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31. 5. 1932
Nicht auf den weiten Feldern oder in den großen Gärten sehe ich den Frühling kommen. Sondern auf den wenigen armseligen Bäumen eines kleinen städtischen Platzes. Dort hebt sich das Grün ab wie ein Geschenk und ist heiter wie eine rechte Traurigkeit.
Ich liebe diese einsamen Plätze, die sich zwischen Straßen mit geringem Verkehr schieben und selbst noch verkehrsärmer als diese Straßen sind. Es sind nutzlose Lichtungen, Dinge im Zustand der Erwartung, zwischen fernen Tumulten. Sie sind Dorf in der Stadt.
Ich überquere einen dieser Plätze, gehe eine der in ihn mündenden Straßen hoch und wieder hinunter, zurück zu ihm. Von der gegenüberliegenden Seite aus betrachtet, ist der Platz ein anderer, doch der gleiche Friede vergoldet mit plötzlicher Sehnsucht – in der untergehenden Sonne – die Seite, die ich zunächst nicht wahrgenommen hatte.
Alles ist unnütz, und ich empfinde es so. Was ich erlebt habe, ist mir entfallen, als hätte ich nur zerstreut davon gehört. Was ich sein werde, ruft nichts in mir wach, als hätte ich es bereits erlebt und wieder vergessen.
Ein Sonnenuntergang leichten Kummers umflort mich vage. Alles wird kühler, doch nicht, weil es abkühlte, nein, ich bin in eine enge Straße gebogen, und der Platz liegt hinter mir.