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Die Geschichte verweigert Gewißheit. Es gibt Zeiten der Ordnung, in denen alles niedrig, und Zeiten der Unordnung, in denen alles erhaben ist. Zeiten des Niedergangs sind reich an geistiger Unerschrockenheit, Zeiten der Stärke an intellektueller Schwäche. Alles vermischt und überschneidet sich, und die Wahrheit existiert nur als Vermutung.
So viele hohe Ideale sind auf den Mist gefallen, so viel aufrichtiges Streben ist in der Gosse gelandet!
Für mich sind Götter wie Menschen im heillosen Durcheinander eines ungewissen Schicksals gleich. Sie ziehen in diesem anonymen vierten Stockwerk durch meine Träume und bedeuten mir nicht mehr als denen, die an sie glaubten. Afrikanische Idole mit ungewissen, schreckensweiten Augen, Tiergötter der Wilden aus dem Busch, figürliche Darstellungen ägyptischer Symbole, helle griechische Gottheiten, starre römische Götter, Mithras, Herr der Sonne und der Emotion, Jesus, Herr der Konsequenz und der Karitas, verschiedene Versionen Christi, neue heilige Götter neuer Städte, alle ziehen vorüber, alle, in diesem Trauerzug (Wallfahrt oder Beerdigung) des Irrtums und der Illusion. Sie alle gehen dahin, gefolgt von Träumen, leeren Schatten, von denen die schlechtesten Träumer meinen, sie seien auf fruchtbaren Boden gefallen: armselige, gestalt- und seelenlose Begriffe – Freiheit, Menschheit, Glück, strahlende Zukunft, Sozialwissenschaft –, schleppen sie sich in dunkler Einsamkeit vorwärts, wie Blätter mitgeschleift von der Schleppe eines königlichen Gewandes, von Bettlern geraubt.