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Der Irrsinn, den man Bejahung nennt, die Krankheit, die man Glauben nennt, die Niedertracht, die man Glücklichsein nennt – all das riecht nach Welt, schmeckt nach diesem traurigen Etwas, das Erde heißt.

Sei gleichgültig. Liebe den Sonnenuntergang und den Tagesanbruch, denn es ist nicht von Nutzen, sie zu lieben, nicht einmal für dich. Kleide dein Wesen in das Gold des verlöschenden Tages wie ein König, entthront an einem Rosenmorgen, mit dem Mai in weißen Wolken und dem Lächeln der Jungfrauen entlegener Güter. Dein Sehen möge erlöschen zwischen Myrthen, dein Überdruß vergehen zwischen Tamarinden, und das Geräusch des Wassers begleite all dies wie eine Dämmerung an den Ufern des Flusses, dessen einziger Sinn im Fließen besteht, unaufhörlich hin zu fernen Fluten. Der Rest ist das Leben, das uns verläßt, die Flamme, die in unserem Blick erlischt, der Purpur, abgetragen, noch ehe wir ihn tragen, der Mond, der auf unsere Verlassenheit scheint, die Sterne, die ihre Stille über die Stunde unserer Ernüchterung breiten. Stets eifrig, der fruchtlose, freundliche Kummer, der uns liebevoll ans Herz drückt.

Der Niedergang ist mir Bestimmung.

Mein Besitz lag einst in tiefen Tälern. Die Musik des Wassers, das niemals Blut kannte, berieselt meine Träume. Das Leben vergessende Laub der Bäume war allzeit grün in meinem Vergessen. Der Mondschein floß dahin wie Wasser zwischen Steinen. Niemals gelangte die Liebe in dieses Tal, daher war das Leben dort glücklich. Keine Liebe, keine Träume, keine Götter in Tempeln – ich wanderte dahin im sanften Wind und der unteilbaren Stunde, und ohne jede Sehnsucht nach einem noch so trunkenen, verborgenen Glauben.


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