Frau von Klein pflegte so viele Bekanntschaften, daß sie, wie viele Leute ihres Milieus, die Gewohnheit angenommen hatte, zu Weihnachten Rundbriefe zu verschicken, in denen sie von den Ereignissen des Jahres berichtete. Sie wußte selber, daß niemand solche Berichte wirklich las, sie überflog dergleichen nur, aber sie fand die Sitte mit den Rundbriefen eine Weile recht vorteilhaft. Wer aus ihren Briefen etwas Handfestes erfahren wollte, mußte freilich die Kunst beherrschen, zwischen den Zeilen zu lesen, wie die Bürger in Diktaturen lernen, den phantastischen Nachrichten der gelenkten Presse dennoch Realitäten zu entnehmen. So erlaubten die wenigen Worte, die Frau von Klein in ihrem letztjährigen Rundbrief dem Leben ihrer Tochter widmete, zumindest eine Ahnung, wie es Ina und Hans nach den hier geschilderten Ereignissen weiter ergangen sein mag.
«Meine Tochter Ina macht mir Freude«, schreibt Frau von Klein.»Nachdem sie sich, auf meinen Rat, entschließen konnte, ihr väterliches Erbe anzugreifen, hat man ein schönes Haus in den Taunusbergen gefunden, alles zu ebener Erde, unter einem gemütlichen großen Schieferdach, vielleicht etwas zu groß für die gegenwärtige Funktion von Hans — aber wie es so ist, nun ist schon das zweite Kind da, ein Mädchen, Ida heißt sie — seltsamer Name, aber es sollte partout etwas mit i sein — und natürlich mir wie aus dem Gesicht geschnitten. Die beiden haben das Stadtleben in vollen Zügen genossen und sind jetzt sehr zufrieden, draußen zu sein. Es ist für die Kinder viel netter mit Garten. Und was Inas Besuche bei mir in Hamburg angeht, da haben wir einen Rhythmus gefunden. Hans liest viel, sagt Ina, und ich habe ihr gesagt, daß ich das gut finde. Es ist immer wichtig, daß ein Mann eine Beschäftigung hat. «Es folgt die Schilderung der großen Südostasienreise, die Frau von Klein im Herbst» mit Freunden «unternommen hat.