Sie verstummten. Rasumichin war mehr als entzückt. Ras-kolnikow spürte das, und es erfüllte ihn mit Abscheu. Auch was Rasumichin soeben von Porfirij gesagt hatte, beunruhigte ihn.
Auch dem muß ich etwas vorjammern, dachte er. Alle Farbe wich aus seinem Gesicht, und sein Herz klopfte. Und noch dazu muß es möglichst natürlich klingen. Am natürlichsten wirkte es freilich, wenn ich überhaupt nicht jammerte, wenn ich mich gewaltsam dazu zwänge! Nein, gewaltsam wäre wie-derum nicht natürlich ... Nun, mögen die Dinge sich ent-wickeln ... wir werden ja sehen ... jetzt gleich ... ob es gut ist oder nicht, daß ich hingehe. Der Schmetterling fliegt von selber ins Licht. Ich habe Herzklopfen, und das ist nicht gut! . . .
»Hier, in dem grauen Haus wohnt er«, sagte Rasumichin.
Das Wichtigste ist, ob Porfirij weiß, daß ich gestern in der Wohnung der alten Hexe war ... und nach dem Blut gefragt habe. Das muß ich sofort herausbekommen; beim ersten Schritt, sowie ich sein Zimmer betrete, muß ich es ihm am Gesicht ablesen; sonst ... Und wenn ich zugrunde gehe, her-ausbekommen muß ich es!
»Weißt du was?« wandte er sich plötzlich mit einem ver-schlagenen Lächeln an Rasumichin. »Mir ist aufgefallen, mein Lieber, daß du seit heute vormittag ungewöhnlich aufgeregt bist. Habe ich recht?«
»Wieso aufgeregt? Von Aufregung kann überhaupt keine Rede sein«, erwiderte Rasumichin heftig.
»Nein, lieber Freund, man merkt es deutlich. Vorhin hast du auf deinem Stuhl gesessen, wie du es sonst nie tust, irgend-wie auf dem Rande und ganz zappelig, und alle Augenblicke bist du ohne ersichtlichen Grund aufgesprungen. Bald warst du zornig, und bald zogst du die süßeste Fratze von der Welt. Du bist sogar rot geworden; besonders als sie dich zum Essen einluden; da wurdest du ganz entsetzlich rot.«
»Ach was! Das ist glatt gelogen! ... Warum erzählst du das?«
»Weil du dich wie ein Schuljunge aufführst! Ach, zum Teu-fel, da ist er schon wieder rot geworden!«