Kapitel 3


Büro von General Carlos Cabrera, Havanna, Kuba


Sie sind impertinent, González! Wie können Sie sich erdreisten, vor mir zu erscheinen und Forderungen zu stellen?!«

González hatte damit gerechnet, dass Cabrera nicht begeistert sein würde. Seit dem Schiffbruch, bei dem er mit knapper Not dem Ertrinken entkommen war und die Juanita und seine gesamte Besatzung verloren hatte, waren erst zwei Wochen vergangen. Aber er hätte auch zwei Jahre warten können. Für Cabrera würde es keinen Unterschied machen. Und es musste weitergehen, es würde weitergehen! Er würde alles tun, was notwendig war, um so schnell wie möglich wieder auf See zu sein, er würde die Bestie bezwingen, er würde ihr ihre Schätze entreißen und am Grab seines Bruders triumphieren. Um ihrer beider Seelen willen. Cabrera war ein störrischer Mann. Man nannte ihn Tigre, seinem Brüllen folgte sein Biss, und er war gefürchtet. Aber das war nichts gegen die heilige Mission, der sich González verschrieben hatte.

General Cabrera saß hinter seinem Schreibtisch und funkelte González an, der vor ihm stand. »Ich könnte Sie auf der Stelle einsperren lassen, Sie wissen das!«

»General, hören Sie mich an. Mein ganzes Beileid gilt Ihrer Schwester, ich bete für sie.«

»Sie haben ihre Ehre gestohlen, sie zur Witwe gemacht. Sie beten für sie?! Sie können anfangen, für sich selbst zu beten! Es ist ein Unrecht, wie Sie es niemals wiedergutmachen können!«

»General, ich weiß nicht, was ich noch sagen soll. Es brennt mir ebenso in der Seele wie Ihnen! Nicht nur Ihrer Schwester wurde Leid zugefügt, ich selbst habe alles verloren, was ich besaß. Und mein Bruder...«

»Ihr Bruder, González, interessiert mich einen Scheißdreck! Hätte meine Schwester nicht Ihren unfähigen Bastardbruder geheiratet, wäre sie heute noch glücklich.«

»Ich bitte Sie, hören Sie, was ich Ihnen vorschlagen möchte.«

»Sie können mir gar nichts vorschlagen.«

»Es geht um Gold. Viel Gold.«

Cabrera setzte zu einer Antwort an, doch er holte nur tief Luft. »Zwei Minuten«, sagte er schließlich. »Dann will ich Sie nie wieder sehen.«


Großer Hörsaal, Museum für Völkerkunde, Hamburg


»Atlantis, meine Damen und Herren! Eine der ältesten und womöglich die größte Legende unseres kulturellen Gedächtnisses.«

Auf einer überdimensionalen Leinwand erschien die altertümliche Zeichnung einer Insel, an deren Küste sich eine von mehreren ringförmigen Wassergräben umgebene Stadt befand.

Vor dem Rednerpult auf der Bühne stand Professor Peter Lavell und sah die hölzernen Ränge hinauf. Der große Hörsaal war das Schmuckstück des Museums und glich einer ehrwürdigen Universität. Er fasste ein Auditorium von zweihundert Zuhörern, die sich, wie in einem Amphitheater, in leicht gewölbten Sitzreihen im fünfzehn Meter hohen Raum verteilten. Nicht nur die Ränge waren vollständig aus dunklem Holz, auch der Boden, die Stufen, Teile der Wandverkleidung und die aufwendige Kassettendecke. Der Saal war prachtvoll und hätte einem Abenteuerroman der Jahrhundertwende entsprungen sein können.

Der Abend unter dem Titel »Atlantis – Mythos und Wirklichkeit« war schnell ausverkauft gewesen und hatte ein gemischtes Publikum von Hobbyarchäologen, Neugierigen, Skeptikern und Esoterikern angelockt. Peter Lavell als Geschichtsprofessor und mit seiner besonderen Ausrichtung auf Anthropologie und Mythologie eilte der Ruf eines unorthodoxen Denkers voraus. Aufsehenerregende Entdeckungen im Feld wurden ihm nicht zugeschrieben, wohl aber zahlreiche kontrovers diskutierte Theorien und Veröffentlichungen, die häufig Jahre später erst durch Funde belegt werden konnten.

»Sicherlich werden Sie mir zustimmen«, fuhr Peter fort, »dass kaum ein Thema die Fantasien der Menschen über so viele Jahrhunderte gefesselt hat, und noch heute ist es immer wieder im Gespräch. Man sollte also meinen, dass wir inzwischen einiges über Atlantis wissen – schließlich sucht man seit über zweitausend Jahren nach dem versunkenen Kontinent.

Aber was wissen wir wirklich?

Unsere wichtigste Quelle ist Platon, der in seinem Werk Kritias ausführlich von Atlantis berichtet.«

Ein Raunen und einzelne Ausrufe waren im Saal zu hören. Peter Lavell hob beschwichtigend die Hand. Vor einem Publikum mit heterogenem Wissensstand war es immer schwierig, nicht die eine Hälfte zu langweilen oder die andere zu überfordern.

»Ich weiß, ich weiß. Heute führen Forscher unzählige weitere Textpassagen anderer Autoren an mit dem Hinweis, dass damit derselbe Ort gemeint sein könnte. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird Atlantis inzwischen bei Helgoland, in der Türkei, bei Thera, bei Zypern, im Süden Spaniens, auf den Azoren, vor der Westküste Afrikas, in der Antarktis oder vor Kuba vermutet, um nur einige der gängigen Theorien zu nennen. Hierbei handelt es sich aber zumeist um neuzeitliche Schlüsse und Verbindungen, sie basieren auf Quellen, die alle auf fast eintausend Jahre nach Platon datiert sind. Unsere einzige ursprüngliche Quelle, die Atlantis ausdrücklich nennt und beschreibt, bleibt Platon. Er schrieb Kritias, nachdem er fünf Jahre zuvor in seinem Werk Timaios Atlantis zum ersten Mal erwähnte. Und darin erklärt er auch, wo die Informationen über Atlantis herrühren:

In diesem über zweitausenddreihundert Jahre alten Text führen vier Menschen einen – wohlgemerkt fiktiven – Dialog. Kritias, einer der vier, erklärt, er habe die Geschichte von seinem Großvater, Kritias dem Älteren, erzählt bekommen. Kritias der Ältere selbst habe die Geschichte durch seinen Vater, Dropides, erfahren. Dropides nun hätte sie gehört von seinem Verwandten und Freund Solon. Und Solon schließlich habe die Geschichte – insgesamt nun etwa zweihundert Jahre vor Platon – von einem Priester in Ägypten erzählt bekommen.

Stellen Sie sich also vor: Die Geschichte von Atlantis erzählt uns jemand in einem Buch, worin sie jemand erzählt, der sie erzählt bekommen hat, der sie erzählt bekommen hat, der sie erzählt bekommen hat. Und übrigens: Der Priester, bei dem diese Stille-Post-Kette anfängt, behauptet, das Ganze habe sich neuntausend Jahre vor seiner eigenen Zeit zugetragen. Nun könnte man sich fragen, was der für ein Gedächtnis gehabt haben muss.«

Ein kurzes Auflachen im Publikum war die Folge.

»Ihre Reaktion zeigt die Schwierigkeit an Platons Geschichte: Er stellte sie auf ein Fundament aus Strohhalmen, das jedem rationalen Wissenschaftler unglaubwürdig erscheinen musste. Und das ist einer der Gründe, weshalb sich die Menge der seriösen Wissenschaftler, die sich mit dem Mythos Atlantis beschäftigen, an einer Hand abzählen lässt. Sicher, Literatur gibt es allenthalben. Sie finden sie in Form von Abenteuergeschichten oder pseudowissenschaftlichen Sachbüchern, und Letztere zu einem großen Teil in der Esoterik-Abteilung Ihrer Buchhandlung.« Peter schmunzelte. »Und deswegen werde auch ich Ihnen heute nicht erzählen, was ich über Atlantis denke. Aber ich werde Ihnen einige der gängigen Theorien über den versunkenen Kontinent darlegen.

Platon beschreibt nicht nur die Insel, ihre geografischen Eigenheiten und ihren Untergang, er berichtet auch über die Kultur der Atlanter, in ganz ähnlicher Weise, wie wir es von Herodot aus seinen Historien kennen, in denen er unter anderem das alte Ägypten beschreibt. Nun ist Platon nicht als Reisejournalist bekannt, und schon immer stand die Frage im Raum, ob seine Dialoge nicht allesamt rein allegorischer Natur waren.

Bei rein analytischer Herangehensweise wird klar, dass es nur drei Möglichkeiten geben kann: Alles ist erfunden, alles ist wahr, oder aber es ist eine Mischung aus Fakt und Fiktion.

Wie erwähnt begnügt sich der Großteil der Wissenschaftler mit der ersten Variante und verbannt die Dialoge in den Bereich der Literatur, der Philosophie. Die Alternative, dass es sich um einen vollständigen und durch und durch wörtlich korrekten Bericht handelt, steht kaum zur Debatte, da Platons Dialoge zahlreiche offenkundige Mängel enthalten. So zum Beispiel berichtet er davon, dass die Atlanter im Krieg mit Athen lagen, einer Stadt, die neuntausend vor Christus nachweislich noch nicht existierte. So bleibt als letzte Möglichkeit die Mischform: Atlantis als eine Parabel, die einen unbekannt großen Kern von Wahrheit enthält.

Jede der Theorien, die ich Ihnen heute vorstellen werde, wählt sich dabei jeweils eine unterschiedliche Menge von Aspekten aus Platons Berichten aus. Faszinierend ist, dass sich alle Verfechter jeweils ganz sicher sind, dass ausgerechnet ihre Auswahl die richtige ist und dass man dennoch jede andere Theorie mit einem Hinweis auf Platons Wörtlichkeit zunichtemachen kann.

Was Sie heute sehen werden, ist keine Wissenschaft. Es ist eine Glaubensfrage – und wie ich schon in anderen Vorlesungen betonte: Wehe dem, der Glaube mit Wissen und Wahrheit gleichsetzt!«

Die letzten Worte hatten einen eigentümlichen Effekt auf das Publikum.

Patrick Nevreux saß in der dritten Reihe und beobachtete verstohlen, wie sich die Zuhörer auf unterschiedliche Weise getroffen fühlten. Einige senkten den Blick, andere nickten, einige hoben die Augenbrauen, verschränkten die Arme, andere verdrehten die Augen.

Patrick war zu dieser Vorlesung gekommen, da sein alter Freund ihn eingeladen hatte. Gemeinsam waren sie in Südfrankreich und in Ägypten gewesen, hatten fantastische Entdeckungen gemacht und einige brenzlige Situationen überstanden. So unterschiedlich sie hinsichtlich ihres Hintergrunds und ihres Alters auch waren, hatte sich doch ein freundschaftliches Band zwischen ihnen gebildet. Patrick war erst vor Kurzem aus Mittelamerika zurückgekehrt. Er hatte Peter von seinem Fund berichtet, in der Hoffnung, in ihm jemanden zu finden, der ihm helfen konnte, das goldene Buch einzuordnen, zu datieren, es zu schätzen oder sogar zu übersetzen. Kurz darauf hatte Peter ihn eingeladen, ihn in Hamburg zu besuchen.

Der Vortrag lief über eine Stunde, unterstützt durch Bilder und Karten, die Peter an die Wand projizieren ließ. Es folgte eine Viertelstunde mit Fragen aus dem Plenum, und als das Licht eingeschaltet wurde und die Zuhörer den Saal verließen, stand Patrick auf und ging zur Bühne.

»Geben Sie mir ein Autogramm, Professor?«, rief er, und als Peter sich erstaunt umsah und ihn erblickte, lächelte er.

»Patrick! So eine Überraschung, ich hatte Sie nicht vor morgen erwartet.«

Der Franzose trat auf ihn zu, fasste ihn an der Schulter und grinste. »Wie hätte ich einem Vortrag von Ihnen widerstehen können?«

»Üblicherweise ist es der sicherste Weg, um Ihre Aufmerksamkeit zu zerstreuen«, erwiderte Peter lachend, der genau wusste, wie sehr Patrick seine Tendenz zum Dozieren missfiel.

»Was sagen Sie denn da? Das war doch besser als der Discovery Channel gerade. Atlantis. Meine Güte.«

»Oh, Ihnen wird das Lachen noch vergehen. Sie ahnen ja noch gar nicht, weshalb ich Sie eingeladen habe.«

»Ich kenne Sie zu gut, als dass es Atlantis sein könnte. Es geht um das goldene Buch, nicht wahr?«

»Haben Sie Geduld! Eigentlich sind Sie ja noch gar nicht hier. Wie ich Sie kenne, möchten Sie ohnehin erst einmal etwas essen gehen, habe ich recht?«

»Raus hier und eine Zigarette rauchen. Hier mag man sich ja keine anstecken, sonst geht der ganze Schuppen in Flammen auf. Aber dann essen, ja, sehr gerne!«

Während Patrick eine Packung Zigaretten aus einer Tasche fischte und sich im Saal umsah, packte Peter seine Unterlagen zusammen und vergewisserte sich, dass seine Mitarbeiter sich um die Technik kümmern würden. Dann gingen sie die Treppe hinauf zum Ausgang des Saals und verließen das Museum durch das Foyer.


Als sie zwei Stunden später vom Essen zurückkamen, war die Fassade des Gebäudes von Scheinwerfern erleuchtet.

»Ein schöner Bau«, bemerkte Patrick.

»Von außen ja, unbedingt«, bestätigte Peter. »Sie waren ja schon einmal hier. Haben Sie sich auch die Ausstellungsräume angesehen?«

»Flüchtig. Ist aber alles ein bisschen provinziell, finden Sie nicht?«

Peter seufzte. »Da haben Sie recht. Es gibt nur wenig Fördermittel, der Bestand hat seine besten Zeiten hinter sich, und nur ab und zu gastieren hier kleine Wanderausstellungen. Es ist eine Schande. Zwischenzeitlich versucht das Museum durch Diavorträge, Leseabende und andere Kulturveranstaltungen etwas mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Was hier fehlt, ist ein Mäzen.«

Peter führte den Franzosen durch einen Seitentrakt in sein Büro. Die Regale waren mit unzähligen, aber penibel sortierten Büchern bestückt, der Schreibtisch leer und aufgeräumt. Patrick nahm auf einem auffallend altmodischen Stuhl vor dem Tisch Platz und schmunzelte. »Irre ich mich, oder ist das hier immer noch derselbe?«

»Natürlich«, gab Peter zurück. »Er ist gerade mal fünfzig Jahre alt und leistet wunderbare Dienste.« Er öffnete ein Fenster und setzte sich hinter seinen Tisch, wo er eine Schublade öffnete, Utensilien hervorholte und begann, sich eine Pfeife zu stopfen.

»Ist das Rauchen hierzulande nicht auch in Büros verboten?«

»Es würde mich wundern, wenn Sie das plötzlich störte«, erwiderte der Professor verschmitzt. »Jetzt haben Sie es so lange in dem Restaurant ausgehalten, nun stecken Sie sich schon eine an. Und dann erzähle ich Ihnen, was ich herausgefunden habe.«

Aus einer weiteren Schublade holte Peter eine dicke Mappe heraus. Als er sie öffnete, kamen großformatige Fotografien der einzelnen Seiten des goldenen Buchs zutage, das Patrick in Guatemala gefunden hatte. Es folgten Papiere, in denen viele der Glyphen nachgezeichnet und offenbar übersetzt worden waren.

»Sie kennen sich mit den mesoamerikanischen Völkern einigermaßen aus, richtig?«

»Ja«, sagte Patrick, »sicher nicht so gut wie Sie, aber jedenfalls besser als mit den alten Ägyptern, wenn Sie darauf anspielen.«

»Gut. Dann muss ich ja nicht von vorn anfangen...«

»Danke.«

»... aber es schadet sicher nicht, wenn ich Ihnen die ungefähre Chronologie noch einmal vor Augen halte.«

»Hm...«, machte Patrick in einem Tonfall, der ein resigniertes »lässt sich wohl nicht verhindern« ausdrückte, und lehnte sich mit seiner Zigarette zurück.

»Wenn wir von Mesoamerika sprechen, dann meinen wir eigentlich keine geografische Region, sondern einen Kulturraum, der seine Grenzen im Lauf der Jahrhunderte stetig veränderte. In etwa ist damit das Gebiet von der südlichen Hälfte Mexikos über Guatemala und Belize bis nach Honduras gemeint. Was Sie hier gefunden haben«, er zeigte auf die Fotografien, »ist ein Artefakt der Maya. Die Maya lebten in der Yucatán-Region. Als die spanischen Eroberer im sechzehnten Jahrhundert kamen, waren nur noch wenige Reste dieser Kultur übrig. Sie hatten fast sechshundert Jahre zuvor ihre Blütezeit gehabt und ihr Reich inzwischen bis auf einige größere Städte eingebüßt. Die Herren Mesoamerikas waren inzwischen die Azteken weiter westlich, im Süden Mexikos, und Cortés unterwarf den letzten ihrer Herrscher, Montezuma, im Jahr 1520. Obwohl die Spanier in ihrem missionarischen Bemühen, alle heidnischen Bräuche und Schriften der Azteken auszurotten, viel vernichteten, überdauerten verhältnismäßig viele ihrer Überlieferungen, die in den folgenden Jahren von Historikern wieder zusammengetragen wurden. Anders bei den Maya. Von ihnen existieren neben den steinernen Stelen, die in erster Linie nur offizielle Namen oder Zeitdaten enthalten, weltweit lediglich vier andere schriftliche Zeugnisse, die sogenannten Codizes. Wir wissen also nur sehr wenig über das Selbstverständnis der Maya, ihre Gedankenwelt, ihre Kultur, ihre Geschichte oder ihre Religion. Wir können in erster Linie nur ableiten. Das Buch, das Sie gefunden haben, ist ein vollständiger Codex, doppelt so lang wie alle anderen Maya-Codizes zusammen. Es ist nicht nur materiell wertvoll, mehrere hunderttausend Euro sicherlich, sondern aus historischer Sicht unschätzbar. Es ist mehr als ein Multimillionenobjekt. Es ist einzigartig und vollkommen unbezahlbar. Ist Ihnen das eigentlich klar?«

Patrick nickte grinsend. »So in etwa, ja. Deswegen habe ich es auch nicht im Handgepäck mitgebracht, ich hoffe, Sie verzeihen mir.«

»Wo ist es?«

»In einem Banksafe.«

»Das ist gut! Denn die Geschichte geht weiter. Ich habe mich um die Übersetzung bemüht. Die vollständige Analyse und Übertragung wird sicher noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, Jahre vielleicht. Aber schon gleich die erste Enthüllung war sensationell: Ein legendärer Schöpfungsbericht, wie wir ihn bisher noch nicht kannten. Oder sagen wir: Nicht von den Maya. Es gibt einen faszinierenden Schöpfungsmythos der Azteken sowie eine Geschichte ihrer Herkunft. In Ihrem Buch nun sehen wir, dass dieser Mythos viel älter ist als die Azteken, dass ihn bereits die Maya kannten.«

»Es wäre aber denkbar, dass das goldene Buch viel jünger ist«, sagte Patrick. »Dass es verfasst wurde, als die Azteken bereits regierten und sich ihre Geschichten auch nach Guatemala verbreitet hatten.«

»Vollkommen richtig, ja. Aber die Schrift der Maya hat sich im Lauf der Zeit gewandelt. In Ihrem Buch werden Glyphen verwendet, die lange vor den Azteken schon nicht mehr in Gebrauch waren, die zurückweisen auf eine Zeit zu Beginn unserer Zeitrechnung.«

»Na gut, aber mal ehrlich: So richtig spannend ist das nicht, oder?«

»Sind Sie mit der Legende der Azteken vertraut?«

»So in etwa. Sie kamen von einer Insel in einem See und zogen auf der Suche nach einer neuen Heimat lange durch das Land. Dann sahen sie ein Zeichen. Einen Adler auf einem Kaktus, der aus einem Stein wuchs oder so was, und gründeten die Stadt Tenochtitlán, das heutige Mexiko City.«

»Ja. Ganz recht. Die Legende der Herkunft und Wanderung der Azteken ist gut datiert und führt zurück ins erste Jahrtausend nach Christus. Unser Mittelalter. Nicht vergleichbar mit den Schöpfungsgeschichten, die wir aus dem Nahen Osten und aus Asien kennen, die wesentlich älter sind.«

»Das meine ich doch. Nicht sonderlich spannend.« Patrick blies eine Rauchwolke aus.

»Für sich genommen vielleicht«, stimmte Peter zu. »Aber die Azteken waren weniger große Erfinder als eifrige Nachahmer. Sie erschufen sich ihre eigene Geschichte und erfanden hinzu, was ihnen gefiel. So bewunderten sie ihre Vorgänger, die Tolteken, deren Ruinen sie in Teotihuacán fanden, und deuteten dies als den Geburtsort ihrer Götter, nicht ahnend, dass diese Stadt sogar noch viel älter als die Tolteken, nämlich von den Olmeken war, die sogar noch vor den Maya hier lebten. Sie übernahmen Prinzipien der Bilderschrift, den Entwurf des zweiundfünfzigjährigen Kalenders und viele architektonische Elemente.« Peter deutete mit dem Mundstück seiner Pfeife auf die vor ihm liegenden Blätter. »Und dieser Codex hier zeigt, dass auch die kleine Schöpfungsgeschichte der Azteken lediglich übernommen und angepasst worden war, dass sie schon zu Zeiten der Maya kursierte und mitnichten nur bis ins Jahr eintausend nach Christus reicht, sondern sogar bis zum Beginn des Mayakalenders, der sich bis 3114 vor Christus zurückrechnen lässt.«

»Wer hätte das gedacht.«

»Natürlich können wir nicht wissen, ob nicht auch die Maya den Mythos ihrerseits einst von den Olmeken übernommen und angepasst hatten. Aber was höchst interessant ist: Auch in dieser bislang ältesten Fassung, die wir kennen, spielt der Ursprung von einer Insel eine Rolle. Eine paradiesische Insel, die verlassen werden musste, als sie von den Göttern vernichtet wurde.«

»Was für eine Insel?«

»In der bekannten Version der Azteken lag sie irgendwo nordwestlich von Tenochitlán. In dieser älteren Fassung von den Maya befindet sie sich allerdings im Osten. Also im Golf von Mexiko oder sogar weiter draußen im Atlantik. Und in beiden Fassungen trägt sie denselben Namen: Azlán.«

Patrick sah den Engländer einen Augenblick lang stumm an. Dann lachte er auf. »Sie wollen mir jetzt nicht weismachen, dass Sie damit Atlantis meinen, oder?«

Peter schwieg und lächelte.

»Also wirklich!« Patrick grinste, »Auf diese Idee sind schon andere vor Ihnen gekommen, alter Freund. Atlantis! Das ist ja noch verrückter als meine Idee, Eldorado zu suchen!«

»So? Meinen Sie?«

»Und ob ich das meine! Sagen Sie, was für ein Kraut ziehen Sie da eigentlich durch Ihre Pfeife?«

Peter nahm einen Zug und ließ den Rauch an seiner Nase vorbeigleiten. »Das ist Holger Danske Mango Vanilla. Der ist unter Traditionalisten zwar verpönt, weil er ihnen zu viel nach Aromasoße und zu wenig nach Tabak schmeckt, aber über solcherlei Betrachtungen bin ich hinaus.«

»Das war ein Witz.«

»Ja. Und ich habe ihn Ihnen verdorben.«

Patrick betrachtete den Engländer genau. Seit er Peter kannte, hatte er sich manchen Scherz auf dessen Kosten erlaubt und wusste inzwischen, wann der Professor darauf eingehen und wann er es einfach ignorieren würde. »Sie meinen es wirklich ernst, was?«

»Unbedingt.«

Patrick schüttelte den Kopf und drückte seine Zigarette aus. »Eben halten Sie noch einen langen Vortrag darüber, wie fragwürdig die Legende ist und was man von den ganzen Theorien halten sollte, und jetzt fangen Sie selbst damit an? Was soll das?«

»Ich habe nicht gesagt, was ich selbst von den verschiedenen Interpretationen halte. Und außerdem muss ich ja nicht der ganzen Welt eine Theorie auf die Nase binden, die ich erst überprüfen möchte.«

»Sie möchten Sie überprüfen? Wollen Sie vielleicht Atlantis suchen?«

»Ja. Und ich dachte mir, dass Sie sicher mitkommen wollen.«

Patrick stand auf. »Also Moment mal. Sie können mir ja einiges erzählen, aber Sie haben eben selbst gepredigt, auf was für wackeligen Beinen diese ganze Atlantis-Story steht.« Er ging im Büro auf und ab. »Es ist eine Legende, und schon seit zweitausend Jahren wird danach gesucht. Da ist es doch völliger Unsinn zu glauben, dass wir plötzlich Atlantis finden können, bloß weil Sie hier im Büro den Anfang eines alten Maya-Textes übersetzt haben.«

Peter ließ sich nicht irritieren. »Haben Sie schon einmal ein Puzzle gelöst?«

»Als Kind.«

»Oft wird die Suche nach Antworten mit einem Puzzlespiel verglichen. Einzelne Teile, die für sich stehend sinnlos scheinen und doch gemeinsam ein Bild ergeben. Aber der Vergleich ist trügerisch. Bei einem Puzzle arbeiten Sie nach einer Vorlage, und das Bild baut sich nach und nach auf. Und tatsächlich ist es das, was die meisten Forscher betreiben: Sie beginnen mit einer Theorie, einer Vermutung, quasi der Vorlage einer antizipierten Antwort, und dann suchen sie so lange nach Puzzlesteinchen, bis sie dieses Bild vervollständigen können. Dabei nehmen sie nur die Teile, die ihnen passen, andere lassen sie weg. Am Ende kommt ein Abbild ihrer Vorlage dabei heraus, oftmals etwas schief und krumm, aber sie meinen, es geschafft zu haben. Tatsächlich messen sie ihren Erfolg daran, wie groß die Ähnlichkeit der Antwort zu ihrer ursprünglichen Absicht war, und nicht daran, wie groß der Anteil der nicht berücksichtigten Elemente ist, und wie viele Annahmen notwendig waren, um das Bild zurechtzubiegen. Dabei ist erfahrungsgemäß diejenige Theorie die wahrscheinlichste, die am wenigsten Annahmen bedarf, die am schlichtesten ist.«

»Sie meinen Ockhams Rasiermesser.«

»Sie kennen das Prinzip aus Ihrer Arbeit als Ingenieur? Sie haben recht, das Sparsamkeitsprinzip Ockhams, das übrigens auch Aristoteles schon bekannt war. Einfach ausgedrückt: Wenn es verschiedene Hypothesen gibt, die das Gleiche zu erklären versuchen, sollte stets diejenige bevorzugt werden, die weniger komplexe Zusammenhänge und Vermutungen erfordert.«

»Und was hat das mit Atlantis zu tun?«

»Nun, wenn Sie die ganzen Theorien zur Suche nach Atlantis betrachten, werden Sie feststellen, dass die Menschen immer wieder mit einem Haufen von Annahmen gearbeitet haben. Angenommen, Platon sprach nicht von neuntausend Jahren vor seiner Zeit, sondern von nur neunhundert. Angenommen, er meinte nicht hinter den Säulen des Herakles, sondern vor den Säulen des Herakles. Angenommen, die gesuchte Insel wäre viel kleiner, als er sie beschreibt, angenommen, es wäre alles nur eine Parabel, und so weiter. Das war nötig, weil die Puzzleteile, die Platon lieferte, scheinbar kein Bild ergeben konnten, das sich mit unserem heutigen Wissen über die Geschichte und die Welt deckte. Also hat man versucht, wie nannten Sie es einmal... ? Heuristisch vorzugehen. Man setzte eine Lösung voraus und hat überprüft, ob sich durch Rückwärtsentwickeln dies ableiten ließ. Also beispielweise: Nehmen wir an, mit dem Versinken von Atlantis sei der Ausbruch von Thera gemeint; was müsste an Platons Geschichte geändert werden, damit es passt? Es versteht sich von selbst, dass Sie mit genügend Annahmen und Anpassungen das sagenhafte Reich auch nach Helgoland oder in die Antarktis versetzen können.«

Patrick nahm wieder Platz und setzte eine etwas gelangweilte Miene auf. »Ich bin gespannt, worauf Sie hinauswollen.«

»Ach, tatsächlich?«

»Eigentlich nicht.«

»Ja, das war zu erwarten. Aber hören Sie zu. Indizien haben wir genug. Sogar einige mehr als jeder andere, der bisher nach Atlantis suchte. Wir haben diesen Maya-Codex, der uns die Legende ihres Ursprungs erzählt, die Herkunft der Vorväter der Maya von einer paradiesischen Insel im Osten, die im Meer versank. Wir haben hier zum ersten Mal eine Geschichte, die die Legende aus Platons Erzählungen reflektiert, wenngleich unser Grieche wesentlich mehr ins Detail geht. Dann haben wir unsere eigenen Projekte. Erinnern Sie sich an das Symbol der konzentrischen Kreise, das wir in Frankreich gefunden hatten? Das gleichermaßen der Grundriss der mysteriösen Höhle dort wie auch der Kaverne unter Sakkara gewesen war?« Peter holte eine Zeichnung hervor, die er auch in seinem Vortrag gezeigt hatte.

Als Patrick sie sah, erkannte er das Symbol plötzlich.



»Ja, ganz recht«, sagte Peter, der die gehobenen Augenbrauen des Franzosen bemerkte. »Dies hier ist eine Skizze der Hauptstadt von Atlantis, wie Platon sie beschreibt. Sie ist von drei Wasserkanälen umgeben und verfügt über Straßen, die von außen direkt zur Mitte führen.«

»Sie meinen...« Patrick zögerte, es auszusprechen.

»Diese uns unverständlichen und offenbar hoch technisierten Überreste einer unbekannten und längst verschollenen Kultur, die wir gefunden haben – sowohl in Frankreich als auch in Ägypten –, trugen den Grundriss von Atlantis.«

Patrick schwieg und betrachtete das Symbol. Hier tat sich eine unerwartete und im Grunde vollkommen surreale Verbindung auf. »Aber das kann auch Zufall sein«, sagte er schließlich. »Auch wenn Atlantis niemals existiert hat, könnte jemand ein ähnliches Muster entwickelt haben.«

»Es geht noch weiter«, beharrte Peter. »Die Höhle in Frankreich war mit Inschriften übersät. Alle diese Texte gaben Schöpfungsmythen wieder. Es waren allerdings ausschließlich solche, die von einer Sintflut berichteten. Schon damals hatten wir überlegt, auf welchen Zusammenhang uns das hinweisen sollte. Plötzlich erscheint es klar: Es sollte auf einen gemeinsamen Ursprung hinweisen, einen Ursprung, der in einem Untergang seinen Anfang hatte.«

»Aber...«

»Und in Sakkara«, fuhr Peter fort. »Die beiden großen Säulen in der Halle der Aufzeichnungen! Es waren die der Legende nach von Noah nach der Sintflut gefundenen Säulen mit den Weisheiten der Welt. Wissen Sie noch? Die Freimaurerin, die keine war, erzählte uns in Notre-Dame davon.«

»Ich muss sagen«, brachte Patrick schließlich hervor und lehnte sich zurück, »das ist alles wirklich erstaunlich... Sicher, wir waren die ganze Zeit auf der Suche nach dem Ursprung einer vergangenen Kultur, die möglicherweise sogar die alten Ägypter inspiriert oder vielleicht auch unterrichtet hat. Irgendwelche Leute, die Wissensarchive hinterlassen haben, von denen wir weder wissen, wie sie funktionieren, noch, wie alt sie sind... Aber könnte es nicht sein, dass Sie jetzt selbst das betreiben, was Sie gerade erklärt haben? Sie möchten Atlantis sehen und entdecken plötzlich überall Hinweise.«

»Schon möglich. Scharf kombiniert«, gab Peter zurück und schmunzelte.

»Und zudem: Selbst wenn es stimmt, wenn das alles Hinweise sind, dann wüssten wir immer noch nicht, wo wir suchen sollten. Genauso wenig wie alle anderen.«

»Und das ist der Trugschluss!«, trumpfte nun Peter auf, und sein Lächeln wurde breiter. »Sie wissen nämlich noch nicht, was ich weiß. Was ich hier in dieser Schublade habe.« Er sah den Franzosen unverwandt an und kostete den Augenblick ganz offenbar aus.

Patrick tat ihm nicht den Gefallen nachzufragen, aber innerlich brannte er darauf, was der Professor nun herbeizaubern würde. Nach Atlantis zu suchen, war so ziemlich das Letzte, was er sich als Ingenieur, als Seifmade-Feldforscher oder besserer Schatzsucher je vorgenommen hätte. Ganz zu schweigen von einem seriösen Wissenschaftler wie Peter Lavell, der zwar unkonventionelle Gedanken und Verbindungen schätzte, der aber durch und durch Realist war und sich niemals vor der Öffentlichkeit lächerlich machen würde. Wenn Peter so hartnäckig an eine Idee glaubte, hatte er aller Erfahrung nach eine bessere Grundlage als jeder andere. Und Patrick musste zugeben, dass ihre bisherigen Untersuchungen, so unerklärlich sie gewesen waren, in diesem Licht eine merkwürdige, fast natürliche Logik entwickelten. Sein Instinkt regte sich, ein untrügliches Gefühl, dass hier etwas Großes lauerte. Seit seinem Erlebnis in der Höhle des Wissens in Südfrankreich verfolgten ihn Ahnungen und während ihres Projektes in Ägypten zuletzt sogar regelrechte Visionen, die ihm Richtungen wiesen. Und hier, in Peters Büro, mit den Worten des Professors in den Ohren und dem Blick auf dem mysteriösen Symbol, das sie so lange verfolgten hatten, regten sich mit einem Mal seine inneren Antennen.

Peter öffnete die Schublade seines Schreibtischs und holte eine weitere Mappe hervor. Mit bedächtigen Bewegungen räumte er erst die Maya-Dokumente beiseite, schob die Mappe dann Patrick entgegen und öffnete sie. In ihrem Inneren fanden sich ebenfalls Fotografien, die er nebeneinander vor dem Franzosen ausbreitete. Die Bilder zeigten antike Handschriften, im fortgeschrittenen Zustand der Auflösung begriffen, mit einer feinen Schrift in griechischen Buchstaben.

»Vor zwei Wochen«, erklärte Peter, »wurde ich zu einer Ausgrabung nach Alexandria eingeladen. Man vermutete, das Grab Alexanders des Großen gefunden zu haben. Aber der Raum, bei dessen Öffnung ich anwesend sein durfte, war kein Grab. Es war eine uralte Bibliothek voller Handschriften, rund zweitausend Jahre alt.«

Patrick nahm die Fotografien in die Hand. Die Dokumente erinnerten an die Überreste der Qumran-Rollen.

»Wissen Sie, weshalb ich nach Alexandria eingeladen wurde?«

Patrick zuckte mit den Schultern.

»Sehen Sie mal in das Regal dort drüben.«

Patrick wendete den Blick und entdeckte dort eine kleine Statuette. Er hatte sie schon einmal gesehen. Sie war altägyptischen Ursprungs und stellte den Gott Thot dar. »Ist das...«, begann er.

»Ja, sie ist es. Die Figur von Oliver Guardners Schreibtisch. Die Organisation, die die Ausgrabung in Alexandria betrieb, hatte von der SCA aus Kairo die ausdrückliche Bitte erhalten, mich einzubinden, und als ich ankam, erwartete mich dort ein Paket mit diesem Geschenk und einer Karte von Melissa!«

»Melissa? Unsere Melissa aus dem Museum?« Patrick erinnerte sich nur zu deutlich an die Rothaarige, deren scheinbar naiver Charme ihm eine Zeit lang ordentlich zugesetzt hatte. Sie waren einander nähergekommen und hatten das Projekt schließlich gemeinsam abgeschlossen.

»Ebendiese. Auf der Karte stand lediglich ›Wissen, Erkenntnis und Weisheit‹, mehr nicht. Aber es war klar, dass ich unbedingt dabei sein sollte. Ganz offenbar, weil sie wusste, was wir finden würden.«

Patrick staunte. Melissa war in Kairo geblieben. Sie hatte die Aufgabe übernommen, sich um die Hinterlassenschaft zu kümmern, die sie entdeckt hatten. Und nun wies sie aus der Ferne einen neuen Weg!

»Also sagen Sie schon«, drängte Patrick nun, der es nicht mehr aushielt. »Was haben Sie gefunden?«

Peter lachte auf. »Na endlich, da ist der Funke! Dann spanne ich Sie nicht länger auf die Folter. Ich wurde nicht nur eingeladen, ich erhielt sogar den Auftrag, die gefundenen Dokumente zu sichten. Es sind Schätze, sage ich Ihnen! Es sind gerettete oder kopierte Dokumente, Teile dessen, was vielleicht einmal die Bibliothek von Alexandria gewesen sein mochte. Und was alles übertrifft, ist das, was Sie vor sich sehen. Erinnern Sie sich, was ich über Platons Dialoge Timaios und Kritias erzählte? Sie sind unsere einzige ursprüngliche Quelle über den Mythos von Atlantis. So detailliert viele der Beschreibungen Platons auch waren, hatten sie einen maßgeblichen Schönheitsfehler: Der entscheidende Dialog, Kritias, war unvollständig! Platon berichtet, dass Zeus seine Götter versammelte, und bricht dann mit den Worten ab: ›Nachdem er sie zusammenberufen hatte, sprach er.‹

Aber das, was vor Ihnen liegt, mein Freund, ist die vollständige, dreimal längere Fassung von Platons Bericht über das Reich von Atlantis, seinen Untergang – und seine genaue Lage!«

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