meinem Herzen ... Und über alle wird er zu Gericht sitzen und wird ihnen vergeben, den Guten wie den Bösen, den Weisen und den Demütigen ... Und wenn er dann mit allen fertig ist, dann wird er auch zu uns sprechen ,Tretet vor', wird er sagen, ,tretet auch ihr vor! Kommt, ihr Trunken-bolde, kommt, ihr Schwachen, kommt, ihr Elenden!' Und dann werden wir alle vortreten, ohne Scham, und vor ihm stehen. Und er wird sagen: ,Ihr seid Schweine! Ihr seid Eben-bilder des Tieres, und ihr tragt sein Zeichen; aber kommt auch ihr!' Und da werden die Weisen, da werden die Ver-nünftigen rufen: ,O Herr! Warum nimmst du auch diese auf?' Und er wird sagen: ,Ich nehme sie auf, ihr Weisen, ich nehme sie auf, ihr Vernünftigen, weil sich kein einziger von ihnen jemals dessen für würdig erachtet hat ...' Und dann streckt er uns die Hände entgegen, und wir fallen zu Boden ... Wir brechen in Tränen aus ... und verstehen alles! Dann ver-stehen wir alles! ... und alle verstehen uns ... auch Katerina Iwanowna; auch sie versteht mich dann ... O Herr, dein Reich komme!«
Er ließ sich auf die Bank sinken, ermattet und erschöpft, und blickte niemanden an, als hätte er, in tiefe Gedanken versunken, seine Umgebung vergessen. Die Worte, die er gesprochen hatte, machten Eindruck; für einen Augenblick herrschte Schweigen, bald aber erklangen wieder das frühere Lachen und die alten Spottreden.
»So ein Schwätzer!«
»Was der da zusammenfaselt!«
»Ein Beamter!«
Und so weiter und so weiter.
»Wir wollen gehen, mein Herr«, sagte Marmeladow plötz-lich zu Raskolnikow und hob den Kopf. »Bringen Sie mich heim ... ich wohne in Kosels Haus, im Hof. Es ist Zeit ... ich muß zu Katerina Iwanowna.«
Raskolnikow hatte schon längst gehen wollen; er hatte bereits selbst daran gedacht, den anderen zu begleiten. Mar-meladow war, wie sich herausstellte, weit schwächer auf den Beinen als im Reden und stützte sich fest auf den jungen Mann. Sie hatten ungefähr zwei- bis dreihundert Schritt zu