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Metaphysische Theorien, die uns für einen Augenblick die Illusion vermitteln, wir hätten das Unerklärliche erklärt; moralische Theorien, die uns für eine Stunde mit der Überzeugung täuschen können, wir wüßten endlich, welche aller geschlossenen Türen zur Tugend führt; politische Theorien, die uns für einen Tag glauben machen, wir hätten ein Problem gelöst, obgleich es für kein Problem eine Lösung gibt, es sei denn in der Mathematik … Fassen wir also unsere Haltung dem Leben gegenüber in diesem bewußt fruchtlosen Handeln zusammen, in diesem Bemühen, das, wenn auch wenig erquicklich, uns doch zumindest davor bewahrt, die Gegenwart des Schmerzes wahrzunehmen.
Nichts kennzeichnet den Höhepunkt einer Zivilisation besser als die Erkenntnis ihrer Mitglieder von der Fruchtlosigkeit aller Anstrengung, denn Gesetze lenken uns, und nichts kann sie abschaffen noch verhindern. Vielleicht sind wir Sklaven, gefesselt an die Götter, die stärker sind als wir, aber nicht besser, und wie wir der Regentschaft eines abstrakten Schicksals unterworfen, erhaben über Güte und Gerechtigkeit und gleichgültig gegenüber Gut und Böse.