bannt auf das blicken, wovor sie Angst haben, und eben los-heulen wollen. Und diese unselige Lisaweta war dermaßen einfältig und ein für allemal verprügelt und verschreckt, daß sie nicht einmal die Hände hob, ihr Gesicht zu schützen, obgleich das in diesem Augenblick die natürlichste Gebärde gewesen wäre, denn das Beil war unmittelbar über ihrem Gesicht. Sie hob nur kaum merklich die Linke, die sie frei hatte, aber nicht bis zum Gesicht, und streckte sie langsam vor, ihm entgegen, als wollte sie ihn fortschieben. Der Schlag traf sie genau auf die Schläfe, mit der Schneide, und hieb sogleich den ganzen oberen Teil der Stirn durch, fast bis zum Scheitel. Sie brach zusammen. Raskolnikow war völlig außer sich; er griff nach dem Bündel, warf es wieder hin und eilte in den Flur.
Immer größere Furcht packte ihn, vor allem nach diesem zweiten, völlig unvorhergesehenen Mord. Er wollte nur mög-lichst rasch weg von hier. Und wenn er in diesem Augenblick fähig gewesen wäre, klarer zu sehen und zu überlegen; wenn er sich nur alle Schwierigkeiten seiner Lage hätte ausmalen können, alle Verzweiflung, den Ekel und den Wahnwitz die-ser Lage, und wenn er dabei hätte erkennen können, wie viele Hindernisse und vielleicht auch Übeltaten er noch zu überwinden und zu begehen haben würde, um von hier fortzukommen und nach Hause zu gelangen, dann hätte er höchstwahrscheinlich sofort alles liegen und stehen lassen und wäre gegangen, um sich selbst anzuzeigen – nicht etwa aus Angst um seine eigene Person, sondern einzig und allein aus Entsetzen über das, was er getan hatte, und aus Ekel davor. Besonders der Ekel stieg in ihm hoch und wuchs von Augen-blick zu Augenblick. Um keinen Preis der Welt wäre er jetzt wieder zu dem Koffer oder auch nur in das Schlafzimmer zurückgegangen.
Doch eine Art Verwirrung und Nachdenklichkeit bemäch-tigte sich allmählich seiner; für Minuten schien er sich selbst zu vergessen, oder besser gesagt, er vergaß alles, was wichtig war, und klammerte sich an Nichtigkeiten. Unter anderem blickte er in die Küche und sah dort auf der Bank einen Eimer stehen, halb voll Wasser, und kam auf den Gedanken,