ohne sich zu schonen, und dafür hatte man ihn geachtet, aber geliebt hatte ihn keiner. Er war sehr arm und von einem seltsamen, anmaßenden Stolz und ungesellig; es schien, als hätte er irgendein Geheimnis zu bewahren. Manche seiner Kameraden hatten den Eindruck, als blickte er auf die an-deren herab wie auf Kinder, als wäre er ihnen allen an Ent-wicklung, an Kenntnissen und Überzeugungen voraus und als hielte er ihre Oberzeugungen und Interessen für kindisch. Rasumichin war er etwas nähergekommen, das heißt, er hatte sich nicht geradezu mit ihm angefreundet, aber er hatte sich ihm gegenüber gesprächiger und offener gegeben. Übrigens wäre es unmöglich gewesen, zu Rasumichin ein anderes Verhältnis zu haben. Er war ein ungemein freund-licher, geselliger Bursche, gut bis zur Einfalt. Doch verbargen sich hinter seiner Schlichtheit Tiefe und Würde. Die besten seiner Kameraden erkannten das; alle liebten ihn. Er war sehr klug, obgleich er manchmal wirklich ein wenig simpel sein konnte. Er hatte ein eindrucksvolles Äußeres – er war groß, mager, immer schlecht rasiert und schwarzhaarig. Manchmal brach er Streit vom Zaun, und er stand in dem Ruf, bären-stark zu sein. Einmal streckte er nachts, in fröhlicher Kum-panei, mit einem einzigen Schlag einen Aufseher nieder, der zwölf Werschok groß war. Trinken konnte er ohne Aufhören, doch konnte er auch völlig aufs Trinken verzichten; manch-mal trieb er Unfug, der geradezu ans Unerlaubte grenzte, doch konnte er auch ganz ohne Unfug leben. Rasumichin war noch dadurch bemerkenswert, daß ihn kein Mißerfolg je in Verwirrung brachte und daß ihn auch die schlimmsten Ver-hältnisse, wie es schien, nicht niederzubeugen vermochten. Er wäre imstande gewesen, auch auf einem Dachboden zu hausen und höllischen Hunger und ungewöhnliche Kälte zu ertra-gen. Er war sehr arm und ganz auf sich gestellt; seinen Un-terhalt verdiente er sich mit den verschiedensten Arbeiten. Er kannte eine Unzahl von Erwerbsquellen, aus denen er schöpfen konnte, natürlich nur durch Arbeit. Einmal heizte er einen ganzen Winter lang sein Zimmer überhaupt nicht und erklärte, das sei sogar angenehmer, weil man bei Kälte besser schlafe. Jetzt war er gezwungen gewesen, sein Studium

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