133



… die Welt, ein Misthaufen instinktiver Kräfte, der dennoch in der Sonne glänzt, strohgolden, in hellen und in dunklen Tönen.


Wenn ich es recht bedenke, sind für mich Seuchen, Unwetter und Kriege Auswüchse ein und derselben blinden Kraft, die entweder mittels unbewußter Mikroben vorgeht, unbewußter Blitze und Wassermassen oder mittels unbewußter Menschen. Der Unterschied zwischen einem Erdbeben und einem Massaker ist für mich der gleiche wie zwischen einem Mord durch ein Messer und einem Mord durch einen Dolch. Das den Dingen innewohnende Ungeheuer setzt – zu seinem Vor- wie zu seinem Nachteil, was ihm scheinbar einerlei ist – einen Felsblock auf einem Berg in Bewegung wie auch Eifersucht oder Gier in einem Herzen. Der Felsblock fällt herab und tötet einen Menschen; Gier oder Eifersucht bewaffnen einen Arm, und der Arm tötet einen Menschen. So ist die Welt, ein Misthaufen instinktiver Kräfte, der dennoch in der Sonne glänzt, strohgolden, in hellen und in dunklen Tönen.

Um dieser brutalen Gleichgültigkeit entgegenzutreten, die offenkundig den Kern aller Dinge ausmacht, haben die Mystiker die Ablehnung entdeckt. Die Welt verneinen, ihr den Rücken kehren wie einem Sumpf, an dessen Rand wir stehen. Sie verneinen wie Buddha, ihr die absolute Wirklichkeit absprechen; sie verneinen wie Christus, ihr die relative Wirklichkeit absprechen; verneinen […]


Ich habe vom Leben einzig erbeten, nichts von mir zu verlangen. Vor der Hütte, die ich nicht hatte, setzte ich mich in die Sonne, die nie schien, und genoß das künftige Alter meiner müden Wirklichkeit (froh, daß es noch nicht soweit war). Noch nicht gestorben zu sein genügt den im Leben Armen, und noch hoffen zu können […]


[ …] mich am Traum nur erfreuend, wenn ich nicht träume, mich der Welt nur erfreuend, wenn ich fern von ihr träume. Schwingendes Pendel, vor und zurück, sich rastlos bewegend, um nie anzukommen, auf ewig gefangen im doppelten Verhängnis eines Mittelpunkts und einer nutzlosen Bewegung.


Загрузка...