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Wenn ich noch benommen von den Büchern aufschaue, in die ich anderer Leute Rechnungen schreibe und das Fehlen eigenen Lebens, verspüre ich bisweilen ein starkes physisches Unwohlsein, das von meiner gebückten Haltung herrühren mag, aber über die Zahlen und meine Enttäuschung hinausweist. Das Leben ekelt mich wie ein nutzloses Medikament. Dann wiederum fühle ich, ja, kann mir genau vorstellen, wie leicht ich mich von diesem Ekel kurieren könnte, besäße ich nur die Kraft, es wirklich zu wollen.

Wir leben durch unser Handeln, das heißt durch unseren Willen. All jene von uns, die nicht wollen können – Genies oder Bettler –, verbrüdert das Unvermögen. Wozu mich als Genie ausgeben, wenn ich doch nur Hilfsbuchhalter bin? Als Cesário Verde[17] seinem Arzt sagen ließ, er sei nicht Herr Verde, der kaufmännische Angestellte, sondern der Dichter Cesário Verde, bediente er sich Worten nutzlosen Stolzes, die, wie alle Worte dieser Art, penetrant nach Eitelkeit riechen. Der Ärmste, war und blieb doch immer Herr Verde, der kaufmännische Angestellte. Der Dichter wurde erst nach seinem eigenen Tod geboren, denn erst dann begann man ihn als Dichter zu schätzen.

Handeln, das ist wahre Klugkeit. Ich werde sein, was ich will. Doch muß ich auch wollen, was immer es sein mag. Der Erfolg liegt im Erfolghaben, nicht in der Möglichkeit zum Erfolg! Jedes größere Stück Land ist ein möglicher Standort für einen Palast, doch solange man ihn dort nicht errichtet, wird es ihn auch nicht geben!


Mein Stolz wurde von Blinden gesteinigt, meine Enttäuschung von Bettlern mit Füßen getreten.


»Ich will dich nur im Traum«, sagen der geliebten Frau in nie an sie geschickten Versen jene, die es nicht wagen, ihr nichts zu sagen. »Ich will dich nur im Traum« ist ein Vers aus einem alten Gedicht von mir. Ich nehme diese Erinnerung mit einem Lächeln ins Bewußtsein auf, und nicht einmal dieses Lächeln erläutere ich.


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