(L. Müller) eingeführt. Mit sechzehn Jahren kam Fjodor nach Petersburg auf die Ingenieurschule der Militärakademie, die er jedoch ohne große Begeisterung absolvierte – was ihn beschäf-tigte, war die Literatur. So quittierte er 1844 – er war inzwischen zum technischen Zeichner mit dem Rang eines Oberleutnants avanciert – seinen Dienst, um sich ganz seinen literarischen Interessen widmen zu können.
1846 erschien Dostojewskijs erster Roman, Arme Leute, der ihm einen überwältigenden Erfolg bescherte. Mit dem literari-schen Ruhm entstanden auch neue Beziehungen zu den Literaten Petersburgs: Stellvertretend seien hier der Dichter N. A. Ne-krassow und v. a. der revolutionär-demokratische Literaturkri-tiker V. G. Belinskij genannt, der den Erstling des jungen Autors mit Begeisterung begrüßte. Unter dem Einfluß Belinskijs, aber auch durch seinen Freundeskreis geriet der junge Autor in für ihn äußerst folgenreiche Berührung mit den »neuen Ideen«, die damals unter Intellektuellen diskutiert wurden. Man war allge-mein unzufrieden mit den gesellschaftlich-politischen Verhält-nissen im Lande und verfolgte mit besonderem Interesse die Entwicklung in Europa, setzte sich begeistert mit den philoso-phischen Entwürfen für eine neue Gesellschaftsordnung ausein-ander, d. h. mit den Schriften der Frühsozialisten, insbesondere Saint-Simon und Fourier, erhitzte sich in Diskussionen über die Religionskritik eines Ludwig Feuerbach und David Friedrich Strauß. Wichtig für den jungen Dostojewskij waren in diesem Zusammenhang die Brüder Beketow, an die er sich enger an-schloß, ja mit denen er im Winter 1846/47 sogar in einer Art Kommune nach dem Vorbild der Fourierschen »Assoziation« lebte. Rückblickend erklärte er seine Begeisterung für die Ideen des »utopischen Sozialismus« mit ihrer Nähe zur christlichen Ethik (»Es ist wirklich wahr, daß der zu keimen beginnende So-zialismus damals sogar von manchen seiner Führer mit dem Christentum verglichen und nur für eine der Zeit und Zivilisation entsprechende Verbesserung und Vervollkommnung dessel-ben gehalten wurde« – Aus dem Tagebuch eines Schriftstellers, 1873). Seit 1847 besuchte Dostojewskij auch die »Freitagsgesprä-che« bei Petraschewskij, trat sogar in engere Beziehungen zu deren radikalem Flügel. Bei einem Treffen im April 1849 verlas er
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