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Wir wissen nicht einmal, ob, was mit dem Tag endet, nicht in uns sein Ende nimmt als unnützer Schmerz oder ob wir nur ein Trugbild sind zwischen Schatten und die Wirklichkeit nicht nur die große Stille ohne Wildenten ist, die sich über die Seen senkt, an denen Schilfrohr steht, bevor es bricht. Nichts wissen wir, nicht einmal die Erinnerung an die Geschichten unserer Kindheit bleibt, nur Algen, und schon naht die Liebkosung künftiger Himmel, ein Lufthauch, in dem Unbestimmtheit sich langsam zu Sternen öffnet. Die Votivlampe flackert ungewiß im verwaisten Tempel, die Teiche verlassener Güter werden in der Sonne zu stehenden Gewässern, keiner kennt mehr den einst in den Baumstamm geritzten Namen, die Privilegien der Unbekannten wurden wie schlecht zerrissenes Papier über die Landstraßen verweht, aufgehalten nur von zufälligen Hindernissen. Andere werden sich aus demselben Fenster lehnen wie andere vor ihnen; und wer den finsteren Schatten vergessen hat, wird weiterschlafen und sich nach der Sonne sehnen, die er nie kannte; und ich, der ich wage, ohne zu handeln, werde sterben ohne Reue, im feuchten Schilf, beschmutzt vom Schlamm des nahen Flusses und meiner dumpfen Müdigkeit, unter weiten Herbstabenden, an unmöglichen Grenzen. Und durch all dies hindurch werde ich hinter meinem Tagtraum wie ein Zischen nackter Angst meine Seele spüren – ein klares, tiefes Heulen, vergeblich im Dunkel der Welt.


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