Nun wandte sich Fuchs an die beiden Häuptlinge.

„Meine Begleiter sind Händler wie ich", erklärte er. „Sie sind nicht von meinem Stamm — den Kogis —, sondern kommen aus dem Land der Chibchas. Das liegt in den kalten Bergen jenseits des großen Flusses, der aller Ströme Mutter ist. Wir kommen in Frieden. Wir kommen, um zu kaufen und zu verkaufen. Wir kaufen die großen Meerschnecken, Perlen, kostbare Steine, Gold und Kupfer. Wir haben Salz und Stoffe und viele schöne Dinge, die wir für die Sachen eintauschen, die wir möchten."

„Setzt euch und ruht euch aus", sagte Otter. „Alle, die in Frieden kommen, sollen bei mir und meinem Volk Frieden finden, und außerdem ist ja bekannt, daß den Handelsleuten kein Mensch feindselig begegnet. Darum habe ich mich gewundert", wandte er sich an Fuchs, „daß dich die Kariben gefangengenommen hatten."

Fuchs übersetzte Otters Worte in die Chibchasprache, und der älteste der Kaufleute antwortete mit einem langen Wortschwall, von dem die Häuptlinge von der Küste nicht ein Wort verstanden.

„Er sagt, alle Menschen lassen die Kaufleute in Frieden ziehen", übersetzte der Kogi. „Nicht einmal die wilden Panches und Muzos, die ständig gegen die Chibchas Krieg führen, greifen friedliche Handelsleute an. Die Agachaes, Colimas und Cararis lassen sie in Frieden durch ihr Gebiet wandern und kaufen Salz von ihnen. Ich kam friedlich in ein Lager der Kariben und fragte, ob sie Salz und Tuche gegen Meerschnecken eintauschen wollten. Sie stahlen meine Waren und nahmen mich und meine Träger gefangen. Ich begreife nicht, was in sie gefahren ist."

„Ich kann es mir auch nicht erklären", sagte Otter. „Aber wir haben ja einen Gefangenen, den mein Bruder Sägefisch verschont hat. Haifischzahn soll ihn fragen, warum sie es taten."

„Da kann ich euch auch behilflich sein", sagte Fuchs, „denn ich kann karibisch sprechen."

„Du sprichst deine Sprache, die der Eisvogelmänner und unsere, dazu die der Chibchas und der Kariben. Sprichst du denn alle Sprachen?” fragte Sägefisch verwundert.

Der Fremde lächelte.

„Nein, nicht alle, aber einige", erwiderte er. „Es ist ja mein Beruf, mit Handelsleuten umherzuziehen, und da muß ich viele Sprachen beherrschen. Die Chibchas hier bezahlen mich für meine Hilfe, und ich kaufe und verkaufe auch, wenn es mir gefällt. Wollen die Häuptlinge, daß wir den Gefangenen jetzt gleich verhören?"

„Nein, erst sollt ihr euch ein Welchen ausruhen, essen und Maisbier trinken", sagte Otter. „Wenn wir das getan haben, können wir uns mit dem Karibenkrieger unterhalten."

Er beauftragte einige junge Männer, große Holzschüsseln mit Speisen und einige Tonkrüge mit einem säuerlichen, vergorenen Maisgetränk hereinzutragen. Die Gäste aßen und tranken.

Während der Mahlzeit wandte sich plötzlich einer der Chibchas an Fuchs und sagte ihm leise etwas. Der Kogi-Indianer übersetzte: „Er fragt, ob seine Träger in das Haus heraufkommen und ihre Lasten auf den Fußboden legen dürfen."

„Natürlich dürfen sie das. Alle, die in Frieden hierherkommen, sind Otters Gäste."

Der Händler rief etwas in seiner Sprache, und ein Dutzend Männer kamen die Leiter heraufgeklettert, mächtige Ballen auf dem Rücken. Sie legten ihre Lasten auf einen Haufen und hockten sich dann bescheiden am Eingang nieder. Ihre Herren beachteten sie nicht im geringsten, und als einige der Eisvogelmänner ein paar Schüsseln mit Fleisch, Fisch und Maisbrot vor sie hinstellten, blickten sie verwundert auf und warfen ihren Herren einen raschen, fragenden Blick zu, bevor sie zu essen begannen.

Währenddessen saßen die Häuptlinge tief in Gedanken versunken da. Sie beschäftigte dieselbe Frage.

Sägefisch hegte keine Zweifel mehr, sie, die Bocaná-Arowaken, die draußen an der offenen Küste wohnten, hatten den ersten Angriff der Kariben auffangen müssen. Für sie bestand direkte Gefahr. Sie mußten entweder einen Weg finden, sich zu verteidigen, oder weit fort ziehen, aus der Reichweite der Feinde. Aber Sägefisch wußte, die Kariben würden sie doch früher oder später ausfindig machen, auch wenn sie noch so weit wegzogen.

Aber nun hatten er und die Männer seines Volkes die Furcht vor den Kariben überwunden, und nun konnte er in Ruhe die Möglichkeiten des Entscheidungskampfes prüfen und abwägen, der seiner Meinung nach unvermeidlich war.

Für Otter stellte sich die Frage anders. Er und sein Volk hatten sich bisher im Schutz von Mangrovensümpfen und Binnenseen sicher gefühlt. Sie mußten nicht an die Küste fahren, wenn sie nicht wollten. Aber würden sich die Kariben damit begnügen, nur die Bocaná-Arowaken zu ihren Sklaven zu machen? Würde nicht auch eines Tages das Eisvogelvolk an die Reihe kommen?

Auch in Otter begann ein Entschluß heranzureifen.

Jetzt kamen zwei Männer mit dem Gefangenen, den sie in einer kleinen Hütte im Walde bewacht hatten.

Der Blick des Kariben ging flackernd in alle Richtungen, als er vor die Häuptlinge geführt wurde; dann aber setzte er eine gleichgültige Miene auf und sah zu Boden.

„Du bist Falkenhaupt", sagte Haifischzahn plötzlich. „Dein Vater war Zerbrochener Pfeil, der von einem Jaguar getötet wurde. Er war der jüngere Bruder des Häuptlings Schwarzer Habicht."

Der Gefangene nickte stumm.

„Wie kommt es, daß du nicht bei deinem Onkel bist?" fragte Haifischzahn.

„Der große Häuptling ist in dem Dorf am Reiherfluß. Er bleibt dort, bis der Kriegshäuptling zurückkommt."

„Klapperschlange meinst du, Falkenhaupt? Der kommt niemals wieder."

Der Karibe starrte den anderen verblüfft an.

„Jetzt erkenne ich dich", sagte er nach kurzem Zögern. „Du bist Haifischzahn. Wie kommt es, daß du dich bei diesen Kriegern befindest, wo du doch einer der jungen Männer warst, die mit dem Kriegshäuptling nach Banü fuhren, um Holz für Bogen zu holen?"

„Das will ich dir sagen", erwiderte Haifischzahn ruhig. „Ich wurde gefangengenommen, als sie Klapperschlange besiegten."

„Du bist also auch ein Gefangener?"

„Nein, nicht mehr. Ich wurde in ihren Stamm aufgenommen, und darauf bin ich stolz, denn es sind große Krieger und weise Männer. Haifischzahn ist jetzt Bocaná-Arowake."

Stolz warf er den Kopf zurück und legte die Hand auf die Brust. Falkenhaupt starrte ihn mit einer Miene an, die eine Mischung von Erstaunen und Verachtung ausdrückte.

„Alle wissen, daß die Bocaná-Arowaken feige sind wie graue Füchse!" sagte er schließlich.

„Dieser Meinung dürfte der Kriegshäuptling der Kariben durchaus nicht gewesen sein, als er mit den Arowaken zusammentraf." „Willst du damit sagen, daß sie Klapperschlange besiegten?" „Eben das will ich sagen. Als wir uns auf der Rückfahrt von Barü befanden, stießen wir auf sie, und es kam zum Kampf. Einer ihrer Jungen, der noch nicht einmal einen Männernamen hatte, überwältigte Klapperschlange. Die anderen erschlugen seine Krieger. Mich schonten sie, weil ich ein Halb-Arowake bin, und als ich einige Zeit bei ihnen gelebt hatte, wurde ich in eine ihrer Sippen aufgenommen." „Du bist ein Lügner!" schrie Falkenhaupt. „Alle wissen, daß die Kariben die besten Krieger der Welt sind und bald Herren über alle anderen Völker sein werden Fledermaus und auch die anderen Medizinmänner haben es gesagt."

„Haben die euch geraten, friedliche Handelsleute zu überfallen?" fragte Fuchs.

„Kaiman, der Medizinmann des großen Krokodilgottes, hat es befohlen." - „Ja, du hast ja selber gesehen, was geschehen ist", sagte Haifischzahn. „Die Arowaken und Eisvogelmänner kamen in ihren Kanus und spickten Kaiman und seine Krieger mit Pfeilen, und dann schlugen sie dem Krokodilgott den Kopf ab. Wer waren da die besseren Krieger?"

„Wir werden uns bald rächen!" Falkenhaupt war so rasend, daß er zitterte. „Jeden Tag kann Klapperschlange mit dem Bogen des Kriegsgottes ankommen, und dann werden wir die Arowaken vernichten! Weder sie noch diese Sumpfkröten hier können unseren Pfeilen widerstehen."

Haifischzahn sah den jungen Kariben ernst an.

„Mein junger Bruder redet wie ein unverständiges Kind", sagte er ruhig. „Wenn du an meinen Worten zweifelst, dann sieh dir Feuersteinherz an, der dort drüben sitzt. Siehst du nicht, daß er Klapperschlanges Halsband mit den Jaguarklauen trägt? Und der Bogen des Kriegsgottes befindet sich in diesem Hause. Sägefisch, der Häuptling der Bocaná-Arowaken, besitzt ihn. Und er kann ihn spannen!"

Sägefisch hatte nicht verstanden, worüber die beiden sprachen, doch Fuchs übersetzte ihm die Worte. Jetzt neigte der Häuptling den Kopf und lauschte, während der Händler ihm alles erklärte. Dann öffnete er das lange Baumrindenfutteral, nahm den Bogen des Kriegsgottes heraus und hielt ihn hoch, so daß ihn alle sehen konnten.

Falkenhaupt starrte den Bogen mit weit aufgerissenen Augen an. Mehrere Minuten lang war es ganz still in der Hütte.

„Glaubst du nun meinen Worten, junger Bruder?" fragte Haifisch-zahn schließlich.

„Ich sehe!" Wie es schien, fiel es Falkenhaupt schwer, die Worte hervorzubringen. „Der Arowakenhäuptling hat den Bogen des Kriegsgottes, und der junge' Krieger dort trägt Klapperschlanges Waffen und Schmuckstücke. Es ist aus mit dem Glück der Kariben. Die Prophezeiung, über die wir gelacht haben, ist in Erfüllung gegangen."

„Will mein junger Bruder sehen, wie der Häuptling den heiligen Bogen spannt?"

„Wozu? Ich sehe ja, daß ich töricht geredet habe und daß Haifischzahn nicht die gespaltene Zunge der Lanzenschlange hat, sondern die Wahrheit redet. Werdet ihr mich jetzt töten?"

Fuchs übersetzte Sägefisch die Frage. Der schüttelte den Kopf.

„Warum sollten wir ihn töten?" sagte er. „Er kann uns nicht mehr schaden."

Einer der Chibchamänner beugte sich vor und redete eifrig auf Fuchs ein, der aufmerksam zuhörte und dann sagte: „Der Handelsmann fragt, ob der Häuptling den gefangenen Kariben für eine Rolle Tuch verkauft. Er braucht Sklaven, die seine Handelswaren tragen." Sägefisch sah nach den Männern vorn an der Tür.

„Würde Falkenhaupt dann so ein armer Teufel werden wie die da?" fragte er.

Der Kogi-Indianer nickte.

„Dann sag dem Handelsmann aus den Bergen, die Bocaná-Arowaken sind keine Sklavenhändler und wünschen es auch nie zu werden. Dieser junge Mann ist ein Verwandter Haifischzahns. Darum behalten wir ihn, bis wir die Kariben besiegt haben. Dann kann er selbst entscheiden, ob er einer von uns werden oder zu den Kariben zurückkehren will. Wenn Otter seine Zustimmung gibt, halte ich es für das beste, wenn Falkenhaupt hierbleibt."

Otter, der schweigend zugehört hatte, neigte den Kopf.

„Sägefisch redet wie ein weiser Häuptling", sagte er. „Ich habe zugehört, um von ihm zu lernen, und nun habe ich auch einen Entschluß gefaßt. Wenn Sägefisch zu seinem Stamm zurückkehrt, sollen ihm soviel von den besten Kriegern des Eisvogelvolkes folgen, wie ich Finger habe. Und schon jetzt sollen sie Bogen und Pfeile für sich und andere anfertigen, so daß alles bereit ist, wenn es zum Kampfe kommt. Es wäre gut, wenn mein junger Bruder Adlerauge ihnen zeigte, wie man gute Bogen macht. Otter hat gesprochen."

Beifälliges Gemurmel der Eisvogelmänner folgte seinen Worten, und ein halbes Dutzend jüngere Leute erhoben sich, um hinauszugehen und sogleich Material für Bogen zu suchen.

Währenddessen redete Fuchs leise mit den Chibchamännern. Dann erhob er sich und begab sich an den Eingang, wo die Bündel mit den Handelswaren aufgestapelt lagen. Er löste den Strick, der um ein Bündel geschnürt war, und nahm ein Päckchen heraus. Mit diesem in der Hand trat er vor den Arowakenhäuptling.

„Kein Mensch soll sagen können, die Handelsleute wären Sägefisch und seinen tapferen Kriegern, die mich vor dem Krokodilgott erretteten, nicht dankbar", sagte er. „Darum sollen sie haben, was sie brauchen, um ihre und unsere Feinde zu besiegen."

Er öffnete das Päckchen und entnahm ihm eine Menge Pfeilspitzen mit scharfen Schneiden, die aus gelbgrauem Feuerstein hergestellt waren.

„Wir haben sie weit von hier eingetauscht", erklärte er. „Am besten verteilt sie der Häuptling selbst unter seine Männer. Für ihn und Adlerauge habe ich besondere Geschenke."

Fuchs holte ein zweites Päckchen und hielt zwei glänzende, breite Äxte in die Höhe. Sie waren aus einem Metall angefertigt, das die Küstenindianer noch nie gesehen hatten — es war Bronze.

„Weit im Süden, hinter dem Bergland, in dem das Chibchavolk wohnt, liegt ein anderes Land", erklärte er. „Ich selbst bin noch nie dort gewesen, sondern habe nur davon erzählen hören. Dort wohnen Menschen in großen Häusern von Stein, sie haben große Tiere, die ihnen gehorchen und Lasten tragen, und sie fertigen viele wunderbare Dinge an; denn die Sonne selbst hat ihnen einen ihrer Söhne als Oberhäuptling geschickt, den sie Inka nennen. Diese Äxte sollen aus dem Land des Inka stammen."

Sägefisch wandte die schwere Axt in der Hand und prüfte ihre Schneide.

„Denkt euch, aus so weiter Ferne kommt sie her — wie groß ist doch die Welt 1" sagte er nachdenklich. „Wer weiß, wie viele Berge und Flüsse zwischen uns und dem Land liegen, in dem man diese Axt anfertigte. Wie lange braucht man, um in das Land der Handelsleute zu kommen?"

„Zwei Mondzeiten, wenn man schnell reist."

„Und von dort aus in das Land, wo die Menschen in Häusern aus Stein wohnen?”

„Ich weiß es nicht. Viele Mondzeiten."

Die Indianer schüttelten den Kopf. Das vermochten sie nicht zu fassen.

Die Arowaken wollten so bald als möglich zurück auf ihre Inseln im Meer, aber es kam etwas dazwischen. Am Morgen nach der Begegnung in dem Versammlungshaus hatte Feuersteinherz hohes Fieber, und einer der Handelsleute war ebenfalls krank.

Uhu, der Medizinmann des Eisvogelvolkes, gab ihnen Kräutermedizin, aber sie schien ihnen nicht zu helfen. Und es wurde auch nicht viel besser, als der andere Chibchamann bittere Baumrinde in Quellwasser kochte und ihnen davon zu trinken gab.

Sie schwitzten furchtbar und fühlten sich eine Zeitlang wohler, aber dann kehrte das Fieber zurück.

Einige Tage vergingen, und schließlich wurden die Häuptlinge besorgt.

Sägefisch wollte mit seinen Leuten und den Hilfstruppen zurück zu seinem Volk, und Otter war nicht wohl bei dem Gedanken, kranke Fremde im Dorf zu haben.

Wer konnte denn wissen, ob die Krankheitsgeister nicht auch plötzlich das Eisvogelvolk anfielen?

Die Indianer wußten ja nicht, wodurch die Krankheiten entstanden. Sie glaubten, ein Mensch sei krank, weil ein böser Geist in ihn gefahren sei. Wenn es gelang, den Geist zu täuschen oder ihm den Aufenthalt zu verleiden, so daß er wieder ausfuhr, dann wurde der Mensch wieder gesund.

Nun versprach der Häuptling dem alten Medizinmann zwei seiner wertvollsten Halsbänder, wenn er die Kranken heilte, und Uhu wollte seine kräftigsten Zauberkünste versuchen.

Nach seinen Anweisungen bauten die jungen Männer auf hohen Pfählen eine kleine Hütte, ein ziemliches Stück vom Dorf entfernt, und auf einem zur Erde geneigten Baum unten am Fluß hängten sie an Stricken eine kleine Plattform auf.

Darauf wurden die Kranken an die neue Hütte getragen und vor dieser auf eine breite Bank gelegt.

Die Plattform auf dem Baum wurde mit großen Blättern bedeckt, und auf diesen Blättern tischte der Alte alle möglichen Leckerbissen auf: gebratenes Fleisch, geräuchertes Fleisch, geräucherte Fische, gekochte Maniokwurzeln, Maisbrötchen, Casabekuchen und Schalen mit Maisbier.

Einige junge Männer mußten in die Hütte hinaufsteigen und die Leiter nachziehen. Als sie sich dort oben in Sicherheit befanden, begann Uhu seine Beschwörungen zu murmeln.

Zuerst nahm er einige große Blätter und fegte mit diesen über die Kranken hinweg. Er begann am Kopf, dann folgte der Körper und die Beine, und schließlich fegte er über die Zehen hinaus. Dabei murmelte er fortwährend geheimnisvolle Sprüche.

Dieses Fegen mit den Blättern sollte bewirken, daß sich die Krankheitsgeister in den Kranken nicht wohl fühlten. Die Indianer glaubten, daß Krankheiten am besten da gediehen, wo sich Schmutz befand — und damit hatten sie recht. Darum mußten die Kranken zunächst einmal gereinigt werden.

Uhu ließ seinen Lehrling — einen jungen Indianer, der später selbst Medizinmann zu werden hoffte — einen großen Tonkessel mit heißem Kräuterwasser herbeitragen.

Mit diesem Wasser wusch der Medizinmann seine Patienten — es war so heiß, daß sie die Zähne zusammenbeißen mußten, um nicht laut zu schreien —, und nun waren sie endlich soweit, daß sie von den Krankheitsgeistern befreit werden konnten.

Der Alte stimmte den letzten seiner Beschwörungsgesänge an. Er sang den Geistern vor, dies sei kein guter Ort für sie. Es sei kein Dach über der Bank, Speisen seien auch nicht da, nur kaltes Wasser zum Trinken.

Während er sang, begann cr die Kranken zu umtanzen. In der einen Hand hielt er zwei Stöcke aus blankpoliertem, schwarzem Palmen-holz, die er abwechselnd auf den Erdboden stieß. Bei den Stöcken handelte es sich um Zauberstäbe, und indem er sie wie tanzende Füße bewegte, glaubte er, daß er die Geister zum Mittanzen zwang. Immer schneller tanzte der Alte, und jetzt begann er Verse zu singen. Sie handelten von einem vorzüglichen Ort, wo es eine Fülle guter Dinge zu essen gab. Dort hatte man eine schöne Aussicht über die Insel, dort befand sich eine breite Plattform, auf der man sich ausruhen konnte, und wenn man nicht mehr essen mochte, gab es dort Maisbier statt Wasser zu trinken. Ob die Krankheitsgeister nicht Lust hätten, ihm dorthin zu folgen und zu schmausen?


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