113



Zwei, drei Tage, ähnlich dem Beginn einer Liebe …


Für den Ästheten einzig wegen der Empfindungen, die solches bei ihm auslöst, von Interesse. Weiterzugehen hieße den Bereich von Eifersucht, Leid und Erregung betreten. In diesem Vorzimmer der Gefühle findet man die ganze Süße der Liebe ohne ihre Tiefe – einen leichten Genuß mithin, ein vages Aroma von Wünschen; und wenn auf diese Weise alles Große verlorengeht, das der Tragik jeder Liebe innewohnt, so vergesse man nicht, daß der Ästhet Tragödien zwar mit Interesse verfolgt, aber nur ungern selbst erleidet. Die Sorge um die eigene Befindlichkeit verringert die Sorge um die Phantasie. Es herrscht, wer sich über das Gewöhnliche erhebt.

Ich könnte mich durchaus mit dieser Theorie anfreunden, wäre ich davon zu überzeugen, daß sie nicht ist, was sie ist, nämlich ein aufwendiger Lärm, den ich vor den Ohren meines Verstandes veranstalte, damit er gewissermaßen nicht merkt, daß der Grund für all dies meine Scheu und meine Lebensunfähigkeit ist.


Загрузка...