Neunter Auftritt

Lomellin kommt.

Lomellin (kuesst der Julia die Hand). Verzeihung fuer meine Dreistigkeit, gnaedige Frau. (Zum Gianettino gekehrt.) Gewisse Dinge, die sich nicht aufschieben lassen-Gianettino (nimmt ihn bei Seite. Julia tritt zornig zu einem Fluegel und spielt ein Allegro). Alles angeordnet auf morgen?

Lomellin. Alles! Prinz. Aber der Kurier, der heute frueh nach Levanto flog, ist nicht wieder zurueck. Auch Spinola ist nicht da. Wenn er aufgefangen waere!-Ich bin in hoechster Verlegenheit.

Gianettino. Besorge nichts. Du hast doch die Liste bei der Hand?

Lomellin (betreten). Gnaediger Herr-die Liste-ich weiss nicht-ich werde sie in meiner gestrigen Rocktasche liegen haben-Gianettino. Auch gut. Waer' nur Spinola zurueck. Fiesco wird morgen frueh todt im Bette gefunden. Ich hab' die Anstalt gemacht.

Lomellin. Aber fuerchterlich Aufsehen wird's machen.

Gianettino. Das eben ist unsre Sicherheit, Bursche. Alltagsverbrechen bringen das Blut des Beleidigten in Wallung, und Alles kann der Mensch. Ausserordentliche Frevel machen es vor Schrecken gefrieren, und der Mensch ist nichts. Weisst du das Maerchen mit dem Medusakopf? Der Anblick macht Steine-Was ist nicht gethan, Bursche, bis Steine erwarmen.

Lomellin. Haben Sie der gnaedigen Frau einen Wink gegeben?

Gianettino. Pfui doch! die muss man des Fiesco wegen delicater behandeln. Doch, wenn sie erst die Fruechte verschmeckt, wird sie die Unkosten verschmerzen. Komm! ich erwarte diesen Abend noch Truppen von Mailand und muss an den Thoren die Ordre geben. (Zur Julia.) Nun, Schwester, hast du deinen Zorn bald verklimpert?

Julia. Gehen Sie! Sie sind ein wilder Gast.

(Gianettino will hinaus und stoesst auf Fiesco.)

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