kummervollen Weg das Geleit gegeben! In diesem Augen-blick fühlte und erkannte Raskolnikow ein für allemal, daß Sonja von jetzt an für immer bei ihm sein und ihm selbst bis ans Ende der Welt folgen werde, wohin sein Schicksal ihn auch verschlagen mochte. Sein Herz drehte sich um ... aber da hatte er schon das verhängnisvolle Gebäude erreicht.

Ziemlich gefaßt betrat er den Hof. Er mußte ins dritte Stockwerk hinauf. Vorläufig gehe ich nur die Treppe hinauf, dachte er. Überhaupt schien ihm, als wäre es noch weit bis zu jenem verhängnisvollen Augenblick, als bliebe ihm noch viel Zeit bis dahin, so daß er noch vieles überlegen konnte.

Wieder der gleiche Schmutz, die gleichen Abfälle auf der Wendeltreppe, wieder die weit geöffneten Wohnungstüren, wieder dieselben Küchen, aus denen Dunst und Gestank her-ausdrangen. Raskolnikow war seit damals nicht mehr hier gewesen. Seine Beine waren wie taub und knickten ein, doch sie liefen weiter. Er blieb einen Moment stehen, um Atem zu schöpfen und sich zurechtzumachen, damit er wie ein Mensch eintrete. Aber wozu? Weshalb? dachte er plötzlich, als er sich seines Tuns bewußt wurde. Wenn ich diesen Kelch schon trin-ken muß, ist dann nicht alles andere gleichgültig? Je abscheu-licher ich aussehe, desto besser ist es! In seiner Phantasie tauchte für einen Augenblick die Gestalt Ilja Petrowitschs auf, des Leutnants »Schießpulver« ... Soll ich denn wirklich zu ihm gehen? Kann es nicht ein anderer sein? Soll ich mich am Ende an Nikodim Fomitsch wenden? Wenn ich umkehrte und zu dem Inspektor in die Wohnung ginge? Wenigstens verliefe dann alles in einer mehr privaten Atmosphäre ... Nein, nein! Zu Schießpulver, zu Schießpulver! Wenn ich den Kelch schon leeren muß, dann lieber gleich und auf einmal ...

Von Kälteschauern gepackt und kaum bei klaren Sinnen, öffnete er die Tür zum Revier. Diesmal waren nur sehr wenige Leute hier; ein Hausknecht stand da, ferner ein Mann aus dem einfachen Volk. Der wachhabende Polizist schaute nicht einmal aus seinem Verschlag heraus. Raskolnikow ging in das nächste Zimmer. Vielleicht läßt es sich doch noch ver-meiden, zuckte es ihm durch den Kopf. In dem zweiten Zimmer war ein Schreiber in Zivil, der vor einem Pult stand,

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