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Um die Wonne und den Schrecken der Geschwindigkeit zu empfinden, benötige ich weder schnelle Automobile noch schnelle Züge. Mir genügen eine Straßenbahn und das erstaunliche Abstraktionsvermögen, das ich besitze und pflege.
In einer fahrenden Straßenbahn erlaubt mir meine analytische Kapazität – stets vorhanden und allzeit abrufbar –, die Vorstellung, die ich von der Straßenbahn und von der Geschwindigkeit habe, zu trennen, ja, so gänzlich zu trennen, daß sie zu zwei verschiedenen Real-Dingen werden. Ist dies geschehen, fahre ich nicht mehr in der Straßenbahn, sondern in ihrer reinen Geschwindigkeit. Und sollte es mich, dessen müde geworden, nach einem Geschwindigkeitsrausch gelüsten, kann ich diese Idee in die reine Nachahmung von Geschwindigkeit übertragen und sie nach Belieben erhöhen oder verringern, ja, selbst über die schnellstmögliche Geschwindigkeit von Zügen hinaus vergrößern.
Mich wirklichen Gefahren auszusetzen macht mir angst, doch verstört mich weniger das übermäßige Angstgefühl als vielmehr die übermäßige Aufmerksamkeit für meine Empfindungen, sie behindert und entpersönlicht mich.
Ich gehe nie auf eine Gefahr zu. Ich habe Angst, der Gefahren überdrüssig zu werden.
Ein Sonnenuntergang ist ein intellektuelles Phänomen.