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Manchen mag dieses von mir für mich geschriebene Tagebuch zu künstlich vorkommen. Aber alles Künstliche entspricht meinem Naturell. Womit sonst könnte ich mich unterhalten, wenn nicht mit dem sorgfältigen Aufzeichnen meines geistigen Lebens? Im übrigen ist die Sorgfalt, die ich darauf verwende, nicht allzu groß. Ich bemühe mich weder um eine besondere Anordnung noch um eine ausgefeilte Form. Ich denke dabei ganz selbstverständlich in der mir eigenen gewählten Sprache.

Ich bin ein Mensch, für den die äußere Welt eine innere Wirklichkeit ist. Ich nehme dies nicht metaphysisch wahr, sondern mit den Sinnen, mit denen wir die Wirklichkeit für gewöhnlich in uns aufnehmen.

Unsere Leichtfertigkeit von gestern ist heute eine beständige Sehnsucht, die mein Leben zermürbt.


In dieser Stunde liegen Klöster. Der Tag verlischt über unseren Ausflüchten. In den blauen Augen der Teiche spiegelt eine letzte Verzweiflung das Sterben der Sonne. So vielerlei waren wir in den alten Gärten; so sinnlich fanden wir uns wieder in der Gestalt der Statuen, im englischen Zuschnitt der Alleen. Gewänder, Florette, Perücken, Verbeugungen und Prozessionen, so sehr waren sie Teil unserer geistigen Substanz. Doch wer ist »wir«? Der Strahl, mehr nicht, im Brunnen des verlassenen Parks, beschwingtes Wasser, das nur schwer noch aufsteigt bei seinem traurigen Versuch zu fliegen.


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