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Nicht kalt und nicht warm stieg der Morgen auf zwischen den wenigen Häusern außen an den Hängen der Stadt. Ein leichter, hellwacher Nebel zerriß über den schlaftrunkenen Hügeln in konturlose Fetzen. (Nicht die Luft war kalt, nur der Zwang, das Leben wieder aufzunehmen.) Und all dies, dieser taufrische, beschwingte Morgen, war wie von einer Heiterkeit, die er niemals hatte empfinden können.

Die Straßenbahn fuhr langsam hügelab in Richtung der Avenidas. Je näher er den immer dichter stehenden Häusern kam, desto stärker ergriff ihn ein unbestimmtes Gefühl von Verlust. Die menschliche Realität wurde zusehends sichtbar.


In diesen frühen Morgenstunden, wenn die nächtlichen Schatten verflogen sind, nicht aber ihre leichte Last, sehnt sich der Geist, angesteckt vom Augenblick, nach Ankunft und dem alten Hafen in der Sonne. Er wünschte sich weniger, die Zeit stünde still, wie bisweilen für Augenblicke in einer feierlichen Landschaft oder wenn der Mond friedlich auf den Fluß scheint, als vielmehr ein anderes Leben, dann wäre dieser Augenblick vielleicht von einer anderen, ihm verwandteren Farbe gewesen.

Der ungewisse Nebel löste sich mehr und mehr auf. Die Sonne ergriff mehr und mehr Besitz von den Dingen. Die Stimmen des Lebens ringsum wurden deutlicher.

In solchen Augenblicken wünschte man sich, niemals in der menschlichen Wirklichkeit anzukommen, der Bestimmung unseres Lebens. In der Schwebe verharren, unwägbar zwischen Nebel und Morgen, nicht im Geist, sondern im vergeistigten Körper, in einem beschwingten, wirklichen Leben – dies würde mehr als alles andere unser Verlangen nach Zuflucht befriedigen, selbst wenn es grundlos ist.

Jede subtile Empfindung macht uns gleichgültig, nicht nur gegenüber dem für uns Unerreichbaren, nämlich Empfindungen, für die unsere Seele noch zu embryonal ist, für menschliches Handeln, das sich mit tiefem Empfinden deckt, für Passionen und Emotionen, die verlorengegangen sind bei der Verwirklichung anderer Dinge.


Die Baumreihen entlang der Avenidas blieben von all dem unberührt.


Die Morgenstunde endete in der Stadt wie der Hang auf der anderen Seite des Flusses, wenn die Fähre dort anlegt. Während der Überfahrt war das zurückbleibende Ufer von der Reeling aus zu sehen, es entschwand erst mit dem Geräusch des Aufpralls an der Kaimauer. Ein Mann mit bis über die Knie hochgekrempelten Hosen befestigte das Tau an einem Haken, seine Bewegung hatte etwas Natürliches, Endgültiges, Abschließendes. Sie mündete metaphysisch gesehen in meiner seelischen Unfähigkeit, mich weiter einer zweifelhaften Lebensangst zu erfreuen. Die Jungen am Kai sahen uns an wie einen x-beliebigen Menschen, dem der nützliche Aspekt von Anlegemanövern keine derartig unangemessene Empfindung entlocken würde.


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