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Wir vergöttern die Vollkommenheit, da sie für uns unerreichbar ist; erreichten wir sie, wiesen wir sie von uns. Das Vollkommene ist unmenschlich, denn das Menschliche ist unvollkommen.
Der dumpfe Haß auf das Paradies – und dann, wie bei der armen Unglücklichen, das Hoffen auf eine ländliche Landschaft im Himmel. Denn weder abstrakte Ekstasen noch Wunder des Absoluten können eine fühlende Seele bezaubern; es sind vielmehr die Hütten und Hänge der Berge, die grünen Inseln blauer Meere, die Wege unter Bäumen und geruhsam lange Stunden auf alten Gütern, selbst wenn wir sie nie besitzen. Wenn es keine Erde im Himmel gibt, ist es besser, es gibt keinen Himmel. Dann soll alles nichts sein, und der Roman ohne Handlung soll enden.
Um Vollkommenheit zu erreichen, bedürfte es einer Kälte, die nicht menschlich ist, mit ihr aber würde das menschliche Herz erfrieren, das die Vollkommenheit lieben könnte.
Andächtig bewundern wir das Streben großer Künstler nach Vollkommenheit. Wir lieben dieses sich Annähern ans Vollkommene, insbesondere aber, weil es nur ein Annähern ist.