Eines Tages, lange ist es her, hatte mich mein Vater beiseite genommen: Du wirst es nicht leicht haben, mein Sohn, hatte er gesagt, du wirst nicht wissen, wer deine Freunde sind, du wirst auf keiner Insel der Seligen leben. Eher umgekehrt. — Was immer er damit hatte zum Ausdruck bringen wollen.
Denn ich habe einen Freund. Einen, der mir folgt und mich verfolgt, der im gegebenen Moment eine Rauchbombe wirft, was will ich mehr. Und soweit es die Insel betrifft, sie heißt Kamehameha, auch Skull Island, auf der Karte St. Phyllis genannt und hat die Größe eines größeren Parkplatzes. Was nicht vielen Menschen beschieden ist. Du wirst feststellen, hatte er gesagt, daß ein Übermaß an Gütern gleichzeitig ein Übermaß an Beschränkung darstellt. Je mehr du hast, desto weniger kannst du noch kriegen.
Oder: Wenn du alles hast, kriegst du gar nichts.
Ja, aber da gibt es eine Taste, die er nicht gekannt hatte — eine Taste mit Namen «Erase».
*
Alle Jahre fährt ein Schiff vorbei. Es ist weiß, die Musik spielt, fröhliche Menschen sind an Bord. Ich winke mit aller Kraft, sie winken zurück — das Schiff zieht weiß vor der blauen Kimme seine Bahn, und ich werde aufs nächste Jahr warten.
Ich esse gut. Heute hat sie mir einen Königszapfen zubereitet, sie ist gut zu mir. Es ist ein weißer Sproß oben am Stamm der Sagopalme, der wie ein Langustenschwanz schmeckt, aber ohne Fischgeschmack. Dieser in einer zarten Honigkruste gebacken mit einer winzigen Schärfe im Biß, man könnte ohnmächtig werden. Dazu bereitet sie ein ganz ausgezeichnetes Ingwerbier aus der Ingwerwurzel, sie kann aber auch ein Eisbein auftauen und Erbspüree kochen. Und sicherlich kann sie viel Wasser tragen und viele Kinder gebären, da bin ich ganz sicher, ich weiß nur nicht genau, ob es nun eine ist, oder ob es zwei sind, die einander ablösen. Ich weiß es nicht. Aber sie ist gut zu mir.
Ich schlafe gut. Ich schlafe unter dem geflochtenen Dach auf einer Reisstrohmatte. Nachts schlägt die Lagune gleichmäßig an den Strand, Palmfächer rascheln in der ständigen lauen Luftbewegung, die die Seele ausfüllt, und ich kann nicht sagen, daß ich mich mit diesem Klischee unwohl fühle. Wässerchen murmeln, kußmäulige, dicke Fische geben Küßchen. Das Paradies. Auf der Reisstrohmatte schläft es sich ausgesprochen traumlos, ist das bekannt? Man legt sich hin und wacht auf, ohne irgendwann in gähnende Schlünde gefallen zu sein. Es gibt einen Vogel auf der Insel, ich glaube, es gibt nur einen, weiß-schwarz gestreift mit goldener Brust, der mich zwar mit Skepsis betrachtet, mich aber inzwischen als seinen Gast angenommen hat und immer sehr höflich umfliegt.
Aber ich möchte mich näher über meine Insel auslassen. Gebe hier einmal ihre genaue Position an, sie liegt also 5º südl. Breite und 142º westl. Länge, hoch in den Calmen, und ich habe da gar keine Bedenken, da man sie in dieser Position kaum finden wird, ich würde sagen, überhaupt nicht. Fernab jeglicher Schiffahrtsrouten, abseits aller Urlaubsgründe, höchstens daß sich einmal ein gelegentliches Kreuzfahrtschiff hierher verirrt. Von dem man mir dann zuwinkt.
Dieses kleine Eiland ist ohne Frage vulkanischen Ursprungs, nach seinem Erscheinungsbild, eine Feuermasse, die hier mitten im Ozean hochgedrückt wurde. Zu einem Gesteinsschaum erstarrt liegt es da wie ein gewaltiger Bimsstein, hart in der Brandung, aber weich und porös genug, um feine Treppenstufen zu schlagen. Was inzwischen ausgiebig geschehen ist.
Mein Eiland.
Um bei der Wahrheit zu bleiben, es macht nicht allzuviel her, mein Eiland, von außen betrachtet. Ringsum harter Klippenstrand, darüber die stachelige Felswand, wenig einladend. «Skull Island», weil es von der einen Seite her einem Totenkopf ähnelt. Dort, wo die Phantasie einen Jochbogen sieht, befindet sich eine Einbuchtung, einer riesigen Augenhöhle vergleichbar. Darüber die Stirn, hochgewölbt, steil in einen bleiernen Tropenhimmel hineinragend. Ein eher abschreckendes Bild, wenn ich ehrlich sein soll, und ich könnte mir gut vorstellen, wie der Seefahrer, der in der Tiefe des Ozeans endlich auf diesen Schädel stößt, in Depression verfällt und lieber nach der nächsten Insel sucht. Aber mir kann es nur recht sein. Denn gibt es eine Außenwelt, gibt es auch eine Innenwelt.
Würde man diese Stirn bezwingen können — nehmen wir an, es wäre möglich — würde man zerschrunden und mit dem Leben davongekommen die Höhe erreichen, geschähe ein tiefes Wunder, ein Wunder der Schöpfung nämlich: Tief unten wie das blaue Auge Gottes öffnet sich dahinter eine Lagune, so blau, so unendlich blau, daß dem Dichter — wie dem Seemann — das Herz stockt. Ich schäme mich nicht. Soviel Schönheit, soviel Licht. Dieses letzte Kapitel ist auch mein letztes Kapitel, und es ist mein letztes Haus, das ich hier baue.
Es gibt natürlich noch einen anderen Zugang, einen mit Klippenzähnen bewehrten Mund zum Meer. Die Insel hat Hufeisenform, öffnet sich knapp nach Westen, ist deshalb vor den Taifunen geschützt, die in diesen Breiten ihren Ursprung nehmen. Ziemlich geschützt, sollte man sagen, und hier berühre ich den wunden Punkt. Den wundesten. Alle diese Paradiese sind letztlich nicht bewohnbar und werden auch nicht bewohnt, man kann damit rechnen, daß sie innerhalb eines Jahrhunderts mindestens fünfmal radikal rasiert, von aller Vegetation befreit und überflutet werden. Soviel zu den Paradiesen. Und noch eine Anmerkung: Der verbliebene Rest ist von Sperrmüll besetzt. Wenn nicht von Schlimmerem.
Eigentlich hatte ich ja nie Robinson sein wollen, ich glaube, das habe ich genügend herausgearbeitet. Nicht der mit dem häßlichen Hut und den unförmigen Galoschen aus Baumrinde. Aber eines muß ich dem Mann lassen, er hatte es sich gemütlich gemacht.
Und wenn ich jetzt auf meiner Reisstrohmatte liegend mein allerletztes Haus baue, dann weiß ich, wofür es steht. Nicht für diese ganze Entwicklung der Menschheit, Steinzeit und ähnliches, nein, sich mit sich selbst einzurichten, dafür steht es. Darf ich einmal ganz konkret werden. Ich liege hier sehr gut, soeben hat sie mir (eine von den Dreien) einen wundervollen roten Fisch serviert, sie machen das sehr delikat, der Fisch steht hochkant und auf ihm reiten große, gekerbte Scheiben von Limonenorangen. Sehr delikat, eigentlich ist es nur eine Goldbrasse, aber sie heißt hier Mahi Mahi und das macht den Unterschied.
Es wird ein großes Haus werden. Mit vielen Korridoren und Treppen und Ein- und Ausgängen, je nachdem ob man hinein oder hinaus will, man ist ja nicht immer derselbe. Es geht hinauf und hinab, prächtig symmetrisch soll es werden und zugleich mächtig krumm und unübersichtlich, möglichst verbaut. Es soll genügend abgelegene Winkel haben, Scheintüren und Scheinwände, daß man nie ganz sicher sein kann, wo genau man sich befindet. Auch einen Warteraum für den Zahnarzt und ein kleines eingebautes Dampfbad, möglicherweise eine Saufkneipe im Eck, ich brauche unterschiedliche Schlafräume, je nach Gemütslage, mit und ohne Träume. Die wiederum hinter den Scheintüren ihren Platz haben, denke ich mir.
Ein poetisches Haus, mit viel Platz für Banalitäten als auch für das Erhabene. Symmetrie, jawohl, Symmetrie gibt mir Ehre, gibt Ansehen und löst Ergriffenheit. Eine hohe Halle mit Musik von Mussorgski, etwa, soll meine geehrten Besucher empfangen, ich selbst werde mich dann allerdings in die Wohnküche zurückziehen, wo es Wiener Würstchen gibt, ja, aber auch Durchblicke und Ausblicke auf schöne Landschaften — Landschaften der Seele versteht sich — kurz, ich bin dabei, ein Geisterhaus zu bauen, in dem es sich leben läßt, ein Haus des Inneren, in dem ich herumlaufe. Oder noch kürzer, offenbar bin ich dabei, in mich zu gehen.
Ja, aber ganz konkret.
Das Labyrinth zum Beispiel. Das Labyrinth ist ein wesentliches Bauelement und ist allem vorgeschaltet. Niemand erreicht den Eingang, der nicht das Labyrinth passiert. Dabei genügt der Typ A, eine simple Schleife, die in sich zurückläuft, zwei Gabelungen genügen, um dem Besucher die Orientierung zu nehmen, bestenfalls geht er dann nach Hause. Oder wenigstens sollte er einmal eingangs an sich selbst zweifeln. Ein Gang hin, einer zurück, und der Bildungsstand ist im Augenblick fragwürdig geworden.
Nun könnte ich ja selbst einen Gang in das Gestein bohren. Es ist dazu ideal geeignet, läßt sich locker herausbrechen und liegt federleicht in der Hand — zu diesem Zweck bin ich ja hier —, einem Feuerschwamm nicht unähnlich. Ich liege hier, umstanden von zauberhaftesten gefiederten Geschöpfen, direkt vor meinem Objekt, dem größten Bimsstein, den es je gab, und ich liege hier sehr gut. Diese Geschöpfe muß sich ein liebender Gott ausgedacht haben. So fein und so sinnlich geringelt, so unendlich erotisch hochbeinig graziös. Ich glaube, es sind Sagopalmen. Sie wiegen sich, sie wedeln mir ein schattig grünes Licht herunter. Wie habe ich das verdient?
Nun könnte ich einen längeren Gang bis ganz nach vorn, bis zu der großen Augenhöhle vortreiben, dort mit einem Panoramafenster, in die Welt schauen, alle diese Dinge könnte ich tun, ich könnte eigenhändig einen Spiegelsaal graben, der sich dann hinter der Stirn befindet, festlich beleuchtet, einen Billardsaal, einen Schießstand, eine Wendeltreppe aus Tuffgestein. Aber kann ich sie mitnehmen, die Dinge?
Den Geist vielleicht. Mitnehmen.
*
Vor langer, langer Zeit war ich einmal sehr, sehr krank — todkrank, eine Art Keuchhusten —, jedenfalls hatte ich lange Zeit nicht aufstehen dürfen, und es war November oder Dezember, jedenfalls sehr dunkel tagsüber. Da hatte ich mir also diesen Berg von Grießbrei ausgedacht, Tag für Tag und voller Inbrunst. Aber das war ein gewaltiger Berg. Unerhört hoch, ein Grießpudding, wie es ihn nicht in den kühnsten Träumen gibt, ich sehe ihn noch heute vor mir. Da hatte ich also angefangen, mich hineinzuessen, und ich könnte mir gut vorstellen, daß es mir das Leben gerettet hat, bei meinem Keuchhusten. Ich aß mir einen Eingang, dann einen Korridor, schließlich einen ganzen Rittersaal, einen unerhört schönen. Es war die schönste Zeit meines Lebens, das kann ich jetzt behaupten, und ich kann sie mitnehmen, das behaupte ich auch.
Denn was da an Präzisionsarbeit geleistet wurde, Tag für Tag geleistet wurde, das kann nicht im Nichts versinken. Immer haarscharf und mit großer Genauigkeit an die Arbeit vom Vortage anschließend, mit genauer Länge und Breite, mit allen Ecken und Kanten und der genauen Wanddicke. Falls sich eine Räumlichkeit an die andere anschloß. Nicht zu dick, aber auch nicht zu dünn und durchscheinend. Ja, ich darf behaupten, daß mir damals die große Gabe erwuchs, das ganz spezielle Raumgefühl, das architektonische Empfinden, wenn ich das einmal behaupten darf.
*
Heute wieder Kreuzfahrttag.
Heute morgen, als ich bei meiner Obstschale sitze, dazu ein Ei vom Perlhuhn und einen Quiquek — das ist feingemahlene Nuß in Milch aufgerührt, etwas sehr Gutes — warum es das bei euch oben nicht gibt, weiß ich nicht —, ertönt dieses tiefe Brummen. Und als ich aufblicke, ist der ganze V-förmige Einschnitt von dem draußen vorbeiziehenden weißen Schiffsleib ausgefüllt. Ich habe ja den Eindruck, daß das Schiff immer weißer wird, offensichtlich lackieren sie es jedes Jahr neu und in einer Jahr für Jahr weißeren Qualität.
Also setze ich meinen häßlichen Hut auf, den ich mir aus Baumrinde gefertigt habe, und begebe mich nach vorn zum Strand. Stehe da verloren auf meinen Klippen, wie man es von mir erwartet. Draußen auf dem weißen Schiff drängen sie sich, winken, schwenken die Hüte, ich winke zurück. Anscheinend bin ich zu einer Attraktion geworden. Auf dem Reiseprogramm der, den sie Robinson nennen.
Aber ganz hinten am Heck steht eine kleine einzelne Figur, die nicht winkt, nur ein wenig den Hut lüftet, aber freundlich, sehr freundlich. Vielleicht, daß sie dort steht. Ich werde auf das nächste Jahr warten und auf das übernächste, dreißig Jahre lang, wie man es von mir erwartet. Noch ist es nicht soweit.
Eines fehlt in meinem Haus, es hat immer gefehlt, und darüber muß ich noch tief nachdenken.
Wenn das Schiff seine Bahn gezogen hat, in der See, hat sich inzwischen über dem Totenkopf eine Wolke gebildet, eine winzige Wolke nur, und das sieht merkwürdig aus. Erst ist es eine Mütze, dann ein Schirm und schließlich ist die Wolke wieder weg, hat sich aufgelöst. Während ich hierunten meine Gedanken fasse. Es ist nie ganz leicht, sich völlig zurückzunehmen.
Heute gibt es Tapa, ich höre meine Schönen schon seit Stunden schlagen. An sich ungenießbar ist es eine Delikatesse, wenn es so geschlagen wird, wie sie es schlagen (6 Stunden), man kann es auch anziehen. Und für heute Abend haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht, einen Feuerwehrball. Das ist eine Darbietung hier unten auf den Inseln, bei der sie sich fortwährend im Rhythmus auf ihre kleinen Hinterteile runterplumpsen lassen. — Naja, klein.
– –
Die Drachen. Wo wohnen die Drachen.
Ich kenne mein Haus gut, ich habe es ja gebaut. Es ist groß und hell und offen, es ist ein durchleuchtetes Haus, es hat unverhangene Fenster und eine reiche Bibliothek, in der alles zu lesen steht, was ein Mensch wissen muß — viel ist es sowieso nicht —, was dort nicht steht, braucht er nicht zu wissen. Aber wo steht das?
Wenn ich nachts durchs Haus gehe, gehe ich weit geöffnet, ich höre jede Uhr ticken, ich höre den Tropfen Schweiß, der von der Stirn tropft, ich gehe in die Küche, ich gehe in den Keller, wo ein 92er Moulin lagert, und dort höre ich sie. Nicht eigentlich im Keller, aber auf dem Weg dorthin. Die dunklen Wasser, die dort fließen, ich kann sie sogar sehen, tief unten, noch unter dem untersten Keller — habe ich doch gewußt, daß etwas fehlt.
Das Untergeschoß.
Aber es sind schwarze Wasser, die dort fließen, ein schwarzer Strom, schnell, glatt und lautlos wie ein Schlangenleib. Sehr tief und sehr weit unten. Das Wasser schwillt, wird breit und bedrohlich und fängt an zu gurgeln. Das sind meine Ängste, die dort herumschwimmen, die verdrückten Gefühle, die Süchte und das ganze Leid. Und was da sonst noch schwimmt, wer weiß. Aber irgendwann, das verspreche ich, werde ich hingehen und ein tiefes Loch in den Bimsstein graben, ich werde nachsehen, was dort unten ist.
Luft ist leicht.
Erde ist schwer.
Wasser neigt zur Hysterie.
Und Feuer, lieber Freund, Feuer ist ganz sicherlich hochkriminell.
*
Aber eines Tages, und der Tag ist nicht fern, wird ein weißes Schiff vor Reede liegen. Dieses Mal ist es nicht vorbeigezogen, keine Leute winken oder schwenken die Hüte. Denn dieses Mal wird ein Boot zu Wasser gelassen, darin sitzt ein kleiner Herr als Passagier, es scheint ein geschäftiger kleiner Herr zu sein, so wie er in dem Boot sitzt. Nicht sehr passend gekleidet in einem dunklen Anzug, er hätte wenigstens die weiße Leinenjacke tragen sollen, meine ich. Jetzt steht er auch noch auf, bringt fast das Boot zum Kentern, er will aber nur freundlich sein. Älter? Nein, älter ist er eigentlich nicht geworden.
«Ich wußte, daß du kommst», sage ich, «irgendwann, wußte ich, kommt du. So sehr leicht bin ich ja nicht aufzufinden, wenn man die Verhältnisse, die nicht ganz stabile Schiffsverbindung bedenkt. Wäre ich auf Rügen, wärst du wahrscheinlich längst dagewesen.»
«Hier bin ich.»
Scheint sich aber Zeit zu lassen. Begutachtet die Baulichkeiten, die Liegenschaften, insbesondere meine Reisstrohmatte. Anerkennend macht er es sich schließlich bequem und hängt das Jackett an den Haken, scheint sogar, nach der langen Reise, einem Schläfchen nicht abgeneigt zu sein. Und soll ich mich nun fürchten?
Es gibt ja noch den Knopf an der Tastatur, den ich drücken kann oder nicht drücken kann. Und wenn ich ihn drücke, wird alles gelöscht sein. Alle Verbrechen und alle Vergehen, alle Bankkonten und Depots, sämtliche Anbindungen, Vernetzungen und Verquickungen mit all dem Geld auf dieser Welt. Mit allen Kredit-, Pfand- und Verschreibungsinstituten, allen Anleihen und Gegenanleihen und den Investitionen in die Staaten Sambesi und Kiribati, — die ich wahrscheinlich besitze, wahrscheinlich ganz, ich weiß es nicht.
Nicht zu erwähnen die Mobilien und Immobilien, sowie all den blanken Hausbesitz, der sowieso völlig überflüssig gewesen ist. Wenn man die Kürze der Zeit bedenkt.
Nicht zu reden von Goldbeständen, dem Barren-, Münz- und Feingold, sowie den zugehörigen Geheimcodes für die zugehörigen Schließfächer in Schließbanken in Zürich.
Und schon gar nicht von Lombard oder Finsbury Optionen, die sowieso nur fiktiv bestehen, und das Ganze auf Knopfdruck:
«Erase», Löschen.
Nur die Liebe, blank und bloß und ohne Paßwort, die Liebe kann ich mitnehmen. Das ist nun etwas Merkwürdiges, daß mir der Himmel sehr blau, die Blätter sehr grün und der weiße Sand sehr weiß erscheint, ich habe das bisher nie so genau gesehen. Fällt mir jetzt auf.
Dies ist die allerbeste Zeit, die Sonne hat gerade den richtigen Dreiviertelstand erreicht, so daß die Schatten etwas länger und sanfter sind, das Licht pure Mandelmilch. Selbst mein Freitag sieht schöner aus.
«Lieber Freitag.»
«Hier bin ich.»
«Ich weiß, wer du bist.»
Ich habe es immer gewußt. Seit er mir gegenüber saß, seit er mir Zeit ließ, meine Angelegenheiten zu ordnen. Mein ganz persönlicher, höchst privater Tod.
«Immer gewesen.»
Und daran ist ja eigentlich gar nichts auszusetzen. Ein freundlicher, kleiner Herr, der sich doch immer als recht zuvorkommend erwiesen hatte. Und auch jetzt keinen schlechten Eindruck macht. Im Gegenteil.
Erase «Löschen».
Wollen Sie wirklich alles löschen?
Ja.
Unwiderruflich?