geben; und das wäre ihnen recht schwergefallen und hätte ihnen leid getan! Auch von ihrem Gewissen wären sie ge-kitzelt worden, und sie hätten sich gesagt: Wie können wir plötzlich einen Menschen zum Teufel jagen, der bis jetzt so großzügig und recht zartfühlend war? ... Hm! da habe ich mich verrechnet!

Und Pjotr Petrowitsch knirschte noch einmal mit den Zäh-nen und nannte sich einen Dummkopf – nur ganz im stillen, versteht sich.

Als er zu dieser Schlußfolgerung gelangt war, betrat er seine Wohnung doppelt so zornig und gereizt, wie er sie verlassen hatte. Die Vorbereitungen für Katerina Iwanow-nas Leichenschmaus hatten seine Neugier geweckt und lenk-ten ihn ein wenig ab. Er hatte schon gestern einiges über diesen Leichenschmaus erfahren; ihm war sogar, als hätte man auch ihn dazu eingeladen; doch über seinen eigenen Sorgen hatte er alles andere vergessen. Eilig begab er sich zu Frau Lippewechsel, die in Abwesenheit Katerina Iwanownas – diese war auf dem Friedhof – den Tisch deckte, erkundigte sich bei ihr und erfuhr, daß es bei dem Leichenschmaus recht festlich zugehen werde, daß fast alle Wohnungsgenossen ein-geladen seien, darunter auch solche, die der Verstorbene gar nicht gekannt habe, daß zu den Gästen sogar Andrej Semjonowitsch Lebesjatnikow zähle, obwohl er sich damals mit Katerina Iwanowna gestritten habe, und daß schließlich er selbst, Pjotr Petrowitsch, nicht nur eingeladen sei, sondern sogar mit großer Ungeduld erwartet werde, da er doch unter allen Mietern beinahe der angesehenste Gast sei. Amalja Iwa-nowna selbst war, ungeachtet aller früheren Meinungsver-schiedenheiten, ebenfalls unter großen Ehrenbezeigungen ein-geladen worden, und darum rackerte sie sich jetzt mit der Wirtschaft ab, was ihr beinahe Genuß bereitete. Obendrein hatte sie sich mit lauter neuen Sachen herausgeputzt, war in Samt und Seide, wenn sie auch Trauerkleider trug, und sie war nicht wenig stolz darauf. Alle diese Tatsachen und Mitteilungen brachten Pjotr Petrowitsch auf neue Gedanken, und er ging in sein Zimmer, das heißt in das Zimmer An-drej Semjonowitsch Lebesjatnikows, und war einigermaßen

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