mich gemeint ... Das war meine Bitte um Verzeihung, Sonja ...«
Er wollte lächeln, aber es blieb bei einem schwachen, ohn-mächtigen Versuch. Er neigte den Kopf und bedeckte das Gesicht mit den Händen.
Und plötzlich zuckte ihm das seltsame, unerwartete Ge-fühl eines brennenden Hasses gegen Sonja durchs Herz. Als ob er selbst über dieses Gefühl staunte und sich davor ängstigte, hob er plötzlich den Kopf und sah sie unverwandt an; aber er begegnete ihrem Blick, der in qualvoller Sorge auf ihn gerichtet war; in diesem Blick lag Liebe; und sein Haß verschwand wie ein Spuk. Es war kein Haß gewesen; er hatte das eine Gefühl für das andere gehalten. Er hatte nur gespürt, daß der Augenblick gekommen war.
Wieder bedeckte er das Gesicht mit den Händen und neigte den Kopf. Plötzlich wurde er blaß, erhob sich von seinem Stuhl, sah Sonja an und setzte sich mechanisch, ohne ein Wort zu sprechen, auf ihr Bett.
Diese Minute erinnerte ihn in grauenvoller Weise an jenen Augenblick, da er hinter der Alten gestanden, sein Beil schon aus der Schlinge gezogen und gefühlt hatte, er dürfe »keine Sekunde mehr verlieren«.
»Was haben Sie?« fragte Sonja in tödlicher Verzagtheit.
Er brachte kein Wort über die Lippen. Er hatte sich seine Erklärung ganz, ganz anders vorgestellt, und er verstand selbst nicht, was jetzt mit ihm geschah. Leise trat sie zu ihm, setzte sich neben ihn auf das Bett und wartete, ohne den Blick von ihm zu wenden. Ihr Herz klopfte unregelmäßig. Es wurde unerträglich; er hatte ihr sein totenblasses Ge-sicht zugewandt; seine Lippen verzerrten sich ohnmächtig in dem Bemühen zu sprechen. Entsetzen griff Sonja ans Herz.
»Was haben Sie?« wiederholte sie, während sie ein wenig von ihm fortrückte.
»Nichts, Sonja. Erschrick nicht ... Es ist Unsinn! Allerdings, wenn man es richtig bedenkt ...« murmelte er mit der Miene eines Menschen, der nicht bei Sinnen ist und im Fieber redet. »Warum bin ich nur gekommen, dich zu peinigen?« fügte er
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