geschlafen hatte, erwachte und fing zu weinen an. Der Knabe in der Ecke ertrug es nicht mehr, begann zu zittern, schrie auf und stürzte in furchtbarem Entsetzen, fast in einer Art Anfall, zu seiner Schwester. Die älteste Tochter zitterte vor Schlaftrunkenheit wie Espenlaub.
»Vertrunken hat er es! Alles vertrunken, alles!« rief die unglückliche Frau verzweifelt. »Und er trägt auch andere Kleider! Sie aber hungern, sie hungern!« Und sie wies hän-deringend auf die Kinder. »Oh, dieses verfluchte Leben! Und Sie, schämen Sie sich nicht?« fuhr sie plötzlich auf Raskolni-kow los. »Sie da aus der Kneipe! Hast du dort mit ihm ge-soffen? Bestimmt hast du mit ihm gesoffen! Hinaus!«
Der junge Mann ergriff hastig, und ohne ein Wort zu sa-gen, die Flucht. In diesem Augenblick wurde die innere Tür weit geöffnet, und einige Neugierige blickten herein. Freche, lachende Gesichter erschienen, mit Zigaretten und Pfeifen im Mund und Mützen auf dem Kopf. Man sah Ge-stalten im Schlafrock, völlig aufgeknöpft, in geradezu unan-ständig leichter Bekleidung. Manche hatten Spielkarten in der Hand. Besonders laut lachten sie, als Marmeladow, am Haar gezogen, ausrief, daß ihm das Genuß bereite. Sie kamen sogar ins Zimmer; schließlich hörte man ein unheilverkündendes Kreischen – Amalja Lippewechsel persönlich drängte sich durch die Menge, um Ordnung zu schaffen und die arme Frau zum hundertstenmal durch Schimpfworte und durch den Befehl zu ängstigen, daß morgen schon die Wohnung zu räumen sei. Im Weggehen konnte Raskolnikow noch in die Tasche greifen, wo er soviel Kupferstücke, wie er fand, zu-sammenraffte – alles Geld, das er in der Schenke auf seinen Rubel herausbekommen hatte –; er legte es unbemerkt auf das Fensterbrett. Als er schon auf der Treppe war, reute es ihn, und er wollte nochmals zurückgehen.
Was soll dieser Unsinn! dachte er. Sie haben ja Sonja, und ich könnte das Geld selbst nötig brauchen. Doch da er fand, daß es unmöglich sei, es zurückzunehmen, ja, daß er es auf keinen Fall zurückgenommen hätte, machte er eine gering-schätzige Handbewegung und ging nach Hause. Sonja braucht Pomaden, dachte er weiter, während er die Straße entlang-