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Wir werden aller Dinge müde, nur des Verstehens nicht. Der Sinn dieses Satzes ist mitunter schwer zu fassen.

Wir werden des folgernden Denkens müde, denn je mehr wir denken, analysieren, unterscheiden, desto weniger kommen wir zu einer Schlußfolgerung.

Wir verfallen dann in jenen Zustand der Trägheit, in dem wir nur noch verstehen wollen, was dargelegt wurde – eine ästhetische Haltung, denn wir wollen verstehen, ohne uns zu interessieren, ohne uns darum zu kümmern, ob das Verstandene wahr ist oder nicht; ohne in dem Verstandenen mehr zu sehen als die exakte Form seiner Darlegung, den Stellenwert der rationalen Schönheit nämlich, den es für uns hat.

Wir werden des Denkens müde, der eigenen Meinungen, des Denken-Wollens um des Handelns willen. Jedoch werden wir es nicht müde, wenn auch nur zeitweilig, fremde Meinungen zu haben, nur um ihren Einfluß zu spüren und nicht etwa, um ihrem Impuls nachzugeben.


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