»Nehmen wir nur zum Beispiel die Geschichte mit diesem Beamten!« fiel Rasumichin ein. »Nun, warst du gestern in seiner Wohnung nicht verrückt? Sein letztes Geld gab er der Witwe für das Begräbnis! Nun, wenn du helfen wolltest, hät-test du fünfzehn Rubel, ja zwanzig hergeben können, so daß dir wenigstens noch drei Silberrubel geblieben wären; aber du hast ihr alle fünfundzwanzig geschenkt!«

»Vielleicht habe ich irgendeinen Schatz gefunden, und du weißt es bloß nicht, und ich war deshalb gestern so freigebig ... Herr Sametow weiß, daß ich einen Schatz gefunden habe! ... Verzeihen Sie bitte«, wandte er sich mit zitternden Lippen an Porfirij, »daß wir Sie mit so läppischem Gezeter schon eine halbe Stunde behelligen. Wir sind Ihnen sicher schon lästig, nicht wahr?«

»Aber bitte, bitte, im Gegenteil. Ganz im Gegenteil! Wenn Sie wüßten, wie sehr Sie mich interessieren! Es ist fesselnd für mich, Sie anzusehen und Ihnen zuzuhören ... Ich muß ge-stehen, ich freue mich sehr, daß Sie sich endlich herbemüht haben ...«

»So setze uns doch wenigstens Tee vor; die Kehle ist mir schon ganz trocken!« rief Rasumichin.

»Ein vortrefflicher Einfall! Vielleicht wollen alle mit-halten? Aber möchtest du nicht vor dem Tee ...etwas Kräftigeres?«

»Mach schon, daß du wegkommst!«

Porfirij Petrowitsch verließ das Zimmer und bestellte Tee.

Die Gedanken jagten sich in Raskolnikows Kopf wie ein Wirbelsturm. Er war aufs äußerste gereizt.

Das Schönste ist, daß sie mit ihrem Wissen nicht im ge-ringsten hinter dem Berge halten und gar keine Umstände mehr machen! Weshalb hast du denn, wenn du mich über-haupt nicht kennst, mit Nikodim Fomitsch über mich ge-sprochen? Offenbar wollen sie gar nicht mehr verhehlen, daß sie hinter mir her sind wie eine Meute Hunde! Und so spuk-ken sie mir ganz offen ins Gesicht! Er zitterte vor Wut. Schlagt mich doch gleich nieder, aber spielt nicht mit mir Katze und Maus! Das ist nicht eben höflich, mein lieber Porfirij Petrowitsch, und vielleicht bin ich noch immer imstande, es

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