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Es gibt Tage, an denen jeder Mensch, dem ich begegne, und noch mehr die Menschen, mit denen ich zwangsläufig Umgang habe, wie Symbole aussehen und entweder einzeln oder miteinander verbunden eine prophetische oder okkulte Schrift bilden, aufgezeichnet aus Schatten meines Lebens. Das Büro wird zu einer Seite mit Worten aus Menschen; die Straße ist ein Buch; die Worte, die ich mit gewohnten und ungewohnten Menschen wechsle, sind Phrasen, für die mir das Wörterbuch, nicht aber ganz das Verständnis fehlt. Sie sprechen und drücken etwas aus, aber sie sprechen nicht von sich selbst und drücken sich nicht selbst aus; es sind, wie gesagt, Worte, und sie zeigen nichts, sie lassen durchscheinen. Doch in meiner verdämmernden Vision gewahre ich nur undeutlich, was diese plötzlich auf der Oberfläche der Dinge enthüllten Glasscheiben von jenem Inneren erkennen lassen, das sie verhüllen und enthüllen. Ich begreife ohne Kenntnis, wie ein Blinder, dem man von Farben redet.

Bisweilen, wenn ich durch die Straßen gehe, vernehme ich Bruchstücke intimer Gespräche, und fast alle betreffen die andere Frau, den anderen Mann, den jungen Mann einer dritten oder die Geliebte eines vierten …

Beim bloßen Anhören dieser Schatten menschlicher Rede, worin sich erschöpft, womit sich die Mehrheit bewußter Menschen beschäftigt, überkommt mich Abscheu und Langeweile, eine Angst vor dem Exil unter Spinnen und das Bewußtsein, unter wirklichen Menschen erdrückt zu werden; ich fühle mich dazu verurteilt, dem Vermieter und den übrigen Mietern des Häuserblocks gegenüber ein gleichgestellter Nachbar zu sein, der angeekelt durch das hintere Gitter des Lagerraums den fremden Müll betrachtet, der sich bei Regen in dem Hinterhof stapelt, der mein Leben ist.


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