Kapitel 77.

Robert Langdon stolperte in das private Badezimmer, das ans Amtszimmer des Papstes angrenzte. Er wusch sich das Blut vom Gesicht und den Lippen. Es war nicht sein eigenes Blut. Es war das Blut von Kardinal Lamasse, der soeben mitten auf dem belebten Platz vor dem Petersdom auf grauenvolle Weise gestorben war. Jungfräuliche Opfer auf den Altären der Wissenschaft. Bis jetzt hatte der Mörder seine Drohungen in die Tat umgesetzt.

Langdon fühlte sich kraftlos, als er in den Spiegel sah. Seine Augen waren verhangen, und auf seinen Wangen zeigten sich Stoppeln. Das Badezimmer um ihn herum war makellos und luxuriös - schwarzer Marmor, goldene Armaturen, Baumwollhandtücher, duftende Seife.

Langdon versuchte, das Bild des blutigen Brandmals zu verdrängen, das er soeben gesehen hatte. Air. Luft. Das Bild blieb beharrlich. Er hatte drei Ambigramme gesehen, seit er an diesem Morgen aufgewacht war - und er wusste, dass noch zwei weitere auf ihn warteten.

Draußen vor der Tür fand eine erregte Debatte statt. Der Camerlengo, Hauptmann Rocher und Oberst Olivetti schienen darüber zu streiten, was als Nächstes zu tun sei. Allem Anschein nach war die Suche nach dem Antimateriebehälter bis zum jetzigen Zeitpunkt erfolglos gewesen. Entweder hatten die Schweizergardisten den Behälter übersehen, oder der Eindringling war tiefer in den Vatikan vorgedrungen, als Oberst Olivetti zugeben wollte.

Langdon trocknete sich Gesicht und Hände ab. Dann wandte er sich um und suchte nach einem Urinal. Es gab keins. Nur eine gewöhnliche Toilettenschüssel. Er hob den Deckel.

Während er dort stand, wich die Anspannung aus seinem Körper, und eine Welle der Erschöpfung breitete sich in ihm aus. Die Emotionen in seinem Innern waren zu widerstreitend, zu viele auf einmal. Er war müde, hatte zu lange nichts mehr gegessen, zu wenig geschlafen und war durch zwei Morde traumatisiert. So hatte er sich die Suche nach dem Weg der Erleuchtung nicht vorgestellt. Langdon spürte wachsendes Entsetzen darüber, was am Ende dieses Dramas möglicherweise herauskam.

Denk nach, spornte er sich an. Doch sein Verstand war leer.

Als er die Wasserspülung betätigte, kam ihm ein unerwarteter Gedanke. Das ist die Toilette des Papstes, dachte er und musste unwillkürlich kichern. Der heilige Thron.

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