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Ungewiß und schweigend breitet sich die Stadt vor meinen sehnsüchtigen Augen aus.
Die Häuser, alle verschieden, bilden eine in sich ruhende Masse, ein regloses Auf und Ab im Perlmutt des ungewiß gefleckten Mondlichts. Dächer und Schatten, Fenster und Mittelalter. Für Vororte kein Platz. Auf allem Sichtbaren liegt ein Hauch von Ferne. Über mir die schwarzen Äste von Bäumen, und in meinem entmutigten Herz der Schlaf der ganzen Stadt. Lissabon im Mondlicht, und müde schon mein Morgen!
Was für eine Nacht! Wer auch immer Urheber der kleinen Dinge dieser Welt war, es hat ihm gefallen, daß die angenehmste Befindlichkeit, die schönste Melodie für mich dieser verlorene Moment im Mondlicht ist, in dem ich mich kennend nicht wiedererkenne.
Kein Lufthauch, kein Mensch unterbricht, was ich nicht denke. Ich bin so müde, wie ich munter bin. Nur meine Augenlider fühlen sich an, als mache sie etwas schwer. Ich höre mich atmen. Schlafe ich, oder bin ich wach?
Meine Füße heimwärts zu bewegen ist ein bleischweres Unterfangen meiner Sinne. Die Süße des Verlöschens, die Blume, Geschenk des Nutzlosen, mein nie ausgesprochener Name, meine Unruhe zwischen Ufern, das Privileg überlassener Pflichten und, hinter der letzten Biegung des uralten Parkes, wie ein Rosengarten das andere Jahrhundert.