»Ein wunderlicher Kerl«, meinte der Arbeiter.
»Die meisten sind heutzutage wunderlich«, erwiderte die Frau.
»Man hätte ihn doch zur Polizei führen sollen«, fügte der Kleinbürger hinzu.
»Weshalb die Scherereien!« fand der zweite Hausknecht. »Ein richtiger Strolch! Erst fordert er einen selber heraus, natürlich, wie es immer ist; wenn man sich aber darauf ein-läßt, kommt man aus der Geschichte nicht mehr heraus ... Das kennt man schon!«
Soll ich also hingehen oder nicht? dachte Raskolnikow. Er blieb mitten auf einer Kreuzung stehen und blickte sich rings um, als erwartete er von jemandem das entscheidende Wort. Aber von niemandem und von nirgends hörte er eine Ant-wort; alles war öde und tot wie die Steine, auf denen er schritt, tot für ihn, für ihn allein ... Plötzlich unterschied er in etwa zweihundert Schritt Entfernung am Ende der Straße in dem immer dichter werdenden Dunkel einen Men-schenauflauf, hörte lautes Sprechen und Rufen ... Mitten un-ter den Leuten stand eine Equipage ... ein Licht blitzte auf. Was ist das? Raskolnikow wandte sich nach rechts und ging auf die Menge zu. Er klammerte sich gewissermaßen an alles und lachte kalt, als ihm das klar wurde; denn er war schon fest entschlossen, zur Polizei zu gehen, und wußte genau, daß alles gleich zu Ende sein werde.
Mitten auf der Straße stand ein eleganter herrschaftlicher Wagen, mit einem Paar feuriger Grauschimmel bespannt; der Wagen war leer, und der Kutscher, der vom Bock gestiegen war, stand daneben; Leute hielten die Pferde am Zaum. Ringsum drängten sich eine Menge Menschen, allen voran Polizisten. Einer von ihnen hatte eine Laterne angezündet, hielt sie in der Hand und beleuchtete damit, indem er sich bückte, etwas, das neben den Rädern auf dem Pflaster lag. Alle redeten, schrien und jammerten durcheinander; der Kutscher
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