weggegangen waren und er begann, sehr vernünftig einige Punkte zu beantworten, so daß ich mich selber wundern mußte – auch später glaubte ich ihm für keine Kopeke! Da sehen Sie, was es heißt, überzeugt zu sein! Nein, dachte ich, keine Rede! Was hat denn Nikolka damit zu tun!«

»Mir hat Rasumichin heute erzählt, daß Sie Nikolaj noch immer beschuldigen und auch ihn selbst, Rasumichin, davon überzeugt haben ...«

Der Atem stockte ihm, und er sprach nicht zu Ende. Er hörte in unaussprechlicher Erregung zu, wie der Mensch, der ihn völlig durchschaut hatte, sich selbst verleugnete. Er fürch-tete sich, ihm zu glauben, und glaubte ihm nicht. Gierig suchte er in den zweideutigen Worten Porfirijs etwas Bestimmtes, etwas Endgültiges zu erhäschen.

»Ach, Herr Rasumichin!« rief Porfirij Petrowitsch, als freute er sich darüber, daß Raskolnikow, der die ganze Zeit geschwiegen hatte, jetzt etwas sagte. »Hehehe! Ich mußte ja Herrn Rasumichin auf diese Art ablenken: ein dritter konnte unser Spiel doch nur stören. Herr Rasumichin, als völlig Außenstehender, kam ganz blaß zu mir gelau-fen ... Nun, Gott mit ihm – warum hätte ich ihn hinein-ziehen sollen! Und was Nikolka betrifft – wollen Sie wissen, was das für ein Subjekt ist, wenigstens so wie ich ihn ver-stehe? Vor allem ist er noch ein Kind, ein Minderjähriger; er ist nicht gerade ein Feigling, aber irgendwie eine Art Künstler. Wirklich, lachen Sie nicht darüber, daß ich ihn mir so erkläre. Er ist arglos und für alle Eindrücke empfäng-lich. Er hat Herz und Phantasie. Er kann singen, er kann tanzen, und es heißt, er könne auch so schön Märchen er-zählen, daß sogar von weither die Leute zusammenkommen, um ihm zuzuhören. Er geht in die Schule, er kann bis zum Umfallen lachen, wenn jemand nur den Finger bewegt, und sich bis zur Sinnlosigkeit besaufen, aber nicht etwa aus Laster, sondern nur so, wenn ihm jemand zu trinken gibt, ganz wie es eben Kinder tun. Er hat doch damals gestohlen und weiß das selber nicht ... ,Wieso habe ich gestohlen, wenn ich es vom Boden aufhob?' Und wissen Sie, er ist doch ein

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