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Eine teure Zigarre mit geschlossenen Augen rauchen – das ist reich sein.
Wie einer, der an den Ort seiner Jugend zurückkehrt, kann ich mich mit einer billigen Zigarette vollständig an den Ort meines Lebens zurückversetzen, an dem ich solche Zigaretten rauchte. Das milde Aroma des Rauchs läßt meine gesamte Vergangenheit erneut lebendig werden.
Es kann auch eine bestimmte Süßigkeit sein. Ein schlichtes Schokoladenbonbon wirkt mitunter verheerend auf meine Nerven, durch das erschütternde Übermaß an Erinnerungen. Ja, die Kindheit! Und während sich meine Zähne in die dunkle, weiche Masse graben, kaue und koste ich das bescheidene Glück als fröhlicher Kamerad meiner Bleisoldaten, als Reiter, dem jedes Schilfrohr als Pferd zupaß kam. Tränen treten mir in die Augen, und zusammen mit der Schokolade schmecke ich mein verflossenes Glück, meine verlorene Kindheit, und gebe mich wohlig der Süße meines Schmerzes hin.
Die Einfachheit kann diesem Ritual meines Gaumens nichts von seiner Feierlichkeit nehmen.
Aber es ist der Rauch einer Zigarette, der mir Vergangenes am stärksten im Geiste wiedererschließt. Er streift nur das Bewußtsein meines Gaumens. So erweckt er, dichter und intensiver, alle jene Stunden, die ich starb zu neuem Leben, macht sie gegenwärtig, liegen sie länger zurück, vernebelt sie, umzingeln sie mich, vergeistigt sie, gebe ich ihnen Gestalt. Eine Mentholzigarette, eine billige Zigarre umwölken manchen dieser Augenblicke sanft. Mit welch subtiler und einleuchtender Kombination aus Aroma und Geschmack ich diese toten Szenerien auch wiederbelebe und erneut mit den Farben der Vergangenheit versehe, immer sind sie so sehr 18. Jahrhundert in ihrer trägen maliziösen Distanzierung, immer so mittelalterlich in ihrem unabänderlich Verlorenen!