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Ich weiß nicht, welch vage Liebkosung – je weniger sie liebkost, um so sanfter ist sie – mir die unstete Brise des Abends an Stirn und Verständnis fächelt. Ich weiß nur, daß mir der Überdruß, unter dem ich leide, für einen Augenblick besser paßt als ein Kleidungsstück, das nicht länger auf einer Wunde scheuert.

Armselige Sensibilität, die von einer leichten Luftbewegung abhängt, um – wenn auch nur vorübergehend – Ruhe zu finden! Aber so ist es mit der Sensibilität der Menschen, und ich glaube nicht, daß unvermittelt gewonnenes Geld oder ein unerwartet geschenktes Lächeln für die Menschen mehr Gewicht haben, sie bedeuten anderen das, was mir just in diesem Augenblick eine flüchtige Brise bedeutet.

Ich kann ans Schlafen denken. Kann vom Träumen träumen. Sehe die Objektivität aller Dinge klarer. Mache mir mein Gefühl für das Äußere des Lebens entspannter zunutze. Und das nur, weil sich die Brise kurz vor der Straßenecke drehte und mir jetzt heiter über die Haut streicht.

Alles, was wir lieben oder verlieren – Dinge, Wesen, Bedeutungen –, streift unsere Haut und gelangt so in unsere Seele, und dieses Geschehen ist in Gott nur die Brise, die mir eine vermeintliche Erleichterung bringt, einen günstigen Augenblick und die Kraft, alles mit Bravour verlieren zu können.


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