touch it«, antwortete der andere, der offenbar an der Tür wartete.

Der Mann blieb noch einen Augenblick vor dem Schreibtisch stehen, dann wandte er sich ab und ging weiter. In einiger Entfernung hörten sie ihn in Papieren rascheln, dann wurden seine Schritte leiser, und schließlich hörten sie, wie die Tür geschlossen wurde. Sie waren wieder allein. Kurz darauf erlosch das Licht auf dem Flur.

»Verdammt«, meinte Tom, als sie unter dem Schreibtisch hervorkamen. »Es sind wohl doch noch eine ganze Menge Leute unterwegs.« Er beendete alle Programme, die er auf dem Computer gestartet hatte, versuchte, alles wieder so herzurichten, wie es gewesen war, bis auf den Rechenprozess, den er zu Beginn abgebrochen hatte. Der Besitzer würde sich zwar wundern, was passiert war, aber vielleicht würde er es auf einen Fehler im Programm zurückführen. Tom schaltete den Monitor wieder aus, beugte sich unter den Tisch und entfernte seine Speicherkarte aus dem Rechner.

»So, genug Daten haben wir jetzt. Fast acht Gigabyte an Dokumenten, Präsentationen und vor allem ein komplettes E-Mail-Archiv mit Korrespondenz, Anhängen und Adressen.«

»Gut gemacht!«

»Aber ehrlich gesagt …« Er stockte, als wisse er nicht, wie er es formulieren solle. »Ich weiß nicht, ob das reicht. Ob wir damit etwas bewirken können.«

Juli sah ihn aufmerksam an. Hatte Tom am Ende die gleichen Gedanken wie sie?

»Natürlich wollen wir noch deine Schwester suchen«, fuhr Tom fort. »Jedenfalls so gut wir können. Genug Räume gibt es ja. Aber auch dann … Wir können nicht einfach gehen und hoffen, dass man dieser Sache hier nachgeht. Ich meine, ich werde einen Artikel schreiben, und wir bringen ihn groß raus, und das wird Aufmerksamkeit erregen … Aber schlussendlich ist das hier doch viel zu weit weg von allem, und wer hier arbeitet, ist offenbar in der Lage unterzutauchen und wird kurze Zeit später irgendwo anders ein neues Labor aufbauen …«

»Also … ? Willst du aufgeben?«

»Stell dir vor, wir würden den gleichen Weg zurückgehen, den wir gekommen sind. Vorbei an all diesen entsetzlich missgestalteten und kranken Menschen. Stell es dir nur einmal vor: Wir gehen hindurch, vielleicht deine Schwester im Schlepptau, vorbei an diesen Menschen, die uns ihre Arme entgegenstrecken, die uns anflehen, sie zu retten, und wir gehen an ihnen vorbei und verschwinden durch das Erdloch. Also, ich kann das nicht.«

Juli lächelte, auch wenn sie wusste, dass Tom es nicht sehen konnte.

»Was ich sagen will«, fuhr Tom fort, »ist, dass ich hier nicht unverrichteter Dinge gehen kann. Ich wollte nur herausfinden, was hier läuft, Fotos machen, Belege sammeln. Aber das reicht mir nicht mehr.« Seine Stimme klang nun sehr klar. »Ich möchte diese Menschen befreien. Und ich möchte größtmöglichen Schaden anrichten, um diesen Laden hier kleinzukriegen.«

Juli trat an Tom heran und küsste ihn auf den Mund.

»Lass uns genau das tun«, sagte sie.

Tom wandte sich noch einmal dem Rechner zu, schaltete den Monitor ein und öffnete mit ein paar Mausklicks ein Programm.

»Wer so blöd ist, nicht einmal einen Bildschirmschoner mit Passwortschutz einzurichten, der muss bestraft werden«, sagte er. »So, fertig.« Auf dem Bildschirm war zu sehen, dass der Rechner nun etwas verarbeitete.

»Was hast du gemacht?«

»Ich habe den Computer angewiesen, seine Daten zu überschreiben und dann seine Festplatte neu zu formatieren. Ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber zumindest an diesem Arbeitsplatz wird vorläufig gar nicht mehr gearbeitet werden. Wenn der seine Daten nicht im Netzwerk gesichert hat, sind sie auf Nimmerwiedersehen futsch. Und nun los. Wir haben noch einiges vor.«

Sie verließen den Raum, schlichen sich auf den Flur und eilten durch das gedämpfte Licht. Sie blieben erst stehen, als sie eine Tür mit der Aufschrift »Surgery« lasen: Chirurgie.

Sie betraten einen kargen Trakt des Gebäudes. In der Luft hing ein Geruch nach frischem Gummi und Chlor. Auch hier brannte nur eine sparsame Nachtbeleuchtung.

»Okay, jetzt wird’s spannend«, sagte Tom. Er versuchte, sich einzureden, dass er einer heißen Fährte folgte, dass sie großartige Entdeckungen machen würden. Aber tatsächlich war dieses der Teil des Gebäudes, von dem er am liebsten am weitesten entfernt wäre. Der Gestank, der Unrat und die verformten und mit Geschwüren übersäten Menschen im Keller stellten schon die Grenze dessen dar, was er ertragen konnte. Aber was er sich am wenigsten ausmalen mochte, das waren Krankenhäuser, Skalpelle, Knochensägen, geöffnete Bauchhöhlen, Operationen am pulsierenden Herzen, Blut und abgetrennte Körperteile, die von Gliedmaßen zu Fleischklumpen wurden. Und trotzdem mussten sie auch hier nach Julis Schwester suchen. Vielleicht sogar gerade hier.

»Vielleicht solltest du die Führung übernehmen«, schlug er Juli vor. »Du kennst dich mit solchen Sachen besser aus.«

Die ersten beiden Räume, die sie sich ansahen, waren Krankenzimmer mit jeweils vier Betten, die an hochmoderne Ausrüstung angeschlossen waren. Die Geräte waren nicht eingeschaltet, aber Juli erklärte, dass man hiermit Vitalfunktionen überwachen konnte. Außerdem gab es Beatmungsgeräte, Defibrillatoren und Monitore.

»Willst du das fotografieren?«, fragte Juli.

»Es ist zu dunkel, und ich will uns nicht durch das Blitzlicht verraten. Wer weiß, von wo man es sehen könnte.«

Sie setzten ihren Weg fort und kamen in ein chromglänzendes Labor, das von Stahlschränken dominiert wurde. Einige erinnerten beunruhigend an liegende Sarkophage, andere standen an der Wand. Juli öffnete einen davon. Eine Wolke kalten Dampfes waberte ihr entgegen. Aus dem Eisnebel ragten weiß verkrustete Behälter und Reihen von Reagenzgläsern heraus.

»Hier werden Proben aufbewahrt«, erklärte Juli. »Gewebe, Blut, Samen, solche Sachen.«

Juli wies auf einen anderen der Schränke, der ein Warnzeichen mit der Aufschrift »Biohazard« trug.

»Den dort sollten wir in Ruhe lassen. Da sind gefährliche biologische Substanzen drin. Vielleicht kontaminiertes Material, Bakterienkulturen. Viren oder Impfstoffe.«

Tom sträubten sich die Nackenhaare. Was diese Leute hier trieben, ging offenbar weit über reguläre medizinische Arbeit hinaus. Vielleicht waren die Menschen im Keller allesamt infiziert? Vielleicht hatten er und Juli sich schon längst mit exotischen Urwaldviren angesteckt. Er bekam das dringende Bedürfnis, diesen Ort auf schnellstem Weg zu verlassen, sich zu duschen oder, besser noch, sich untersuchen zu lassen. Der Gedanke, dass ein tödlicher Erreger sich vielleicht in diesem Moment schon durch sein Blut oder sein Gehirn fraß, ließ ihn erschaudern.

Sie verließen das Labor und untersuchten den nächsten Raum. Es war ein Umkleideraum mit Spinten und Waschbecken. Tom ahnte, wo es von hier aus hinging, und tatsächlich gelangten sie hinter dem nächsten Durchgang in einen Operationssaal. Er war kalt, roch metallisch nach Desinfektionsmitteln, und er war von gewaltigem Ausmaß. An vier voluminösen OP-Tischen, die von übergroßen Scheinwerfern überragt wurden, konnte hier gleichzeitig gearbeitet werden, ohne dass sich die Teams gegenseitig behindern würden. Der Boden war gefliest, Abflussrinnen führten zu einer Senke in der Mitte des Raums, die mit einem kleinen Gitter bedeckt war.

»Raus hier«, murmelte Tom.

»Hm?«

»Lass uns raus hier«, wiederholte Tom etwas deutlicher. »Das hier ist nichts für mich …«

Juli führte Tom aus dem OP. Sie wusste inzwischen, dass er in mancher Hinsicht empfindlicher war als sie, und sie rechnete es ihm hoch an, dass er sich trotzdem mit ihr durch diese Anlage schlich, um Marie oder Hinweise auf ihr Verschwinden zu finden.

Vom Operationssaal aus gelangten sie in einen Flur, von dem aus zahlreiche Türen abzweigten, über denen jeweils eine kleine grüne Lampe pulsierte. Die Schilder neben den Türen enthielten unerklärliche Begriffe und Codezahlen, die wie Seriennummern aussahen.

Juli legte ihre Hand auf eine Türklinke und sah Tom an. »Sollen wir?«

»Wir müssen.«

Der Anblick, der sich ihnen bot, erinnerte an eine Mischung aus Intensivstation und Hightech-Labor. Unerklärliche Gerätschaften gaben leise piepsende Geräusche von sich, diverse Konsolen erhellten den Raum mit bläulich schimmernden Monitoren und regelmäßig blinkenden Lämpchen. Als sie näher traten, erkannten sie, dass sich die technische Ausrüstung um ein zentrales Objekt gruppierte. Es war ein gläserner Tank, zwei Meter lang, einen Meter breit und hoch, und darin lag ein Mensch. Es war ein nackter Mann, der in einer klaren Flüssigkeit schwamm oder in einem Gel, denn offenbar war die Flüssigkeit in der Lage, ihn darin schweben zu lassen. Der Mann trug eine Maske, die sein Gesicht vollkommen bedeckte. Von ihr gingen zahlreiche Kabel und Schläuche zum inneren Kopfende der Wanne ab. Oberhalb des Schambeins führte ein Katheter in den Körper. Auf der Brust des Mannes war ein frischer, senkrecht verlaufender Schnitt zu sehen. Die Haut war zur Mitte hin gespannt und mit Metallklammern zu einer gewölbten Naht zusammengeführt. Die Wunde war weder verkrustet noch unterlaufen, sondern sah ungewöhnlich weich und sauber aus, als hätte man lediglich zwei dünne Gummimatten zusammengeheftet.

»Lebt er?«, fragte Tom, obwohl ihm die Geräte um sie herum eine Antwort nahelegten.

»Er scheint in einer Art künstlichem Koma zu liegen. Jedenfalls sagen mir das die Werte dort auf dem Monitor. Ich frage mich, wozu die Flüssigkeit dient. Wasser scheint es jedenfalls nicht zu sein.«

»Hast du denn so was nicht schon mal gesehen?«

»Nicht nur noch nie gesehen, ich habe von so was noch nicht einmal gehört! Ich kenne japanische Versuche, in denen Ziegenembryos über Monate hinweg in einer Art künstlichem Fruchtwasser bis hin zu einer geburtsreifen Babyziege entwickelt wurden. Also außerhalb eines echten Körpers. Aber das hier muss irgendetwas anderes sein …«

»Macht es dir etwas aus, wenn wir weitergehen?«, fragte Tom. »Diese Apparatur macht mich nervös.«

Juli musste ihm zustimmen. Auch sie fand die Vorstellung beunruhigend, ohne Bewusstsein, ohnmächtig, hilflos und an Schläuche angeschlossen in einem überfluteten Sarg zu liegen.

Sie verließen den Raum und untersuchten den nächsten. Dort bot sich ihnen ein ganz ähnliches Bild, bis auf die Tatsache, dass sie dieses Mal eine Frau in dem Tank vorfanden. Sie war auf die gleiche Weise angeschlossen wie der Mann, allerdings wies sie keine Operationsnarben auf. Aber sie war hochschwanger. Elektroden, die von allen Seiten auf ihrem Bauch befestigt waren, maßen offenbar die Werte des ungeborenen Kindes.

Juli trat näher heran und besah sich die Frau eingehend. Dann schreckte sie plötzlich zusammen.

»Tom! Sieh dir das an!«

Tom blieb in einigem Abstand stehen. »Warum erklärst du mir nicht, was du meinst?«

»Hier wachsen Haare. Und zwar ganz merkwürdige! Es sind eher Borsten, fast einen Millimeter dick. In einer geraden Linie von den Schamhaaren hinauf in Richtung Bauch. Und hier, auf ihrem Brustbein auch. Und sogar rund um ihre Brustwarzen!«

Tom versuchte, es sich nicht allzu genau vorzustellen. »Vielleicht ist es eine Fehlbildung? Wie bei diesen Wolfsmenschen oder so? Die haben doch auch das ganze Gesicht voller Haare.«

»Nein, das ist etwas völlig anderes. Außerdem wirken diese Borsten ganz anders. Sie sehen genauso aus wie bei dem Toten, den wir heute Morgen gefunden haben. Und Marie hatte in ihrem Tagebuch doch auch von Borsten geschrieben! Es muss etwas mit dieser Anlage zu tun haben.«

»Vielleicht ist es eine Nebenwirkung«, mutmaßte Tom. »Etwas, was sie mit den Leuten anstellen?«

»Möglicherweise eine Art Hormonbehandlung … Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es geplant ist. Es sieht irgendwie … animalisch aus.«

»Lass uns raus hier.«

Der nächste Raum, den sie betraten, bot ein etwas anderes Bild. Auch hier standen leise summende und piepsende Maschinen, deren Zweck sich ihnen nicht erschloss, wuchtige Apparaturen aus Metall und Plastik mit LCD-Anzeigen und Reglern. Aber statt eines mit Flüssigkeit gefüllten Tanks fanden sie einen mit Glasscheiben versehenen Kasten von ähnlichen Ausmaßen vor, der an unzählige von der Decke reichende Schläuche angeschlossen war. In dem Kasten lag ein Mensch, nur schwach beleuchtet durch einen dunkelroten Strahler.

»Das ist ein Inkubator«, stieß Juli aus. Sie trat heran und sog plötzlich laut hörbar die Luft ein. Sie fuhr sich mit einer Hand vor den Mund. »Das musst du sehen«, stieß sie hervor. »Los, komm!«

»Ich … du weißt doch …« Tom wollte nicht sehen, was Juli entdeckt hatte. Aber sie stand regungslos vor dem Kasten und starrte hinein. Tom ging zu ihr. Was immer es war, das sie sah, Tom hatte das Gefühl, es mit ihr teilen zu müssen.

Er ächzte laut, als sein Blick in den Inkubator fiel, und krallte sich mit einer Hand an Julis Arm.

Das Wesen im Inkubator lag ausgestreckt auf dem Rücken. Die Gliedmaßen des Mannes waren am Boden festgeschnallt, breite Metallmanschetten verliefen über den Hals und über das Becken und hielten den Körperfest. Die Haut war übersät mit Geschwüren, als befänden sich dicke Knollen direkt unter der Oberfläche. Borstige Haare, wie Juli sie beschrieben hatte, wucherten an den Beinen, im Schambereich und über den Bauch. Aber diese Details sickerten erst stückweise in Toms Bewusstsein, denn was seinen Blick gefangen hielt, war der Brustkorb des Menschen. Er war offen. Wie die Seiten eines dämonischen Buches war die Haut des Brustkorbes nach beiden Seiten aufgeklappt und wurde mit Klammern festgehalten. Im Brustkorb waren einige Rippen durchtrennt worden, und in der entstandenen Höhle war der Bereich des Herzens freigelegt. Und ein Herz war dort tatsächlich zu sehen, es schlug und pumpte Blut durch fingerdicke Adern, die offenbar frisch zusammengenäht worden waren. Ein halbes Dutzend feiner Elektroden steckten im Herz und in den Adern. Eine Düse im Kasten erzeugte einen feinen Sprühnebel, der für andauernde Feuchtigkeit sorgte. Über dem Kasten, direkt auf den Brustkorb gerichtet, befand sich eine langsam blinkende Kamera.

Als Toms Blick sich vom albtraumhaften Bild des geöffneten Brustkorbes löste und zum Kopf des Mannes wanderte, erfasste ihn das blanke Entsetzen.

Der Kopf lag leicht erhöht auf einer kleinen Nackenstütze. Auch hier wurde beständiger Nebel gesprüht und benetzte den Schädel. Von der Stirn bis zum Hinterkopf des Mannes war die Schädeldecke entfernt worden. Die weißliche Masse des Gehirns lag frei. Auch hier waren unzählige Elektroden angebracht, die sich zu einem dicken Kabel bündelten und zu einem Anschluss am inneren Kopfende des Kastens führten.

Weder Tom noch Juli waren fähig, zu sprechen. Was sie vor sich sahen, lag weit jenseits aller menschlichen Vorstellungskraft. Sie hatten ein Kabinett des Grauens betreten, das sich in ihre Seelen fraß und von dem es kein Entrinnen gab.

Tom spürte, wie ihm kalt wurde. Er wankte, fühlte, wie sich das Blut aus seinem Kopf zurückzog. Seine Sicht verschwamm, aber er konnte sich nicht vom entsetzlichen Anblick des bei lebendigem Leibe obduzierten Menschen lösen.

Da öffnete der Mann flackernd die Augen.

Tom keuchte.

Der zur Regungslosigkeit Verdammte sah erst suchend umher, dann erfasste er Tom und Juli mit seinen wässrigen Augen. Er krallte seine Hände zusammen und bewegte den Mund. Doch durch das Glas des Inkubators war nur ein dumpfes Gemurmel zu hören.

Juli streckte langsam eine Hand aus, legte sie flach auf die Seite des Glases, hinter der die Hand des Mannes lag.

Noch einmal bemühte sich der Mann zu sprechen. Er krampfte sich zusammen, sein Herz pumpte schneller, er brüllte, und dieses Mal war seine Stimme zu hören. Dann sackte er wieder in sich zusammen, und seine Augen schlossen sich.

Tom sank auf die Knie. Er zitterte und spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Er setzte sich auf den Boden, dann lehnte er sich mit dem Rücken an eine der großen Maschinen, legte den Kopf in den Nacken und bemühte sich, tief und gleichmäßig zu atmen.

»Was …«, stieß er nach einer Weile aus, »was hat er gesagt?«

Juli setzte sich neben ihn und schloss die Augen.

»Er hat gesagt: ›Töte mich‹.«

Tom schwieg eine Weile, bemüht, seine Übelkeit niederzuringen. Aber die Bilder schienen sich in seinen Kopf gebrannt zu haben.

»Wo sind wir hier nur hingeraten«, sagte er halblaut.

Juli wollte zu einer Erwiderung ansetzen, als mit einem Knall die Tür des Raums aufgestoßen wurde und fast zeitgleich die Deckenbeleuchtung zu gleißender Helligkeit erwachte. Zwei Männer mit erhobenen Waffen traten auf Tom und Juli zu.

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