Nachwort des Autors


Ein weiteres Mal waren Professor Lavell und Patrick auf den Spuren der Geschichte und mystischer Legenden. Und ein weiteres Mal stehe ich vor dem Dilemma, einerseits aufklären zu wollen, welche Teile davon fundiert und welche fiktiv sind, und andererseits den Zauber der Fantasie nicht zerstören zu wollen.

Ich denke, im Rahmen einer Geschichte kann man sich sehr gut darauf einigen, den Unglauben und das Wissen zeitweilig aus der Hand zu legen, sich zurückzulehnen und sich auf das Spiel einzulassen. Jeder Kinofilm funktioniert genauso, obwohl man weiß, dass auch beim Weltuntergang ganz offenbar noch ein großes Kamerateam dabeisteht.

Wer sich den entblößenden Blick hinter die Kulissen ersparen möchte, der sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen – aber ich schätze, dieser Hinweis war ebenso kontraproduktiv wie der berühmte rote Knopf »Nicht drücken!«. Die Szenen in den dreißiger und vierziger Jahren haben mir besonders viel Spaß gemacht, denn hier gab es für mich viel zu entdecken. Tatsächlich war das Ägyptologie-Fieber damals auf einem Höhepunkt – nicht zuletzt durch den sagenhaften Fund des Grabes von Tutanchamun 1922 durch Howard Carter. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren ständig Ausgrabungsteams in Ägypten, die in der Regel allerdings nur in den Wintermonaten arbeiteten, da es im Sommer in der Wüste viel zu heiß ist. Es war eine lose internationale Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich unabhängig von politischen Befindlichkeiten in Ägypten tummelte. Die Entdeckungen der im Text erwähnten Ägyptologen Borchardt, Petrie, Lauer, Firth und Emery sind historisch belegt.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mussten die Ausländer, deren Länder sich im Krieg mit England befanden, Ägypten verlassen, insbesondere die Deutschen und die Italiener. Grabungen wurden während dieser Zeit eingestellt.

Auch die Szene, in der Joseph Goebbels 1939 am Flughafen in Kairo eintrifft, ist inklusive des Empfangskomitees historisch belegt, die Details habe ich einem Augenzeugenbericht entnommen. Natürlich ist die Figur Wolfgang Morgens fiktiv. Ihn habe ich hier in den realen historischen Kontext eingebunden. Ebenso wie in einer anderen Szene, nämlich 1941, als er mit derselben Maschine in Tripolis landet, mit der Erwin Rommel zu jenem Sperrverband geschickt wird, mit dem er den berüchtigt gewordenen Afrikafeldzug beginnt. Anders als Wolfgang Morgen es in einer späteren Szene behauptet, waren es am Ende allerdings nicht die Engländer, sondern die Reste dieses deutschen »Afrikakorps«, die den Rückzug antreten mussten.

Die Ausführungen über die Geschichte von Rhodos und über den Großmeisterpalast der Johanniter sind korrekt. Tatsächlich ist der Palast nicht zuletzt durch die Explosion eines Pulverlagers im 16. Jahrhundert fast vollkommen zerstört gewesen. Die Italiener, die die Insel von 1912 bis 1943 besetzten, bauten ihn als Residenz für ihren Diktator Mussolini neu auf, allerdings hat er den eindrucksvollen, aber ganz und gar nicht historischen Palast nie betreten. Die Kellergewölbe des Palasts habe ich mir freimütig ausgedacht – nicht allerdings die Türkische Bibliothek in Rhodos Stadt, sie gibt es tatsächlich. Sie wurde 1794 gegründet und enthält nie übersetzte türkische, arabische und persische Manuskripte und unter anderem einen zeitgenössischen Bericht über die Belagerung von Rhodos von 1522. Sie ist zum Leidweisen der Historiker für die Öffentlichkeit gesperrt.

Ebenso wie die Erläuterungen zum Palast sind auch die allgemeinen Exkurse über die Geschichte der Johanniter korrekt. Das Treffen der beiden Großmeister der Templer und der Johanniter beim Konzil in Poitiers 1307 ist verbürgt – allerdings ist es kaum wahrscheinlich, dass die beiden jemals irgendwelche Schätze ausgetauscht hätten, denn sie standen in scharfer Konkurrenz zueinander. Dieser Teil ist also meine Fiktion, ebenso wie der Ansatz, die legendäre Tabula Smaragdina mit einer fiktiven Stele von Echnaton gleichzusetzen.

Und da ich gerade bei Echnaton bin: Alle Erklärungen zur Geschichte Ägyptens, der Pharaonen, der ägyptischen Götter und der Totenbücher, über Echnaton, Imhotep und die Beschreibungen des Ägyptischen Museums in Kairo sind ebenfalls korrekt. Fiktiv ist hier die Idee, dass Echnaton ein mystisches Erlebnis gehabt und dies auf einer Stele beschrieben hat. Tatsächlich wäre es allerdings ihm vor allen anderen Pharaonen zuzutrauen, so etwas getan zu haben, denn der Sonnenhymnus, der am Ende des Buches zitiert wird, stammt angeblich tatsächlich aus seiner Feder. Echnaton war mit großer Sicherheit eine der schillerndsten Gestalten der ägyptischen Geschichte.

Die Beschreibungen der Nekropole von Sakkara sind größtenteils real, nur in Details der Dramaturgie der Geschichte angepasst. So ist man heute beispielsweise allgemein der Ansicht, dass die Stufenpyramide des Djoser nie ein Pyramidion gehabt hat. Allerdings gibt es die Imhotep geweihten Ibisgalerien und unterirdischen Tierfriedhöfe im Norden der Anlage tatsächlich. Das Grab Imhoteps selbst ist allerdings trotz der Suchen von Emery und vieler anderer bis heute noch nicht gefunden worden.

Ein letztes Wort noch zum Thema »Sphinx«. Während die Sphingen in der griechischen Mythologie als weiblich angesehen wurden, waren die älteren, ägyptischen Sphingen durchweg männliche Gestalten. Daher ist der korrekte Artikel für die Sphinx von Giseh eigentlich »der Sphinx«, und so wird die Statue in Fachkreisen auch bezeichnet. Da sich das aber so ungewohnt liest, habe ich im Buch auf diese Spitzfindigkeit verzichtet.


Bei den umfangreichen Recherchen zu diesem Buch habe ich mich bei vielen Menschen zu bedanken.

Es geht los mit den Mitgliedern des Ägyptologie-Forums und insbesondere Anne-Maria Fehn, die mir Literaturhinweise gegeben und ein Bild der Situation in Ägypten um 1930 vermittelt hat.

Danke an das Auswärtige Amt in Bonn, wo man mir Informationen über die Belegschaft der Deutschen Gesandtschaft in Kairo zum damaligen Zeitpunkt gab.

Dr. Annette Kadereit von der Forschungsstelle Archäometrie am Max-Planck-Institut für Kernphysik sowie Dr. Denis Scholz von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften haben mir ausführliche Informationen über die Altersbestimmungsmethoden von Tropfsteinen zukommen lassen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich weiß von ihnen auch, dass die Aufbereitung einer Gesteinsprobe für die U/Th-Analyse nicht einen, sondern vielmehr vier oder fünf Tage dauert, aber das sei der Dramaturgie geschuldet. Danke für die Hilfe!

Danke an den Herpetologen Peter Lammers, der mich über die ungiftige Diademnatter aufklärte.

Dr. Spyros Syropoulos hat mich ebenfalls großartig unterstützt. Er unterrichtet Geschichte an der University of the Aegean, Rhodos (Fachbereich Mediterrane Studien), ist Mitglied des Archaeological Board of Dodecanese und darüber hinaus Sachbuchautor. Über das International Writers' and Translators' Center von Rhodos habe ich diesen wertvollen Kontakt bekommen. Spyros hat mir sehr viel über die bewegte Geschichte der Insel erklärt und mir sogar Informationen über das Innere der Türkischen Bibliothek besorgt, die von Fremden nicht betreten werden darf.

Bei den zahlreichen Übersetzungen haben mir geholfen: Tamer Kamel (Arabisch), Michael Pammer (Latein) und Fabio de Donno (Italienisch).

Vielen Dank an Matthias Harder für die wunderbare Musik!

Besonders gefreut habe ich mich auch über die Hilfe meiner Schriftstellerkollegin Iris Kammerer für die Recherche und die umfangreiche lateinische Übersetzung des fiktiven Codex des Baux. Vielen Dank!

Immer wieder belästigen durfte ich den belgischen Ägyptologen Jacques Kinnaer, der nicht nur eine hervorragende Ägyptologie-Website betreibt (www.ancient-egypt.org/), sondern der mir auch beim Übersetzen der Hieroglyphen-Inschriften eine unschätzbare Hilfe war. Vielen Dank!

Und natürlich gilt mein Dank meinen Testlesern, deren Meinungen besonders zu Beginn des Manuskripts wichtig für mich waren.

Nach allem Schreiben ist die Arbeit aber keineswegs getan; ich danke meinem Agenten Joachim Jessen und meiner Lektorin Linda Walz für ihre unermüdliche Geduld und ihre tolle Hilfe auf dem bisherigen Weg; beim Händchenhalten und beim Beiseiteräumen von Stolpersteinen im Geschäft sowie im Text.

Und zu guter Letzt gilt mein größter Dank natürlich wieder meiner Familie:

Joshua und Rebecca, danke für eure Nachsicht, wenn ihr mich selbst mit so spannenden Sachen wie frisch geschlüpften Triopsen und entlaufenen Heimchen unter dem Bett (die eigentlich für die Gottesanbeterinnen und Anolis bestimmt waren) nicht immer vom Manuskript weglocken konntet.

Und Dank an Martina fürs Ertragen entbehrungsreicher Nächte, fürs frühere Aufstehen auch am Wochenende, fürs Durchhalten und die völlig unbeeindruckte, schonungslose und immer richtige Kritik an meinen Texten. Es wird besser, ich verspreche es. Auch meine Zeiteinteilung.


Загрузка...