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Ich frage mich, wie viele wohl mit der gebührenden Aufmerksamkeit je eine menschenleere Straße voller Menschen betrachtet haben. Allein diese Ausdrucksweise scheint etwas anderes besagen zu wollen und will es in der Tat. Eine menschenleere Straße ist nicht etwa eine Straße, auf der niemand geht, sondern eine Straße, auf der Menschen gehen, als wäre sie menschenleer. Dies zu begreifen ist nicht schwer, sofern man es schon einmal gesehen hat, denn für den, der nur Esel kennt, ist ein Zebra unvorstellbar.

Unsere Empfindungen ändern sich entsprechend den Graden und Arten unseres Verständnisses. Bestimmte Arten des Verstehens erfordern bestimmte Arten des Verstandenwerdens.

An manchen Tagen steigt in meinem Kopf, gleichsam vom Boden unter meinen Füßen, ein Überdruß auf, ein Schmerz, eine Lebensangst, die ich nur deshalb nicht als unerträglich empfinde, weil ich sie tatsächlich ertrage. Allem Leben in mir wird die Luft abgeschnürt, mich verlangt, ein in allen Poren anderer zu sein, ich bekomme einen kurzen Vorgeschmack des Endes.


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