Zwischenfalles wieder völlig zu sich. Der Kutscher eines Wagens versetzte ihm einen heftigen Peitschenhieb auf den Rücken, weil Raskolnikow beinahe unter die Pferde gelaufen wäre, obgleich ihn der Kutscher drei- oder viermal angerufen hatte. Der Peitschenschlag erbitterte Raskolnikow derart, daß er zum Brückengeländer zurücksprang – weiß Gott, warum er mitten auf der Brücke, auf der Fahrbahn, gegangen war – und zornig knirschend die Zähne zusammenbiß. Ringsum er-hob sich natürlich Gelächter.

»Recht geschieht ihm!«

»So ein Spitzbube!«

»Das kennt man schon: er stellt sich betrunken und läuft absichtlich unter die Räder; und unsereins trägt dann die Verantwortung.«

»Das ist ein regelrechtes Gewerbe, lieber Herr, ein regel-rechtes Gewerbe ...«

Doch in dem Augenblick, da er am Geländer stand, noch immer in sinnloser Wut dem weiterfahrenden Wagen nach-blickte und sich den Rücken rieb, fühlte Raskolnikow plötz-lich, daß ihm jemand Geld in die Hand drückte. Er sah auf: eine ältere Kaufmannsfrau mit Haube und Ziegenlederschu-hen stand vor ihm und neben ihr ein Mädchen, wahrscheinlich die Tochter, mit Hut und grünem Sonnenschirm. »Nimm das, mein Lieber, in Christi Namen.« Er nahm das Geld, und die beiden Frauen gingen weiter. Es war ein Zwanzigkopeken-stück. Seiner Kleidung und seinem Aussehen nach konnte man Raskolnikow leicht für einen richtigen Bettler halten, der auf der Straße um Almosen bat; dieses Zwanzigkopeken-stück verdankte er offenbar dem Peitschenhieb, der das Mit-leid der Frau erweckt hatte.

Er hielt das Geldstück fest in der Hand, ging noch etwa zehn Schritt weiter, drehte sich dann zur Newa um und schaute zum Winterpalais hin. Am Himmel war nicht die kleinste Wolke zu sehen, und das Wasser war fast blau, was bei der Newa so selten der Fall ist. Die Kuppel der Kathedrale, die sich von keinem anderen Punkt als von hier aus, von der Brücke, etwa zwanzig Schritt vor dem Wächterhäuschen, schö-ner ausnimmt, glänzte nur so, und in der klaren Luft ließen

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