halb im Fieber, noch einmal in die schon leere Wohnung, um sich das Klingeln der Glocke in Erinnerung zu rufen und um die Kälte im Rückenmark wieder zu fühlen; danach ver-langte ihn ... Nun ja, nehmen wir an, damals sei er krank gewesen – aber da ist noch etwas: er hat zwar gemordet, hält sich jedoch für einen Ehrenmann; er verachtet die Men-schen; er geht als blasser Engel umher – nein, geliebter Rodion Romanytsch, was hätte irgendein Nikolka damit zu schaffen; nein, Nikolka ist nicht der Täter!«

Diese letzten Worte kamen nach all dem, was Porfirij vor-her gesagt und das ganz so ausgesehen hatte, als nähme er seinen Verdacht zurück, allzu unerwartet. Raskolnikow er-zitterte am ganzen Körper, als hätte man ihn durchbohrt.

»Also ... wer ist dann ... der Mörder?« fragte er keuchend; er konnte sich nicht mehr beherrschen. Porfirij Petrowitsch taumelte geradezu auf die Stuhllehne zurück, als hätte er diese Frage nicht im entferntesten erwartet und als wäre er über sie erstaunt.

»Wer der Mörder ist?« fragte er zurück und schien seinen Ohren nicht zu trauen. »Aber der Mörder sind doch Sie, Ro-dion Romanytsch! Sie sind der Mörder, mein Herr ...« wiederholte er fast flüsternd in völlig überzeugtem Ton.

Raskolnikow sprang vom Diwan auf, blieb einige Sekunden stehen und setzte sich dann wieder, ohne ein Wort zu spre-chen. Kleine Zuckungen überliefen sein ganzes Gesicht.

»Schon wieder zittert Ihre Lippe ... wie das letztemal«, murmelte Porfirij Petrowitsch geradezu mit einer Art Anteil-nahme. »Mir kommt es so vor, Rodion Romanytsch, als ob Sie mich nicht recht verstanden hätten«, fügte er dann nach kurzem Schweigen hinzu, »und als ob Sie deshalb so erstaunt wären. Ich bin doch gerade deshalb zu Ihnen gekommen, um Ihnen das alles zu sagen, damit wir mit offenen Karten spielen!«

»Ich habe nicht gemordet«, flüsterte Raskolnikow; er ge-bärdete sich genauso wie ein verschrecktes kleines Kind, das man bei irgendeinem Unfug ertappt hat.

»Doch, Sie waren es, Rodion Romanytsch, Sie waren es und niemand sonst«, flüsterte Porfirij streng und überzeugt.

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