In den Jahren 1999 bis 2000, als man Putin gerade zum »Führer der Nation« machte, setzte der Kreml auf das Bild des jungen und kerngesunden Präsidenten, der sich grundlegend vom kranken, trunksüchtigen und im Gehen sturzgefährdeten Vorgänger Boris Jelzin unterscheiden sollte. Man erinnere sich nur, wie Putin demonstrativ hinter dem Steuer eines Jagdflugzeuges in das kriegsgebeutelte Tschetschenien flog (Januar 2000), sowie an seine regelmäßig im Fernsehen gezeigten Judo-Kämpfe. Bereits 2003 gab es jedoch erste Gerüchte, der zweite Präsident der Russischen Föderation sei schwer an Mastdarmkrebs erkrankt.
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Analyseabteilung der Ersten Hauptverwaltung des KGB der UdSSR, Oberstleutnant Wjatscheslaw Trubizyn, mutmaßte damals, es handele sich um eine Folge von Putins Einsatz in Wünsdorf (einer Siedlung südlich von Berlin, wo in Deutschland die Residentur der Außenaufklärung des KGB stationiert war). Trubizyn hält es für durchaus wahrscheinlich, dass die »Erkrankung durch den direkten Kontakt mit psychotronen Technologien oder radioaktivem Plutonium hervorgerufen« wurde.
Niemand nahm diese Gerüchte ernst, was vielleicht ein Fehler war. Denn es gibt die Version, dass die Verhaftung Michail Chodorkowskis im Oktober 2003 und der übereilte Rücktritt der Regierung von Michail Kassjanow im Februar 2004, die mit der Auswechselung des Ministerpräsidenten gegen die politisch offenkundig zukunftslose Figur des Michail Fradkow einherging, ganz klar von der Krankheit des Präsidenten diktiert worden waren. Dabei ging es nicht nur um den psychischen Zustand des real oder scheinbar Kranken.
Putin, der bekannt ist für seinen Argwohn, hegte die Befürchtung, auf dem Hintergrund seines ungünstigen Gesundheitszustands könne Kassjanow mit Chodorkowskis Unterstützung auf den Präsidentenposten Anspruch erheben, umso mehr, als er »im Fall der Fälle« als zweiter Mann im Staat die Pflichten des ersten hätte übernehmen müssen. Laut Informationsquellen aus Kassjanows Umgebung beschuldigte Putin unmittelbar vor dem Rücktritt des Kabinetts seinen Regierungschef, er habe im Januar 2004 während der Neujahrsferien derartige waghalsige Möglichkeiten mit dem österreichischen Kanzler Wolfgang Schüssel erörtert.
Ernsthafte Besorgnis über Putins Gesundheit machte sich 2012 breit, als der russische Präsident seine Teilnahme an mehreren offiziellen Veranstaltungen absagte, ohne dass man der Öffentlichkeit dafür verständliche und greifbare Gründe mitteilte. Im Mai fuhr er nicht zum G8-Gipfel und schickte stattdessen Ministerpräsident Medwedew. Die Geschichte wiederholte sich im Juni – Putin ignorierte die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London. Statt seiner bemühte sich wiederum der liebe und hilfsbereite Medwedew dorthin. Das alles erinnerte den aufmerksamen Betrachter an die Zeit von Boris Jelzin: Auch er hatte nach mehreren Herzinfarkten oft andere zu wichtigen internationalen Treffen von Regierungsoberhäuptern geschickt, weil er weder ausgedehnte Flüge noch ermüdende Zeremonien mit anderen Staatsoberhäuptern durchzustehen vermochte.
Das Gipfeltreffen der GUS-Staaten in Aschchabad war für den 1. und 2. November angesetzt, aber buchstäblich am Vorabend des Ereignisses verkündete der Exekutivsekretär der GUS, Sergei Lebedew, die Verschiebung auf den 5. Dezember – ohne klar bezeichnete, wichtige Gründe. Abgesagt wurden bis Dezember auch andere Reisen Putins in die Türkei, nach Bulgarien und nach Indien, die für Oktober und November geplant gewesen waren.
Nach dem 7. Oktober – seinem 60. Geburtstag – hat Putin seine Residenz in Nowo-Ogarjowo für Fahrten zu offiziellen Veranstaltungen nur drei Mal verlassen, während er früher zwei bis vier Mal monatlich in die Regionen der Russischen Föderation sowie ins Ausland gereist war.
Zum Gipfeltreffen der APEC auf der Insel Russki konnte unser Held nur mit großer Mühe erscheinen, wobei er sichtbar hinkte. Sofort tauchten verschiedene neue Mutmaßungen darüber auf, was mit dem nicht mehr ganz jungen Organismus des »Anführers der russischen Nation« los sei. Die Nachrichtenagentur Reuters teilte mit, Putin habe Rückenschmerzen und müsse operiert werden. Der Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, dementierte dies. Er erklärte das Hinken des Staatsoberhauptes beim Gipfeltreffen der APEC mit einer banalen Sportverletzung.
Am weitesten verbreitete sich jedoch die Version, der Grund für die Beschwerden sei Putins Flug mit den Kranichen gewesen. Am 6. Oktober hatte sich Putin an einem sehr exotischen ornithologischen Experiment mit dem Namen »Flug der Hoffnung« beteiligt. Höchstpersönlich war er auf einem Motordrachen einer Schar von Schneekranichen vorangeflogen und hatte den Vögeln die Richtung auf ihrem Flug in ihr Winterquartier gewiesen. Nach Meinung von Ärzten und einfachen Sympathisanten war der russische Präsident unglücklich auf der Erde aufgekommen und hatte sich ernsthaft die Wirbelsäule verletzt.
Viele, die Putin schlecht gesinnt sind, reagierten auf diese Neuigkeit mit üblen Scherzen. In einem russischen Blog war zu lesen: »Böse Zungen behaupten, der höchsten Gottheit seien nach dem Flug mit den Schneekranichen Schwanz und Federn gewachsen! Der unumkehrbare Prozess der Reinkarnation als Kranich zu Lebzeiten ist typisch für Bodhisattva, Fisch und Avatar.«
Der bekannte Schriftsteller und radikale linke Politiker Eduard Limonow äußerte als einer der Ersten den Verdacht, Putin könne einen Bandscheibenvorfall erlitten haben. Folgendes schrieb er in seinem Artikel auf Slon.ru:
»Das Einzige, was als langwierig, übel und völlig unheilbar gilt, ist diese ekelhafte Sache, die die Medizin als Bandscheibenvorfall kennt. Ein Bandscheibenvorfall bildet sich entweder allmählich heraus, durch unbequemes Sitzen bei der Arbeit im Laufe von vielen Jahren, oder durch eine jähe Verletzung, die durch eine starke physische Einwirkung auf das Rückgrat hervorgerufen wird. Zum Beispiel durch das plötzliche Heben einer großen, die Kräfte übersteigenden Last oder, das ist eine […] Vermutung, durch das ungeschickte Aufsetzen eines sechzigjährigen Präsidenten mit einem Deltagleiter.
Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls im Lendenwirbelbereich des Rückgrats sind folgende (ich zitiere aus einem medizinischen Wörterbuch): Taubheit der Zehen, Schmerzen im Unterschenkel oder in der Ferse, Taubheitsgefühl in der Leistengegend, Schmerzen im Bein, meist dorsal, seltener ventral oder lateral bis in den Oberschenkel hinein, ständiger Schmerz im Lendenwirbelbereich.
Ja, mit einer solchen Ansammlung von Schmerzen lässt es sich nicht so munter durch die Provinz und ins Ausland reisen. Wodurch werden diese Schmerzen konkret hervorgerufen? Durch ein posttraumatisches Hervortreten der Bandscheibe mit einem daraus resultierenden Riss des Faserrings und Verschiebung oder Ausfließen des Gallertkerns – das klingt bedrohlich.
Im Weiteren wird es noch düsterer. In der Struktur des Faserrings entstehen radiale Risse, die Höhe und Festigkeit der Bandscheibe ist herabgesetzt, […] allmählich bildet sich ein Ödem, und die Durchblutung in diesem Bereich ist gestört. […] Mit der Zeit werden die Schmerzen, die in der eingeklemmten Nervenwurzel entstehen, so wahrgenommen, als entstünden sie im Bein.
Die Schmerzen können einhergehen mit Empfindungs- und vegetativen Störungen (erhöhte Schweißabsonderung oder Trockenheit der Haut, Kälteempfindung und mäßige Schwellung) sowie mit einer wachsenden Muskelschwäche. Manchmal sind die Funktionen der Beckenorgane gestört, weil ein Teil des Nervs durch den Druck nicht funktioniert. Die klinischen Erscheinungsformen der Krankheitssymptome zeigen sich im Frühstadium als Reizung und im fortgeschrittenen Stadium als Funktionsausfall.
Von welchen Funktionen hier die Rede ist, habe ich nicht verstanden. Aber die Gereiztheit von Wladimir Wladimirowitsch über uns alle, über die ungehorsame, störrische Bevölkerung, habe ich schon oft in seinem Gesicht beobachtet.
Die Chinesen, eine alte Zivilisation, die für alle Zwischenfälle des Lebens eine Reihe von Übungen weiß, empfehlen bei einem Bandscheibenvorfall entweder »Zigun« oder »Tai Chi«. Wenn ich mich also in meiner Diagnose nicht geirrt habe, werden wir bald einige Besuche unseres Präsidenten in der Volksrepublik China erleben können. Wir werden sehen.
Ich bin also folgender Ansicht: Bei seiner Landung kommt es beim Piloten (oder den Piloten, denn Wladimir Wladimirowitsch flog nicht allein) unvermeidlich zu einer großen Belastung der Wirbelsäule, und zwar im Lendenwirbelbereich. Es gibt einen jähen Aufprall, die Wirbel der Wirbelsäule stoßen aufeinander, es kommt zum oben erwähnten »Hervortreten der Bandscheibe mit einem daraus resultierenden Riss des Faserrings« und zu allem Weiteren, an dem der Präsident der Russischen Föderation leidet.«
An der Polemik beteiligte sich auch der gut informierte Chefredakteur des einflussreichsten politischen russischen Radiosenders Echo Moskau, Alexei Wenediktow. Wie man weiß, hat dieser Mann, der über recht gute Quellen innerhalb des Kremls verfügt, zu Putin ein etwas zauderndes Verhältnis – er ist dem Präsidenten dafür dankbar, dass er im Großen und Ganzen die redaktionelle Freiheit von Echo Moskau faktisch nicht einschränkt, obwohl die Anteilsmehrheit der Aktien am Radiosender zu Putins Domäne gehört, nämlich der Firma Gazprom. Wenediktow sagte in einer Sendung seiner Radiostation Folgendes:
Da Putin oft im Fernsehen gezeigt wird, konnte jeder sehen, dass der Präsident seine Rückenprobleme bereits vor dem Flug mit den Schneekranichen bekam. Ich möchte unsere Hörer nur an eine Geschichte erinnern. Anfang September überreichte der Präsident Regierungsauszeichnungen (es war eine lange Liste), was auf Westi 24 übertragen wurde. Mir fiel auf, dass er stand und sich dabei die ganze Zeit an seinem Pult festhielt. Er heftete die Orden an, dann stellte er sich wieder an sein Pult und legte seine Hand darauf … und hielt sich fest … Dann verließ er die Veranstaltung nach der Hälfte, was aus meiner Sicht beispiellos war. Sergei Borissowitsch Iwanow überreichte die restlichen Auszeichnungen … Danach wurde mir klar, dass es tatsächlich Probleme gibt und sie ernsthaft sind, denn Putin ist in diesem Sinne ein duldsamer Mensch, der bereits alle möglichen Sportverletzungen überstanden hat. Es ist also ernst. Das war für mich die erste Alarmglocke.
Die Geschichte mit den Schneekranichen – ich weiß einfach, dass jede Menge Leute versucht haben, diejenigen, die Einfluss auf seine Entscheidungen nehmen, nicht nur zu überreden, die Sache abzusagen, sondern ihnen geradezu zu Füßen lagen und darum baten, er möge es nicht tun, und zwar wegen des Rückens. Wie gewöhnlich blieb er unnachgiebig, und beim Training stürzte er ziemlich hart. Es gab einen Aufprall, einen starken Schmerz, wie man mir erzählte. Und trotzdem beharrte er darauf zu fliegen …
Wenediktow ist aus meiner Sicht der niemandem genau bekannten Wahrheit näher als Limonow. Schon allein deswegen, weil die systematischen Ausfälle und Verschiebungen von Putins Auslandsreisen schon lange vor dem Flug mit den Schneekranichen angefangen hatten – man denke an den G8-Gipfel, die Olympiade in London und so weiter.
Einige russische Beobachter sind auch der Überzeugung, der »Anführer der Nation« habe einen Schlaganfall gehabt. Im Oktober 2012 tauchte im Twitter-Mikroblog der Moskauer Stadtratsabgeordneten Natalja Tschernyschewa die Mitteilung auf, der russische Präsident Wladimir Putin habe einen Schlaganfall erlitten. Dieser Tweet stieß auf starke Resonanz. »Telegramm! Gerade wurde mitgeteilt, dass ein Gerücht verbreitet wird, Putin habe einen massiven Schlaganfall erlitten. Das Gerücht kommt aus der Präsidentenadministration. Die Quelle berichtet, die Bosse packen ihre Koffer«, schrieb Tschernyschewa und merkte dabei an, dass die »Information unsicher« sei. Diese »Neuigkeit«, die keine auch nur halboffizielle Quelle bestätigte, wurde von multinationalen Bloggern aufgegriffen und kommentiert.
Damals erinnerten sich auch viele daran, dass Putin 2010 in der Funktion als Ministerpräsident seines zeitweisen Nachfolgers Medwedew bei seinem Kiew-Besuch mit deutlich sichtbaren blauen Flecken an den Schläfen auf der Pressekonferenz erschienen war. Dabei hatte man Putin gut geschminkt – auch das war dem wissbegierigen Auditorium aus ukrainischen und internationalen Journalisten nicht entgangen. Aber die massiven Hämatome konnte man durch die Schminke hindurch sehen.
Der dienstbeflissene Pressesprecher Peskow hatte gemäß seiner Gewohnheiten und seiner trägen Fantasie verkündet, sein Patron habe bei seinem Judo-Training einige leichte Schläfenprellungen beim Sturz auf die Matte erlitten. Dabei blieb völlig unklar, wie man sich auf einer weichen Matte derartige Prellungen zuziehen kann, die auch noch symmetrisch angeordnet sind – an beiden Schläfen gleichzeitig. Nach der Logik von Dmitri Peskow hätte man meinen müssen, der Kampfgegner habe das Gesicht Putins von verschiedenen Seiten so lange auf die Matte gestoßen, bis der gewünschte Effekt erzielt war.
Allerdings erklärten mir am selben Tag die ukrainischen plastischen Chirurgen, die sich um die Behandlung von Expräsident Viktor Juschtschenko gekümmert hatten, überaus einleuchtend, was die Ursache gewesen sein kann. Die blauen Flecken, sagten sie, sind ein deutliches Symptom für die Anwendung von Botox, das aus dem Gift Curare hergestellt und zu Entfernung und Vermeidung von Falten verwendet wird. Von da an fiel fast allen auf, dass Putins Gesicht übermäßig glatt und blutarm geworden war und das russische Staatsoberhaupt sich selbst nicht mehr ähnlich sah. Nun kann er nicht mehr wie früher breit lächeln, selbst wenn er etwas sehr komisch finden sollte. Ja, das Gesicht ist glatt geworden, wirkt dabei aber nicht mehr lebendig.
Seither hat die russische Opposition für den »Anführer der Nation« einen neuen Spitznamen: »Mister Botox«. Viele gut informierte Quellen gehen davon aus, Putin habe sich bei der Korrektur seines äußeren Erscheinungsbildes von einem seiner besten politischen Freunde und Partner im Westen leiten lassen. Silvio Berlusconi, der 16 Jahre älter ist als Putin und sich eifrig um ein Image als Playboy bemüht, nahm die Dienstleistungen plastischer Chirurgen mehr als einmal in Anspruch.
Vielen aufmerksamen Beobachtern ist nicht entgangen, dass Putin oft nicht mehr wie er selbst aussieht. Wenn sie ausreichend Wodka getrunken haben, erzählen die Mitarbeiter von Putins Sicherheitsdienst, dem sogenannten Föderalen Dienst für Bewachung, Putin nutze ein System von Doppelgängern. Damit könne er seine chronischen Krankheiten und seine gesundheitlichen Probleme verbergen.
Man muss sich nur folgende Links anschauen, um zu sehen, dass die Menschen, die auf den Fotos mit Putins Namen abgebildet sind, wenig Gemeinsames haben.
•http://aangirfan.blogspot.de/2011/10/putins-double.html
•http://raznesi.info/blog/post/2297
Auf dieser Website kann man vier völlig verschiedene Menschen erkennen. Sie haben unterschiedliche Schädelformen (Breite der Augenhöhlen, Form des Kinns, Form der Wangenknochen), der Umfang des Weichteilgewebes und der Gesichtsknorpel differiert (Nasenflügel, Lippen, Wangen), sie haben verschiedene Haaransätze (Kopfhaar und Augenbrauen), Farbe und Ausdruck der Augen unterscheiden sich. Was kann man zu diesen Fotos sagen, wenn auf den offiziellen Websites der Regierung offenbar verschiedene Menschen gezeigt werden? Auf dem Foto- und Videomaterial, das der Kreml nach 2000 zur Verfügung stellt, sind mindestens vier verschiedene Menschen zu sehen, die unterschiedlich viel Ähnlichkeit mit Putin aufweisen.
Ich möchte noch einmal wiederholen, dass diese Ansicht nicht von mir, sondern von den betrunkenen Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes stammt. Und wenn sie stimmt, dann ist nicht ganz zu verstehen, warum man die Doppelgänger nicht zum G8-Gipfeltreffen, zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London oder zur Konferenz der GUS-Staaten nach Aschchabad geschickt hat. Denn einen sakralen Text vom Papier ablesen, wie es Putin selbst tut, kann schließlich auch ein Doppelgänger, besonders wenn er noch in der sowjetischen Zeit irgendeine Hochschulbildung erwerben konnte.
Das heutige Schicksal von Wladimir Putin im Kontext seines instabilen Gesundheitszustands erinnert immer mehr an das Los des unvergesslichen »geliebten Führers« von Nordkorea, Kim Tchen Ir. Viele Jahre lang erzählte man sich, der Diktator der Demokratischen Volksrepublik Korea, der 1994 an die Macht gekommen war, leide an Krebs. Offiziell hat Pjöngjang das dementiert, auch wenn Kim Tchen Ir sichtlich abmagerte. Als der »geliebte Führer« im Dezember 2011 mit 69 Jahren starb, konnte man es kaum glauben. Damals trauerte ganz Nordkorea; nach Aussagen der Staatsführung schluchzten in den Wäldern sogar Bären und Eichelhäher. Aber das Wichtigste war: Die Truppen der Republik Korea (Südkorea) und Japans wurden im Zusammenhang mit Kim Tchen Irs Ableben in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, als fürchteten sie, die Armee der Demokratischen Volksrepublik Korea könne ohne ihren Führer die psychoemotionalen Ufer übertreten und einen lokalen, aber blutigen Krieg anzetteln.
Ich denke nicht, dass irgendwelche starken Veränderungen von Putins Zustand bestimmte Länder dazu bringen, ihre bewaffneten Streitkräfte in Kampfbereitschaft zu versetzen. Die russische Armee, die ein durchaus kühles Verhältnis zu ihrem Oberbefehlshaber pflegt, wird sich ganz sicher nicht von der Stelle bewegen. Auch ist es noch zu früh zu mutmaßen, ob die russischen Bären oder gar die Schneekraniche in ein allgemeines Klagelied ausbrechen werden. Aber die Einheiten des Föderalen Diensts für Bewachung und des russischen Innenministeriums wird man in den Kasernen sammeln können. Der Krieg um Putins Erbe innerhalb der Eliten wird alles andere als spaßig werden.