389
»Schöpfer von Gleichgültigkeiten« ist die Devise, die ich mir heute für meine Geisteshaltung wünsche. Ich wünschte, ich könnte mit meinem Tun im Leben andere insbesondere dahin gehend beeinflussen, mehr und mehr für sich selbst zu empfinden und weniger und weniger gemäß dem dynamischen Gesetz des Kollektivs … Ihnen jene geistige Asepsis vermitteln, dank derer sie immun bleiben gegen das Gewöhnliche, scheint mir die höchste Bestimmung zu sein für den Pädagogen innerer Disziplin, der ich gerne wäre. Mögen all jene, die mich lesen, lernen – nach und nach, wie es die Sache nahelegt –, angesichts der Meinungen und Blicke anderer nichts zu empfinden, dies wäre eine hinreichende Krönung des scholastischen Stillstands meines Lebens.
Meine Unfähigkeit zu handeln war für mich stets eine Krankheit metaphysischer Ätiologie. Alles Tun hatte für mein Empfinden der Dinge im äußeren Universum stets eine Störung, eine Spaltung zur Folge; jede Bewegung vermittelte mir stets den Eindruck, daß sie die Sterne nicht unberührt und die Himmel nicht unverändert ließe. Daher nahm für mich bereits früh die metaphysische Bedeutung der kleinsten Geste erstaunliche Ausmaße an. Und mein Tun erlangte unweigerlich eine transzendentale Aufrichtigkeit, die mir, seit sie fest in meinem Bewußtsein verankert ist, eine intensivere Beziehung zur greifbaren Welt verbietet.