V. HUND UND KATZE

1. Liebende, besser als Musik

Er wartete in dem Hotel, an dessen Bar sie einander kennengelernt hatten.

Dmitri Stepanowitsch strich auf und ab, halb verzagt, halb zitternd vor gewittriger Begeisterung, immer am Bett entlang, von dem er nicht wußte, ob es das Richtige für sie beide war.

Wie will ich dich, was blüht mir?

Er schnupperte und fand: Die Luft ist voller Lilienspuren, ganz wie mein armer Kopf. Er fletschte die Zähne.

Dann betrachtete er seine neuen Handflächen. Menscheneigenschaften, Menschengliedmaßen, Menschenschmuck: Clea Dora hatte damit angefangen, er war gefolgt.

Ihre kindliche, ansteckende, auch ein bißchen verbotene Freude an veränderten Körperbauplänen: Laß uns Menschsein spielen. Unschuldig und zugleich hinterhältig, wie die ganze Person. Inzwischen nannte er sie deshalb» Lynxchen«: niedlich gefährlich, das bist du, Schönste.



Sie rümpfte, wenn er sie so ansprach, die Nase, weil sie fand, daß der Kosename sich allzu grob übers» Wetzelchen «lustig machte, das ens ineffabile, das die Vestalinnen mit den Habichtsköpfen in den Isottatempeln neuerdings verehrten:»Sei nicht respektlos.«

«Wieso nicht? Nur weil deine Leute«, er meinte die Polyarchenpartei, der Clea Dora bei den Wahlen treu war, wie er wußte,»finden, daß wir, um eine echte Kultur zu werden, wieder Gegenstände der Verehrung brauchen? Wie in der Langeweile?«

«Als ob du deinen blöden Löwen nicht verehrtest.«

«Das ist was anderes.«

Sie schmatzte:»Eben — für deine eigenen ›Gegenstände der Verehrung‹ forderst du Respekt, aber die anderer Leute…«

Nein: Frömmigkeit, fand Dmitri, erstickt das Denken, nimmt ihm alle Luft. Das sagte er aber nicht, sondern neckte Clea Dora lieber:»Wenn ich eine Nase hätte wie du, mein Böses, würde ich nicht von Respekt reden. Auf den ersten Blick erkennt man dich, am Gesicht: respektlos bis sonstwohin. Da hilft auch kein Wetzelchen, was immer das ist.«

«Respektlos? Moi?«

«Die ganze Aufmachung. Ein Spott auf alle Geschlechter, auf sämtliche… der Backenbart! Die Pinsel auf den Ohren! Die Stummelrute überm Hintern! Dein Echsenblick!«

«Mein Hexentrick.«

«Das auch«, bestätigte er und dachte sehr verliebt: Was sie hat, ist das, was mir gefehlt hat, seit dem Rudel: Sertsa. Schöne verspielte Seele du.

Sie prustete:»Pfftpööh. Was willst du eigentlich, du Streuner?«

«Dich. Mit allem Quatsch, mitsamt deiner Neigung zu den verkehrtesten Moden. «Er hob die Hände, damit sie sah, was er meinte.



Viele Gente, die sich's leisten konnten, waren jetzt in anthropomorpher Gestalt unterwegs. Das hatte auch damit zu tun, daß man im» Tierreich«(ein albern affektierter neuer Name für die Welt der Gente, fand selbst Clea), auf den alten Kontinenten, die Kunde von den amazonischen Scheußlichkeiten langsam ernst zu nehmen anfing: Da drüben werden Menschenweiber ausgebildet, wozu? Sind sie uns vielleicht überlegen?

Sie haben immerhin diese Daumen, die man abwinkeln kann. Nun gut, jetzt haben wir die auch.

Tatsächlich gefiel Dmitri von allen jüngeren Moden am meisten, daß er jetzt Hände hatte.

Er erinnerte sich allerdings nicht gern daran, wie er seinen Beitrag dazu geleistet hatte, vielen übriggebliebenen homines sapientes genau solche Hände zu zerstören.

Nicht genug Finger allerdings, so fand der Wolf, besaß das klassische Modell. Das ließ er also ändern.

Bei ihm waren es jetzt je sechs, bei Lynxchen sogar sieben.

Er hatte sich Transceiver in die Haut der Ballen und zwischen die Finger setzen lassen; jetzt konnte er buchstäblich als Schrift auf seinen Handflächen lesen, was ihm andere Gente unter seiner Duftadresse mitzuteilen hatten.



Nun aber, in den langen Warteminuten, schwieg das Greiforakel.

Traf die Nachricht denn nicht endlich ein, auf die er wartete, zwischen Lebenslinie und Schicksalslinie? Sie traf nicht ein.»Vielleicht ist der Empfang gestört«, teilte er seinem Spiegelbild mit, ein bißchen bellend; wieder einer seiner» schlechten Scherze«(Clea Dora), diesmal auf Kosten der Langeweile und ihrer elektronischen Funknetze (die waren das erste gewesen, was während der Befreiung hatte beseitigt werden müssen —»ein Kinderspiel «laut Georgescu, die den Angriff damals koordiniert hatte).

Ich muß schon schwer verzweifelt sein, dachte Dmitri, als ihm klar wurde, daß sein Witz nur die Vorhänge und das Bett erreichte.»Und das Bett und die Vorhänge«, knurrte er,»wissen ja längst, wie verblödet, wie verliebt ich bin. «Aufrecht auf und ab gehen ist auch nicht weniger nutzlos als auf allen vieren: Wieder was gelernt.



Er besah sich die Schnittstellen von neuem: Außer, daß sie greifen und mit allen, die Sprache hatten, in einen Austausch treten konnten, taugten diese Hände auch als Speicher und Konverter für UV–Licht. Es gab hier drin indes nichts zu konvertieren; der Wolf tappte im dunkeln. Leuchte endlich, blödes Display! Die ganze wohleingerichtete Welt ist gegen uns, fand Dmitri plötzlich und wußte zugleich, daß das ein bloßer Paranoiaschauer war, der ihn befiel — nein, doch, alles hatte sich, das spürte er, gegen den Liebenden in Stellung gebracht: Jedes Bindepheromon, jede Proteinfaltung, jede Desoxiribonukleinsäurenskulptur im Herrschaftsbereich des Löwen war doch eigentlich einer ihnen korrespondierenden digitalen Komponente zugeordnet; ineinandergeschachtelte Kryptoglyphen spendierten Protokolle für den Gesamtzeichen-, Rede- und Bildverkehr aller Denkenden, Atmenden in den drei Städten und um sie herum; aber nichts davon schien heute abend noch zu funktionieren, das ganze verknüpfte Universum war wie fortgewaschen, hatte sich vom Wolf zurückgezogen, als gewaltige Ebbe, solange Clea Dora sich nicht meldete.

«Na schön. Na und. Ist ja lächerlich. Dann eben: Licht, bitte.«

Er sah sein Widerbild zweifelnd an, ob es genug hermachte. Dann hielt der Wolf die eigene Ungeduld nicht mehr aus und verließ das Zimmer. Wird sie mich mögen, werd ich sie festhalten, anschaun, ihr heute nacht das Fell kräftig gerben?



Er betrat den Gang, der mit biolumineszenten Flechten ausgekleidet war. Im fahlen Waber eilte Dmitri die Wendeltreppe runter ins Foyer, wo die Eidechsen an der Rezeption ihn mißtrauisch beobachteten, weil es zur Zeit nicht viele Gäste gab: In dieser Stadt findest du heute wenig, was Fremde anzieht, also wer bist du, was willst du? Er überlegte, ob er Clea Dora, wenn sie schon nichts von sich hören und lesen ließ, vielleicht selber ein Billettchen senden sollte, das sie seines mit jeder Minute heftigeren Interesses versicherte.



Sie hatten einander in den vergangenen Monaten einen ganzen Mückenschwarm solcher Nachrichten geschickt.

Ihre vorletzte Nachricht, unterlegt von frivolsten Synaesthetica:»Was treibst du, überall in der Welt? Ryuneke überbieten?«

Er hatte geantwortet:»Ich bleibe erreichbar für dich, im Garten der Fruchtfliege.«

Er war selbst überrascht von dem Getändel; die lyrische Anspielung auf die verborgene Natur ihrer Verbindung wäre ihm früher nicht eingefallen. Über solche Indirektheit, in Entfernung, über Botenstofftausch, nahm paradoxerweise die Nähe immer weiter zu. Gut, die Indirektheit war ja eigentlich auch keine, viel eher ein Explizitmachen des Impliziten: Sowenig die Menschen mutmaßlich je damals an Turing oder Shannon gedacht hatten, beim Schreiben ihrer E-Mails, sowenig fielen den Gente für gewöhnlich die Grundlagen ihrer chemischen Kommunikationstechnik noch ein, wenn sie die Moleküle flüstern, kitzeln, flirten ließen — das Geheimnis im Garten der Fruchtfliege, die paarungsleitende Pheromondusche von drosophila melanogaster, mit deren systematischer Auswertung erst durch Ethologen, dann durch mit Chromatographen gerüstete Molekularbiologen des homo sapiens der zunächst analytische, dann konstruktiv-synthetische Weg zum heutigen biotischen Miteinanderreden via fernsten Hauch vor fünfeinhalb Jahrhunderten begonnen hatte.



Cleas Erwiderung auf sein Gartengedicht, ihre bislang letzte Meldung:»Wart nur, wenn ich gleich zu dir komm!«

Sie war aber nicht gleich zu ihm gekommen.

Sie ließ ihn warten.

Als er daran dachte, fiel ihm wieder auf, daß sie eigentlich nicht mehr voneinander wußten, als daß beide viel reisten, über Bildung und Manieren und einen Hang zur Überschreitung dieser beiden verfügten und sich nicht allzubald beieinander langweilen würden — wenn denn wirklich alles gerade so innig wurde, wie er sich's wünschte.

Er trat in die Abendkühle, auf die schummrige Gasse. Neon grüßte, dumm und hübsch.

Oben die Sterne, in ihren Anordnungen, die wir von den Menschen geerbt hatten: Schwan, kleiner Bär, recht so, treue Wachen, die waren ja längst vor den Menschen da. Halt: Stimmt das? Die Anordnungen, gab es die seit je?

Vor seiner Reise zur Küste, zum Wall aus Gebeinen, hatte Dmitri Stepanowitsch Sebassus seine Augen scharf genug stellen können, um links oben, schwanwärts, den Nordamerika-Nebel zu erkennen. Diese Augenverbesserung hatte er die Rauhhautfledermäuse im Präferenzgebirge dann rausnehmen lassen. Er fand: Man muß nicht alles sehen, was man verstehen kann (aber alles verstehen, was man sehen kann — Freiheit den gefesselten Fähigkeiten).

Die Luft war lieblich, lau, etwas salzig (Meerwasser? Ob der Torus drüben unterm Benzolring wohl leck war?).



Da bist du, Luchsrose!

Er sah sie im Taxi sitzen, das ganz langsam vorfuhr. Ein Reh lenkte den Wagen. Der Wolf ertappte sich bei schrecklichen Gedanken: Was, wenn Clea ihre weißen Zähne in den Fahrernacken schlägt? Fast meinte er die Bißwunden am Hals schon zu erkennen und schnupperte, als ob das süße Blut zu riechen wäre.

Die Schönste kauerte in einer Haltung, die bei Jägern schon seit der Langeweile Ansitz hieß, hielt Ausschau, sah ihn draußen stehen, lächelte. Wie kam er auf die Grausamkeit? Vielleicht war das ihr naher Atem.

Die Aufregung, die verhaltene Gier.

Dann suchte sie in ihrem Zeug, neben dem Sitz, nach Geld oder ähnlichem — sie, na, wie hieß das, drückte sich, das war ein Jagdausdruck fürs Ducken. Ein schöner Vorwand, so ein Taxi, für diese exquisite Verspätung. Zuviel Ironie, dem Wolf war schwindlig.



Lynxchen stieg aus und strauchelte reizend. Ihre Tasche fiel zu Boden, auf den pockennarbigen Asphalt der alten Straße. Das Auto hinter ihr fuhr an mit einem Satz, als wollte es entkommen. Kein Leder, sah Dmitri, dieser Beutel da, den sie verloren hatte, sondern ein Jutesack. Eine Plastikflasche rollte raus, Dmitri vor die Hufe (er lebte seine Satyrphase). Der Wolf bückte sich, fing die Flasche ab, bevor sie in den Rinnstein rollen konnte. Er überreichte sie Clea, als wäre das ein Rosenstrauß.»Galanter Kuder!«lachte Lynxchen, nieste und sagte:»Da machst du sie drauf, deine Fingerabdrücke, das patschst du gern ab, aber auf meine Anrufe reagierst du nicht, Blödwolf.«

«Welche Anrufe?«Er überprüfte blinzelnd seine Handflächen.

Da waren tatsächlich zwei Nachrichten eingetroffen; nicht nur ihr Auto, auch der Pherinfonkontakt war offenbar verzögert worden. Liebe Nichtigkeiten: Die Sendungen hatten keinen anderen erkennbaren Zweck als den, ihn zum Antworten zu reizen. Sie war sich also nicht sicher gewesen, ob er wirklich am Treffpunkt auf sie wartete.

Das gefiel ihm.



Er verhaspelte sich:»Wa… Wollen wir was, was essen gehen oder hm zum, in die Stadt? Dann bringen öhm wir am besten schnell deine Sachen hoch. «Er fragte sich, ob das zu plump war — vielleicht wollte sie gar nicht auf sein Zimmer? Wo wohnte sie eigentlich? Eine Wohnung hatte sie in Borbruck wohl nicht, sonst wären sie einander kaum im Hotel begegnet, damals. Obwohl, vielleicht inzwischen doch?

Er betrachtete ihre Schultern, die Birnenbrüstchen unterm weißen Herrenunterhemd, das schnelle sexy Atmen.

Sie lachte, er dachte: Ich weiß es, ich riech es, sie wohnt überhaupt nicht in den drei Städten, sondern im Süden, bei den Kriechtieren, bei den pumpenden Körpern.

Er sagte» Hier entlang, Fiametta«, das war ein neuer Name, mit dem sie seit ein paar Wochen flämmchengleich ihre Botschaften zu signieren pflegte und der ihr besser gefiel als» Lynxchen«.

Auf der Treppe nahm sie einen tiefen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Er betrachtete die Flecken an ihrem Hals, unter ihren Ohren. Die bewegten sich, als horchten sie nach Beute, in raschelndem Laub.

Er ließ seinen Blick an der Tür vom Sicherheitssystem erkennen. Sie traten ein.

Er fragte:»Willst du… was magst du ablegen? Laß das doch hier.«

Clea Dora, Lynxchen Fiametta, sagte:»Ich geh heut nacht nicht wieder in meine… hiesige Wohnung, falls du das wissen willst.«

Er nahm ihr die Tasche ab, wog sie, hielt sie hoch, vor ihren Augen: Das ist schwer, da hast du wohl Waschzeug drin, sagte sein Gesichtsausdruck.

«Meine Beischlaftasche, für die Wasserflasche«, lächelte die Luchsin.



Sie küßten sich und kratzen einander mit Krallen an Beinahmenschenfingern.

Süden, dachte er, aber es gab keine feierliche Entkleidung, mehr ein Geraschel, heißes Zerren, griffige Dringlichkeit. Nein, halt, doch, ja, bitte, andererseits.

Man wollte ja noch essen gehen. Überhaupt, wir wollen uns zeigen, erst hier auf dem Balkon unterm Schwan und unterm großen Bären, dann in der Öffentlichkeit. Wir wollen archaische Rituale umeinander legen, Bande der Freundschaft. Als sie das Keuchen geübt hatten, wurde es musikalischer und verständiger, ein Rhythmus der Einmütigkeit. Er ist, dachte die Luchsin, schön fremd bekannt und wirft sich mir ganz um den Leib als mein neuester Umhang, daß ich fast glauben könnte, er wäre zwei Wölfe, oder drei, viel mehr. Sie spürte ihn flüstern, hörte ihn streicheln und lachte.

Er hatte sich nie so gut gefühlt, seit er vom Rudel fortgegangen war: Ich bin hier bei ihr, Werwolf, Wermensch — wer bin ich, und was mach ich wem?



Sie hatte eine Tätowierung am linken Arm, auf einer ausrasierten Stelle, ein tanzendes Muster, das auch leise Töne enthielt, sommerlich verschlüsselt. Er hörte sie sirren und tropfen, wenn er dort entlang leckte.

«Das hab ich zur bestandenen Doktorprüfung machen lassen«, sagte die Geliebte,»als Erfolgsbeglaubigung.«

«Mein Schatz. So ehrgeizig!«sagte er.



Sie gingen zusammen durch verlassene Markthallen; er kannte den Weg zu den Nischen für gutes Essen, die sich wie Muscheln an der inneren Stadtmauer festgesaugt hatten.

«In alten Zeiten, bei den Menschen, war's viel schwieriger, in den Gelehrtenstand einzutreten«, dozierte Lynxchen absichtlich naseweis.»Damals mußte man um Ideen und Funde richtig kämpfen. Eine Doktorarbeit, das war immer eine Polemik.«

«Magst du sprachlose Hasen essen? Oder Spitzmäuse?«

Sie mußten sich entscheiden, hier gabelten sich die Wege nach den verschiedenen Gasthäusern.

«Ich esse ja eigentlich überhaupt nicht gern.«

«Bist du 'ne Phototante, wie die Dachse? Lebst von Licht, von Luft und Mineralsalzen aus der Krume?«

«Nein, hör mal: Es ist mir einfach unangenehm, wenn was sterben muß, damit ich meinen Stoffwechsel auf Touren bringe. Mein Vater war… ist da anders. «Sie hatte noch nie von ihrer Herkunft gesprochen. Er stellte seine Ohren auf.»Der hat sogar für uns geschlachtet; auch Menschen. Damals war der Riß noch tief… zwischen den Menschen und den… Befreiten. Er legte sie zum Espritfest für unsere Hundegäste auf den Tisch, dann hat er ihnen die Köpfe abgeschlagen, mit einem sehr breiten Messer. T-Schnitt in die Brust; das Gereiße und Gesäge ging mitunter Stunden, bevor es was zu Beißen gab.«

«Kein Wunder, daß du…«

«Es gab auch Menschen, die nie Tiere essen wollten, hast du das gewußt? Vegetarier.«

«Eine Religion?«

«Eine Offenbarungsgeschichte zumindest.«

Sie geht heut nacht nicht fort, das ist meine Offenbarung, wußte der Wolf und sagte:»Religion, Politik… nee, der ganze Scheiß. Menschen, was will man machen? Aber auch wir haben es immer noch am Hals, das Zeug.«

«Sex«, sagte Clea Dora, als der Reis kam,»muß verwirren, sonst ist was nicht richtig.«

«Und Reis muß kleben«, sagte er.

Sie stimmte zu.



Plaudern, spielen, ringeln, kringeln:»Ich hab's mit zwanzig Mäusemädchen mal gemacht und auch mit Seehunden«, sagte Fiametta,»einmal mit einem Bären. Der war Maler, glaubst du das? Wie der Affe Stanz. Mußte erst aus seinen langen Unterhosen steigen, die waren voller Ölfarben, sein bestes Kunstwerk wahrscheinlich.«

Die Unterhaltung zwischen den Neuvertrauten schwebte tänzelnd über den langen Kerzen auf dem Eßtisch. Das Paar wurde von stoischen Chamäleons bekellnert. Er ließ ein Spielzeugprogramm in seinem Kopfprozessor das Gespräch als Bildmuster ins Sehzentrum übersetzen; da sah es aus wie die Selbstverschlingung samtener Gefäße in Blau, flüssige Grazie, und streckte Pseudopodien in alle Richtungen aus. Manchmal schnurrte Clea Dora; da wurde ihm ganz anders.

«Du ißt verkehrt, du machst das falsch mit den Stäbchen. Peinlich!«lästerte sie.

«Und du ißt so gekonnt damit, als hättest du nie anders gegessen. Das ist noch viel peinlicher.«

Sie gab ihm recht. Er dachte: Beischlaftasche. Komm du mir nur nach Hause.



«Lynxchen«, sagte er beim Verlassen des Lokals.

«Jetzt hör halt mal auf, ich will so nicht heißen. «Er merkte, daß es ihr langsam gefiel.

«Lynxchen«, wiederholte Dmitri Stepanowitsch und gab ihr einen taktischen Kuß auf die Nase.»Ich lästere das Wetzelchen, wie's mir paßt!«Er weitete die Augen theatralisch.

«Mach halt. «Sie grummelte und guckte weg; er konnte spüren, was sie wollte, wurde fein nervös. Kenn ich sie nicht schon länger? Hab ich nicht im Gebirge, in den höchsten Schneelagen, schon ihre Spur gesehen, an den oberen Waldgrenzen, bei den Erlen und Fichten? Waren da nicht auch Luchse in der Taiga gewesen, und hab ich nicht welche auf alten Brandfeldern erkannt, während der Herbstreise?



Sie beschwerte sich, als beide in die Kammer traten, die er gemietet hatte:»Weißt du was? Eine Woche erigierte Brustwarzen, das hatte ich davon, mich auf dich zu freuen.«

Sie lachten, warfen einen Tisch um, im beschäftigten Sehnen, umschlangen einander bei der Arbeit an erst komischen, dann ganz ernsten Verbindungen, anstrengend, unter Bissen und anderen kleinen Aufmerksamkeiten. Und wie alles roch, und wie er ihren Arsch gern mochte, und wie sie seine Zunge wollte.

Sie ein Seeigel oder ein Feuerchen, Fiametta eben, ein ganz kurzes Innehalten, er ein stachliger Apparat oder ein unanständiger Einfall, mit Fingern, mit Schwänzen, daß sie wieder lachte.

Sie patschten mit den Händen auf den Schwingspiegel in der Wand, der zeigte ihnen dann, als sie pausierten, entkräftet waren (»Ficken… phhh«, pfiff er;»…kannst du… laut sagen…«, wisperte sie, leis ihm verschworen), ein Nachbild ihrer Ausschweifung, ihrer Unverschämtheit, ihres Glücks.



Sie zogen sich wieder an, gingen hinunter an die Bar, begrüßten mit Hallo ihren alten Freund, den Stromfrosch. Er feierte mit, sie tranken ihn und sich halb wahnsinnig.

Dann gingen sie hoch und fingen sofort wieder an, noch halb bekleidet, rutschten ineinander wie Kissen und Decken, zerrissen Stoff dabei in schmale Streifen. Schliefen kurz.

Wachten auf. Zogen einander diesmal aus, sorgfältig und zärtlich. Schmiegten sich aneinander, wurden langsam.



«Ich bin ja eigentlich eine Hundehasserin«, sagte Lynxchen keusch, als sie sich für ihn auf den Rücken legte, in den fingerchenwimmelnden Anemonenteppich; er dachte: Komm mit in den Schnee und auf Reisen, du Lied. Eine Woche erigierte Brustwarzen, und er keuchte und sprühte vor Feuerwerk auf der Stirn.

«Wußtest… hhh… du… hhh… daß… die… hhhh«, so ungezogen war Clea, daß sie ihm, während er sie ritt, im Spiegel direkt ins Gesicht schaute und mit ihm redete, als wäre das hier Konversation statt etwas anderes,»…Menschen… sich… nicht hhhh… entscheiden… konnten… hhh… ob Luchse… hhh… den Wölfen… verwandt… hhh… sind… oder… hhh… nicht… den hhhh… hhhh… hhhhunden oder… hhh…Katzen… Katzen… Katzen, ja, mach komm mach…«

Das Gewicht auf ihren Hüften. Sie freute sich, es war nicht schwer.

Clea maunzte, spottete und gurrte, er wurde schneller, und sie genoß beim Runtergucken, wie sein Fell glänzte, wie sie sich an ihm naßmachte. Alles im Hallraum hier wurde wellenförmige Bewegung.

Er fand den Flaum so wundervoll am Hügelchen.

Sie sagte:»Mwoooaah.«



Sie machten lange weiter, im Pulsieren, in eigenen Frequenzen, Synkopen und gestreckten Tänzen, sie rollten auf dem Bett in Masken des und der andern, wieder auseinander heraus, kippten oder bebten, die süße Zeit wollte dauern.»He, komm, komm mir auf den, kriech auf mir rum!«bettelte er gern und dachte, wenn ihn jetzt je wieder eine wichtigtuerische Libelle fragt, so wie per Fernsuche andauernd die dumme Philomena, wo er eigentlich dauernd steckte, dann wüßte er's aber.



Der Traum schrie sogar ein bißchen.

Aber es gab keinen Grund zur Beunruhigung; die Nachbarzimmer waren sehr wahrscheinlich nicht bewohnt, die Wand vertrug viel, der Boden auch. In ein verrücktes, aber gelassenes Keuchen sagte sie, als es schien, als wären beide jetzt mit dem Sichbewegen auf Jahre hin fertig:»Übrigens… schneide ich mir… mal bald meine langen Haare ab. Das wird mir zu ludrig. «Bös lustig bissig sagte sie das, als hätte sie gewußt, daß er das unbeschreiblich toll fand, wie sie flogen, wirrten, wurlten, diese Haare, und als hätte sie ihm deshalb gleich Kenntnis davon geben müssen, daß es sich ja nun nicht so verhielt, daß er jetzt etwa zu bestimmen hatte, wie sie wo warum aussah, wer sie wann war.

«Schade«, sagte er, das konnte nun umgekehrt sie ihm nicht verbieten.



Man atmete sich in eine große Ruhe.

«Wirklich«, nahm sie ein früheres Thema wieder auf und lächelte dazu finster,»Canidae und Felidae, das konnten sie in ihrem… wie hieß das? In ihrem Mittelalter da noch gar nicht unterscheiden. Ein früher Name für den Luchs in diesen Breiten war mal ›Thier-Wolff‹, ich meine, wie blöd kann man sein?«

Er grub die Schnauze in ihre Achselhöhle, schon ging das wieder los.

Dann klatschte es, seine Lenden auf ihren, im Sturm und ohne Anlauf, ihre Erwartung, eben eher stillvergnügt, nahm es plötzlich mit allem auf und ihm, das war pitschnaß jetzt. Sie fand, sie hätte nichts gesehen, was schöner aussah, jemals oder irgendwo, als sie beide, er fand das auch und hatte keine Kraft mehr, abzuwarten. Sie roch ihn an sich, er knurrte, als Gegenteil dessen, was er, auf sie sinkend, da er nun wirklich am Ende war, in Wahrheit spürte.

Sie ist, wo gibt es das denn, aus meinen Nerven gemacht, mein besseres Ich, seit neuestem außerdem noch meine Freundin, die Wirklichkeit, unten auf der Erde innen im Kopf.

Sie schliefen erneut ein, viel tiefer als beim ersten Mal, sanken tief unter alles in den Träumen des und der andern, obwohl beide so viele Jahre lang immer nur allein für sich geschlafen hatten.

Als er erwachte, träumte sie noch.

Er sah, was sie zusammen angerichtet hatten im Zimmer, das Beste.

Da war ein lieber Sonnenstrahl auf ihren runden Brüsten, auf ihrem Gesicht und überall auf der glücklichen Reizbarkeit der eben erst erfundenen größtmöglichen Gemeinsamkeit.

«Gute Freundin sein, aufwachen!«sagte er halbleise, sie grinste gleich.

Er reichte ihr aus einer Früchteschale auf dem Nachttisch das Naheliegendste, nur nicht zuviel.

Eine Frische als Frucht, obwohl: Das leicht Vermuffte und erlesen Stinkige an dieser Dämmerung verstärkte ja den Zauber, statt ihn zu zerstören, und sollte deshalb lieber noch nicht angetastet sein. Sie fingen wieder an mit Knabbern, Flüstern, Ineinanderwühlen. Es konnte bestimmt nie mehr aufhören, und vielleicht würde man auf Dauer ins Hotel ziehen, warum nicht?



Und so noch Einiges, Unwiederholbares.

Hand am Herzen, Sonne auf Lippen, etwas aufgesprungen. Nicht viel Duschen, da, schon wieder:»Pack mich mal bißchen!«und das Bebende, das sehr Behende, das Langsame und Schnellere.

«Du bist so 'ne Sau!«

«Thier-Wolff, wie?«

Danach wurde sich hergerichtet, für Geschäfte, die man nicht verriet: Kohlestift, und Wimperntusche für Barthaar.



Wir sprengten das noch eben weg, unsere restliche Dummstirnigkeit und Engstimmigkeit, dann gab es einen Abschiedskuß, fürs erste, und wir wußten, das wird.

«Einen schönen Tag. Und was immer du für Sachen machst — nein, ich will es gar nicht wissen —, aber: Laß dich nicht umbringen.«

«Du auch nicht, Lynxchen.«

«Versprochen.«

2. Ob die Bedrohung zu fassen war

«Dreckloch. Kann kaum die Tatze vor Augen… brah. Ein Bau, gut und recht, wir graben uns auch ein, wenn wir müssen. Aber das…«

«Warten Sie, bis Sie sich ans Schummerlicht…«

«Warum macht ihr eure Arbeit überhaupt hier unten? In den Minen? Gefällt mir nicht. Lichtscheues Gesindel, hieß es früher.«

Die Dachsin Georgescu murrte nuschelnd weiter; die Fledermaus, die sie ins Innere der Anlage führte, parierte gelassen:»Warum? Na, wozu sind Sie grün? Könnte ich Sie auch fragen.«

«Ich ernähr mich wie eine Pflanze, also will ich auch die Farbe einer Pflanze haben«, erwiderte die Generalin. Izquierda kicherte, dann sagte sie:»Puristin. Nett. Solche hab ich auch, die schreiben selbst in die Riborechner noch mit Binärcode. Als ob man sich das Dasein unbedingt schwerer machen müßte, indem man Funktionales grundsätzlich verschmäht.«

«Vertarnte Mechanik — so geht dagegen euer Prinzip, hm? Hat noch nie genutzt. Offenes Visier, sag ich.«

«Ja, wenn die Welt ein Schlachtfeld wär. Ich bin froh, daß sie's nicht ist.«

«Ich dachte, ihr seid Wissenschaftler. Da geht es doch um Wahrheit, oder? Nicht um Annehmlichkeiten.«

«Wahrheit, nun ja. Eher: Wahrhaftigkeit, ein schönes Ideal. Hat aber mit Wahrheit nicht mehr zu tun als das Subjekt mit dem Objekt.«

«Philosophie«, spuckte die Dachsin, wie man» Rotz «sagt.

Sie waren am Ziel des beschwerlichen Abstiegs.



Die Beutestücke schimmerten matt im Höhlenwandungslicht.

«Und das ist«, sagte Georgescu ungläubig,»was das Dschungelmonster vom Band laufen läßt? Dieses… Zeug… machen sie in den großen Hallen?«Sie meinte neue, weitläufige Architekturen, abgeflachten Zikkuraten gleich, im Regenwald, rund um den vermuteten Stammsitz Katahomenleandraleals, fotografiert von den Satelliten, die der Dachsenwacht Erdbeobachtungsdaten lieferten.

«Pfft, große Hallen«, schnob die Fledermaus verächtlich,»keine ist auch nur halb so groß wie unsre Katakomben hier.«

«Diese… Hallen sind also…«, setzte die Dachsin erneut an.

«Drucker. Oder Druckereien, wenn Sie so wollen. Sie drucken, was wir hier sehen: diese Sorte Knochen, die wir aus den Wracks herausgebrochen haben.«

«Aus den Kreaturen, oder Robotern, die an der Küste…«

«Ja, am Wall der toten Menschen. Seltsame Biester. ›Polemoamphibien‹ haben wir sie zuerst getauft…«

«Eine nette Nomenklatur habt ihr.«

«Es sind Kriegsmaschinen, wie soll ich sie nennen? Aber: Sind es Amphibien? Davon mußten wir uns verabschieden. Zu einfach gedacht. Ihre Schultern und Schädel…«, die Fledermaus klappte ihren rechten Flügel in Richtung der Schaustücke aus,»…können Sie hier sehen. Bemerkenswert, nicht?«

«Und das haben euch… Wölfe besorgt?«

«Die küstennahen Rudel arbeiten, wie soll man sagen, als feste freier Mitarbeiter der…«

«Fürs diplomatische Corps, für meine Kompanien, für euch Ingenieure. Ich weiß Bescheid.«

«Die Wölfe sind nicht zimperlich, das ist die Hauptsache.«

«Ich seh's.«

Es hatte fraglos brachialer Gewalt bedurft, um die auf dem Leuchttisch ausgebreiteten Bruchstücke aus den fremdartigen Geschöpfen herauszubrechen. Starke Kiefer hatten diese Wölfe. Georgescu respektierte das.



«Also zur Fertigungsweise. Klär mich auf, Izquierda. Woran sind wir hier?«

«Eigentlich ein alter Hut.«

«Das sagt ihr immer. Wenn der Mond auf die Erde fällt, heißt es: graues Gestein, ist bekannt. Aber ihr müßt es ja auch nicht wegräumen. Ihr seid nicht verantwortlich fürs… Wohlergehen der… Zivilisten.«

Die Fledermaus zog eine zynische Schnauze:»Zivilisten heißt das jetzt, nicht mehr Gente?«

«Zivilisten, Tierreich, Gente… Es sind Leute, die in der weit überwiegenden Mehrheit nicht kämpfen können. Nicht kämpfen wollen. Das überlassen sie uns. Deshalb muß ich wissen, was das genau für ein alter Hut ist.«

«Das Verfahren gab's schon unter Menschen. Kalziumphosphatkeramik, porös, mit dem Vorteil vor Metall oder anderem Schrott, daß sich die Bauteile mit vorhandenem lebendem Gewebe schnell anfreunden — das erlaubt Implantate, in die sogar Blutgefäße hineinwachsen. Zuerst hat man das via Lasersintern fabriziert, aber dabei brauchte man so hohe Temperaturen, daß bioaktive Ionen und Moleküle, die als Signalstoffe fürs Zellwachstum hätten dienen können, unweigerlich zerstört wurden. Also ist man umgeschwenkt darauf, Kalziumphosphatzement anzurühren und dann in Negativgußformen für die Knochenteile auszuhärten.«

«Klingt… unordentlich. Schmutzig. Aufwendig.«

«Ganz recht, eigentlich viel zu viele Arbeitsgänge. Aber die Vorteile; tja… es ist halt eine Grenznutzenfrage. Und unsere Nemesis im Dschungel drüben«, ein undeutbares Lächeln zeigte sich in Izquierdas Gesicht,»hat jetzt ein neues, abgewandeltes Verfahren in die Serienreife überführt: dreidimensionale Pulverdrucker.«

Georgescu näherte sich, die Augen zusammengekniffen, einem langen Schädelbein. Das Ding erinnerte sie an einen Lurch mit riesigen Augenhöhlen.»Dieser Kopf… der kam aus einem Drucker?«

«Ja. Aus einem der Gebäude, die Sie haben knipsen lassen. Ich hab die Bilder ausgewertet, die Hitzesignaturen, Energieemissionen… Kalziumphosphate, Phosphorsäure, Düsen, eine hundert Mikrometer dicke Lage im Druckbereich, dann spritzt das Köpfchen den Segen auf die Schicht, nach acht bis zwölf Sekunden hat das Ding abgebunden, wird chemisch gehärtet… Raumtemperatur! Voilá une mode de fabrication rrrrrévolutionaire!«

«Und wie viele… komplette Skelette… fertige Kreaturen… wirft jede dieser Hallen täglich aus?«

«Zwei- bis dreihundert.«

«Das macht im Jahr…«

«Eben. Also ich finde, der Löwe hatte schon recht, als er mir riet, Ihnen das zu zeigen. Motiviert doch sehr, nicht? Wie steht's mit der Rekrutenwerbung?«

«Du glaubst wohl, ich freu' mich drauf, die Dachsenheere mit lauter Nichtskönnern aufgeschwemmt zu sehen?«

Georgescu haßte es, wenn sich Zivilisten in Sicherheitsbelange einmischten. Nicht mal das magere Vergnügen, die Bastlerin duzen zu dürfen, konnte den Ärger wettmachen.

«Dachsenheere?«Die Fledermaus schnalzte skeptisch mit der Zunge.»Sie sind mir ja eine Optimistin! Wer redet von Dachsen? Ich weiß nicht, was der Löwe Ihnen erzählt hat, aber wir haben ja inzwischen alle lernen müssen, wie sein Hirn funktioniert. Wenn das, was die Spionagefotos zeigen, tatsächlich… Aufrüstung ist, dann wird es mit Ihren stehenden Abteilungen nicht getan sein. Mit den Berufssoldaten. Dann werden wir, über kurz oder lang, die Wehrpflicht erleben. Gente in Waffen. Und den ersten Krieg ohne Menschen.«

Freute sich diese Person etwa über das, was sie da redete?

Fast hätte ihr die Dachsin erwidert, was sie wußte: daß das mit der Abwesenheit der Menschen nicht so ausgemacht war, wie die Fledermaus glaubte. Menschen, nach allem, was von denen bekannt war, würden sehr wohl teilnehmen am Gemetzel, auch und gerade, weil es kaum noch welche gab. Als Partisanen, als Auxilia mal der einen, dann der andern Seite, je nach Schlachtenglück.



Georgescu raunzte:»Ich finde allein raus, danke«, machte kehrt und sich auf den Weg zurück ans Tageslicht.

3. Urteilen statt Untersuchen

Die Anklage war ein Rebus.

Das Muli, das dem Haftrichter vorgeführt wurde, schien keinesfalls bereit, sich zu ihr zu bekennen.

Der Haftrichter war eine Eule. Die räusperte sich und donnerte los:»Sie geben zu, oder liege ich da falsch, in Kollusion mit einer bislang nicht ermittelten Person tätig gewesen zu sein, welche die Ihnen anvertraute Bibliothek allmählich in eine Art, wie soll man sagen, pherinfonisches Bordell, einen Ort zügelloser Indiskretion und hochfrequenten Datenverrats verwandelt hat? Einer Person, die überdies wegen Mordes gesucht wird?«

«Eben hu also wobei vielleicht na aber jaaah, sibselstibitz, ich war's jahaaa selber aber gar und eh nicht«, blökte das Muli.

«Reißen Sie sich zusammen, Herr! Was soll uns hindern, Sie abführen und…«, der Richter suchte nach dem treffenden Wort, er war nicht wirklich sattelfest in diesen juristischen Dingen,»…standrechtlich bestrafen zu lassen?«

«Pföh! Öckel! Für mich, jaahhaaa, können aberrr gnix viele aussagen, zum Beispiel Hébert jahhaahaa Loskauf.«

«Sie verstehen Ihre Lage nicht«, mahnte der Haftrichter. Er redete nunmehr besorgt, fast väterlich. Alles, was ihm zum perfekten Bild paternalistischer Wohlanständigkeit fehlte, fand Storikal, war ein Kneifer.

«Wenn Sie zugeben, mit dieser Person gearbeitet zu haben, und wenn Sie außerdem erklären, daß Sie über keinerlei Hinweise darüber verfügen, wo sich diese Person aufhält, und wenn Sie überdies mit der kaum glaublichen Ausrede vor uns treten«, es roch nach Sägespänen, das Muli glaubte, wenn es die Augen schloß, es befände sich noch in seinen Archiven,»es handle sich bei dieser Person um einen Menschen — eine Frau, wie Sie sagen —, dann müssen Sie doch, bei allem guten Humor und aller Aufgeschlossenheit, die wir Ihnen entgegenbringen wollen, fraglos einsehen, daß wir gar keine Wahl haben, als bis zum positiven Erweis der tatsächlichen Existenz dieser Person und bis zu dem hypothetischen Augenblick, da wir sie dingfest machen und ihrerseits verhören können, Sie selbst als den alleinigen Hauptverantwortlichen, den einzigen wirklichen und tatsächlichen Entweiher unserer wertvollsten, Ihnen anvertrauten…«

«Sie! Sie! Sie, Sie… reden jahaaa wie eine… so eine… da… eine… wrrrrl… vom jaaahaaa Isottatempel!«heulte Storikal. Er wunderte sich nicht einmal, als man ihn dafür wegen Mißachtung des Gerichts zu zweieinhalb Monaten Trockenlagerung verurteilte. Vor dem Fenster hörte er es summen, wenig Licht fiel zu ihm herein.

Was summte? Ein Flüstern? Vielleicht sein Gewissen?

Als er nach Verbüßung der strengen Strafe wieder er selbst war, bat er bei seiner ersten Anhörung das Gericht, dem nun die beiden für einen regulären Prozeß vorgeschriebenen Schöffen» aus einer anderen Stadt, der Unparteilichkeit halber «beigeordnet waren, eine persönliche Erklärung abgeben zu dürfen.

Das wurde ihm gewährt. Die beiden Schöffen, zwei junge Hundekatzen, musterten ihn ohne Freundlichkeit.

Storikal mümmelte, zog das Maul quer, japste und begann:»Es borgomompopfoppelgock… Entschuldigung. Die Sprimps, die Spritz, die Sprache jaaah. Es ist mir jaaahaa fast auch muck peinlich. Ich finde, es gibt jajahaaa daran nichts zu entschuldigen. Bims, Trutz. Ich kann es pfuidick hajaah aber trotzduz, titzdrang, trotzdem jederzeit überall aussprechen und sogar duckidipf hinschreiben: Ich mag hojaihajaaa eine Frau sehr, die schon mal jemanden umgebracht hat. Nun grok! Haben Sie, taffdach, juhaajemals ein Buch von pfurch dem hja Menschen Fritz Leiber gelesen? Das war ein back, back, barri, so ein… so einer! Haij! Ich glaube jahaaa nicht daran, daß das ganze Geschwätz von durchdackel den Körpern, von jaaaahaaa den fiffel… Verkörperungen, das da so heutepleite blimm windmachermuff… dingsjahaaamäßig von den juristischen Persoßen… Personen ablenken soll, die an jaahaa uns Gente jajaja viel interessanter sind, auf Dauer noch wen Wurst und Zipfel zack weiter verblöden jaaaha kann. Denn das dimpf, denn ticktack, jaaahaa aus Menschenzeiten auf uns gekommene, in jaahaaa letzter Zeit wieder anschwellende, dem genannten Geschwamp, Geschwürg, Geschwätz auffallend knallend knack beigeordnete sekundäre Geschwengsel huuhuu über jajei, jajahaa Neumischungen als huggi die zentrale neue jaaahaa Arbeitsweise der körperlichsten plock aller Künste auch im Stillhalten, der miffel Musik nämlich, widerspricht huchnick dem jau, dem jipp, dem jaaaahaaa Geschwätz über Körper zwar als ein Geschwätz, das zwar… das das das… waaaahhhhnarch… das auch nur Geschwätz ist, aber doch als ein Geschwätz, das eine viel größere Evidulidirdemidenz jahaaaa für sich hat als jaaaha dracknacken das Geschwätz hui von den Körpern jaaahaaa, weil man darin wenigstens ja, ja, ja, ja jaaaaahaaa die Arbeits- und Arbeitslosigkeitsbimsbrotzbedingungen wiederzuerkennen wähnen wick kann, unter die man als droll juristische jaahaaa Person gestellt ist, wenn man burumm jaahaaa die Zukunft oder das, was dafür ausgegeben wird, nicht jaahaaaa verpassen will. Meine kwantz fragliche furgi Bekannte, um jaaaaha die es hier geht, sieht jaha, haaaaja das genauso. Ich kann baff aber nicht durx weiter für sie mamba hjaja sprechen. Sie ist, wie vorhin haaajaahahaha die Anklage gescherzt jaahaaa hat, ein psöööö ›gasförmiges Wirbeltier‹, aber blömm, aber drumm, was finden Sie daran kicknich absurd jaaaha? Ich muß nicht an das erinnern, was alle von einem jaahaaa der verdientesten langborgel…, langjährigen tuttalali Unterstützer des Löwen, dem Fuchs Ryuneke hups Nirgendwo hohaaa, jaaahaa, wissen. Ich kenne jaahaaa ihn gut.«

«Persönlich? Den Fuchs?«entsetzte sich die Eule.»Nein, aus tillmichelstich… den hudall hupstrautz Unterlagen. Ich jaaaaha weiß sogar, wie er tobalbinkaptz geheißen hat, bevor er tuffnich jaahaaa befreit jaaahaaa wurde. Ryu… von… Schnaub-Villalila.«

«Was tut das zur Sache?«fiel ihm eine der Schöffinnen ins Wort, die sichtlich Anstoß daran nahm, daß ein gescheitertes Individuum wie Storikal — sie kannte seine Vorgeschichte, das ganze Elend — von den Großen redete, als wären sie seine Leute.

«Es tut blommdrecks nichts hajaaah zur Sache«, gab Storikal unumwunden zu.

«Reden Sie«, gab sich der Eulenvater Mühe, schlichtend einzugreifen, obwohl die verzopfte Sprechweise des Angeklagten ihm schwere Kopfschmerzen machte,»doch lieber wieder von der… Frau… Ihrer Bekannten.«



Storikal nickte eifrig, wie mechanisch.»Natürlich jaahaaa hat sie noch andere Probleme. Vor allem als knicknack juristische Person. Sie selbst, die Frau, die schobbo schobbo schon mal jemanden jahaaa umgebracht hat, erzählt mops die Geschichte, wie es zu diesem Mord kam, folgendermaßen jaahaa: Eines Morgens wachte sie auf und lag mit dem Gesicht nach unten in einem Seehund.«

Es war der erste vollständige Satz ohne sinnlose Morpheme, den Storikal seit seiner Verhaftung gesagt hatte.

Still wurde es im Saal; jetzt paßten alle auf.



Unglücklicherweise machte dieses gespannte Interesse der Menge das Muli sofort so befangen, daß es in alle seine Unarten noch grauslicher zurückfiel:»Jahaaa, ich nenne brööö diese Frau giggele für mich und für die Leute, die hier jaahaaa das pipff, das Protokoll jaahaa führen, zur Tarnung tufff. Zur… zur tuff… zur… Tyaa. Ich weiß jaahaaa auch ihren richtigen Namen sossel nicht. Sie lag dubalm auf einem Bett, jaahaa sagt sie, mit diesem duddel Seehund. Der war jaaahaaa ein stattlicher Mann, und ihr Gesicht fand sich jaja beim Aufwachen in seinem jahaaahhahjaja offenen Brustkorb wieder. Den fuffel hatte sie wohl knirschtrunk selbst geöffnet; mit einem durgel T-Schnitt, dann das pfui Fleisch auseinandergeklappt, aber daran jaaahaaa erinnerte sie sich erst später. Tyaa dommdomm ist, jaahaaa, nur zu ihrer Pherinfonipfeife, Information, ein Name tuck aus den hujaaa Romanen und Erzählungen von jaahaaaa Fritz Leiber über die Welt haja Nehwon.«

«Unfaßbar«, zischte die empörte linke Schöffin, sie konnte das Gemöhre des Angeklagten nicht mehr hören.

Er schämte sich und riß sich aufs äußerste zusammen:»Es war dunkel jaaa und warm im Brustkorb dieses jaja Seehundes, und erst als jaaa Tyaa sich per Liegestützbewegung tups daraus befreit hatte, sah sie, daß jaha es ein Brustkorb war, und wie blutig er jajaja war, und die beiden jahaps Lungenflügel sahen aus wie nasse jamsa Marienkäferrücken ohne Punkte. Flügel hahaja eben. Es muß pfack schön gewesen sein. Meine Bekannte, die ich jahaa hier Tyaa nenne, hat meiner dungdutt Clownspuppe — mit der ich im Archiv gearbeitet habe, wie Sie jahaaa wissen, wir sind ruggedi verlobt, überigens — also, sie hat der hajaha Puppe Sankt Oswald mal dadatz erzählt, sie hätte ganz jaaha am Anfang gedacht, das unverzichtbarste Erbe der pingi Langeweile oha… draatz der Menschenzeit sei sogenannte Pockeps, Potznai, Pornorockmusik, weil hajaja ich zips, ich zitiere: ›weil diese Leute damals Platten oder wenigstens Lieder über Vagina und solche Sachen gemacht haben, jedenfalls hatte sich das in mein Hirn geäzt, weil ich irgendwo nur halb genau hingelesen hatte, in einem Musikheft.‹«

Schon wieder ein ordentlicher Satz. Und wieder, merkte sich der Richter, kam dieser Satz zustande, als Storikal referierte, was ihm die ominöse Tyaa gesagt haben sollte. Ein von speziellen Leitphrasen ausgelöstes, chemisch verschlüsseltes Botenmuster? Verzögerte Pherinfonspeicherwiedergabe?

Augenblicklich war das Phänomen verflogen, das Gestammel so schlimm wie zuvor:»Pfahajaa, bei Pfim, Prix, Fritz wuschi Leiber tack ist Tyaa jaahaa eine Göttin mit gücknich jaahhaaa fest umrissenem Zuständigkeitsbersel… bereich.«



Das Gericht war sich allmählich einig, daß dieser Angeklagte die Verurteilung nicht wert war.

Am besten, man warf ihn ins Meer, da sollten die Atlantiker mit ihm Versuche treiben.

Storikal aber hatte sich in Rage geredet:»Do! Dohaa! Dongel, das muhaaa Grün von Blättern, etwa jaaaga oben auf Bäumen im Frühhhhjahhhhhr, sieht in seiner haaajampf Unordentlichkeit, wie es jaahaaa da einfach nur so rauswächst und sich ausbreitet, erheblich fadda jaaa zerfleischter aus als jahei, jahaaa so ein aufgeschnittener Seehund. Haaa, interessant, könnte jaaaha ein Zoologe sagen, der wirklich einer haanjaahaam wäre und also, wie wir jaaaah alle längst wissen, aus gewissen numrichtumlich Gründen kein jaahei Mensch sein dürfte — ist doch, daß pfucki man sich als normales Huuuhemm Mitglied der knurch Gesellschaft der Gente eher jaaahaa über die Sichtweise meiner Bekannten ereifert, Grün von Blättern sei ein fei fogl verletzenderer Anblick als jaaaha eine aufgeschnittene Leiche, als über die Ansicht, es sei akzeptabel, daß das Auskommen der Menschen davon mahheigaa abhing, daß sie bei einer Art jaaaaha und Weise, die von jaahaaaa ihnen dringend benötigten Stoffwechselzufuhrprodukte putzi putzi jaaah und vieles andere herzustellen, weiter haajaaa eifrig mittun, die sich real immer mehr vergixt, wagaxt, verver, jaaahaa, während sie nach wie vor auf privatem öhhmi…«



«Sie wissen hoffentlich, daß wir hier«, mischte sich jetzt die zweite Schöffin ein, die bislang geschwiegen hatte,»nicht irgendwelche imaginären ermordeten Seehunde verhandeln, sondern die in Ihrer Bibliotheksabteilung gefundene, überaus wirkliche Leiche des in allen drei Städten, bei den Atlantikern und auf der ganzen Welt bekannten Zanders Westfahl Sophokles Gaeta?«

Das Muli schüttelte den Kopf, kniff die Augen zusammen, riß sie auf und schrie:»Waa! Waah! Was? Was? Was was was? Waswaswaswas? Nonach, namugel, nahaajaha, damit werden jahaaa wir uns alle noch eine Weile beschäftigen müssen, das stickstack, stimmt. Mindestens so lange, bis man nicht jaahaaa mehr nur vor der Frage steht, was von puckel beidem man aufgeben will: das ffffffrrrrrrr Pherinformwesen als Erbe der dorchi großen hajajajaajaa Industrie oder unsere seltsame absolutistische hupformelgonz Regierungsform als Erbe des pfing privaten, des hujaaa löwenmäßigen bööhh…«

«Nicht, daß ich verstünde, was Sie da faseln«, fiel ihm der Eulenvater ins Wort,»aber ein gewisser antileonischer Unterton, bei dem Sie sich…«

«Nönohojaa, jaaha«, das Muli rollte mit den Augen, Speichel troff ihm aus dem Mund,»umgox, um aller… hajaa… warum? Warum, taff, warum frage und frege und friebe ich! Haani! Jaa!«

«Was?«Der Vorsitzende war nun entschlossen, die Verhandlung alsbald abzubrechen, der Zirkus geriet außer Kontrolle.

«Warum, fui fai, ich frag nur, jaaahaa, warum im modernen tuuubel Körpergeschwätz, baaa, girro, von wegen hajaaa ›Tierreich‹, von wutz, von wegen, wegen, huuu, diese dox, dosel, diese Pseudotheorie von öhhrhaaa jaaha Issel, Issnel, Izquierda, dieser tugga jaahaaa abscheulichen Fledermaus, ein so hohes Ansehen hat, kann ich mir mühelos tutatz erklären: so jaaaahaa kann man schön alles jaahaaa alles alles alles miteinander vertauschen, wenn jaahaa, stellt mich, guchi, stellt mich nur dofdims vor, vor Gericht hajaaa«, den Tränen nahe, wollte Storikal unbedingt loswerden, was ihn umtrieb, und war vor Erregung dabei seiner Worte überhaupt nicht mehr mächtig,»wenn fintifatte, wenn haaajaai also in einem Horror oder dumfix, im Land der fehlgesteuerten schuckschtuck hoo jaaa die Wunde klafft, ein jaahaaa Mensch ein Seehund ein Fisch… waaaha, Westfahl wieso jaaahaa? Aufgerissen eitrig heijaaaa Holzsplitter, Eisen, und öps drum hajeiheihaaa Fleisch-Granulom oder man sieht guck Organe, Leber, Niere, hjaahaaa, was denn, Frauen, jaaaahaa Menschen, Analogie der wickwack Wunde mit der pffiii, pfigerich, jaahaa Vagina. Sehr interessant, und völlig fösel jaaa falsch, denn wenn wann, wuu, wuu heijaaahaa Scheiße tackirtitz, Zitzenspitzel, Affe Stanz nahajaa mal mal, mal doch mal mal ahjaaa! Alles fatasasa, alles falsch! Ich, ha, ich, jaahaaa, umschutz, umschunk, unschuldig bin ich jaaaahhaa!«

«Genug. Es ist unerträglich«, sagte die erste Schöffin.

«Unerträglich«, stimmte die zweite zu.

«Alsdann«, ließ sich die Eule hören,»aber wir wollen bedenken, vielleicht ist ja in… diesem Wortschwall eine Information verborgen, die diese Sache klären hilft, aber…«

«Jaaaahaaa!«röhrte Storikal verzweifelt.

«Kommen Sie bitte zum Schluß«, ergänzte die Eule, damit ihre Worte nicht allzu ermutigend aufgefaßt wurden. Der Esel verbeugte sich sinnlos, zog die Nase hoch und sprach:»Meine haaajaaahh Bekannte Tyaa, die ich sehr sumsebinsen… strotzergs… mag, wirklich ganz außerordentlich jaahaaa gern mag, hat die Frage der juristischen Person auf die jahaaa harte Art kennengelernt hampf. Sie muß sich, sag sag ich doch donnerstortenzosse, wegen jaahaaa Mordes vor einem Gericht verantworten, wenn sie je finstick erwischt wird. Klar, sagt sie schtutz, vielleicht jaahaa komme ich jahaajaja mit der Entschuldigung bin gacks, grad wahnsinnig gewesen haaataa jaaah durch. Aber das riskiere ich tjaaajaaa lieber nicht. Weil sie's jaaaah bonsen nicht riskieren will, hat sie den Leichnam damals schon schlorznuß entsorgt. Das jahaaaa war eine Sauerei, aber es hat sie wenigstens davon abgehalten, sich tock sinnlose jaaahaama Fragen zu stellen wie: Was ist da tinnifel passiert? Woher habe aaaahajaa ich die Kraft genommen, den jahaaa Fisch, für den sie seinem seinsen Morden steinzeitzugratz jaaaa ebenfalls die Verantwortung trägt, mit diesem funkfalt Riesenhackemesserererer zu zerschneiden, das ich jaaghagaga jaaaa beim Aufwachen mit dem jaahaaaa Gesicht in seinem Brustkorb hajajajaa in der Hand hielt? Wieso kann ich jaaaahaa mich an nichts jahahahaa erinnern, auch nicht daran, wer der Typ doda eigentlich ist? Solche Fragen, pfonk, bringen nichts. Bei Fritz Leiber ist jahaaaa Tyaa die Göttin der bösen Vögel. Dacka. Den Körper jaaahaa eines Seehunds oder eines Fisches auseinanderbauen eröffnet nur in den seltensten Momenten Tinki. Tempse. Titz. Jaaahaa. Schade. Ekelhaft. Fang, falb, Justizirrtum Torf jaaha!«

Er sah betrübt zu Boden.

Storikal wußte, daß er jede Chance auf Gnade verspielt hatte. Entmutigt blickte er auf den Schwingspiegel überm Kopf des Richters, auf dem das Wappen des Löwen zu sehen war.

Zwei Stunden, nachdem der Verurteilte auf den Weg in die Salzwüste gebracht worden war, rief ein Rabe ihn zurück. Er war begnadigt worden.

Man hatte sich für ihn verwendet,»höheren Orts«, das war alles, was er darüber erfuhr.

Im Rahmen eines unter der Schirmherrschaft der Generalin Georgescu stehenden Resozialisationsprogramms von» Patenschaften «war überdies eine tiefgreifende Neurokorrektur seines Sprachzentrums bezahlt, von einer großmütigen Spenderin.

«Pfanki? Eine wer jahaaa was?«

«Irgend so ein reiches Luchsweib. Sei halt zufrieden, will nicht genannt werden«, herrschte ihn der Rabe an.

Storikal fragte nicht weiter nach.

Merkwürdig aber fand er's schon: Eine Luchsin, ausgerechnet — genau wie die keineswegs menschliche (da hatte das Gericht ihn völlig falsch verstanden, oder er sich selbst) Freundin Tyaa, die niemand außer ihm zu kennen schien.

Загрузка...