Betracht zieht, die ich, wie ich mir schmeichle, zum Teil erkannt habe, mein Herr. Natürlich konnte ich nicht einmal damals damit rechnen, daß mein Plan in Erfüllung gehen würde; denn das geschieht selten, daß ein Mensch aufsteht und einem alle seine Geheimnisse ins Gesicht schleudert. Es kommt zwar vor, zumal wenn man jemanden um seine letzte Geduld bringt, aber das ist außerordentlich selten. Ich konnte nicht damit rechnen. Nein, dachte ich, du brauchst nur einen kleinen Fin-gerzeig! Wäre es auch nur der allerkleinste Anhaltspunkt, nur ein einziger, aber ein Hinweis, den man mit Händen greifen könnte, etwas Reales, nicht ewig diese Psychologie Denn wenn ein Mensch schuldig ist, dachte ich, dann kann man natürlich in jedem Falle irgend etwas Positives von ihm erwarten; es ist sogar erlaubt, mit den überraschendsten Er-gebnissen zu rechnen. Ich rechnete damals mit Ihrem Charak-ter, mein Herr, vor allem mit Ihrem Charakter. Ich setzte große Hoffnungen in Sie!«
»Aber ... aber warum sagen Sie mir das jetzt alles?« murmelte Raskolnikow schließlich, ohne recht zu wissen, was er da eigentlich sagte. Wovon redet er bloß? dachte er ver-wirrt. Hält er mich denn wirklich für unschuldig?
»Warum ich das sage? Ich bin doch gekommen, um Ihnen eine Erklärung zu geben, was ich sozusagen für meine heilige Pflicht halte. Ich will Ihnen ganz genau darlegen, wie alles war, die ganze Geschichte meiner damaligen Verblendung, wenn ich so sagen darf. Ich habe Ihnen viel Kummer gemacht, Rodion Romanytsch; aber ich bin kein Unmensch. Ich verstehe ja, wie einem Menschen zumute sein muß, der all das mit sich herumschleppt, einem bedrückten Menschen, der aber stolz, herrisch und ungeduldig ist, vor allem ungeduldig! Ich halte Sie auf jeden Fall für einen überaus edlen Menschen, der sogar Ansätze zur Großmut hat, obgleich ich nicht mit allen Ihren Überzeugungen übereinstimme, was Ihnen im voraus und in aller Offenheit zu erklären ich für meine Pflicht halte; denn vor allem liegt mir daran, Sie nicht zu täuschen. Als ich Sie kennenlernte, fühlte ich mich Ihnen verbunden. Sie lachen vielleicht über diese Worte? Das sei Ihnen unbenommen, mein Herr. Ich weiß, daß Sie mich schon auf den ersten Blick ver-