bitten, den Bruder in Ruhe zu lassen und nicht anzusprechen, und als riefe er sie zu sich.
Dunja folgte ihm. Leise ging sie an Raskolnikow vorbei und kam auf Swidrigailow zu.
»Gehen wir rasch weiter«, flüsterte Swidrigailow. »Ich möchte nicht, daß Rodion Romanytsch uns beisammen sieht. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich hier in der Nähe mit ihm in einem Wirtshaus gesessen habe, wo er mich selbst aufgesucht hatte, und daß ich ihn nur mit Mühe loswerden konnte. Er hat irgendwie von dem Brief erfahren, den ich Ihnen geschrieben habe, und steckt voller Mißtrauen. Sie ha-ben es ihm natürlich nicht verraten? Aber wenn nicht Sie es waren, wer war es dann?«
»Jetzt sind wir um die Ecke«, unterbrach ihn Dunja. »Mein Bruder kann uns nicht mehr sehen. Weiter gehe ich nicht mit Ihnen. Erklären Sie mir hier, was Sie mir zu sagen haben; Sie können das ohne weiteres auf der Straße tun.«
»Erstens kann ich das keinesfalls auf der Straße tun; zwei-tens müssen Sie auch Sofja Semjonowna anhören; und drit-tens möchte ich Ihnen einige dokumentarische Unterlagen zei-gen ... Freilich, wenn Sie es ablehnen, zu mir zu kommen, verzichte ich auf alle Aufklärungen und lasse Sie sofort al-lein. Aber ich bitte Sie, nicht zu vergessen, daß das höchst interessante Geheimnis Ihres geliebten Bruders völlig in mei-nen Händen ruht.«
Dunja blieb unschlüssig stehen und musterte Swidrigailow mit einem durchdringenden Blick.
»Was fürchten Sie denn?« bemerkte dieser ruhig. »In der Stadt ist es doch etwas ganz anderes als auf dem Lande. Zu-dem haben Sie mir auf dem Lande mehr geschadet als ich Ihnen, und hier ...«
»Ist Sofja Semjonowna verständigt?«
»Nein, ich habe ihr kein Wort gesagt und bin nicht einmal ganz sicher, ob sie jetzt zu Hause ist. Übrigens wird sie wahr-scheinlich doch dasein. Sie hat heute ihre Stiefmutter begra-ben, und an einem solchen Tag macht man keine Besuche. Vorläufig will ich übrigens niemanden in diese Sache einwei-hen, und ich bereue schon, daß ich Ihnen etwas davon gesagt