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23. 12. 1933


All diese unseligen Momente in unserem Leben, in denen wir lächerlich waren, unbeholfen oder schwer von Begriff, sollten wir im Licht innerer Heiterkeit betrachten, als eine Art Reisekrankheit. Wir sind Reisende in dieser Welt, freiwillige und unfreiwillige, zwischen nichts und nichts oder allem und allem, und sollten in unserer Eigenschaft als Passagiere nicht allzusehr achten auf die Unannehmlichkeiten des Unterfangens und die Unebenheiten der Wegstrecke. Mit diesem Gedanken tröste ich mich, vielleicht, weil er tröstlich ist, oder aber, weil ich mich mit ihm tröste. Doch auch eingebildeter Trost tröstet, denke ich nicht zuviel über ihn nach.

Zudem ist so vieles tröstlich! Der hohe blaue Himmel, heiter und rein, den immer die ein oder andere Wolke fleckt. Der leichte Wind der in der Natur die starren Äste bewegt und in der Stadt die Wäsche vor den vierten oder fünften Stockwerken flattern läßt. Die Wärme wenn es warm ist, und die Frische, wenn es frisch ist, und immer irgendwo eine Erinnerung mit ihrer Sehnsucht, ihrer Hoffnung und einem magischen Lächeln am Fenster der Welt, und das, was an die Tür unseres Seins klopfen möge wie Bettler, die Christus sind.


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